Hamburg Sehenswürdigkeiten (Übersicht & Empfehlung)

Hamburg Sehenswürdigkeiten

Zu Besuch im hohen Norden

Elbphilharmonie, Hamburg

Hamburg Sehenswürdigkeiten. Übersicht


Es ist einfach, in Hamburg Sehenswürdigkeiten für den eigenen Geschmack und Geldbeutel zu finden: Die Metropole Nordeutschlands ist mit bedeutenden Bauwerken, zahlreichen Museen, Theatern und Straßenkunst reich gesegnet. Wer Hamburg besucht, sollte folgende Highlights nicht verpassen:

  • das UNESCO-Weltkulturerbe Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus,
  • den größten Hafen Deutschlands: den Hamburger Hafen,
  • eine der wichtigsten Straßen Hamburgs: Mönckebergstraße, Spitalerstraße (Haupteinkaufsstraßen), Jungfernstieg, Hafenstraße Ballindamm (Uferstraßen),
  • die Alster mit den Alsterschwänen,
  • die Hamburger Streetart,
  • einen der größeren Plätze: Rathausplatz, Burchardplatz, Gerhard-Hauptmann-Platz,
  • eine der Hauptkirchen: St. Jacobi, St. Katharinen, St. Nikolai oder St. Petri. Vom Turm der St. Nikolai-Kirche hat man einen guten Ausblick auf Hamburg.,
  • mehrere Fleete und Brücken (Hamburg ist Brückenhauptstadt Europas!),
  • eines der Museen (je nach Interesse), z. B. das Speicherstadtmuseum,
  • eine der Grünanlagen: Planten un Blomen, Alter Elbpark oder Alsterpark,
  • eine der Erlebnis-Attraktionen: z. B. Miniatur Wunderland Hamburg, ein Musical oder Hamburg Dungeon,
  • eines der zahlreichen Cafés, Kneipen und Restaurants, um die Hamburger Küche zu probieren, z. B. Labskaus, Hamburger Aalsuppe, Scholle Finkenwerder Art oder Franzbrötchen,
  • einen Eindruck von Lebensart und Sprache gewinnen. 

UNESCO-Welterbe in Hamburg

Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten in Hamburg zählen die zwei Welterbestätten:

  • Speicherstadt und Kontorhausviertel mit dem Chilehaus“ sind seit 2015 UNESCO-Weltkulturerbe
  • Das „Hamburgische Wattenmeer“ bei der Insel Neuwerk ist UNESCO-Weltnaturerbe.
Blick von der Poggenmühlbrücke westwärts in den Holländischbrookfleet auf das Wasserschloss in der Speicherstadt (UNESCO-Welterbe in Hamburg)
Hamburg.Skylift.Kontorhausviertel (UNESCO-Weltkulturerbe in Hamburg)

Speicherstadt & Kontorhausviertel

Direkt an der Elbe liegt die Speicherstadt. In einem der alten Backsteinspeicher befinden sich u. a. das MiniaturWunderland Hamburg sowie das Speicherstadtmuseum. Das Foto oben zeigt die Speicherstadt; das Foto links das Kontorhausviertel mit dem zentralen Burchardplatz.

Neuwerk Turmwurt: Staatscheune, Großer Leuchtturm und Schulgebäude (im UNESCO-Welterbe Hamburgisches Wattenmeer)
Neuwerker Watt (Sehenswürdigkeit in Hamburg)

Hamburgisches Wattenmeer

Hamburg besteht aus zwei Gebieten: der Stadt an der Elbe und einem Stück Wattenmeer um die Insel Neuwerk an der Elbemündung. Der Leuchtturm Neuwerk (erbaut 1300-10) ist das älteste Gebäude Hamburgs. Das Hamburgische Wattenmeer zählt – mit dem von Niedersachsen und Schleswig-Holstein zum UNECO-Welterbe Wattenmeer. Reizvoll ist eine Wattwanderung an der frischen Luft. Für einen Stadtbummel ist die Exklave zu weit weg.

Hamburger Hafen

HH vom Wasser 16
Karte Hamburger Hafen nördlich der Norderelbe

Der Hamburger Hafen ist Deutschlands größter Seehafen. Bei der Hammaburg existierte schon im 9. Jahrhundert ein Hafen. Im Hamburg feiert man jährlich am 07. Mai mit einem Volksfest den Hafengeburtstag (Webseite: http://www.hamburg.de/hafengeburtstag/).

Das ganze Jahr über bieten verschiedene Veranstalter Hafenrundfahrten durch das Hafengebiet an. Sie dauern eine bis fünf Stunden. Einige führen auch durch die Kanäle der Speicherstadt. Ausgangspunkt sind meist die St. Pauli-Landungsbrücken (siehe Foto oben). Webseite: http://www.hamburg.de/hafenrundfahrt

Das neue Wahrzeichen Hamburgs, die Elbphilharmonie, ist ein Speichergebäude (Kaispeicher A, 1963), den die Architekten Herzog & de Meuron 2007-16 aufstocken ließen. In dem Gebäude befindet sich der Konzertsaal des NDR- Elbphilharmonie Orchesters und ein Hotel. Webseite: http://www.elbphilharmonie.de/

Ein zweites Konzerthaus ist die Laiszhalle (Symphoniker Hamburg; Webseite: https://www.symphonikerhamburg.de/). In der Staatsoper Hamburg spielt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg (Webseite: http://www.staatsorchester-hamburg.de/).

Sehenswerte Architektur in Hamburg

Da es in Hamburg Sehenswürdigkeiten in große Zahl gibt, kann nur eine sehr kleine Auswahl vorgestellt werden. Wenn man vom Hamburger Hauptbahnhof (im Osten) durch die Innenstadt westwärts geht, gelangt man zu folgenden Sehenswürdigkeiten.

Hamburg Hauptbahnhof
Plenarsaal Hamburgische Bürgerschaft IMG 6403 6404 6405 edit

Rathaus & Hauptbahnhof

Der Hamburger Hauptbahnhof ist Deutschlands meistfrequentierter Bahnhof. Das Bahnhofsgebäude (erbaut 1904-06) befindet sich am Ostrand der Altstadt; in der Nähe liegt das Kontorhausviertel.

Durch die Mönckebergstraße (Fußgängerzone) gelangt man westwärts zum Hamburger Rathaus am Rathausmarkt. Das große Gebäude besitzt eine prächtige Ausstattung. Mehr Infos zum Hamburger Rathaus.

Michel (Hauptkirche Michaeliskirche in Hamburg)
Flussschifferkirche Hamburg im Zollkanal

Kirchen in Hamburg

Zu den bedeutendsten Hamburger Kirchen zählen die fünf Hauptkirchen, die sich alle im Zentrum Hamburgs befinden:

  • die barocke Michaeliskirche, die auf der Zwei-Euro-Münze abgebildet ist;
  • die St. Petrikirche an der Mönckebergstraße ist die älteste Pfarrkirche Hamburgs. Der Kirchturm ist begehbar.
  • Die Jacobikirche steht an der Steinstraße und wurde – wie die anderen Kirchen – im Zweiten Welkrieg schwer beschädigt. Erhalten haben sich ua. vier Altäre und die wertvolle Arp-Schnitger-Orgel, die größte Barockorgel Nordeuropas.
  • Der 147 m hohe Turm der Kirchenruine St. Nikolai war das höchste Gebäude der Welt und dient als Gedenkstätte.
  • Die Katharinenkirche (Turm 13. Jh.) steht am Zollkanal gegenüber der Speicherstadt.

Sehenswert ist auch die Flussschifferkirche im Zollkanal (Mehr Infos zur Kirche und zum Zollkanal).

Wandmalerei am Grünspan, Hamburg 1968 von Werner Nöfer

Streetart

Wer Kunst sehen will, muss nicht unbedingt ins Museum gehen. Auf Schritt und tritt begegnet man auch im öffentlichen Raum Kunstwerken. Das Foto links zeigt ein Wandbild in St. Pauli beim Grünspan (heute: Gruenspan, siehe unten). Bilder unten: links: Gemeindehaus St. Pauli (Antoniestraße 12, Hamburg St. Pauli). Mitte: Das höchste Grafitto der Welt (laut Guinessbuch der Rekorde 1996) befindet sich in Hamburg-Lohbrügge. Rechts: Die großen Wandflächen der zahreichen Hochbunker bieten sich als Malgrund an, z B. der Hochbunker Löwenstraße.

Einen Überblick über einen kleinen Teil der Streetart in Hamburg (und anderen Städten) bietet die Webseite: https://streetartfinder.de/?stadt=hamburg

Graffiti in Hamburg: Gemeindehaus St. Pauli (Antoniestraße 12, Hamburg St. Pauli)

Zeichen der Zeit Hochhaus-Graffiti

Hochbunker Löwenstraße
Flakturm IV (Hamburg-St. Pauli).crop.phb.ajb

Flaktürme

Hamburg ist neben Berlin und Wien eine von drei europäischen Städten mit großen Flaktürmen. Das Foto zeigt den G-Turm (Gefechtsturm) von Flakturm IV am Heiligengeistfeld, das sich am Ostrand der Altstadt erstreckt. Auf dessen vier Türmen war die schwere Flak stationiert; die Balkone sollten leichte Flak aufnehmen. Die Leitung erfolgte durch den (abgerissenen) L-Turm. In Hamburg-Wilhelmsburg (Flakturm VI) wurde der G-Turm zum Energiebunker umgebaut.

Dollhouse, Große Freiheit in St. Pauli, Hamburg

Reeperbahn

Am Millerntorplatz beginnt die Reeperbahn, eine lange Straße, die nach Altona führt. Viele Besucher*innen zweigen aber vorher in eine der Seitenstraßen ab, z. B. am Beatles-Platz in die Große Freiheit. Hier gibt es mehrere Nachtclubs, z. B. der Indra-Musikclub, wo die Beatles ihre Weltkarriere starteten. Weitere (ehemalige) Clubs sind der legendäre Star-Club (2. Station der Beatles), der nur von 1962-69 existierte, sowie Große Freiheit 36 (http://www.grossefreiheit36.de/) oder Gruenspan (http://www.gruenspan.de/). Außerdem gibt es in dem Vergnügungsviertel Bars, Kneipen, Tatooläden, Travestieshows; in der Herbertstraße reihen sich Bordelle; die Davidwache ist die Polizeistation des Viertels.

Grünanlagen & Parks in Hamburg

Stadtpark Hamburg- Winterhude.Festwiese (Hamburg Sehenswürdigkeiten)

Zu den größten Grünanlagen in Hamburg zählen:

Rosengarten Friedhof Ohlsdorf (Hamburg)
Altonaer Volkspark: Pavillon im Schulgarten
Alstervorland an der Außenalster (Hamburg)

Hamburg: Brückenmetropole Europas

Hochstraße Elbmarsch mit Köhlbrandbrücke B010

Hamburg gilt als Brückenmetropole Europas – hier gibt es mehr Brücken als in Venedig. Das Foto zeigt die zwei längsten Straßenbrücken Deutschlands: die 4,2 km lange Hochstraße Elbmarsch und die 3,6 km lange Köhlbrandbrücke (Hintergrund). Mehr erfahren:

Hamburger Küche

Hamburger Pannfisch, 2016 (01 retuschiert)

Fischgerichte

Eine regionale Spezialität sind Fisch und Meeresfrüchte aus der Nordsee. Ein Beispiel ist Hamburger Pannfisch: Fisch mit Bratkartoffeln in Senfsauce. Die Foto unten zeigen (von links nach rechts) drei weitere Fischgerichte:

  • Hamburger Aalsuppe. Das Fleisch des vom Aussterben bedrohten Aals ist sehr fetthaltig. Die Hamburger Variante wird durch Backobst verfeinert. 
  • Bismarckhering mit Bratkartoffeln, Spiegelei und roter Beete. Bismarckhering ist Hering, der in einer Essig-Marinade eingelegt wird.
  • Finkenwerder Scholle. Die Scholle ist ein Plattfisch, der auf dem Meeresboden lebt. Benannt ist das Gericht nach dem westlichen Stadtteil Finkenwerder.
Hamburger Aalsuppe bei Hamburger Fischerstuben
GT Hering-Spiegelei.Bratkartoffeln 2
2017-05-01 Scholle Finkenwerder Art
Oberhafenkantine (Hamburger Rundstück)

Hamburger

Ist der Hamburger eine Hamburger Spezialität? Vielleicht: Ein Rundstück ist ein (rundes) Brötchen; ein Rundstück warm ist ein Brötchen mit warmem Bratenfleisch, Bratensauce und Beilage. Eine Variante besteht aus gebratenem Hackfleisch. Möglicherweise brachten Hamburger Auswanderer*innen das Rezept für ein solches Hackfleischbrötchen mit nach Amerika. Der Name „Hamburger“ stammt aber möglicherweise auch von der amerikanischen Übersetzung für Hackbraten: „hamburger steak“. Inzwischen gibt es in Hamburg fleischhaltige, vegetarische und vegane Burger (Vegane Restaurants in Hamburg findet man hier: https://www.veganguidehamburg.de/hamburg-vegan).

Hamburger Speck 1

Hamburger Speck & Süßes

Über den Hamburger Hafen werden große Mengen an Kaffee und Tee importiert. Dazu kann man verschiedene Süßwaren reichen:

  • Franzbrötchen ist Plunderteiggebäck. Das Rezept brachten wohl hugenottische Bäcker aus Frankreich mit.
  • Kopenhagener sind ebenfalls Plundergebäck, oft mit Pudding oder Fruchtfüllung.
  • Hamburger Speck bezeichnet Schaumzuckerwürfel in den Hamburger Farben Rot und Weiß.
Franzbroetchen (Hamburger Spezialität)
Mehrere Sorten Kopenhagener Gebäck;  Danish

UNESCO-Welterbe in der Nähe Hamburgs

Es gibt auch außerhalb von Hamburg Sehenswürdigkeiten, z. B. Welterbestätten in den beiden großen Nachbarstädten, die ebenfalls bedeutende Hansestädte waren und sind.

Luebeck Holstentor

Hansestadt Lübeck

Die Altstadt von Lübeck ist berühmt für das Holstentor, das Budenbrookhaus oder die Kirchen – Meisterwerke der Backsteingotik.

 Rathaus Bremen (UNESCO-Welterbe in Bremen)

Bremer Roland und Rathaus Bremen

Als herausragendes Beispiel der Weserrenaissance gilt das Bremer Rathaus. Der Roland ist die größte freistehende Statue des Mittelalters.

Henry Sloman: der Mann, der aus der Wüste kam

Henry Sloman: der Mann, der aus der Wüste kam

Vom kühlen Hamburg in die heiße Atacama-Wüste und zurück: Der Bauherr des Chilehauses, der Hamburger Unternehmer und Bankier Henry Brarens Sloman (1848 bis 1931), war in jungen Jahren weit herumgekommen.

Wasser und Wüste: Iquique

Pazifik-Küste bei Iquique.- panoramio - Jorge Manriquez P. (2)

Aufgewachsen in England, machte Henry eine Schlosserlehre in Hamburg, wo seine Verwandten die Sloman Reederei führten, Deutschlands älteste Reederei. 1869 wanderte Sloman nach Bolivien aus. Die nächsten Jahr arbeitete er dort für einen seiner Freunde, Hermann Fölsch, der in der Hafenstadt Iquique am Pazifik ein Salpeter-Unternehmen besaß.

Salpeter: das weiße Gold

Man bezeichnete Salpeter als das „weiße Gold“, denn er war im 19. Jahrhundert ein unverzichtbarer Rohstoff für die Herstellung von Düngemitteln, Sprengstoffen oder Farben. Die deutsche Landwirtschaft war einer der größten Abnehmer von Salpeter. Südamerikanische Staaten und europäische Investoren gierten nach den wertvollen Minen. 1879 entflammte zwischen Chile, Peru und Bolivien der Salpeterkrieg, aus dem Chile  – mit britischer Unterstützung – 1884 als Sieger hervorging. Die Salpeterminen um Iquique, bislang in Boliviens Süden, lagen nun in Chiles Norden.

Sloman in der Atacama-Wüste

Sloman machte sich 1892 weiter im Landesinneren, bei Tocopilla, mit mehreren Salpeterwerken selbständig: Buena Esperanza, Rica Aventura, Prosperidad, Grutas und Empresa (übersetzt: Gute Hoffnung, Reiches Abenteuer, Wohlstand, Grotten und Betrieb). 1905 – 1911 wurde mitten in der Wüste ein Stausee angelegt, der Tranque Sloman, der die Minen mit billigem Strom versorgte.
Anfiteatro, Valle de la Luna, San Pedro de Atacama, Chile

Atacama - die Wüste

Humberstone-Salpeterwerk aus Vogelperspektive; UNESCO-Weltkulturerbe in ChileOfficina salitrera Humberstone 03

In den Minen arbeiteten tausende Männer unter Extrembedingungen, denn die Vorkommen befinden sich mitten in der Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Welt. Von den ehemals über hundert Minen (Liste) zählen zwei zum Weltkulturerbe: die Humberstone- und Santa-Laura-Salpeterwerke.

Haber und Bosch - der Niedergang

Baracken im Humberstone-SalpeterwerkUNESCO-Weltkulturerbe in Chile

Eine Erfindung im fernen Deutschland führte zum Niedergang der Salpeter-Industrie: Die Chemiker Fritz Haber und Carl Bosch meldeten 1910 ein Verfahren zur künstlichen Salpeter-Herstellung als Patent an. Die Folgen waren einerseits der Chemie-Nobelpreis für Haber (1918) und Bosch (1931) und andererseits eine Krise für die Salpeterproduktion in Chile. Inzwischen sind die meisten Minen verlassen. Die beiden Weltkulturerbestätten Humberstone und Santa Laura zerfallen und stehen auf der Roten Liste des bedrohten Welterbes. An die zahlreichen Minenarbeiter erinnert heute wenig.

Sloman in Mecklenburg-Vorpommern

Slomans Alterssitz: Schloss Bellin bei Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern.
1898 kehrte Sloman nach Hamburg zurück. Er gründete eine Bank und erwarb 1910 als Altersruhesitz das abgelegene Schloss Bellin. Es liegt südlich von Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. In dem Park befindet sich auch das Mausoleum, das Sloman für sich und seine Frau erbauen ließ. Nach der Wende kauften die Nachkommen Slomans das Anwesen auf und richteten dort ein Hotel ein.

Hamburg: Chilehaus

Im fortgeschrittenen Alter, mit 74 Jahren, wagte sich Sloman an ein ambitioniertes Unternehmen: den Bau des größten Kontorhauses Hamburgs mitten in der Wirtschaftskrise der 20er Jahre. Da es in Hamburg bereits ein Slomanhaus gab, erhielt das Gebäude nicht den Namen des Bauherren. Sloman benannte das Haus nach dem Staat, dessen Naturschätzen und Menschen er viel zu verdanken hatte: Chile, symbolisiert durch den steinernen Kondor an der Spitze des Chilehauses.
Chilehaus (Hamburg-Altstadt).Blick von Osten

Hamburger Rathaus – im Zeichen des Phönix

Hamburger Rathaus. Im Zeichen des Phönix

Hamburger Rathaus. Überblick

Wie Phönix aus der Asche erhob sich Hamburg aus Glut und Rauch des Großen Stadtbrandes von 1842. Das bedeutendste Wiederaufbauprojekt war das Hamburger Rathaus: politisches Machtzentrum der Hansestadt Hamburg, prächtiger Stadtpalast und Veranstaltungsort des ältesten Festmahls der Welt.

Von der Stadtgeschichte erzählen nicht nur zahllose Statuen von Kaisern, Heiligen und Persönlichkeiten, sondern auch ein Vogel der griechischen Mythologie: Phönix, der aus seiner eigenen Asche wiedergeboren wurde, – ein Symbol für die Wiedergeburt Hamburgs nach dem Großen Brand. Dem Vogel Phönix begegnet man am Hamburger Rathaus außen und innen.

Entstehung

Hamburger Rathaus von außen

Das Hamburger Rathaus nimmt mit seinem 111 Meter langen, viergeschossigen Baukörper fast die gesamte Länge des Rathausmarktes (3D) ein. An der Rathaus-Rückseite schließt sich ein vierseitig umschlossener Innenhof (3D) mit dem Hygieia-Brunnen an.

Fassade am Rathausmarkt

Die Fassadenfiguren in den Nischen zwischen den Fenstern stellen deutsche Kaiser dar, die Büsten auf den Fenstergiebeln repräsentieren Berufe, z. B. Fischer, Schiffer und Kaufmann (die ersten drei Büsten von links nach rechts). Der Bäcker ist am Kuchen zu erkennen. Die Figuren auf dem Dach sind Schutzheilige Hamburger Kirchen. Giebelbekrönte Risalte betonen die Gebäudeecken, die Mitte wird hervorgehoben durch den 112 Meter hohen Rathausturm.

Rath - 01 Fischer (6)
Rath - 02 Schiffer (5)
Rath - 03 Kaufmann (7)
Rath - 09 - Bäcker (4)

Rathausturm

Rathausturm Hamburg

Anders als bei den Rathäusern der benachbarten Hansestädte, Bremen und Lübeck, überragt ein hoher Turm das Hamburger Rathaus. Der Rathausturm dominiert die Stadt in zweifacher Hinsicht:

Der hohe Turm ist weithin sichtbar, er prägt zusammen mit den Kirchtürmen das Stadtbild. Die politische Macht – und die finanzielle Potenz der Bürger finden in dem Rathausturm allerdings nicht nur ihren sichtbaren Ausdruck.

Viele Rathaustürme besitzen ein weithin hörbares Glockenspiel (Carillon; siehe Nikolaikirche). Auch im Hamburger Rathausturm ist eine Glockenstube (3D) eingerichtet. Typisch für Hamburgs Klangbild waren und sind die Hafengeräusche, vor allem seit die Schiffe mit dem 1851 erfundenen Nebelhorn ausgestattet waren.

Verkündigungsbalkon

Der Turm nimmt im Erdgeschoss den Haupteingang auf, darüber befindet sich der Verkündigungsbalkon (3D). Solche Balkone sind bei Rathäusern in ganz Deutschland anzutreffen, sie ermöglichten in Zeiten, als es noch kein Radio oder Internet gab, zu den Bürger*innen zu sprechen. Die erhöhte Position und die Rathauswand erleichterten die Schallausbreitung. Inzwischen ist die akustische Funktion in den Hintergrund getreten, Verkündigungsbalkone dienen nun bei besonderen Anlässen dem Zur-Schau-Stellen von Personen oder auch der Beflaggung (Siehe unten.). Oberhalb des Balkons das Mosaik der Hammonia, die Allegorie der Stadt Hamburg.

Phönix-Laube am Hamburger Rathaus.

Phönixlaube

Darüber ragt ein kleinerer Balkon hervor: die Phönixlaube, gut erkennbar an dem Vogel, der auf dem Segmentbogen oberhalb der Balkontür seine Schwingen ausbreitet. Der Phönix ist ein Werk von Aloys Denoth, der auch die Figuren oberhalb der Fenster im Hauptgeschoss entworfen hat. Im Unterschied zum Balkon dient die Phönix-Laube vor allem der visuellen Kommunikation, nämlich dem Flagge-Zeigen. Speziell für das Hamburger Rathaus sieht das Protokoll der Bundesregierung folgende Beflaggungsregel vor:

Bei Beflaggung wird aus der Laube des Rathauses die Staatsflagge, vom Balkon die Europaflagge gesetzt. (Link)

Mit „Laube“ ist die Phönix-Laube, mit „Balkon“ der Verkündigungsbalkon gemeint. Die Flaggen verkünden durch Voll- oder Halbmast – tatsächliche oder inszenierte – Freude und Trauer, aber auch besondere Anlässe, z. B. Wahltage.

Turmuhr und Glockenstube

Die folgenden Geschosse dienen der Zeitangabe. Die Zeiger der Turmuhr geben die Uhrzeit minutengenau an, die Glocken verkünden die Uhrzeit lediglich viertel- bzw. halbstündlich. Außerdem ergänzten die Glocken die Beflaggung, denn zu feierlichen Anlässen oder in Notzeiten wurden auch Glocken geläutet.

Hamburger Rathaus (Innenraum)

Halle im Erdgeschoss

Diele im Hamburger Rathaus

Tritt man vom Rathausmarkt durch das Portal, gelangt man in eine dreischiffige Halle (3D) mit 16 Rundpfeilern, die ein Sterngewölbe tragen. An den Schmalseiten schließen sich links die Bürgerschaftstreppe und rechts die Senatstreppe an, die in das Obergeschoss führen. Das Foto zeigt die Halle von der Senatstreppe aus. Links liegt der Rathausmarkt, rechts der Innenhof. (Werfen Sie auch einen Blick in die Skulpturenkammer im sonst unzugänglichen Keller: 3D.)

Obergeschoss

Im Obergeschoss befinden sich unter anderem die Räume für die politischen Institutionen:

  • Der Plenarsaal, wo die Hamburgische Bürgerschaft tagt, befindet sich an der südlichen Schmalseite (an der Großen Johannisstraße).
  • Die Ratstube, wo der Senat zusammenkommt, nimmt an der entgegengesetzten Schmalseite (im Norden) einen fensterlosen Raum ein.
  • Das Bürgermeisteramtszimmer befindet sich an der Nordecke des Rathauses.

In der Gebäudemitte erstreckt sich der Große Festsaal. Der Phönixsaal (3D) ist ein kleiner Saal zwischen Turm und Nordrisalit. An den großen Brand erinnern zwei zusammengeschmolzene Silberbarren; eine Karte, die das Brandgebiet zeigt, und Phönix, der über dem Hammona-Gemälde thront. In dem Phönix-Saal finden einmal monatlich Trauungen statt. Einen Grundriss des Hamburger Rathauses findet man hier: https://i.pinimg.com/originals/3b/c0/0b/3bc00b59f72e9bae472ac0324fd2d525.jpg

Plenarsaal: Zentrum der Politik

Plenarsaal Hamburgische Bürgerschaft im Hamburger Rathaus

Das Hamburger Rathaus ist politisches Zentrum der Freien und Hansestadt Hamburg und eines der Wahrzeichen der Stadt. Das Gebäude ist Sitz der Bürgerschaft und des Hamburger Senats. Bis 1996 war die Bürgerschaft ein Kuriosum unter den Landesparlamenten: Das Abgeordnetenmandat galt als reines Ehrenamt (seitdem als Nebentätigkeit).

Hamburger Rathaus.Senatssaal

Ratsstube

In der Ratsstube tagt die Regierung des Bundeslandes Hamburg. Sie besteht aus den Ministern, die man „Senator*in“ nennt, und dem Regierungschef, das ist der Erste Bürgermeister bzw. Bürgermeister*in. Die beiden Bürgermeister*innen sitzen unter dem Baldachin im Hintergrund.

Großer Festsaal

Festsaal des Hamburger Rathauses

Der Große Festsaal ist mit einer Fläche von 720 m² der größte Raum des Rathauses. Einmal jährlich, am 24. Februar, findet im Festsaal die Matthiae-Mahlzeit statt, das älteste Festmahl der Welt, zu dem zahlreiche ausländische Gäste eingeladen werden. Die Tradition reicht bis in das Jahr 1356 zurück.

Die riesigen Wandgemälde hat der Maler Hugo Vogel (1855-1934) 1902 bis 1909 angefertigt. Sie beziehen sich auf die Geschichte Hamburgs. Die drei Gemälde auf dem Foto zeigen (von links nach rechts): Bischof Ansgar, der die Heiden bekehrt; den Hamburger Hafen in der Hansezeit; den Hamburger Hafen der Gegenwart.

Blick in den Kaisersaal 1

Kaisersaal

Der zweitgrößte Saal ist der Kaisersaal. Links hat man Ausblick auf den Rathausmarkt, die zwei Türen geradeaus führen in den Bürgersaal. Durch die Tür rechts gelangt man zum Foyer. Eine zweite Tür (außerhalb des rechten Bildrandes) führt zum Festsaal. Im Rücken befindet sich der Turmsaal des Rathausturms.

Innenhof des Hamburger Rathauses

Hamburger Rathaus, Innenhof

Rathaus-Fassade

Auch die Fassade am Innenhof ist mit Skulpturen reich geschmückt. Die sechs Figuren in den Nischen am Innenhof stellen Bischöfe und Herrscher dar, die für Hamburgs Geschichte bedeutend waren, u. a. den heiligen Ansgar, Hamburgs erster Bischof.

Hinter den Fenstern befindet sich der Große Festsaal.

2013-05-24 10-17-51 Germany Hamburg Hamburg Neustadt

Hygieia-Brunnen

Der Hygieia-Brunnen erfüllt den Innenhof des Rathauses im Sommer mit einem kontinuierlichen Rauschen; ein Geräusch, das so natürlich wie ein Wellenrauschen klingt, obwohl der Ursprung (Brunnen und Wasserpumpe) genauso künstlich ist wie das Glockengeläut im Rathausturm. Es handelt sich um einen Dreischalenbrunnen aus Granit, den Joseph von Kramer 1896 entwarf. Auf dem Brunnenstock steht Hygieia, die griechische Göttin der Gesundheit. Zu ihren Füßen ein Drache, der die überwundene Cholera symbolisiert.

Der Hygieia-Brunnen erinnert an die Cholera-Epidemie, die 1892 in Hamburg wütete. Nachdem die Cholera erfolgreich bekämpft worden war, entschloss man sich zu städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen und zur Errichtung dieses Brunnens. Die Gitter im Brunnensockel verschließen die Ansaugrohre der Klimaanlage des Rathauses. Durch das Brunnenwasser wird die Luft im Sommer befeuchtet und gekühlt.

Hamburger Rathaus & Weltkulturerbe

Rathaus und Rathausturm in Brügge

Das Hamburger Rathaus ist nicht das einzige, das einen Rathausturm besitzt. Viele belgische und nordfranzösische Rathäuser haben einen Turm, von denen gut 50 zum UNESCO-Weltkulturerbe „Belfriede in Belgien und Frankreich“ zählen, u. a. der Rathausturm in Brügge (Webseite: http://whc.unesco.org/en/list/943). Viele dieser Türme besaßen ein Geläut. Allerdings war beim Bau des Hamburger Rathausturms im 19. Jahrhundert die Geräuschkulisse der Stadt eine andere als bei den meist mittelalterlichen Türmen Belgiens und Nordfrankreichs. Unten das Bremer Rathaus – ohne Turm, aber ebenfalls UNESCO-Welterbe.

Rathaus Bremen

Hamburger Rathaus besuchen

Informationen zum Hamburger Rathaus

  • 3D-Tour durch das Hamburger Rathaus (www.rathaus-3d.hamburg.de)
  • Barrierefreier Rundgang durch die Altstadt mit Zwischenstation Rathaus (www.barrierefreieshamburg.de/rundgang/altstadt.html)

Kontakt

Öffnungszeiten

  • Montag – Freitag: 07.00 – 19.00 Uhr;
  • Samstag: 10.00 – 18.00 Uhr;
  • Sonntag: 10.00 –  17.00 Uhr

Führungen

Das Hamburger Rathaus und der Innenhof sind frei zugänglich. Es werden halbstündlich Führungen angeboten; für die monatlich staffindenden Führungen in plattdeutscher Sprache ist eine telefonische Anmeldung erforderlich: (040) 428 31-2064 (von 9.00 bis 17.00 Uhr).

Anfahrt

Haltestelle Rathaus

  • U3
  • Busse 3/4/5/6/31/34/35/36/37/109

Alter Elbpark und Bismarck-Denkmal

Alter Elbpark & Bismarck-Denkmal

Kleiner Park mit großem Denkmal

Bismarck-Denkmal

Kleiner Park mit großem Denkmal: Die Rede ist von der Grünanlage Alter Elbpark und dem Bismarck-Denkmal. Der 4,2 Hektar große Park liegt zwischen den Landungsbrücken im Süden und dem Park Planten un Blomen im Norden. Wer einen Spaziergang im Grünen machen möchte, kann von der Elbe fast bis zur Binnenalster schlendern, weitgehend abseits des Straßenlärms.

Bismarck-Denkmal

Hamburg bismarck-denkmal 04

Auf einer Anhöhe, ein Überrest der Bastion Casparus, steht das größe Bismarck-Denkmal der Welt. Schon am Todestag Bismarcks, der am 31. Juli 1898 in der Nähe Hamburgs verstarb, kam dem Bankier Max von Schinckel die Idee zu einem Denkmal. Nach einer mäßig erfolgreichen Spendenaktion und einem Wettbewerb wurde das Denkmal 1901 bis 1906 erbaut. Die Entwürfe stammen von Hugo Lederer (Bildhauer) und Johann Emil Schaudt (Architekt). 1908 ergänzte man die Anlage um die acht Figuren, die die Stämme Germaniens symbolisieren. Auf dem unterkellerten Unterbau erhebt sich ein runder, mit acht Figuren besetzter Aufbau, auf dessen Sockel die 14,8 Meter hohe Bismarck-Figur steht. Insgesamt ist das Denkmal 34,4 Meter hoch. Vielleicht erinnert die Bismarck-Figur mit Rüstung, Mantel, Schild und Schwert manche Betrachter*innen an den Bremer Roland (Weltkulturerbe mit dem Bremer Rathaus). Für das Bismarck-Denkmal kam Schwarzwälder Granit zur Verwendung.

Jugendherberge Auf dem Stintfang

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Alter Mann und junge Leute – auch das ist der Alte Elbpark. Auf der ehemaligen Bastion Albertus, südlich des Denkmals gelegen, wurde nämlich die Jugendherberge Auf dem Stintfang errichtet (1952-55; Architekt: Hermann Schöne). Der Paula-Karpinski-Platz erinnert an Hamburgs erste Senatorin (1897-2005), die mit 108 Jahren auch zu den ältesten Deutschen zählt. Sie setzte sich dafür ein, dass auf dem sehr gut gelegenen Grundstück eine Jugendherberge erbaut wurde – und nicht ein Luxushotel, wie vom Bürgermeister geplant. Karpinskis Engagement ist es zu verdanken, dass die Jugendherberge einen besseren Ausblick auf den Hamburger Hafen bietet als die meisten Luxushotels. 

Kersten-Miles-Bruecke 1900

Zuvor befand sich an der Stelle der Jugendherberge von 1881 bis 1955 ein meteorologisches Institut, die Deutsche Seewarte, an die der Name der „Seewartenstraße“ erinnert, die den Park durchschneidet. Die Straße führt über die denkmalgeschützte Kersten-Miles-Brücke (1895-1898), benannt nach einem Hamburger Bürgermeister. Die vier Figuren auf den Brückenpfeilern zeigen Bürgermeister (darunter Kersten Miles) und Admiräle Hamburgs.

Besuch

Die Grünanlage Alter Elbpark ist jederzeit frei zugänglich.

Anfahrt: Die nächstgelegene U-Bahn- und Bus-Haltestelle ist St. Pauli im Norden; die nächstgelegene S-Bahn-Haltestelle ist Landungsbrücke.

 

Haltestelle St. Pauli (im NORDEN) 
U-BahnU3
Bus6, 36, 37, 112, 607, 608
Haltestelle Landungsbrücke (im SÜDEN) 
U-BahnU3
S-BahnS 1, 2, 3
Bus111, 608

Beitragsbild: Urheber: Gunnar Ries, Lizenz:  [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons

Hamburg 1527: links Nikolaikirche

Mahnmal St. Nikolai (Nikolaikirche Hamburg)

Mahnmal St. Nikolai (Hamburg)

Nicofleet und St.Nikolai Hamburg

Mahnmal St. Nikolai. Überblick

Das Mahnmal St. Nikolai ist eine Kirchenruine in Hamburg, die viel bietet: ein hörenswertes Carillon, sehenswerte Skulpturen und ein interessantes Museum. Und nicht zuletzt bietet der ehenmals höchste Kirchturm der Welt eine prächtige Aussicht auf Hamburg.

Geschichte der St. Nikolaikirche

Gegenüber der alten Bischofsstadt um die Petrikirche, am anderen Ufer der Alster, ließ Graf Adolf III von Schauenburg 1189 eine neue Stadt erbauen. 1195 erhielten die Bürger der Neustadt eine eigene Kirche. Man weihte sie dem heiligen Nikolaus, der als Schutzheiliger der Seefahrer gilt. Die Kapelle wurde zweimal erweitert (1240-50; 1384-1400).

Nikolai-hallenkirche
Hamburg 1891-1893, Strumper & Co, S. 21 Die St. Nicolai Kirche
Hamburg St.Nicolai

1589 zerstörte ein Blitzschlag den Turm. Der wiederaufgebaute Turm stürzte aber 1644 ein. Erneut baute man den Turm auf, der 1657 fertiggestellt war. Er fiel schließlich mitsamt der Kirche dem Großen Brand von 1842 zum Opfer. Das Bild links zeigt die Nikolaikirche um 1835 (Peter Suhr (1788-1857)).

Nach Plänen des englischen Architekten George Gilbert Scott errichtete man von 1846 bis 1874 einen Neubau. Der 147 m hohe Turm war allerdings erst 1882 fertig. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Nach dem Krieg hat man die Überreste – mit Ausnahme des Turms – abgerissen. Mit einem Fahrstuhl gelangt man zur Aussichtsplattform in 76 Meter Höhe. 

Mahnmal St. Nikolai

St-nikolai-dokumentationszentrum

Die Ruine erinnert heute als Mahnmal St. Nikolai an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945. In den Kellerräumen ist ein Museum eingerichtet. Es informiert über folgenden Themen: Geschichte der St. Nikolaikirche, Hamburg in den Jahren 1933 bis 1943, Operation Gomorrha, der Hamburger Feuersturm.

Die drei Skulpturen hat übrigens die Hamburger Bildhauerin Edith Breckwoldt entworfen. Eine der Figuren trägt den Namen „Die Prüfung“ (2004). Sie hockt auf Ziegelsteinen aus dem Gefangenenlager X-B bei Sandbostel.

Prüfung von Edith Breckwoldt (Hamburg) msu2018-1393

Das Glockenspiel von St. Nikolai

Im Turm von St. Nikolai befindet sich ein sogenanntes Carillon. Es handelt sich dabei um ein Glockenspiel, das man wie bei einer Orgel über eine Klaviatur bedient. Allerdings drückt man die einzelne Taste nicht mit einem einzelnen Finger nieder, sondern mit dem Handballen. Die Klaviatur ist nämlich durch Seilzüge mit den Klöppeln verbunden und erfordert daher einen höheren Kraftaufwand.

Das alte Glockenspiel

Die Nikolaikirche besaß seit 1665 ein Carillon, das aus 25 Glocken bestand. 1696 pries der Hamburger Historiker Wolfgang Heinrich Adelungk das alte Glockenspiel mit den Worten:

„In St. Nicolai Thurm ist ebenfalls ein köstliches Glocken= Spiel/ damit allerhand Geistliche Lieder mit mancherley Veränderungen zwey= und Dreystimmig gespielet werden/ und klingt solches gar lieblich/ weit über und in die Stadt hinein.“ (zitiert nach Dorothea Schröder, 2014)

Der Barock-Komponist Georg Friedrich Telemann verewigte die Glockenspiele der Stadt im vierten Satz der Alster-Ouvertüre (1725). Er ist  mit „Die Hamburgischen Glockenspiele“ überschrieben.

Das neue Glockenspiel

Das alte Carillon existiert nicht mehr. Das heutige Geläut wurde von der Königlichen Glockengießerei Eijsbouts (Niederlande) angefertigt und 1993 geweiht. Es besteht aus 51 Glocken und ist somit eines der größten Glockenspiele Deutschlands. Der Tonumfang reicht über vier Oktaven. Das Gesamtgewicht der Glocken liegt bei rund 13 Tonnen.

Informationen


Adresse: Mahnmal St. Nikolai, Willy-Brandt-Straße 60, 20457 Hamburg