Landschaftsparks in Deutschland, die Weltkulturerbe sind

UNESCO-Weltkulturerbe Muskauer Park (in Sachsen und Polen)

Zum UNESCO-Weltkulturerbe in Deutschland zählen auch Landschaftsparks und große Parkanlagen.

  • Landschaftsparks als Weltkulturerbe sind z. B. das Gartenreich Dessau-Wörlitz oder der Muskauer Park.
  • Große Parkanlagen als Teil eines Weltkulturerbes  sind z. B.  die Parks, die die Schlösser von Potsdam und Berlin umgeben. 

Nicht aufgeführt sind im Folgenden kleine Parks (z. B. der Hofgarten der Würzburger Residenz), Weltnaturerbestätten (z. B. Alte Buchenwälder) oder Kulturlandschaften (z. B. Dresdner Elbtal).

Landschaftsparks als Welterbe

Der sogenannte „englische Landschaftspark“ ist ein gartenarchitektonisches Werk, das natürlich wirken soll – z. B. durch geschwungene Wege und Wasserläufe. Er unterscheidet sich von

  • Naturlandschaften, die von Menschen (weitgehend) unberührt sind (z. B. das UNESCO-Weltnaturerbe Buchenurwälder der Karpaten),
  • Kulturlandschaften, bei denen der Nutzwert der Flächen meist mehr gilt als der ästhetische Wert (z. B. das malerische Welterbe Oberes Mittelrheintal),
  • anderen Werken der Gartenkunst, insbesondere vom Gartentyp des französischen Barockgartens mit regelmäßiger Weg- und Kanalführung, bunten Blumenbeeten etc. (z. B. das UNESCO-Welterbe Schlosspark von Versailles).

Die Übergänge sind fließend, z. B. gehen manche englische Landschaftsparks in Kulturlandschaften über oder grenzen an Barockgärten.

UNESCO-Welterbe Park von Studley Royal, Ripon Blenheim Palace (3)

Vorbild: Landschaftsparks in England

Vorbild für die Landschaftsparks in Deutschland (und anderen Ländern) waren die Parkanlagen in England. Zwei von ihnen zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe:

  • Der „Park von Studley Royal mit den Ruinen von Fountains Abbey“ ist ein frühes Beispiel eines Landschaftsparks. Der Eigentümer John Aislabie, ein gescheiterter Finanzpolitiker, gestaltete ab 1718 ein Tal in Nordengland zu einem Wasserpark um (Link: http://whc.unesco.org/en/list/372).
  • Blenheim Palace, ist ein späteres Beispiel eines englischen Landschaftsparks (umgestaltet ab 1761). Die Pläne lieferte Lancelot „Capability“ Brown (1716-83), einer der der bedeutendsten Gartenarchitekten Englands (Link, siehe Foto unten).
Schloss Luisium 1 Wörlitzer Gartenreich 2 322 Sichtenfächer goldene Urne

Gartenreich Dessau-Wörlitz

Auf Auslandsreisen, u. a.  nach England, sammelten Fürst Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) und sein Freund Friedrich von Erdmannsdorff (1736-1800) Ideen, die sie in Wörlitz umsetzen: Am Südufer der Elbe entstand das riesige Gartenreich Dessau-Wörlitz. Es erstreckt sich zwischen Dessau und Wörlitz auf einer Fläche von 145 km². Schlosspark, Landschaftspark und Kulturlandschaft gehen hier teilweise unmerklich ineinander über. Das Gartenreich besteht aus mehreren Parkanlagen: Oranienbaum, Mosigkau, Georgium, Luisium (siehe Foto oben) und Wörlitz. Der 1769 begonnene Wörlitzer Park ist einer der ältesten Landschaftspark Deutschlands. Das Foto zeigt die goldene Urne im 1,1 km² großen Wörlitzer Park – mit Blick zur Synagoge (links) und zu St. Petri-Kirche. Mehr zum Weltkulturerbe „Gartenreich Dessau-Wörlitz“.

Das neue Schloss im Fürst- Pückler-Park..2H1A1118WI

Muskauer Park (Fürst-Pückler-Park)

Beiderseits der deutsch-polnischen Grenze erstreckt sich der 8,3 km² große Muskauer Park an der Neiße. Er entstand 1815-45 nach den Plänen seines Besitzers, Hermann Fürst Pückler, der zu den bedeutendsten Landschaftsarchitekten des 19. Jahrhunderts zählt. Der Park ist auch bekannt als Fürst-Pückler-Park; es gibt aber noch einen zweiten Fürst-Pückler-Park (siehe unten). Mehr erfahren zum UNESCO-Weltkulturerbe  „Muskauer Park“.

Grabstätte vor Seepyramide Branitzer Park (Sachsen)

Branitzer Park (Fürst-Pückler-Park)

Der Branitzer Park bei Cottbus ist der zweite Fürst-Pückler-Park, denn dorthin zogen 1845 Hermann und Luise Pückler, nachdem sie sich mit dem Muskauer Park finanziell übernommen hatten. In der Seepyramide sind beide bestattet (siehe Foto). Es gibt Planungen zu versuchen, das UNESCO-Welterbe Muskauer Park um den Branitzer Park zu erweitern. Webseite: http://www.pueckler-museum.de/

Schlosspark Wilhelmshöhe 004

Bergpark Wilhelmshöhe

Der rund 2,4 km² große Bergpark bei Kassel reicht von Schloss Wilhelmshöhe im Tal hinauf zum Herkules. Er ist Teil eines Barockgartens (ab 1696), der ab 1785 durch einen Landschaftspark erweitert wurde. Die Pläne liefert Heinrich C. Jussow. Es entstanden zahlreiche Parkbauten, z. B. die Löwenburg (1793-1800). Im Sommer lohnt ein Besuch der Wasserspiele: Über Kaskaden und Wasserfälle fließt Wasser talwärts bis zur Großen Fontäne. Einige Kilometer entfernt liegt der Schlosspark Wilhelmsthal (Landschaftspark ab 1800), der für das UNESCO-Welterbe vorgeschlagen war. Mehr zum Weltkulturerbe  „Bergpark Wilhelmshöhe“.

Landschaftsparks als Teile eines Welterbes

150830 Goethes Gartenhaus Weimar

Parks in und bei Weimar

In Weimar erstreckt sich der 0,48 km² große Park an der Ilm (Ilmpark). Goethe und Herzog Karl August hatten sich vom Wörlitzer Park inspirieren lassen. Ab 1776 gestaltete man das Ilmtal zu einem sentimentalen englischen Landschaftspark um. Das Foto zeigt das Goethehaus im Ilmpark. Mehr zum Weltkulturerbe „Klassisches Weimar“.

Weimar Schlosspark Belvedere Grosse Fontäne 2

Zum Weltkulturerbe „Klassische Weimar“ zählen auch die Parkanlagen von

  • Schloss Belvedere: 0,43 km² großer Landschaftspark, ab 1842 nach Plänen von Hermann Fürst Pückler-Muskau,
  • Schloss Tiefurt: 0,21 km² großer englischer Landschaftspark an einer Illmschleife; 1846-50 nach Plänen des Pückler-Schülers Eduard Petzold.
  • Schloss Ettersburg auf dem Ettersberg. Der Landschaftspark entstand ab 1845 nach Plänen von Fürst Pückler und Petzold.

In den drei folgenden Welterbestätten gibt es Landschaftsparks des preußischen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné (1789-1866). Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Landschaftsarchitekten des 19. Jahrhunderts. Die hier vorgestellten Parks sind nur ein Bruchteil der Parkanlagen, die Lenné schuf oder umgestaltete. Eine ausführliche Liste findet man bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Joseph_Lenn%C3%A9#Werkeliste_(Auswahl))

Park Klein Glienicke (19298536116)

Parks von Potsdam und Berlin

Am hügeligen Ufer der Havel ließen die preußischen Könige Schlösser und Parks anlegen. Neben dem Barockgarten Park Sanssouci gibt es auch  Landschaftsparks, z. B. Klein-Glienicke (Foto). Mehr zum UNESCO-Weltkulturerbe  „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“.

Brühl - Schloss Augustusburg - Schlosspark - Falkenluster Allee 01 ies Falkenluster Allee 2018

Parks von Augustusburg und Falkenlust

Der Park von Schloss Augustusburg ist ein (rekonstruierter) Barockgarten mit bunten Blumenbeeten, Fontänen und Kanälen. Lennés Umgestaltung zu einem Landschaftspark wurde durch Georg Potente 1933-35 teilweise rückgängig gemacht. Die Falkenluster Allee führt durch ein Wäldchen (siehe Foto oben) und dann übers Feld (siehe Foto unten) zum Park von Schloss Falkenlust. Von der Allee hat man einen Blick über die Gemüsefelder zum Ville-Höhenzug mit den zahlreichen Bergseen (renaturierte Braunkohlegruben).

Die Schlossparks von Augustusburg und Falkenlust sind Station der „Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas“ (Webseite: https://www.strasse-der-gartenkunst.de/). „Mehr zum Weltkulturerbe „Schlösser Augustusburg und Falkenlust“.

Roseninsel Ablegestelle Fähre Casino Roseninsel (Starnberger See)

Roseninsel (Starnberger See)

Die 2,5 Hektar kleine Roseninsel liegt im Starnberger See südwestlich von München. Ab 1850 wurde sie nach Plänen  Lennés zu einem Landschaftspark mit Rosengarten und Sommerhaus (Casino) umgestaltet. Auf der Roseninsel haben sich Reste einer prähistorischen Pfahlbausiedlung erhalten. Diese zählen mit 110 anderen Pfahlbaufunden zum UNESCO-Weltkulturerbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen„. Auf der autofreien Roseninsel stolzieren Pfaue umher. Hunde und Fahrräder darf man nicht mitführen. (Webseite: http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/feldafin.htm) Man erreicht die Roseninsel per Fähre (Webseite: http://www.faehre-roseninsel.de/). 

Landschaftsparks in der Stadt: Volksgarten und Volksparks

Der englische Landschaftspark war und ist ein Erfolgskonzept. Vor allem in den Städten sehnen sich die Menschen nach Natur oder zumindest nach etwas Grün, um sich dort zu treffen und zu entspannen. In den Städten entstanden 

  • Volksgärten. Christian Cay Lorenz Hirschfeld, einer der bedeutendsten Gartentheoretiker des 18. Jahrhunderts, unterschied erstmals den Volksgarten als eigenen Gartentyp neben Schloss-, Kloster-, Friedhofs- oder Badgarten. Der Volksgarten sollte ein Landschaftsgarten (ohne Staffagebauten) sein, der der Bevölkerung zur Erholung dient.
  • Volksparks. Gegen die Missstände der Volksgärten (bzw. öffentlichen Gärten), die lediglich den Repräsentationszwecken der Städte dienten, wendet sich u.a. Leberecht Migge (1881-1935) mit einer damals brisanten Forderung: „Das ist erst ein wahrer Volkspark, der seine Wiese nur deshalb so sammetweich ergrünen ließ, damit das Volk geladen sei, darauf zu lagern, darauf zu spielen und zu tanzen, dessen Gewässer zum Baden, der Strand zum Waten geschaffen würde.“ (Die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts, 1913, S. 25). Aus der Sicht eines Schloss- oder Volksgartenwächters lauter Verstöße gegen die Parkordnung!

Die Bezeichnung Volksgarten oder -park sagt wenig aus über die Eigentumsverhältnisse (privater – öffentlicher Park) und die Zugänglichkeit (Privatparks können öffentlich zugänglich sein).

Wedding Schillerpark 1910

Volkspark. Beispiel Schillerpark

Ein Beispiel ist der 0,29 km² große Schillerpark in Berlin. Nach ihm ist die Siedlung Schillerpark benannt, die zum UNESCO-Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“ zählt (die Siedlung grenzt an den Park, dieser zählt nicht zum Welterbe). Die Karte zeigt den Plan von 1910, der im Detail so aber nicht  ausgeführt wurde. Die Siedlung Schillerpark grenzt links oben an (im Bereich des Schriftzugs). Statt Fürsten und Erzbischöfen dient der Schillerpark explizit den Bürgern und Schülern als Freizeitanlage. In Berlin gibt es noch mehr Volksgärten und Volksparks: Z. B. ist der Volkspark Friedrichshain der älteste kommunale Park, den die Stadt Berlin 1845 anlegen ließ. Volksgärten im weitesten Sinne sind auch  Friedhöfe:

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Skogskyrkogården

Seine letzte Ruhe kann man in einer naturfernen Umgebung finden, z. B. in einer Krypta im Kirchenkeller. Oder in einem naturnahen Friedhof wie dem Skogskyrkogården („Waldfriedhof“) im Süden von Stockholm. Er wurde 1917-40 angelegt, die Pläne lieferten die Architekten Gunnar Asplund (1885-1940) und Sigurd Lewerentz (1885-1975). Der 1,08 km² große Friedhof weist einerseits Elemente von Landschaftsgärten auf, die man bei einem Friedhof nicht erwartet, z. B. Gewässer; andererseits ist er von einer Steinmauer umgeben und die Wege sind meistens rechtwinklig. Seit 1994 zählt der Skogskyrkogården zum UNESCO-Weltkulturerbe (Link: http://whc.unesco.org/en/list/558rev). Webseite des Friedhofs: http://skogskyrkogarden.stockholm.se/in-english/

Landschaftsparks weltweit. Beispiel China und USA

Landschaftsparks sind keine Erfindung von Gärtnern und geschassten Politikern in England. Weltweit gibt es Gärten oder Parks, die Natur- oder Kulturlandschaften ähneln. Im Folgenden seien lediglich kurz Landschaftsparks in zwei Länder außerhalb Europas vorgestellt. Sie sind UNESCO-Welterbestätten oder stehen auf der Tentativliste.

2015-09-24-130235 - Suzhou, Garten des bescheidenen Beamten Chengde Mountain Resort 3

Landschaftsgärten in China

Auch in chinesischen Städten gibt es Stadtgärten, die als grüne Oasen Erholung bieten. (Auf die natürlichen und kulturellen Bedingungen, unter denen diese Landschaftsgärten entstanden, sei hier nicht eingegangen.) Zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen die „Klassischen Gärten von Suzhou“ in China. Die ältesten der rund 200 Stadtgärten entstanden um 600 v. Chr. Der Garten des bescheidenen Beamten (angelegt 1509-13; siehe Foto) ist mit 0,05 km² Fläche der größte der fünf Welterbe-Gärten. Der Garten zeigt: Die Nachahmung einer Landschaft muss nicht im Maßstab 1:1 erfolgen; die Architektur nimmt einen größeren Anteil an Fläche und Erscheinungsbild des Gartens ein als in Europa. (Webseite: https://whc.unesco.org/en/list/813)

Rund 100 mal größer ist die Fläche des UNESCO-Welterbes „Kaiserlicher Sommerpalast in Chengde“ (angelegt ab 1709). Mit 5,6 km² Fläche ist er der größte kaiserliche Park in China. Webseite: http://whc.unesco.org/en/list/703)

New York City-Manhattan, Central Park (Gentry)

Central Park

Bekannt ist z. B. der 3,5 km² große Central Park  (1859-73) auf der Halbinsel Manhattan in New York. Er ist ein Werk von Frederick Law Olmsted, der als Vater der amerikanischen Landschaftsarchitektur gilt. Seit 2017 steht der Centralpark auf der Kandidatenliste für das UNESCO-Weltkulturerbe (Webseite: http://whc.unesco.org/en/tentativelists/6234). Auch in Deutschland stehen und standen Landschaftsparks auf der Tentativliste:

Aktuelle Kandidaten für das Welterbe

Schweriner Schloss Aerial View (7788102134)

Residenzensemble Schwerin

Seit 2015 läuft die Kandidatur mit dem Titel „Residenzensemble Schwerin – Kulturlandschaft des romantischen Historismus“. Zu dem Ensemble zählen die Schlossinsel im Schweriner See, der Schlossgarten mit dem Kreuzkanal und der schwimmenden Wiese. Der Schweriner See ist mit 62 km² Fläche der viertgrößte See Deutschlands mit mehreren Inseln (u.a. Kaninchenwerder, Ziegelwerder) sowie der Halbinsel Ramper Moor. Webseite: https://www.schwerin.de/kultur-tourismus/auf-dem-weg-zum-weltkulturerbe/

Ehemalige Kandidaten für das Welterbe

Mehrere bedeutende Landschaftsparks in Deutschland wurden für das UNESCO-Weltkulturerbe vorgeschlagen. Aus verschiedenen Gründen folgte der Nominierung keine Erklärung zum Welterbe.

Schwetzingen-Schloßgarten

Schwetzinger Schlossgarten

Die Kleinstadt Schwetzingen liegt zwischen Rhein und Heidelberg in Baden-Württemberg. Zum Zeitpunkt der zwei Bewerbungen für das UNESCO-Welterbe (2009 und 2012) gab es bereits zahlreiche Barockgärten, die Welterbe waren. Dennoch ist der Schlosspark Schwetzingen sehenswert: Er besteht aus einem Barockgarten (siehe Foto) mit prächtigen Blumen-Parterres und einem englischen Landschaftspark mit zahlreichen Tempeln, Badehaus und einer Moschee. Im Schwetzinger Schloss, der Sommerresidenz pfälzischer Kurfürsten, finden die Schwetzinger Festspiele statt (eine bedeutende Konzertreihe für klassische Musik). Webseite: http://www.schloss-schwetzingen.de/

Canaletto (Bernardo Bellotto): Schloss Nymphenburg und das Große Parterre von Westen

Nymphenburger Schlosspark

Der 2,2 km² große Schlosspark war mit Schloss Nymphenburg Kandidat für das UNESCO-Weltkulturerbe. Der Park entstand ab 1799 nach Plänen von Friedrich Sckell (1750-1823), der zuvor als Hofgärtner den Schlossgarten Schwetzingen gestaltet hatte. Webseite: https://www.schloss-nymphenburg.dee