UNESCO-Welterbe in Georgien

Kloster Gelati: Blick südwestwärts auf die St.-Georgs-Kirche (links), die Kathedrale des Entschlafens der seligen Jungfrau Maria (Bildmitte) und den Glockenturm (UNESCO-Welterbe in Georgien)

UNESCO-Welterbe in Georgien. Überblick

Das UNESCO-Welterbe in Georgien umfasst vier Welterbestätten (Stand 2022):

  • Zum UNESCO-Weltkulturerbe in Georgien zählen drei Stätten.
  • Das UNESCO-Weltnaturerbe in Georgien besteht aus einer Stätte.
  • Georgen zählt zu den wenigen Ländern mit (teilweise) aberkanntem UNESCO-Welterbe.

Es gibt bislang kein UNESCO-Biosphärenreservat in Georgien, aber zwei Kandidaten.

Zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Georgien zählen fünf Dokumente.

Das immaterielle Welterbe in Georgien umfasst vier Kulturformen.

UNESCO-Weltkulturerbe in Georgien

Blick vom Kreuzklsoter auf dem Jvari-Berg westwärts über den Zusammenfluss von Aragwi und Kura auf Mzcheta. Mtskheta panorama with the Svetitskhoveli cathedral (2013)
Kreuzkloster auf dem Dschwariberg bei Mzcheta (UNESCO-Welterbe in Georgien). Georgia Jvari monastery Swetizchoweli-Kathedrale: Innenraum. Sveti cathedral (UNESCO-Weltkulturerbe in Georgien)

Historische Denkmäler von Mzcheta

Die Gebirgsstadt Mzcheta (7.500 Einw.; 460 m) war von 302 v. Chr. bis 580 n. Chr. Hauptstadt des Königreichs Georgien. Mzcheta liegt im Großen Kaukasus an der Mündung des Aragwi in die Kura. Zum UNESCO-Welterbe zählen drei Denkmäler:

  • Swetizchoweli-Kathedrale (erbaut 1010-29) diente als Krönungsstätte und Grablege der georgischen Könige. Seit 1787 ist die Kirche von einer Mauer mit acht Türmen umgeben. 
  • Das Kreuzkloster wurde 586-605 auf dem Dschwariberg (656 m) an der Stelle einer Vorgängerkirche erbaut. Es ist auch als Dschwari-/Jvari-Kloster bekannt. Das Foto oben ist vom Kloster mit Blick westwärts aufgenommen.
  • Im Samtavro-Kloster (erbaut 4. Jh., Erweiterung 11. Jh.) befindet sich das Grab des Mönchs Gabriel (1929-95), der 2012 heilig gesprochen wurde. Webseite: https://www.monkgabriel.ge/de/index.htm

Gelati monastery - green and red murals to dome

Georgia Khakhuli triptych

Kloster Gelati

Das Kloster Gelati liegt nordöstlich der Stadt Kutaissi (148.000 Einw.). Es war ein bedeutendes geistiges und kulturelles Zentrum Georgiens:

  • Die Klosterkirche (später Kathedrale) diente als Grablege georgischer Könige, u. a. König Dawid IV, der Erbauer (1973-1125). Er befreite Georgien von den Seldschuken und gründete im Kloster die Akademie von Gelati, an der bedeutende Philsophen unterrichteten.
  • In den Klosterwerkstätten entstanden Meisterwerke der Goldschmiedekunst, z. B. das Khakhuli Triptychon (12 Jh.). Es wurde 1859 gestohlen, der kostbaren Edelsteine und Medaillons (8.-12. Jh.) beraubt und 1923 schwer beschädigt zurückgegeben.

Im Kloster befinden sich außerdem Reste der schmiedeisernen Tore von Ganja (der einstigen Hauptstadt Aserbeidschans). Sie sind Zeugnis eines der schwersten Erdbeben der Menschheitsgeschichte (Erdbeben von Ganja am 30 09.1139, bis zu 300.000 Tote). König Demitrius eroberte die heimgesuchte Stadt und brachte einen Torflügel 1139 als Kriegsbeute nach Gelati. 

Turmhäuser in Tschaschaschi, ein Ortsteil des Dorfs Ushguli in Oberswanetien (Kaukasus); UNESCO-Welterbe in Georgien. Ushguli towers in Svaneti, Georgia
Turmhäuser in Mestia (Hauptstadt Swanetiens; Georgien). The town of Mestia. Night Kaukasische Wehrtürme in Erzi (Inguschetien, Russland). Башенный комплекс Эрзи

Oberswanetien

Die Region Oberswanetien liegt in Nord-Georgien im Gebirge des Großen Kaukasus. Zentrum Swanetiens ist Mestia (2.000 Einw.). In Mestia und den Dörfern Swanetiens stehen zahlreiche Wehrtürme. Sie wurden von den einzelnen Familien erbaut, da es in der Region keine Sicherheit bietende Zentralmacht gab. Zum UNESCO-Welterbe zählt das Dorf Uschguli; in der Kernzone liegt allerdings nur eine 1,06 ha kleine Zone im Ortsteil Tschaschaschi. Die drei anderen Ortsteile liegen in der 19,16 ha großen Pufferzone. Der Ort liegt am Zusammenfluss von Schwarzem Fluss und  Inguri. Charakteristisch für die Swanetischen Turmhäuser sind das ein- oder zweigeschossige Wohnstallhaus und der drei- bis fünfstöckige Wehrturm, der sich nach oben verjüngt und ein sehr flaches Satteldach hat.

Im Kaukausus gibt es zahlreiche ähnliche Wehrtürme;  z. B. haben in Erzi (russische Teilrepublik Inguschetien) die Türme ein hohes Pyramidendach und im obersten Geschoss vier Balkone. In Schatili (UNESCO-Welterbe-Kandidat; http://whc.unesco.org/en/tentativelists/5232/) an der georgisch-russischen Grenze stehen wohnturmartige Bauten. 

UNESCO-Weltnaturerbe in Georgien

Kolkheti Nationalpark; Luftbild (Teil des UNESCO-Welterbes Kolchische Regenwälder und Feuchtgebiete). Kolkheti National Park

Kolchische Regenwälder und Feuchtgebiete

Die Kolchischen Tiefebene liegt zwischen dem Großen Kaukasus (im Norden) und dem Kleinen Kaukasus (im Süden). Das Klima ist subtropisch. Die zahlreichen Sümpfe und Lorbeerwälder wurden trockengelegt. Reste haben sich im Nationalpark Kolkheti (808 km²) erhalten. Er besteht aus:

  • einem großen Waldgebiet südlich des Rioni-Flusses und östlich der Hafenstadt Poti (41.000 Einw.), 
  • zwei Feuchtgebieten und zwei Küstenabschnitten nördlich von Poti.

Vier Teilflächen des Nationalparks zählen zum UNESCO-Welterbe (313 km²), das noch drei andere Gebiete weiter südlich umfasst:

  • Mtirala-Nationalpark und Kintrishi-Naturrreservat (östlich der Küstenstadt Batumi),
  • sowie zwei kleine küstennahe Gebiete zwischen Poti und Batumi.

Die Kolchis war in der Antike die Landschaft an der Ostküste des Schwarzen Meeres. Jason und die Argonauten suchten dort das Goldene Flies (Widderfell).

UNESCO-Biosphärenreservate in Georgien

Bislang gibt es noch kein UNESCO-Biosphärenreservat in Georgien, aber seit 2021 zwei Kandidaten, die beide in Kachetien liegen:

  • Waschlowani-Nationalpark,
  • UNESCO-Biosphärenreservat-Projekt „Three Alazani Rivers„.
Waschlowani-Nationalpark (Georgien). ვაშლოვანი, მიჯნისყურე 3

Waschlowani-Nationalpark

Kachetien ist die östlichste Region Georgiens und war von ca. 900-1104 und von 1460-1762 ein unabhängiger Staat („Fürstentum Kachetien“). Dort erstreckt sich bereits der 251 km² große Waschlowani-Nationalpark. Er wurde bereits 1935 gegründet. Webseite: http://apa.gov.ge/en/protected-areas/cattestone/vashlovanis-daculi-teritoriebis-administracia

Blick von Achmeta ostwärts auf das Alasani-Becken; im Hintergrund der Großen Kaukasus. Alazani River
Alawerdi-Kloster (Georgien). Alaverdi Cathedral near Telavi (Georgia)

Projekt "Three Alazani Rivers"

Der Alasani ist ein bedeutender Nebenfluss der Kura. Er fließt nach Südosten; kurz vor der Mündung in den Mingəçevir-Stausee passiert er den Waschlowani-Nationalpark. In der Alasani-Ebene liegt das befestigte Alawerdi-Kloster (Kandidat fü das UNESCO-Welterbe; http://whc.unesco.org/en/tentativelists/5221/). Die Succhow-Stiftung aus Greifwald (Mecklenburg-Vorpommern) unterstützt die Bewerbung des Biosphärenreservats. Infos: https://www.succow-stiftung.de/schutzgebiete-biosphaere/georgien-unesco-nominierung-kacheti

Ehemaliges UNESCO-Welterbe in Georgien

Rekonstruierte Bagrati-Kathedrale (in Kutaissi) im Jahr 2014

Bagrati-Kathedrale und Kloster Gelati

Die Bagrati-Katedrale steht im Norden der Stadt Kutaissi oberhalb des Rioni-Flusses. Die Kirche wurde 1003 vollendet und 1692 durch die Osmanen zerstört. 1994 erklärt die UNESCO die Kirchenruine zusammen mit Kloster Gelati zu einem gemeinsamen Weltkulturerbe. Ab 2008 erfolgte der Wiederaufbau (siehe Foto unten links) – entgegen den Empfehlungen von ICOMOS. Die UNESCO setzte 2012 die Bagrati-Kathedrale auf die Rote Liste und strich sie 2017 aus der Welterbe-Liste (Kloster Gelati bleibt Welterbe).

Vorbild für die Bagrati-Katedrale war wohl die Klosterkirche von Öşk Vank in der Nordost-Türkei (siehe Foto unten rechts). Diese wurde 963-973 im Auftrag der georgischen Herrscherfamilie erbaut und diente vom 19. Jh. bis 1980 als Moschee.

Bagrati-Kathedrale im Jahr 2010 (ehemaliges UNESCO-Welterbe in Georgien). Bagrati cathedral under reconstruction (Photo A. Muhranoff, 2010)
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UNESCO-Weltdokumentenerbe in Georgien

Zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Georgien zählen fünf Dokumente:

Immaterielles Kulturerbe in Georgien

Das immaterielle Kulturerbe in Georgien zählt vier Kulturformen:

UNESCO-Welterbe in Georgien besuchen

Flagge Georgien. Flag of Georgia
Georgien Karte. Physical map of Georgia (en)

Anmerkung zur Flagge Georgiens: Das große Kreuz ist das Georgskreuz (breiter als hoch). In den Ecken befinden sich vier griechische Kreuze (gleiche Höhe und Breite). Möglicherweise geht die Flagge auf König Georg V. den Glänzenden zurück, der 1334 Georgien wiedervereinte. Vorlage war das Jerusalemkreuz (fünf goldene griechische Kreuze), das seit 1099 Gottfried von Bouillon verwendete, nachdem er das Königreich von Jerusalem gegründet hatte. Die fünf Kreuze stehen für die fünf Wunden Jesu, die ihm am Kreuz zugefügt wurden: zwei Fuß- und zwei Handwunden durch die Nägel; eine Seitenwunde durch eine Lanze.

Georgien Karte mit Darstellung der räumlichen Verteilung der Ethien. Caucasus-ethnic de

Kurzinfo Georgien

  • Einwohner*innen: 3,7 Mio.
  • Fläche: 69.700 km²
  • Hauptstadt: Tiflis
  • Großstädte: Tiflis (1.184.000 Einw.), Batumi (204.000),  Kutaissi (148.000), Rustawi (125.000)
  • Nachbarländer: Russland, Aserbaidschan, Armenien, Türkei
  • Höchster Berg: Schchara (5.201 m)
  • Hauptgewässer: Schwarzes Meer (436.400 km²), Parawani (37,5 km²); Kura (1364 km), Alasani (351 km), Rioni (333 km)
  • Schulferien und Feiertage in Georgien

Georgien Anreise

  • Fernbahnhof (Auswahl):
    • Poti, Tiflis; Rustawi (entlang der Strecke Poti – Baku)
    • Batumi
  • Autobahn (Auswahl):
    • S1 und S5 (West-Ost-Achse über Tiflis)
    • S3 („Georgische Heerstraße“; Nord-Süd-Straße nördlich von Tiflis)
    • S 10 („Transkaukasische Fernstraße“; Nord-Süd-Route, führt durch Süd-Ossetien)
  • Flughafen: Tiflis; Kutaissi, Batumi
  • Hafen: Poti, Batumi

UNESCO-Welterbe in der Nähe Georgiens

In der Nähe Georgiens befinden sich mehrere Welterbestätten: