Deutsches Wattenmeer

Weltnaturerbe an der Nordseeküste

Boje 3

Wattenmeere gibt es weltweit, z. B. an den Küsten Afrikas oder Nordamerikas. Das Wattenmeer der Nordsee ist mit ca. 9.000 km² das größte der Welt. Die UNESCO hat es 2009 zum Weltnaturerbe erklärt. Es umfasst Zonen im:

  • niederländischen Wattenmeer (2.482 km²),
  • dänischen Wattenmeer (Nationalpark Vadehavet; 1.466 km²) und
  • deutschen Wattenmeer.

Das Watt

2012-05-13 Nordsee-Luftbilder DSCF8509

Die Besonderheit eines Wattenmeers ist der tägliche Wechsel von Ebbe und Flut. Bei Ebbe liegt ein mehrere Kilometer breiter Sandstrand frei, der von Prielen durchzogen ist. Bei Flut liegt er einige Meter unter Wasser. Dieser Bereich heißt Watt.

Deutsches Wattenmeer

Das Weltnaturerbe Deutsches Wattenmeer besteht aus drei Nationalparks. Sie erstrecken sich entlang der deutschen Nordseeküste. Von Westen nach Norden unterscheidet man südliches, zentrales und nördliches Wattenmeer. Unter Schutz steht nicht nur das Watt, sondern auch die Inseln im Wattenmeer und Abschnitte des Festlands.

Habitate im Wattenmeer

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Dornumersiel1

Der Nationalpark ist 345.800 ha groß. Er umfasst das südliche Wattenmeer, liegt vor der Küste Niedersachsens und verläuft in West-Ost-Richtung. Im Wattenmeer liegen die Ostfriesischen Inseln, von denen Borkum die größte ist. Einige der Inseln sind unbewohnt (Die Westfriesischen Inseln liegen vor der niederländischen Küste.) Zwischen den Inseln und der Küste liegt ein bis zu zehn Kilometer breiter Wattbereich.

Ostfriesische Inseln (Karte)

Borkum liegt im Westen des Nationalparks an der Ems-Mündung. Borkum ist mit 31 km² die größte der ostfriesischen Inseln – allerdings erst seit dem 19. Jahrhundert. Zuvor gab es zwei Inseln, Westland und Ostland. Auf Borkum liegt die Stadt Borkum (5.100 Einw.). Zu den Sehenswürdigkeiten zählen – neben Strand, Dünen und Marschland – die drei Leuchttürme, das Feuerschiff „Borkumriff“, das Heimatmuseum „Dykhus“ und die drei Kirchen. Borkum ist von Emden per Fähre erreichbar.

Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer

Neuwerker Watt

2011 hat die UNESCO die Welterbestätte Wattenmeer erweitert um den Nationalpark Hamburger Wattenmeer. Er liegt im Zentralen Wattenmeer an der Mündung der Elbe in die Nordsee. Der Nationalpark ist 13.750 ha groß und umgibt die Inseln Schärhörn, Nigehörn und Neuwerk. Die Hansestadt Hamburg hat die Insel Neuwerk im Mittelalter gekauft und dort einen Leuchtturm (1300-10) errichtet. Bei Ebbe ist die Insel bequem mit dem Pferdefuhrwerk zu erreichen. Nigehörn ist eine 1989 künstliche angelegte Insel.

Watt Kutschfahrten Sahlenburg

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Nordfries-inseln

Vor der Westküste Schleswig-Holsteins liegt der mit Abstand größte Nationalpark Deutschlands. Er umfasst eine Fläche von 441.500 ha, die sich Nord-Süd-Richtung erstreckt.  Der Nationalpark ist Teil des nördlichen Wattenmeers, zu dem auch das angrenzende Dänische Wattenmeer zählt.

Im Wattenmeer liegen die Nordfriesischen Inseln. Die vier größten – und bekanntesten Inseln – sind Sylt, Föhr, Pellworm und Amrum.

  • Sylt gilt als exklusives Urlaubsziel. Die Dichte von Edelboutiquen oder ausgezeichneten Restaurants ist hoch. Die Insel ist seit 1927 über einen Eisenbahndamm („Hindenburgdamm“) mit dem Festland verbunden. 
  • Föhr liegt geschützt hinter Amrum und Sylt und war ursprünglich mit dem Festland verbunden. Die Insel ist zweigeteilt: Im Süden, auf der höher gelegenen Geest, liegen Siedlungen. Im Norden erstreckt sich Marschland mit einzelnen Gehöften. Von den rund 8.000 Einwohner*innen leben die Hälfte in Wyk auf Föhr. Zu den Sehenswürdigkeiten der Insel zählen u. a. fünf Windmühlen, das Friesenmuseum und das Wattenmeer.
  • Pellworm liegt unterhalb des Meeresspiegels, im Schnitt einen Meter. Rundherum schützt ein Deich die Insel vor dem Untergang. Bis 1634 war Pellworm mit Nordstrand verbunden. Sagenumwoben ist die untergegangene Stadt Rungholt. Sehenswert sind die Alte Kirche (mit Arp-Schnitger-Orgel) und die Nordermühle. Eine Fährverbindung besteht mit Nordstrand.
  • Amrum hat einen der größten Sandstrände Europas. Abseits des Strands erstreckt sich eine abwechslungreiche Landschaft und Wald, Wiesen und Heidekraut. Auf Amrum gibt es fünf Dörfer mit 2300 Einwohner*innen und 12.000 Gästebetten – für über 1.200.000 Übernachtungen pro Jahr. Amrun erreicht man mit der Fähre ab Schlüttsiel oder Dagebüll.

Das Wattenmeer im Wandel

UthlandeRungholt

Die Küstenlinie hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte deutlich verändert. Die Karte zeigte den rekonstruierten Küstenverlauf im Jahr 1362 vor der großen Sturmflut. Im Vergleich zum heutigen Küstenverlauf (Siehe Karten oben.) ist der starke Landverlust erkennbar. Besonders gefährdet ist Sylt. Jährlich gehen etwa 1,1 Millionen m³ Sand verloren. In Zukunft ist aufgrund des Klimawandels mit einem Verlust von bis zu 2,53 Millionen m³ zu rechnen.

Ein Beispiel für eine untergangene Siedlung ist Rungholt. Sie lag auf der Insel Strand, die mehrere Sturmfluten zum Opfer fiel. Ein Rest der Insel ist Pellworm. Wo Rungholt lag, erstreckt sich heute das Wattenmeer. Ursprünglich wuchs dort Wald: Der Ortsname „Rungholt“ leitet sich nämlich ab von „Holt“, was Gehölz oder Wald bedeutet. 

Verändert ist auch der Küstenverlauf der Gebiete Bökingharde und Horsbüllharde (heute: Wiedingharde). Utholm und Everschop waren Teil des Festlands, wurden 1362 zu Inseln und sind zur Zeit wieder Teil des Festlandes.

Das Wattenmeer als Biotop. Beispiel Salzwiesen

Salzwiese bei Gewitter

Charakteristisch für das Wattenmeer sind die Salzwiesen. Sie sind europaweit die größten ihrer Art. Die Pflanzen, z. B. Meersenf oder Salz-Aster, müssen sich an den hohen Salzgehalt sowie an Wind und Wellen anpassen. Oft durchziehen Entwässerungsräben die Wiesen.

UNESCO-Weltkulturerbe in der Nähe

Haeuser in Haithabu

Haithabu und Danewerk

Die alte Wikingersiedlung Haithabu war im frühen Mittelalter ein bedeutender Handelsplatz zwischen Nord- und Ostsee. Das Danewerk war eine dänische Grenzanlage.

Chilehaus Hamburg 1

Speicherstadt und Kontorhausviertel (Hamburg)

Beliebt bei Jung und Alt: Das Miniatur Wunderland Hamburg,  mitten in der Speicherstadt. Auch sehenswert: Das Chilehaus im Kontorhausviertel, Ikone des Expressionismus. 

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