UNESCO-Welterbe in der Ukraine

Glockenturm der Sophienkathedrale in Kiew (UNESCO-Weltkulturerbe in der Ukraine). Дзвіниця собору Святої Софії в Києві, Україна

UNESCO-Welterbe in der Ukraine. Überblick

Das UNESCO-Welterbe in der Ukraine umfasst sieben Welterbestätten (Stand 2022):

  • Zum UNESCO-Weltkulturerbe in der Ukraine zählen sechs Stätten, z. B. die Altstadt von Lemberg.
  • Das UNESCO-Weltnaturerbe in der Ukraine besteht aus einer Stätte.

Das UNESCO-Weltdokumentenerbe in der Ukraine zählt vier Dokumente.

Das immaterielle Welterbe in der Ukraine umfasst zwei Kulturformen.

Das Auswärtige Amt warnt gegenwärtig (März 2022) vor Reisen in die Ukraine (https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/ukraine-node/ukrainesicherheit/201946).

UNESCO-Weltkulturerbe in der Ukraine

Kiewer Höhlenkloster (UNESCO-Welterbe in der Ukraine. Лавра
Sophienkathedrale in Kiew (UNESCO-Welterbe in der Ukraine). St. Sophia's Cathedral - Kiev Erlöserkirche von Berestow, Innenraum mit Fresken (UNESCO-Weltkulturerbe in Kiew). Спас на Берестові P9286157

Kiew: Sophienkathedrale mit Klosterbauten und Höhlenkloster Lawra Petschersk

Das Welterbe in der ukrainischen Hauptstadt Kiew (3 Mio. Einw.) besteht aus zwei Meisterwerken der Ukrainer Barockarchitektur und -malerei:

  • Die ukrainisch-orthodoxe Sophienkathedrale (11. Jh.) in der Kiewer Altstadt wurde nach dem Vorbild der Hagia Sophia in Istanbul errichtet. Sie sollte Kiew als neues Konstantinopel symbolisieren. Nach zwei Zerstörungen wurde sie ab 1699 wiederaufgebaut. Erhalten haben sich kostbare Fresken und Mosaiken.
  • Das ukrainisch-orthodoxe Höhlenkloster Lawra Petschersk erstreckt sich am Westufer des Dnepr im Süden von Kiew. Der heilige Antonius von Kiew gründete 1051 ein Höhlenkloster. Oberhalb der Höhlen steht die prächtige Maria-Himmelfahrt-Kathedrale (11. Jh., Umbau im Ukrainer Barock). Deutsche Truppen sprengten die Kirche 1941. Sie wurde 1998-2000 wiederaufgebaut. Das Kloster gilt als einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der orthodoxen Christenheit und trägt seit 1688 den Ehrentitel „Lawra“.

Im Jahr 2005 erweiterte man das Welterbe um die Erlöserkirche von Berestow (12. Jh.) im Norden des Höhlenklosters. Geplant sind zusätzliche Erweitungen (St. Andreas und St. Kyrll, beide in Kiew; http://whc.unesco.org/en/tentativelists/5423).

Beide Kirchen repräsentieren die zwei Teile der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche:

  • Das Höhlenkloster ist die Residenz des Metropoliten der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats.
  • 2018 spaltete sich die Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchats ab. Sie hat ihre Residenz im St. Michaelskloster gegenüber der Sophienkathedrale in Kiew.
Blick vom Rathausturm nordostwärts über die Altstadt von Lemberg. Lwów - Widok z wieży ratuszowej
The statue of Amphitrite in the Market square of Lviv is one of four that date from 1793.Лвов Галиција Sankt-Georgs-Kathedrale Lemberg; Blick westwärts auf die Ostfassade mit Eingang (UNESCO-Welterbe in Lemberg/Ukraine) - Собор святого Юра вночі

Lwiw (Lemberg) - das Ensemble der Altstadt

Lemberg/Lwiw (717.000 Einw.) ist das Zentrum der Westukraine. Das Welterbe besteht aus zwei Bereichen:

  • Burgberg und Altstadt. 1256 baute Daniel Romanowitsch, der König von Russland, auf einem Berg die Hohe Burg für seinen Sohn Lew. (Davon leiten sich die Stadtnamen „Lemberg“ und „Lwiw“ ab.) Im Tal südwestlich der Burg entwickelte sich ein bedeutendes Handelszentrum mit reichem Kulturleben (älteste Universität der Ukraine (mit Lemberger Mathematikschule); älteste Synagoge der Ukraine). In der Altstadt haben sich Gebäude seit der Renaissance erhalten.
  • Die griechisch-katholische St. Georgs-Kathedrale (westlich der Altstadt) wurde 1744-72 nach Plänen von Bernhard Meretyn erbaut. Sie war bis 2005 Hauptkirche der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche (Teil der römisch-katholischen Kirche, aber mit byzantinischem Ritus). Seit 2011 ist die Auferstehungskathedrale in Kiew die Hauptkirche.

In Lemberg lebten u.a. Polen und Ukrainer*innen jüdischen, katholischen oder orthodoxen Glaubens, z. B. der polnisch-jüdische Science-Fiction-Autor Stanisław Lem („Solaris“, 1912). Webseite: https://www.lemberg-lviv.com/gut-zu-wissen-in-lemberg/touristeninformation-in-lemberg/

Struve Geodetic Arc-zoom-de
Geodätischer Punkt des Struve-Bogens in Stara Nekrassiwka (Welterbe in der Ukraine). Південний пункт Дуга Струве

Struve-Bogen

Jede Verbindung zwischen Nord- und Südpol, die auf der gekrümmten Erdoberfläche verläuft, ist ein Meridianbogen. Der deutsche Astronom Friedrich Wilhelm von Struve führte von 1816 bis 1855 Messungen an einem rund 3.000 km langen Meridianbogen durch. Dieser führt (von Nord nach Süd) durch Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Belarus, Ukraine und Moldau. Von den 265 Messpunkten wurden für das Welterbe 34 ausgewählt, von denen vier in der Ukraine liegen (von Nord nach Süd): Katerynowka (Nr. 213), Felschtyn (Nr. 215), Baranowka (Nr. 218) und der südlichste Messpunkt des Struve-Bogens in Stara Nekrassiwka (Nr. 265)).

Durch die Messungen konnte Struve bestätigen, dass die Erde keine perfekte Kugel, sondern an den Polen abgeflacht ist.

Der Struve-Bogen war der längste Meridianbogen des 19. Jahrhunderts. Z. B. führt durch die Sternwarte Kremsmünster (Welterbekandidat) in Österreich ein „lediglich“ 700 km langer Meridianbogen.

Residenz der orthodoxen Metropoliten der Bukowina und Dalmatiens in Czernowitz (UNESCO-Weltkulturerbe in der Ukraine). Chernivtsi University

Residenz der Metropoliten der Bukowina und Dalmatiens

1867-1874 entstand in der Stadt Czernowitz (250.000 Einw.) die prächtige Residenz mit Priesterseminar. Architekt war der Tscheche Josef Hlávka (1831-1908). In dem Gebäude befindet sich seit 1875 die Theologische Fakultät der Franz-Josephs-Universität (heute: Nationale Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz).

Ein Metropolit ist in der orthodoxen Kirche ein Bischof, dem mehrere Bistümer unterstehen (vgl. Erzbischof in der römisch-katholischen Kirche).

Die Landschaft Bukowina (dt.: Buchenland) liegt beiderseits der ukrainisch-rumänischen Grenze (mit der Hauptstadt Czernowitz). Dalmatien ist eine Landschaft an der kroatischen Adria mit der Hauptstadt Zadar. Beide Gebiete, die räumlich nicht verbunden sind, waren österreichisches Kronland. Webseite: http://www.chnu.cv.ua/ 

Ruinen der Stadtmauern von Chersones (UNESCO-Welterbe in der Ukraine). Sevastopol Chersonesus Fortress Wall

Antike Stadt in der taurischen Chersones und ihre Chora

Das Welterbe besteht aus sechs Gebieten bei der Stadt Sewastopel (510.000 Einw.) auf der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim (26.844 km²; seit 2014 von Russland besetzt).

  • Die Ruinen der Stadt Chersones liegen an einer Bucht im Norden Sewastopols. Die Griechen gründeten im 6. Jh. mehrere Kolonien auf der Krim. Chersones wurde später Teil des Römischen Reichs. Von 838 bis zur Zerstörung 1400 war Chersones Provinzhauptstadt des Byzantinischen Reichs. Erhalten habe sich u. a. Teile der 3,5 km langen Stadtmauer und die Grundmauern der Stadt (u.a. Kirchen, Tempel, Amphitheater).
  • Die fünf anderen Gebieten liegen in der Chora (griech.; „Feld“) der Stadt. Dort befinden sich Ruinen von Gehöften, vier Festungen ein einem Kloster.

Lage und Größe der sechs Gebiete sind diesen Karten verzeichnet (http://whc.unesco.org/document/123803). Infos: http://www.chersonesos.org/?p=index&l=eng

Kirche des Erzengels Michael in Uschok. Links die Holzkirche, rechts der Glockenturm (UNESCO-Weltkulturerbe in der Ukraine). Михайлівська церква (дер.) 1745 р. Ужок 7802-HDR
Kirche des Erzengels Michael: Innenraum (UNESCO-Welterbe in der Ukraine)

Holzkirchen der Karpatenregion in Polen und der Ukraine

Das Welterbe besteht aus 16 Holzkirchen, von denen je acht in Polen und in der Ukraine stehen. Sie wurden zwischen dem 16. und 19. Jh. errichtet; einige für ostkatholische, andere für orthodoxe Gemeinden. Das Foto zeigt die westlichste der ukrainischen Holzkirchen, die Kirche des Erzengels Michael beim Dorf Uschok (780 Einw.). Das Dorf nahe des ukrainisch-polnisch-slowakischen Dreiländerecks wurde 1585 erstmals erwähnt. Die Holzkirche entstand 1745, der blechverkleidete Glockenturm 1927.

Hinweis: Die Holzkirchen in Polen und der Ukraine sind ein eigenes Welterbe, bilden aber eine Ergänzung der acht „Holzkirchen im slowakischen Teil der Karpaten„, die bereits 2008 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurden (https://whc.unesco.org/en/list/1273).

UNESCO-Weltnaturerbe in der Ukraine

Uholsko-Shirokoluzhansky-Massiv des Karpaten-Biosphärenreservats; UNESCO-Weltnaturerbe in der Ukraine (Foto vom Polonyna Krasna-Kamm). Угольсько-Широколужанський массив Карпатського біосферного заповідника (фото із хребта Полонина Красна)

Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas

Das transnationale Welterbe umfasst Buchenwälder in 18 europäischen Ländern (u.a. in Deutschland). In der Ukraine zählen 11 Wälder zum Welterbe. Fünf liegen im UNESCO-Biosphärenreservat Karpaten, darunter das Schutzgebiet Uholka-Schyrokyj Luh. Dort steht mit rund 90 km² Fläche der größte Rotbuchenurwald der Welt. Webseite: http://cbr.nature.org.ua/

UNESCO-Biosphärenreservate in der Ukraine

In der Ukraine gibt es mehrere UNESCO-Biosphärenreservate. Ein Beispiel ist Askanija-Nowa:

UNESCO-Biosphärenreservat Askanija-Nowa. Асканія-Нова (заповідник) - Великий Чапельський під - Вид на заповідний степ з пагорба
Асканія-Нова (заповідник) - Дендрологічний парк - Краєвид

Askanija-Nowa

Das 333 km² große Biosphärenreservat liegt ca. 60 km nördlich der Krim. Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen gründete 1828 dort in der Steppenlandschaft eine Schafzucht-Kolonie, da er in Grimschleben bei Nienburg keinen Platz hatte. Der Name Neu-Askania ist nach Ferdinands Geschlecht der Askanier benannt. Nowa-Askanija ist seit 1921 Naturschutzgebiet (das älteste der Ukraine). Das Biosphärenreservat besteht aus zwei großen Steppengebieten (nördlich und östlich der Siedlung Askanija-Nowa) und dem Dendrologischen Park zwischen beiden. Webseite: http://askania-nova-zapovidnik.gov.ua/

Seit 1989 steht Askanija-Nowa auf der Kandidatenliste für das UNESCO-Weltnaturerbe (http://whc.unesco.org/en/tentativelists/673).

UNESCO-Weltdokumentenerbe in der Ukraine

Immaterielles Kulturerbe in der Ukraine

Das immaterielle Kulturerbe in der Ukraine zählt zwei Kulturformen:

UNESCO-Welterbe der Ukraine besuchen

Flagge Ukraine. Flag of Ukraine
Karte der Ukraine

Aktuelle Infos zur Ukraine

Kurzinfo Ukraine

  • Einwohner*innen: 41.830.000 (ohne Krim)
  • Fläche: 603.600 km² (inkl. Krim)
  • Landeshauptstadt: Kiew
  • Großstädte: Kiew (3,0 Mio. Einw.), Charkiw (1,4 Mio.), Odessa (1,0 Mio.), Dnipro (0,98 Mio.), Donezk (0,9 Mio.), Saporischschja (722.000), Lemberg (721.000), Krywyj Rih (613.000), Mykolajiw (476.000), Sewastopol (464.000)
  • Nachbarländer: Weißrussland, Russland, Rumänien, Republik Moldau, Ungarn, Slowakei, Polen
  • Höchster Berg: Howerla (2.061 m)
  • Hauptgewässer: Schwarzes Meer (436.400 km²), Asowsches Meer (37.600 km²), Krementschuker Stausee (2.252 km²; größter Stausee der Ukraine), Jalpuhsee (149 km²; größter natürlicher See); Donau (2.857 km), Dnepr (2.201 km), Dnister (1.352 km), Desna (1.130 km), Pruth (953 km), Südlicher Bug (857 km)

UNESCO-Welterbe in der Nähe der Ukraine

In der Nähe der Ukraine befinden sich mehrere Welterbestätten: