UNESCO-Welterbe in Island und auf Grönland

Island (Nationalpark Þingvellir)

Diese Seite behandelt das UNESCO-Welterbe in Island sowie das dänische UNESCO-Welterbe auf Grönland. Island war bis 1949 dänisches Staatsgebiet und ist seitdem ein souveräner Staat. Die zwei Nachbarinseln, Grönland und die Färöerinseln, sind bis heute Staatsgebiet von Dänemark, haben aber jeweils Autonomiestatus. (Zum UNESCO-Welterbe in Dänemark siehe Link.)

UNESCO-Welterbe auf Island. Überblick

Das UNESCO-Welterbe in Island umfasst drei Welterbestätten (Stand 2021):

  • Zum UNESCO-Weltkulturerbe in Island zählt eine Stätte.
  • Zum UNESCO-Weltnaturerbe in Island zählen zwei Stätten.

Es gibt kein immaterielles Kulturerbe in Island.

Das Weltdokumentenerbe in Island zählt ein Dokument, das sich Island mit Dänemark teilt.

UNESCO-Weltkulturerbe in Island

Nationalpark Þingvellir (UNESCO-Welterbe in Island), aerial panorama
Þingvellir National Park (UNESCO-Welterbe in Island)

Nationalpark Þingvellir

Im Südwesten Islands liegt der Nationalpark Thingvellir. Von 930 bis 1798 fand jährlich unter freiem Himmel das Althing statt. Diese Versammung ist das zweitälteste noch bestehende Parlament der Welt – nach dem der Färöerinseln. Webseite: http://www.thingvellir.is/

UNESCO-Weltnaturerbe in Island

Surtsey in 1966 (UNESCO-Welterbe auf Island) Blick auf die Insel Surtsey (UNESCO-Welterbe auf Island)

Insel Surtsey

Surtsey entstand im Jahr 1963 durch mehrere Vulkanausbrüche. Die 1,4 km² kleine Insel dient als Forschungsobjekt: Man untersucht dort, wie Pflanzen und Tiere Neuland besiedeln. Surtsey ist für die Öffentlichkeit dauerhaft nicht zugänglich.

Vatnajökill-Nationalpark: Breidamerkurjoekull (UNESCO-Welterbe auf Island)
Blick auf den Wasserfall Dettifoss im Vatnajökull-Nationalpark  (UNESCO-Welterbe auf Island), Iceland

Vatnajökull-Nationalpark

Der Vatnajökull-Nationalpark im Südosten Islands ist der größte Nationalpark Europas. Benannt ist er nach Europas größtem Gletscher: der 8.100 km² große Vatnajökull-Gletscher. In dem Nationalpark befinden sich Vulkane und der große Wasserfall Dettifoss (bekannt aus der Anfangsszene des Alien-Films Prometheus). Webseite: http://www.vatnajokullnationalpark.is/

UNESCO-Weltdokumentenerbe in Island

Skarðsbók Jónsbókar

Arnamagnäanische Sammlung

In der isländischen Hauptstadt Reykjavík befindet sich ein Teil der Arnamagnäanischen Sammlung. Sie besteht aus rund 3000 wertvollen isländischen Schriften. Die Sammlung ist ein gemeinsames Dokumentenerbe Dänemarks und Islands, da sie bis 1976 in Kopenhagen aufbewahrt wurde. Der Gelehrte Árni Magnússon (1663-1730), nach dem die Sammlung benannt ist, hatte sie dort im Auftrag des dänischen Königs zusammengestellt. Zur Arnamagnäanischen Sammlung zählen  z. B.:

  • die Snorra-Edda (geschrieben um 1220). Sie überschneidet sich inhaltlich z. T. mit der
  • Lieder-Edda (um 1270 zusammengestellte Lied-Sammlung), die u. a. eine Nibelungen-Version enthält (deutsche Übersetzung).
  • Die Landnámabók (Landnahmebuch) ist ein Bericht des 11. Jahrhunderts über die Besiedlung Islands durch Skandinavier zwischen 870 bis 930.

Webseite: http://www.unesco.org/new/en/communication-and-information/memory-of-the-world/register/full-list-of-registered-heritage/registered-heritage-page-1/arnamagnaean-manuscript-collection/

Immaterielles Kulturerbe in Island

Bislang gibt es kein immaterielles Kulturerbe in Island (Stand 2021; siehe Webseite: https://ich.unesco.org/en/lists?text=iceland&inscription=&country=&type=).

UNESCO-Welterbe in Island. Statistik

Anteil des Weltkultur- und Weltnaturerbes am gesamten Welterbe in Island

 Island hat drei Welterbestätten:

    • eine zählt zum Weltkulturerbe. Das entspricht einem deutlich unterdurchschnittlichen Anteil von 33 % am Welterbe in Island (Welt: 77,73 %; Deutschland: 94 %; Vatikan: 100 %; Australien: 20 %).
    • zwei zählen zum Weltnaturerbe. Das sind 67 %, also ein weit überdurchschnittlicher Wert (Welt 18,89 %; Deutschland: 5,9 %; Australien: 60 %).

Es gibt kein gemischtes Welterbe (Weltkultur- und Weltnaturerbe) in Island (Welt: 3,38 %; Deutschland: 0 %; Griechenland: 11 %; Australien: 20 %).

Land

Anteil des Weltkulturerbes am Welterbe in

Anteil des Weltnaturerbes am Welterbe in

Island

33%
66%

Welt

77.73%
18.89%

Deutschland

94%
6%

Dänemark

70%
30%

Einwohner*innen pro UNESCO-Welterbe in Island

Island hat rund 350.000 Einwohner*innen.

    • 0,35 Mio. Personen teilen sich ein Weltkulturerbe (Welt: 8,4 Mio.; Deutschland: 1,73 Mio.; Nigeria: 100 Mio.; Vatikanstadt: 0,000415 Mio.).
    • 0,175 Mio. Personen teilen sich ein Weltnaturerbe (Welt: 34,6 Mio.; Deutschland: 27,7 Mio.; Indien: 193 Mio.).

Island hat – gemessen an der Bevölkerungszahl – eine weit überdurchschnittliche Welterbe-Dichte.

Land

Personen (Mio.) pro Weltkulturerbe

Personen (Mio.) pro Weltnaturerbe

Island

Dänemark
DK

Welt

8,4
34,6

Indien/Nigeria

Nigeria: 100
Indien: 193 (aus Darstellungsgründen Balkenlänge bei 100 geschnitten)

Fläche pro UNESCO-Welterbe in Island

Bei einer Staatsfläche von 103.000 km²  kommen auf ein Welterbe in Island 34.333 km² (Welt: 117.598 km²; Deutschland: 7.002 km²; Russland: 700.000 km²; Vatikan: 0,22 km²). Es kommen auf:

    • ein Weltkulturerbe in Island 103.000 km² (Welt: 151.282 km²; Deutschland: 7.440 km²; Russland: 900.000 km²; Vatikan: 0,22 km²)
    • ein Weltnaturerbe in Island 51.500 km² (Welt: 622.477 km²; Deutschland: 119.040 km²; Russland: 1.554.386 km²; Schweiz: 10.319 km²)

Island hat eine deutlich überdurchschnittliche Welterbedichte in Bezug auf die Staatsfläche.

Land

Fläche pro Weltkulturerbe

Fläche pro Weltnaturerbe

Island

103.000 km²
51.500 km²

Welt

151.282 km²
622.477 km²

Deutschland

119.040 km²

Russland

900.000 km²
1.554.386 km² (Balken aus Darstellungsgründen bei 1. Mio. geschnitten)

Datengrundlage:

UNESCO-Welterbe in Grönland

Kirche von Hvalsey/Hvalsey Church 2014 (UNESCO-Welterbe in Dänemark (Grönland)

Das UNESCO-Welterbe auf Grönland umfasst ein Weltnaturerbe und zwei Weltkulturerbestätten. Außerdem gibt es auf Grönland ein UNESCO-Biosphärenreservat.

  • Ilulissat-Eisfjord (UNESCO-Weltnaturerbe)
  • Kujataa auf Grönland: eine nordische und Inuit-Agrarlandschaft am Rand der Eisdecke (UNESCO-Weltkulturerbe)
  • Aasivissuit – Nipisat. Jagdgründe der Inuit zwischen Eis und Meer (UNESCO-Weltkulturerbe)
  • Nordost-Grönland-Nationalpark (UNESCO-Biosphärenreservat)

A village of small houses only
Greenland Ilulissat.jpg
Ilulissat-Eisfjord auf Grönland. Urheber: NASA. Gemeinfrei, Link

Ilulissat-Eisfjord (Grönland)

Der Ilulissat-Eisfjord liegt an der Westküste Grönlands bei der drittgrößten Stadt Grönlands, Ilulissat bzw. Jakobshavn (4670 Einw.).

Foto unten: Der Ilulissat-Eisfjord ist die weiße zungenartige Fläche, die sich vom Gletscher Jakobshavn Isbræ (rechts) westwärts in Richtung Meer schiebt. Die Stadt Ilulissat liegt nördlich der Gletscher-Zungenspitze. Die Landmasse in der Bildecke links oben ist ein Teil der Diskoinsel.

Dorset, Norse, and Thule cultures 900-1500 Schulkinder in Upernavik (Westgrönland). Upernavik first day in class 2007-08-14 2

Kujataa auf Grönland: eine nordische und Inuit-Agrarlandschaft am Rand der Eisdecke

Kujataa ist eine Landschaft an der Südspitze Grönlands. Dort lebten die Inuit und ab 985 Erik der Rote und sein Gefolge.

Die Inuit zählen zu den Eskimos. Man kann sie räumlich und zeitlich unterscheiden:

  • Die West-Eskimos (Yupik) leben beiderseits der Beringstraße, also in Alaska (USA) und auf der Tschuktschen-Halbinsel (Russland).
  • Die Ost-Eskimos (Inuit) leben in Kanada und Grönland. Sie leben von der Jagd und der Landwirtschaft.

Zeitlich unterscheidet man zwischen Paläo-Eskimos (Saqqar- und Dorset-Kultur) und Neo-Eskimos. Letztere wanderten ca. 1000. n. Chr. von Alaska ostwärts bis nach Grönland. Sie verdrängten die Paläo-Eskimos oder vermischten sich mit ihnen. Es entstand die Thule-Kultur, deren Nachfahren die heutigen Inuit sind.

Reproduction of brattahlíð viking church Igaliku Ruinen

Grænlendingar waren Skandinavier, die ab 985 bis ins 15. Jh. auf Grönland lebten. Sie gründeten zwei Siedlungen: die Westsiedlung und die Ostsiedlung (die an der Südspitze liegt).

Erik der Rote war von Island verbannt worden und gründete auf Grönland den Weiler Brattahlíð (Steiler Hang), der heute Qassiarsuk heißt und zur Ostsiedlung zählt. Das Foto links zeigt die Rekonstruktion der Kirche von Brattahlíð. Das Original wurde im 10. Jh. errichtet. Zur Ostsiedlung zählen noch zwei weitere Kirchen: Das große Foto oben zeigt die Kirche von Hvalsey. Sie wurde von Eriks Neffen um 1000 erbaut und ist Nordamerikas besterhaltene mittelalterliche Kirche.

Die Kathedrale von Garðar/Garðar Domkirke  (erbaut ab 1126) war die erste Bischofskirche Nordamerikas. Das Bistum existierte bis 1377; seit 1996 ist es ein Titularbistum. Von der Kirche und dem benachbarten Kloster sind nur Grundmauern erhalten.

Überrest eines Grassodenhauses (Qarmaq) abgestützt mit Walknochen; bei Resolute (Kanada), 1997

Aasivissuit – Nipisat. Jagdgründe der Inuit zwischen Eis und Meer

Zwischen Nipisat an der Westküste Grönlands und Aasivissuit im Landesinneren haben sich an sieben Stellen Spuren mehrerer Inuit-Kulturen erhalten:

Auf der ca. 1 km² kleinen Insel Nipisat entdeckte man Überreste der frühen Saqqaq-Kultur (ca. 2400-800 v. Chr.), wohl aus Nordsibirien stammend. Andere Funde erinnern an die Dorset-Kultur (ca. 500 v. – 1000. n. Chr.) sowie die Thule-Kultur (1000-1800). (In der Antike bezeichnete Thule eine Insel im Nordwest-Atlantik; unklar ist welche Insel gemeint war; vielleicht Island.)

Bis heute wird Jagd auf Meeres- und Landtiere gemacht, z. B. auf Wale. Das Foto links zeigt den Überrest eines Grassodenhauses (Quarmaq), abgestützt mit Walknochen. Quarmaqs dienten als Winterquartier und Zelte als Sommerbehausung. Iglus baute man u.a. als Unterkunft bei Jagdausflügen.

Franz-Josef-Fjord mit Gletscherzungen (UNESCO-Biosphärenreservat Nordost-Grönland-Nationalpark). Franz Josef Fjord, gacier tongues

UNESCO-Biosphärenreservat Nordost-Grönland-Nationalpark

Der Nordost-Grönland-Nationalpark nimmt den gesamten Nordosten Grönlands ein. Mit 972.000 km² ist er der größte Nationalpark der Welt. Er ist fast unbewohnt, lediglich rund 30 Forscher*innen oder Militärs wohnen dort, darunter die Einheit der Sirius-Schlittenpatrouille. Webseite: http://www.eastgreenland.com/

Immaterielles Kulturerbe in Grönland

In ganz Dänemark – und somit auch auf Grönland – gibt es kein immaterielles Kulturerbe.

Vielleicht wird in Zukunft die Tradition des  Bootsbaus der Färöer-Inseln immaterielles Kulturerbe (siehe: https://www.faroeislands.fo/the-big-picture/news/traditional-faroese-boat-nominated-to-unesco-list-of-intangible-cultural-heritage/).