Montanregion Erzgebirge

Auf der Silberstraße durch das Weltkulturerbe Erzgebirge

Frohnauer Hammer 2010 (1)

Die „Montanregion Erzgebirge“ zählt seit 2019 zum Welterbe in Deutschland. Das Erzgebirge trägt seinen Namen nicht umsonst: Seit Jahrhunderten baut man Silbererze ab, sogar Uran wurde hier gefördert. Deutschland und Tschechien teilen sich das UNESCO-Weltkulturerbe:

  • In Deutschland, ausschließlich im Bundesland Sachsen, liegen 17 Gebiete, die 57 Städte, Landschaften oder Einzeldenkmäler umfassen. Hinzu kommen 18 assoziierte Stätten, von denen einige wiederum unterteilt sind.
  • In Tschechien liegen fünf Bestandteile mit 25 Einzelobjekten und ein assoziiertes Objekt.

Silber, Uran und Berggeschrey

Annaberger-Bergaltar middle section

1168 entdeckte man in Christiansdorf bei Freiberg Silbererze. Die Kunde verbreitete sich wie ein Lauffeuer und lockte zahlreiche Bergleute und Händler an. Das war das erste „Berggeschrey„, ähnlich dem Goldrausch im Wilden Westen.

Drei Jahrhunderte später entdeckte man weiter westlich ebenfalls Silbererz. Wieder strömten Menschen herbei, neue Städte wurden aus dem Boden gestampft: Schneeberg 1471, Annaberg 1492, 1495 Buchholz, 1517 Joachimsthal, Marienberg 1521. Das war das „Große Bergeschrey„. Dass man im Wilden Westen mit Dollar zahlt, ist auf das Große Berggeschrey zurückzuführen: Die in Joachimsthal geprägten Münzen nannte man Taler, wovon sich das Wort „Dollar“ ableitet.

Über 400 Jahre später, nach 1945, brach das Dritte Berggeschrey aus: Man hatte im Erzgebirge Uran entdeckt – und auch im Wilden Westen: u. a. im Weltnaturerbe Grand Canyon.

Erzgebirge

Karte Erzgebirge mit den Naturräumen Westerzgebirge, Mittelerzgebirge und Osterzgebirge

Das Erzgebirge erstreckt sich entlang der deutsch-tschechischen Grenze von Südwesten nach Nordosten. Es ist rund 40 km breit und 130 km lang. Die höchsten Erhebungen sind der Keilberg (Klínovec, 1244 m) in Tschechien und der Fichtelberg (1215 m) in Deutschland.

Für den Bergbau waren die zahlreichen Flüsse eine wichtige Voraussetzung, da die Mühlen mit Wasserkraft angetrieben wurden. Fast alle Flüsse des Erzgebirges ziehen nach Norden: Zwischen der Zwickauer Mulde im Westen und der Freiberger Mulde im Osten, liegen die Flüsse Schwarzwasser, Chemnitz, Zschopau und Flöha. Im Osten münden die Wilde und die Rote Weißeritz in die Elbe bei Dresden. Mithilfe der Flüsse unterteilt man das Erzgebirge in drei Naturräume:

  • Westliches Erzgebirge (Westlich des Schwarzwassers): Schneeberg
  • Mittleres Ergebirge (zwischen Schwarzwasser und Flöha): Der Großteil der Welterbestätten „Montanregion Erzgebirge“ liegt in diesem Bereich: Schwarzenberg, Annaberg-Buchholz, Marienberg. 
  • Östliches Erzgebirge (Östlich der Flöha): Freiberg und Altenberg

Welterbetour entlang der Silberstraße

Das deutsche Welterbe liegt im Umkreis von fünf Städten, die durch die 140 km lange Silberstraße miteinander verbunden  sind. Von West nach Ost passiert man die Städte: Schneeberg, Schwarzenberg, Annaberg-Buchholz, Marienberg und Freiberg. Weiter östlich liegt Altenberg. Webseite: www.silberstrasse.de

Sachsen besitzt übrigens den größten Bestand an Porzellanglockenspielen weltweit – viele erklingen auch an der Silberstraße im Erzgebirge.

Bergbaugebiet Schneeberg

Schneeberg Marktplatz und Rathaus. Marketplace with townhall (aka)

Im Bergbaugebiet Schneeberg (gegründet 1471) wurde Silber und später Uran gefördert. Drei Bestandteile zählen zum Welterbe: die Bergbaulandschaft Hoher Forst, das Blaufarbenwerk Schindlers Werk in Zschorlau (gegründet 1649) und die Montanlandschaft Schneeberg mit zahlreichen Einzelobjekten, darunter die Altstadt Schneeberg. Der dreieckige Marktplatz liegt zwischen der spätgotischen Hallenkirche St. Wolfgang (Weihe 1540) und dem Rathaus (1851-52). Im Sommer (22. Juli) feiert man auf dem Marktplatz den Bergstreittag mit einer Bergparade; im Winter findet ein Weihnachtsmarkt mit großer Weihnachtspyramide statt.

Schneeberg St. Wolfgangskirche Innenraum ; inside 2 (aka)

St. Wolfgang-Kirche Schneeberg

In der großen Hallenkirche befindet sich ein bedeutender Flügelaltar von Lucas Cranach (1539). Vom Turm der spätgotischen Hallenkirche St. Wolfgang (Weihe 1540) hat man einen guten Ausblick auf die Umgebung. 

Siebenschlehener Pochwerk und Silberschmelzhütte St. Georgen (1)

Siebenschlehener Pochwerk und St. Georgen

Zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Schneeberg zählen das Siebenschlehener Pochwerk mit der ältesten Silberschmelzhütte der Welt (St. Georgen). Links das Siebenschlehener Pochwerk, in dem Silber- und Kobalterz zerkleinert wurde. Rechts die Silberschmelzhütte St. Georgen, wo man das zerkleinerte Erz schmolz.

Die WISMUT AG betrieb in Schacht 371 mit einer Gesamtteufe von 1.800 m das tiefste Bergwerk Deutschlands. Hier wurde Uran abgebaut.

Von Schneeberg führt die Silberstraße über das Städtchen Aue, wo die Grenze zwischen Westlichem und Mittlerem Erzgebirge verläuft, nach Schwarzenberg. (Zur Weißerdenzeche St. Andreas in Aue siehe unten.)

Bergbaugebiet Schwarzenberg

Schwarzenberg: Schloss und St. Georgen-Kirche

Die Stadt Schwarzenberg wird überragt von porzellanweißer Architektur: der St. Georgen-Kirche (1690-99) (links) und Schloss Schwarzenberg (12 Jh., Umbau 1555-58). Im Sommer erklingt das historische Porzellanglockenspiel mit 37 Glocken aus Meißner Porzellan. Zum Welterbe zählen zwei Bergbaulandschaften:

Eibenstock (Erzgebirge)

Bergbauregion Eibenstock

Westlich von Schwarzenberg liegt die Kleinstadt Eibenstock mit der größten Talsperre in Sachsen. Neben der Talsperre Eibenstock (1974-87 erbaut) steht das Blaue Wunder: ein ehemaliges Ferienheim, das inzwischen als Hotel dient. In Gipfellage befindet sich das Berghotel auf dem Auersberg (1018 m), auf dem eine von sechs deutschen Flugsicherheitsradaranlagen steht.

Herrenhof Erla (3)

Roter Berg

Roter Berg  (oder Rothenberg, 637,7 m): Ein Bergbaulehrpfad führt über den Berg, an dessen Fuß der Erlhammer steht, ein altes Hammerwerk von 1380. Die Restaurierung des Hammerherrenhauses Erla wurde von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgezeichnet.

Bergbaugebiet Annaberg-Buchholz

St-Annen-am-Berge in Annaberg-Buchholz (Erzgebirge)

Im Städtchen Annaberg (erst 1496 gegründet) war der Mathematiker Adam Riese als Buchhalter im Bergbau tätig (Adam-Ries-Haus). Die Stadt liegt am Pöhlberg (832 m) mit einem 35 m hohen Aussichtsturm. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt der Frohnauer Hammer (Foto ganz oben) in der Bergbaulandschaft Frohnau. An den Uranbergbau erinnern die zwei 20 m und 30 m hohen Terrakonikhalden in der Bergbaulandschaft Buchholz.

St. Annenkirche Annaberg-Buchholz (07)

St. Annenkirche

Sehenswert ist die spätgotische St. Annenkirche (1499-1525). Das Äußere der Kirche lässt kaum erahnen, dass es sich um eine der bedeutendsten Hallenkirchen der Spätgotik handelt. Sehenswert ist das Schlingrippengewölbe (Infos).

Erzgebirgische Aussichtsbahn: Mit Volldampf durch das Erzgebirge

Erzgebirgische Aussichtsbahn

An Sommerwochenden lohnt sich eine Fahrt mit der Erzgebirgischen Aussichtsbahn, die zwischen Schwarzenberg und Annaberg-Buchholz hin und her dampft.  (www.erzgebirgische-aussichtsbahn.de).

Bergbaugebiet Marienberg

Marienberg Zschopauer Straße und St. Marien

Die Altstadt Marienberg (1521 gegründet) besitzt einen schachbrettartigen Stadtgrundriss mit dem Marktplatz in der Mitte, eines der frühesten Beispiele neuzeitlicher Stadtplanung nördlich der Alpen. Zum Welterbe zählen die Saigerhütte Grünthal. Das 1537 gegründete Hüttenwerk ist ein weltweit einzigartiges Zeugnis für die Verhüttung nach dem Saiger-Verfahren, bei dem in Kupfererz enthaltenes Silber mithilfe von Blei herausgelöst wird. Welterbe sind auch die Bergbaulandschaften Lauta und Ehrenfriedersdorf sowie der Röhrgraben. Die Silberstraße führt weiter in das Östliche Erzgebirge nach Freiberg.

Roehrgraben Abzweig. Montanregion Erzgebirge

Röhrgraben

Althammer in der Saigerhütte Grünthal im Erzgebirge (UNESCO-Weltkulturerbe Montanregion Erzgebirge)

Althammer in der Saigerhütte Grünthal

Bergbaugebiet Freiberg

Freiberg: Untermarkt mit Dom St Marien, Stadt- und Bergbaumuseum

Im Bergbaugebiet Freiberg liegen 20 Einzelobjekte, darunter die Altstadt Freiberg. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen:

  • am Untermarkt steht der Freiberger Dom St. Marien (1484-1501), eine der bedeutendsten Kirchen Sachsens. Die Goldene Pforte (1225) gilt als ältestes Figurenportal in Deutschland (Kopien stehen in der Havard University und im Puschkin-Museum in Moskau.) Hans Witten schuf die filigrane Tulpenkanzel (1505-10). Neben dem Dom befindet sich das Stadt- und Bergbaumuseum.
  • Am Obermarkt stehen Rathaus (1420-74), Kaufhaus (1546), Lisskirchnerhaus (1530) und Schönlebenhaus (16 Jh.).
  • In Schloss Freudenstein am Schlossplatz ist mit der „terra mineralia“ eine der größten Mineraliensammlungen der Welt ausgestellt.
  • Nordöstlich der Altstadt befindet sich die TU Bergakademie, die älteste montanwissenschaftliche Universität der Welt (gegründet 1765). Hier entdeckte Clemens Winkler 1886 das Element Germanium.
Freiberger Dom innen
Schloss Freudenstein Freiberg

Welterbestätten im Süden von Freiberg

Zu den 20 Objekten im Bergbaugebiet Freiberg zählen mehrere Gruben-Komplexe. Sie sind durch ein weitverzweigtes Kanalnetz verknüpft. Südlich von Freiberg, in Zug und Brand-Erbisdorf, befinden sich drei Objekte:

Zug (Freiberg), Beschert Glück Fundgrube - Huthaus (01-2)
  • Der Drei-Brüder-Schacht gilt als eines der ältesten Kavernenkraftwerk der Welt (Inbetriebnahme 1914) nach Snoqualmie (USA, 1898) und der Grube Samson im Harz (1912, Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft). Der Schacht gehört zur
  • Beschert Glück Fundgrube (gegründet 1697), deren Huthaus (erbaut 1786) bis heute erhalten ist.
  • Die Alte Mordgrube (1516-1896 Abbau von Silber- und Bleierz) dient heute als Gaststätte. Sehenswert, aber nicht zugänglich, ist die 17 m hohe Wassersäulenmaschine (1. Drittel 19. Jh.).

Welterbestätten im Osten von Freiberg

Östlich von Freiberg fließt die Freiburger Mulde. An ihrem Ufer liegen mehrere Welterbe-Einzelstätten (von Nord nach Süd):

Kahnhebehaus Halsbruecke 2011

Parallel zur Mulde legte man zwei Kunstgräben an:

  • Roter Graben (1614-15). Der 6,5 km lange Kanal führt von den Gruben bei Halsbach zur Erzwäsche in Halsbrücke.
  • Der Erzkanal besteht aus zwei Abschnitten nördlich von Halsbrücke. Bei Großvoigtsheim befinden sich die Überreste zweier Kahnhebewerke (erbaut 1789 bzw. 1791). Sie zählen möglicherweise zu den ältesten Schiffshebewerken der Welt.
Muldenhütte und Viadukt Muldenhütte

An einer Fluss-Schlaufe liegen die Muldenhütten. Sie sind mit über 700 Jahren das älteste Hüttenwerk Deutschlands, das noch in Betrieb ist. Weithin sichtbar sind die 200 m hohen Schornsteine. Über die Mulde führt das denkmalgeschutzte Viadukt Muldenhütte (1860-62).

Auf dem Weg nach Altenberg

Burgruine Frauenstein-kol3

Die Silberstraße führt von Freiberg nordöstlich nach Dresden. Die letzte Station, Altenberg, erreicht man auf mehreren Wegen:

  • über Dippoldiswalde
  • über das Städtchen Frauenstein. (Siehe Foto oben.)
  • entlang der Freiberger Mulde durch den Töpferwald zur Quelle und vorbei am Kahleberg (905 m). Zum Muldenradweg siehe unten.
Dippoldiswalde Stadtkirche bemalte Holzfelderdecke

Dippoldiswalde

Zu den Sehenswürdigkeiten in Dippoldiswalde zählen die Altstadt mit Schloss, gotischer Stadtkirche (datiert 1506; ) und romanischer Nikolaikirche (13. Jh.). Die beeindruckende Kassettendecke im Chor der Stadtkirche schuf Hans Panitz, 1642. Sie zeigt Heilige und deren Attribute.

20060925275MDR Frauenstein Schloß Gottfried-Silbermann-Museum

Frauenstein

Die nach 1470 planmäßig angelegte Kleinstadt Frauenstein gruppiert sich um den großen Markt, in dessen Mitte die Stadtkirche steht. Über der Stadt stehen Burgruine (12 Jh.) und Schloss Frauenstein, in dem das Gottfried-Silbermann-Museum an Sachsens bedeutendsten Orgelbauer erinnert.

Bergbaugebiet Altenberg

Lauenstein Schloss

Im Bergbaugebiet Altenberg liegen drei Bestandteile des Welterbes: Das Silberbergwerk Dippolidswalde, die Montanlandschaft Altenberg-Zinnwald und Verwaltungssitz Lauenstein (bestehend aus Kirche und Schloss; erstmals erwähnt im 13. Jh.)  über den malerischen Ort Lauenstein im Müglitztal.

Assoziierte Stätten: Beispiel Weißerdenzeche St. Andreas

Huthaus Weiße-Erden-Zeche Aue (3)

An der Silberstraße liegt Aue-Bad Schlema. Dort wurde nicht nur Silbererz, sondern auch Kaolin („Weißerde“) gefördert, die Basis für das Meißner Porzellan. Bis 1708 besaß China das Monopol für Porzellan. 1708 gelang es zwei Dresdner Forschern, Johann Böttger und Ehrenfried von Tschirnhaus, erstmals auf europäischem Boden Hartporzellan herzustellen. 1710 entstand die erste Porzellanmanufaktur in Meißen. Der gesamte Meißner Kaloinbedarf wurde fast ausschließlich durch die Zeche St. Andreas gedeckt. Zwischen 1700 und 1855 förderte die Zeche insgesamt rund 8000 Tonnen Weißerde.

Muldenradweg

Freiberger Mulde bei Holzhau

Durch das Erzgebirge führen mehrere Radwege:

  • In West-Ost-Richtung verläuft die D-Route 4 (von Jena über Chemnitz bis Zittau).
  • In Nord-Süd-Richtung verläuft der Mulderadweg (Webseite: www.mulderadweg.de). Er besteht aus drei Abschnitten:
    • der Mulderadweg (Zwickauer Mulde (ZMU)): Er folgt nur der Zwickauer Mulde von der Muldequelle bei Schöneck bis zur Einmündung in die Freiberger Mulde bei Sermuth).
    • der Mulderadweg (Freiberger Mulde (FMU)): Der Radweg führt von der Muldequelle bei Moldau (in Tschechien) bis Sermuth.
    • der Mulderadweg (Vereinigte Mulde): ab Sermuth bis Dessau. Dort warten bereits zwei weitere Welterbestätten:  das Gartenreich Dessau-Wörlitz und das Weltkulturerbe Bauhausstätte Dessau:

Welterbe in der Nähe

Dessau - Bauhaus - geo.hlipp.de - 40762

Das Bauhausgebäude in Dessau ist eine der drei Bauhausstätten in Weimar, Dessau und Bernau. In Dessau gibt es noch eine zweite Welterbestätte: das Gartenreich Dessau-Wörlitz.

Wörlitzer Gartenreich 2 322 Sichtenfächer goldene Urne

Entlang der Elbe erstreckt sich das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen das klassizistische Schloss Wörlitz oder eine Vulkaninsel. Der romantische Landschaftspark liegt am Elberadweg.