Höxter Germany Corvey-Abbey-12

Kloster Corvey leistete einen bedeutenden Beitrag für die Christianisierung des Abendlandes: Von hier aus erfolgten Kirchen- und Klostergründungen in Nord- und Osteuropa.

  • Das karolingische Westwerk ist das besterhaltene seiner Art.
  • Die Civitas Corvey war eine aufstrebende Stadt vor den Klostermauern Corveys.
AdresseKulturkreis Höxter-Corvey gGmbH
 Schloss Corvey
 37671 Höxter
E-Mailempfang@schloss-corvey.de
Telefon+49 (0) 5271 69 40 10
Fax+49 (0) 5271 69 44 00
KML-LogoFullscreen-LogoGeoRSS-Logo
Kloster Corvey

Karte wird geladen - bitte warten...

Karolingisches Westwerk: 51.778176, 9.409820
Civitas Corvey: 51.774848, 9.408245

Höxter

FGS Holzminden Flotte Weser

In der mauerumwehrten Altstadt von Höxter, überragt von den Türmen der St. Kiliani-Kirche, haben sich reich verzierte Fachwerkhäuser erhalten. Etliche sind mit geschnitzten Halbrosetten unter den Fenstern geschmückt, ein schönes Beispiel ist das Adam-und-Eva-Haus.

Höxter Germany Old-townhall-01

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen das Alte Rathaus (Mitte 12. Jh., Erker von 1622-23) oder das ehemalige Minoritenkloster mit der gotischen Marienkirche.

Locator map Corvey

Von der malerischen Altstadt gelangt man auf zwei Wegen nach Corvey: Die Corveyer Allee führt geradewegs auf das Klostertor zu; der Straßenverkehr ist lästig, aber die Bäume bieten Schatten. Südlich davon, entlang der Weser, verläuft der Uferweg. Er lädt zu einem ruhigen Spaziergang in der Sonne ein. Auf dem Weg nach Corvey durchschreitet man – ohne es zu merken – das Gelände der Civitas Corvey.

Civitas Corvey – Stadt Corvey

Map Corvey 1250

Südlich des Klosters wendet sich die Weser in einem scharfen Bogen nach Norden. An dieser Flussbiegung lag einst die „Civitas Corvey“. Zwischen dem Stift Niggenkerken (gegr. 863) im Westen und dem Kloster im Osten entwickelte sich eine Siedlung, die man im 12. Jahrhundert mit Wall und Graben umgab. Die Lage war günstig: Der von West nach Ost verlaufende Hellweg führt hier über die Weser. Die Brücke, die man vor 1255 errichtet hatte, erregte allerdings den Argwohn des benachbarten Höxter. Dort stand schon eine Brücke.

1265 ließen Höxter und der Paderborner Bischof die aufstrebende Stadt überfallen und dem Erdboden gleichmachen. Deren Schicksal erwies sich als Glücksfall für die Archäologie. Denn meist folgt auf die Zerstörung einer Stadt der Wiederaufbau. Hier dagegen, im Boden vor den Klostermauern, ruhen fast unberührt bis in die Gegenwart die Spuren der Civitas Corvey. Sichtbare Spuren sind Teile des Erdwalls, der die Stadt umgab.

Kloster Corvey

Corvey unter den Karolingern - Stachel im Fleisch der Sachsen

Holy Roman Empire 1000 map-de

Karl der Großen, König der Franken, führte ab 772 Krieg gegen die benachbarten Sachsen. 804 war ihr Widerstand gebrochen. Karls nächstes Ziel war die Christianisierung der noch heidnischen Sachsen. Diese Aufgabe sollte ein Kloster übernehmen, das man im besetzten Gebiet errichten wollte. Ein erster Versuch an anderer Stelle schlug fehl. Karls Sohn, Ludwig der Fromme, gab aber nicht auf.

822 unternahmen Benediktinermönche aus dem Kloster Corbie (Frankreich) einen zweiten Anlauf an der heutigen Stelle. Aus „Nova Corbeia“ (Neues Corbie) entwickelte sich im Laufe der Zeit das Wort „Corvey“.

Wechselvolle Geschichte

Corvey war fast 1000 Jahre lang Abtei, knapp zehn Jahre Bischofssitz und ist seit 1820 fürstliches Schloss.

Die Abtei erlebte Phasen der Blüte und des Niedergangs, ablesbar nicht zuletzt an Größe und Qualität der Klosterbibliothek. Erwähnenswert ist die Bestandserweiterung ab 1147 durch Wibald von Stablo (1098 – 1158) und – nach Verlusten im Dreißigjährigen Krieg – durch Maximilian von Horrich (Abt 1714-21).

Eine der Besonderheiten Corveys wurde der Abtei schließlich zum Verhängnis. Den Regeln des Benediktinerordens zum Trotz hatte man nur Adelige aufgenommen. Ende des 18. Jahrhunderts, die Französische Revolution erschütterte den Kontinent, litt Corvey unter Nachwuchsproblemen. Die Äbte planten, das Kloster aufzulösen und ein Bistum zu gründen. Der Plan ging auf. Aber das Bistum, das lediglich zehn Pfarreien umfasste, hielt sich nur von 1794 bis 1803.

Nach mehrfachem Besitzwechsel gelangte Corvey in den Besitz des Landgrafen Viktor-Amadeus von Hessen-Rotenburg (1779 – 1834). Er gründet die fürstliche Bibliothek, die keinen Bezug zur Klosterbibliothek hat. Sein Neffe Viktor beerbte ihn und nannte sich „Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey“. Bis heute ist Schloss Corvey im Familienbesitz.

Kloster Corvey – das Gebäudeensemble

Plan Corvey

Im Westen des alten Klostergeländes liegen die Domäne (der dreiseitig mit Scheunen und Ställen bebaute Wirtschaftshof) und die Vorburg mit Tor (1716) und Remise (1730). Im Osten befinden sich Gärten und der Friedhof. Um 1706 erweiterte man das Gelände im Norden um den Abtsgarten, so dass Abtei und Kirche die neue Mitte des Klosters einnahmen.

Das karolinigische Westwerk

Corvey - 2017-09-23 - Westwerk (08)
Die Mitte des Westwerks bildet der Zentralbau auf quadratischer Grundfläche. An ihnen schließen im Westen zwei Treppentürme und ein Vorbau, im Norden und Süden Emporenräume, im Osten ein Raum, der den Zentralbau mit dem Kirchenschiff verbindet. Von 873 bis 885 baute man das Westwerk an die Kirche, die bereits 844 geweiht worden war. Wibald von Stabo ließ um 1150 den Zentralraumbau kappen und Türme und Westfront erhöhen. Möglicherweise wollte er die St. Kiliani-Kirche in Höxter übertrumpfen. 1596 erhielten die Turmdächer ihre spitze Form. Vom Abriss der Klosterkirche nach 1661 blieb das Westwerk verschont.
Plan abbaye corvey

Der Grundriss zeigt Westwerk (links) und Kirche (rechts) vor dem Abriss 1661. Es handelte sich um eine dreischiffige Basilika mit zwei Querhäusern (im Süden und Norden). Die Seitenschiffe sind durch einen halbrunden Chorumgang verbunden. 

Die Erdgeschosshalle – Säulen

Corvey Westwerk
Durch den Vorbau gelangt man in das Erdgeschoss des Westwerks, von dort geradeaus in die Kirche oder über einen der Treppentürme in die Johanneskapelle im Obergeschoss. In der Mitte des Zentralbaus stehen vier Sandsteinsäulen im Quadrat. Zusammen mit den Pfeilern und Mauern tragen sie neun Kreugratgewölbe. Die Säulenschäfte sind glatt (unkannelliert), tragen aber ein anspruchsvolles Kompositkapitell.

Johanniskapelle

Corvey - 2017-09-23 - Abteikirche, innen (05)

Die Kapelle im Zentralbau reicht über zwei Geschosse und ist von Emporen umgeben. Die große Bogenöffnung der Westempore ist ein Indiz dafür, dass sich dort ein Herrschersitz befand. In den Gewölbeflächen der Westempore haben sich Überreste der Freskenmalerei aus karolingischer Zeit erhalten. So lässt der rötliche Streifen mit goldgelben Akanthusblättern in einer Bogenlaibung die ehemalige Pracht immerhin erahnen.

Die Holzdecke zog man erst 1596 ein.

Corvey - Odysseus + Scylla + Charybdis

Ungewöhnlich ist ein Motiv, das der griechischen Mythologie entstammt und nicht der Bibel: Eine Figur stellt Odysseus dar, der gegen das Meeresungeheuer Skylla, eine Frau mit dem Unterleib von sechs Hunden, kämpft. Eine andere Figur reitet einen Delphin.

Die Kirche St. Veit

Corvey - 2017-09-23 - Abteikirche, innen (01)
Der heilige Vitus 836 ließ die Karolinger aus der Abtei St. Denis bei Paris die Gebeine des Heiligen Vitus nach Corvey überführen, die fortan zahlreiche Pilger*Innen an die Weser lockten. Dann, von 873 bis 885, ließen die Karolinger das monumentale Westwerk errichten. An den Heiligen Veit erinnern die Veitskapelle im Friedgarten und die südliche Statue vor dem Westwerk. Die andere stellt den Heiligen Stephanus dar, beide wurden 1746 angefertigt.
Höxter, Corvey, St. Stephanus und Vitus, die Orgel (1)

Die Abtei

Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges begann der Wiederaufbau des Klosters. Als erstes ließ der Münsteraner Bischof von Galen (1606-78) die alte Kirche abreißen und durch einen Neubau in gotischer Form ersetzen. Von 1699 bis 1706, während der Amtszeit von Abt Florenz von dem Felde (1643-1714), entstanden West- und Nordflügel sowie der Abtsgarten. Bis 1714 kamen der Ost- und der Querflügel hinzu.

Nördlicher Hof

Höxter Germany Corvey-Abbey-09
Die Abtei gruppiert sich mit vier Flügeln um den nördlichen Hof. West- und Ostflügel sind nach Süden verlängert und stoßen an die Kirche mit dem karolingischen Westwerk. Zusammen mit den Querflügel umschließen sie den südlichen Hof, den „Friedgarten“.

Querflügel

Corvey - 2017-09-23 - Geweihgang (01)
Das 1. Obergeschoss nimmt im Süden der Geweihgang, im Norden der zweigeschossige Barocksaal ein. Er diente früher als Speisesaal, heute als Ausstellungsraum. Daneben befand sich die barocke Klosterbibliothek, die 1793 rund 6000 Bücher umfasste.

Die herzoglichen Wohnräume (Westflügel)

Corvey - 2017-09-23 - Grüner Salon (01)

Im Erdgeschoss liegt die ehemalige Klosterküche mit Rauchfang und Brunnen. Der Schelpekanal, der unter der Abtei hindurchfließt, dient als Abwassergraben.
Im ersten Obergeschoss gelangt man vom Orgelgang in die ehemaligen herzoglichen Wohnräume. Sie sind nach der Tapetenfarbe benannt: Auf den Gelben Salon im Süden folgen der Blaue, Grüne und Rote Salon. Die Muster der Papiertapeten imitieren teure Textilbehänge. Die Räume sind ausgestattet mit Parkett, Ofen, Kronleuchter und schlichter Stuckdecke; ausgestellt sind Möbel des Klassizismus und Biedermeier. Charakteristisch für Barockresidenzen ist die Enfilade, d. h. die Türen liegen in einer Flucht.

Der Kaisersaal der Reichsabtei

2015-05 niedersachsen-fahrt 354

Der Kaisersaal, der die gesamte Breite des Westflügels einnimmt, war der repräsentative Empfangs- und Feiersaal der Abtei – erkennbar an den dargestellten Szenen der Deckengemälde: Das große Medaillon zeigt die Hochzeit von Kana, die kleineren stellen biblische Bewirtungsszenen dar. An herausgehobener Position, über den Kaminen, sind Karl der Große und Ludwig der Fromme in voller Größe dargestellt. Die Wandmedaillons sind Kaiser-Porträts. Der Kaisersaal dient bis heute als Veranstaltungsraum und kann für Hochzeiten oder Konzerte gemietet werden.

Seit Kurzem finden im Kaisersaal die Corveyer Sommerkonzerte statt. Unter dem Motto „Die Stars von Morgen“ präsentieren junge Künstler*innen klassische Musik. Informationen und Konzertkarten sind erhältlich bei der Philharmonischen Gesellschaft Ostwestfalen-Lippe (mehr Infos unter Klassik in OWL). 

Fürstliche Bibliothek (Nordflügel)

Höxter Germany Corvey-Abbey-01

Die Fürstliche Bibliothek ist eine der größten privaten Bibliotheken Deutschlands. Sie nimmt im ersten Obergeschoss fast den gesamten Nordflügel ein. In 15 Räumen stehen 200 Buchvitrinen mit rund 74.000 Bänden. Landgraf Viktor Amadeus von Hessen-Rotenburg hat die Sammlung gegründet. Er brachte seine Bücher aus Rotenburg mit, meist Romane und Reiseliteratur. Sein Nachfolger Herzog Viktor I. von Ratibor und Corvey stellte Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar ein, der hier ab 1860 bis zu seinem Tod 1874 lebte. Er vergrößerte die Sammlung durch den Ankauf wertvoller Exemplare und wissenschaftlicher Literatur.

Heinrich von Fallersleben

Höxter Germany Corvey-Abbey-05
Der Texter der Nationalhymne wurde 1798 als August Heinrich Hoffmann in Fallersleben (bei Wolfsburg) geboren. Um sich u. a. vom gleichnamigen Autor des Struwwelpeter zu unterscheiden, nannte er sich ab 1821 „Heinrich von Fallersleben“. Seine Gedichtsammlung mit dem ironischen Titel „Unpolitische Lieder“ (1840) kostete ihn seine Germanistik-Professur in Breslau. Im Exil auf Helgoland verfasste von Fallersleben das „Deutschlandlied“. 1922 erklärt man den Text, gesungen auf die Melodie von Haydns Kaiserquartett, zur Nationalhymne der Weimarer Republik. Nach 1945 behielt man die Melodie bei, singt aber nur noch die dritte Strophe. Seine letzte Ruhestätte hat von Fallerslebens auf dem kleinen Friedhof neben der Kirche gefunden.

Galerie der Äbte (Ostflügel)

Corvey - 2017-09-23 - Galerie der Äbte (02)

Im Ostflügel befinden sich Ausstellungsräume zur Geschichte des Klosters. Sehenswert ist das Modell der Klosteranlage. Die Galerie der Äbte im 1. Obergeschoss ist nach den Porträts benannt, die alle 65 Äbte sowie die zwei Bischöfe darstellen (1714 vollendet). Die Gesichtszüge der ersten 57 Äbte vor Christoph B. von Galen hat der Maler, Tobias Querfurt (1660-1734), frei erfunden.

Abtgarten und Weser-Radweg

Corvey - 2017-09-23 - Mauer (2)

Im Norden und Osten erstreckt sich innerhalb der Klosteranlage ein großes Gartengelände. Im Sommer veranstaltet der Fürst von Corvey, Victor V., das „Gartenfest Corvey“ und öffnet den Gästen seinen Privatgarten. (Infos und Karten unter gartenfestivals.de).

Zwischen der östlichen Klostermauer und der Weser führt eine Allee am Ufer entlang. Es handelt sich dabei um einen Abschnitt des Weser-Radwegs, der auf einer Länge von rund 520 km an der Weser entlang führt. Der Radweg schließt im Süden an den Radfernweg „Romantische Straße“ an. Zusammen bilden sie die D-Route 9

Ähnliche Welterbestätten

UNESCO-Weltkulturerbe der Karolingerzeit