UNESCO-Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe

Die Herkulesarbeit von Kassel

UNESCO-Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe bei Kassel: Kaskaden

Der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel ist eine Seltenheit unter den Parkanlagen: Er liegt nicht in der Ebene, sondern zieht sich am Hang des Karlsbergs bis zur Spitze mit dem Herkules. Eine besondere Attraktion sind die Kasseler Wasserspiele, die im Sommer stattfinden.

  • Auf dem Berg befinden sich der Herkules, Stauseen und das Besucherzentrum Herkules.
  • Am Berghang führen die Kaskaden ins Tal, ein Wegnetz verbindet die Parkbauten, z. B. die Löwenburg.
  • Im Tal stehen Schloss Wilhelmshöhe mit der Großen Fontäne sowie das Besucherzentrum Wilhelmshöhe.
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Bergpark Wilhelmshöhe

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Herkules: 51.316099, 9.393209
Schloss Wilhelmshöhe: 51.314949, 9.415997
Bergpark Wilhelmshöhe - Sichelbachbecken Einlauf 2020-08-26

Sichelbachbecken

Auf der Hochebene beim Herkules gibt es mehrere Gewässr: östlich des Besucherzentrums liegen Feuerlöschteich und  Unglücksteich;  westlich das 90 m x 70 m große Sichelbachbecken. Der Staudamm wurde um 1700 angelegt und hat bei einer Tiefe von bis zu 7 Metern ein Fassungsvermögen von rund 40.000 Kubikmetern. Durch Röhren fließt das Wasser in den Löschteich und von dort zu den Kaskaden. Pro Wasserspiel werden rund 2.100 Kubikmeter Wasser abgelassen.

Herkules und Riesenschloss

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Auf der Bergspitze errichtete man ab 1701 das sogenannte „Riesenschloss„. Es handelt sich dabei um ein Oktogon mit einer aufgesetzten Pyramide. Auf deren Spitze steht der  Herkules und schaut ins Tal hinab. Er ist riesenhaft, nämlich 8,25 m groß, kupfergrün und hohl. Das gesamte Bauwerk ist rund 70,5 m hoch.

Während des Jahres sammelt man Wasser in Speicherseen auf dem Berg. Im Sommer lässt man mehrmals im Monat einen Teil des Wassers ab, bis die Speicherseen erschöpft sind.  Seit über 300 Jahren hat sich an dem Beflutungsprinzip nichts geändert. 

Kaskaden im Bergpark

Kassel-Wilhelmshöhe - Vertical Panorama from Herkules' point of view

Von der Bergspitze fließt im Sommer Wasser vom Riesenkopfbecken über Kaskaden talwärts zum Neptunbecken, passiert den Steinhöfer Wasserfall und die Teufelsbrücke, stürzt von einem Aquädukt hinab und endet in der Großen Fontäne bei Schloss Wilhelmshöhe (Video).

Bergpark Wilhelmshöhe - Artischockenbassin 2019-11-25 a

Wasserorgel von Wilhelmshöhe

Am Fuße des Oktogons befinden sich drei Nischen. In der mittleren, der Vexierwassergrotte, verbirgt sich hinter der Figur des Pan die „Wasserorgel von Wilhelmshöhe“ (1705, Andreras Zahn, Johann Wenderoth; erneuert 1778 durch George P. Wilhelm). Wasserkraft treibt die Drehorgel an, die mit 81 Bleipfeifen sechs Melodien spielen kann. Das Original von 1778 ist im Schloss Wilhelmshöhe ausgestellt; eine Kopie erklingt ab 2021 an alter Stelle. Davor liegt das Artischockenbassin.

Kassel - 2017-09-21 - Plutogrotte (01) Teufelsbrücke - Bergpark Wilhelmshöhe - Kassel - 20090520-01

Höllenteich und Plutogrotte

Am Neptunbassin quert die Tannenchaussee die Schneise zwischen Oktogon und Schloss Wilhelmshöhe. Folgt man der Chaussee gegen den Uhrzeigersinn nach Süden gelangt man zur Bushaltestelle Große Kaskaden/Neptunbecken und zur Kaskadenwirtschaft.

Westlich des Bassins steht das achteckige Felseneck (1794, Jussow). Folgt man dem Weg ostwärts, erreicht man das Fontänenreservoir. Östlich davon liegen die Plutogrotte (1766-68, Simon du Ry ; erneut 1820, Johann C. Bromeis) mit den Meeresungeheuern (Johann August Nahl d. Ä.) sowie der Wasserfall an der Teufelsbrücke. (Wasserfall: 1791-93, Jussow; Teufelsbrücke: 1826, Bromeis). Von dort fließt das Wasser in den Höllenteich.

Löwenburg und die Parkbauten

Löwenburg im Berpark Wilhelmshöhe bei Kassel (UNESCO-Weltkulturerbe)

In dem Bergpark befinden sich zahlreiche sehenswerte Parkbauten, z. B. die Ruine der Löwenburg (1793-1800). Sie ist ein frühes Beispiel der Neugotik. Heinrich Jussow plante die Löwenburg als Ruine mit verfallenen Türmen und Gemäuern. Der durch Bombentreffer beschädigte Bergfried wird bis 2022 wiederaufgebaut. Das Foto oben zeigt links die Burgkapelle, im Hintergrund der Treppenturm, an dem sich der Bergfried anschloss.

Nördlich der Löwenburg liegt der Burggarten mit dem Kleeblattbrunnen. Im Süden der Burg befindet sich der Turnierplatz.

Jussow-Tempel im Bergpark Wilhelmshöhe

Dem Architekten der Löwenburg, Heinrich Jussow, ist der „Jussow-Tempel“ (1817-18) gewidmet. In der Nähe standen außerdem eine Moschee und eine kleine Windmühle.

Cestius-Pyramide im Bergpark

Andere Parkbauten sind die Eremitage des Sokrates (um 1775) oder die Cestius-Pyramide (um 1775).

Schloss Wilhelmshöhe

Schloss Wilhelmshöhe im Bergpark Wilhelmshöhe bei Kassel

Am Fuß des Bergparks liegt Schloss Wilhelmshöhe (1786-97). Schloss Wilhelmshöhe besteht aus drei Flügeln:

  • Weißensteinflügel und Kirchflügel sind ein Werk des Architekten Simon Louis de Ry (1726-99).
  • Der Mitteltrakt wurde nach Plänen von Heinrich Christoph Jussow (1754-1825) erbaut.
  • Die gebogenen Zwischenbauten verbinden die drei Flügel. Sie wurden ab 1811 einstöckig erbaut und später aufgestockt.

1807 – 13 residierte Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte als „König Lustik“ in dem Schloss. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss schwer beschädigt. Nur im Weißensteinflügel hat sich die Ausstattung originalgetreu erhalten; dort befindet sich das Schlossmuseum. Im Mitteltrakt sind zwei sehenswerte Sammlungen ausgestellt:

  • die Gemäldegalerie Alte Meister (u. a. mit Werken von Dürer, Rembrandt, Rubens, Tizian),
  • die Antikensammlung (antike Skulpturen und Münzen).

Rembrandt: Der Jakobsegen (1656)

Rembrandt van Rijn - Jacob blessing Ephraim and Manasseh (Gemäldegalerie Alte Meister Kassel)

Tizian: Bildnis eines Feldherrn (um 1550)

Tizian 119

Rubens: Venus, Amor, Bacchus & Ceres (1613)

Peter Paul Rubens - Venus, Cupid, Baccchus and Ceres - WGA20283

Dürer: Bildnis der Elsbeth Tucher (1499)

Albrecht Dürer 073
Schlosswilhelmshöheorangerie1

Großes Gewächshaus

Das Große Gewächshaus (1822, Bromeis) ist ein sehr frühes Beispiel für den Glas-Eisenskelettbau. Seit der Entdeckung Amerikas baute man an europäischen Höfen exotische Früchte an: zunächst Orangen, später Ananas. Für die Überwinterung errichtete man im 18. Jahrhundert gemauerte Orangerien (die mit 175 m längste Orangerie Deutschlands steht im UNESCO-Weltkulturerbe Oranienbaum). Später experimentierte man mit verglasten Holzkonstruktionen. Die Industrialisierung ermöglichte die alleinige Nutzung von Eisen und Glas als Baumaterial.

Kassel Orangerie 2011 01

Rear of Palm House, Kew Gardens

(Orangerie Kassel)

Das nächstgelegene Beispiel eines barocken Gewächshauses ist die 139 m lange Orangerie  in der Kasseler Karlsaue (1703-11, Johann Konrad Giesler). Das Große Gewächshaus nimmt die Form der Orangerie mit Mittel- und Eckpavillons auf, allerdings etwas verkleinert, verglast und ohne barocken Zierrat. 1887 wurde der Mittelbau verändert. Die Ähnlichkeit wird deutlich, wenn man zum Vergleich ein anderes  UNESCO-Welterbe heranzieht:

Die Königlichen Botanischen Gärten von Kew bei London zählen mit ihren alten Gewächshäusern seit 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das älteste dieser Gewächshäuser, das Palm House (Decimus Burton), wurde 1841-49 errichtet, also fast zwei Jahrzehnte nach dem Bau des Großen Gewächshauses in Kassel.

Kassel - 2017-09-21 - Ballhaus (03)

Ballhaus

Nördlich des Schlosses steht das klassizistische Ballhaus. Als Hessen von den Franzosen besetzt war, regiert Napoleons Bruder Jérôme, genannt König Lustig. Er ließ 1809-10 (Architekt: Leo von Klenze) das Hoftheater erbauen. Es wurde 1828-30 zu einem Ballhaus umgebaut.

Bergpark wilhelmshoehe mou-lang pavillon 1

Südlicher Abstecher: Dorf Mulang

Südlich des Schlosses erstreckt sich das chinesische Dörfchen Mul-lang entlang der Mulangstraße. Es wurde ab 1781 durch den Hofgärtner Daniel August Schwarzkopf angelegt. Von den einst 21 Gebäuden haben sich noch 13 erhalten, darunter eine kleine Pagode (1776-82).

Bergpark Wilhelmshöhe - Marstall 2019-11-16 b

Nördlicher Abstecher: Gebäude an der Tulpenallee

Nördlich der stark befahrenen Wilhelmshöher Allee/Tulpenallee stehen mehrere  Gebäude: Der Marstall (erbaut 1791 (Jussow), umgebaut 1822 (Bromeis) ist eine nach Norden hin offene Dreiflügelanlage. Im Osten befindet sich das Schlosshotel Wilhelmshöhe (1827 erbaut; nach Kriegszerstörung Neubau 1955) sowie Alte Wache (1824-26, Bromeis) und Alte Post (1897). Im Westen steht das Kavalierhaus (1780, du Ry; Umbau 1825, Bromeis), im Norden steht die Reithalle (1797), die auch für Konzerte genutzt wird.

Schloss Wilhelmsthal - Wilhelmsthal

Schloss Wilhelmsthal

Die Tulpenallee geht über in die Rasenallee, und diese führt rund 8 Kilometer nordwärts  zu einer zweiten Schlossanlage bei Calden: Schloss Wilhelmsthal, umgeben von einem Landschaftspark. Hier lebte auf Gut Amelgotzen eine der mächtigsten Frauen ihrer Zeit, Amalie von Hanau-Münzenberg (1602-51). Sie nannte das Gut in „Amalienthal“ um.

Wilhelm VIII. ließ dort das Schloss 1743-61 nach Plänen von Francois de Cuvillié und Simon du Ry erbauen. Er gab ihm den Namen „Wilhelmsthal“. Es zählt zu den besterhaltenen Rokokoschlössern Deutschlands. Im Unterschied zur Würzburg oder Augustusburg blieb es von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verschont. Von 1999 bis 2013 stand Schloss Wilhelmsthal zusammen mit dem Bergpark und dem Friedrichsplatz in Kassel auf der Kandidatenliste für das UNESCO-Weltkulturerbe.

Warum ist der Bergpark UNESCO-Weltkulturerbe?

Die UNESCO hat die Pfahlbauten zum Weltkulturerbe erklärt, weil zwei (von zehn) Welterbe-Kriterien erfüllt sind (Übersetzung durch das Auswärtige Amt):

„Kriterium (iii): Die alles überragende Herkulesstatue und die Wasserspiele des Bergparks Wilhelmshöhe sind ein außergewöhnliches Symbol für das Zeitalter des europäischen Absolutismus.

Kriterium (iv): Die Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe sind ein außer-gewöhnliches und einzigartiges Beispiel für monumentale Wasserbaukunst. In Bezug auf Höhe und Größe sind die Kaskaden und künstlichen Wasserfälle einmalig. Die den rund 560 Hektar großen Park weit überragende Herkulesfigur ist sowohl künstlerisch als auch technisch die anspruchsvollste Monumentalstatue der Frühen Neuzeit. Das Ensemble aus Wasserkünsten, eingebettet in monumentale architektonische Strukturen, ist in der Gartenkunst des Barock und der Romantik einzigartig.“ (Quelle: https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2277212/bfe673fde5265c214820d11966f5143a/38–bergpark-wilhelmshoehe-data.pdf)

Bergpark Wilhelmshöhe: Informationen für Besucher*innen

Besucherzentrum Herkules

Kassel Besucherzentrum Herkules

Das Besucherzentrum Herkules liegt auf der Bergspitze beim Herkules. Dort kann man Eintrittskarten kaufen oder sich über den Bergpark informieren.

Adresse: Schlosspark 28, 34131 Kassel

MonatTagUhrzeit
01. April – 31. Oktobertäglich10.00 bis 17.00 Uhr
01. November – 31. MärzDi – So, feiertags10.00 bis 17.00 Uhr

Besucherzentrum Wilhelmshöhe

Bergpark Wilhelmshöhe - Stationsgebäude 2018-06-22 c

Am Fuße des Bergparks befindet sich das Besucherzentrum Wilhelmshöhe, das in einem alten Stationsgebäude (1898) der Straßenbahn untergebracht ist.

Adresse: Wilhelmshöher Alle 380, 34131 Kassel

MonatTagUhrzeit
01. April – 31. OktoberDi – So, feiertags10.00 bis 17.00 Uhr
01. November – 31. MärzFr – So, feiertags10.00 bis 16.00 Uhr

Kontakt

AdresseBergpark Wilhelmshöhe
 Schlosspark 1
 34131 Kassel
E-Mail

besucherdienst[at]museum-kassel.de oder info[at]museum-kassel.de

Telefon+49 (0)561 316 80-0
Fax+49 (0)561 316 80-111

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