Das Mahnmal St. Nikolai ist eine Ruine, die viel bietet: ein hörenswertes Carillon, sehenswerte Skulpturen und ein interessantes Museum. Und nicht zuletzt bietet der einst höchste Kirchturm der Welt eine prächtige Aussicht auf Hamburg.



Geschichte der St. Nikolaikirche

Gegenüber der alten Bischofsstadt um die Petrikirche, am anderen Ufer der Alster, ließ Graf Adolf III von Schauenburg 1189 eine neue Stadt erbauen. 1195 erhielten die Bürger der Neustadt eine eigene Kirche. Man weihte sie dem heiligen Nikolaus, der als Schutzheiliger der Seefahrer gilt. Die Kapelle wurde zweimal erweitert (1240-50; 1384-1400).

1589 zerstörte ein Blitzschlag den Turm. Der wiederaufgebaute Turm stürzte aber 1644 ein. Erneut baute man den Turm auf, der 1657 fertiggestellt war. Er fiel schließlich mitsamt der Kirche dem Großen Brand von 1842 zum Opfer.

NikolaikircheHamburgRuine1842
Nikolaikirche Hamburg Entwurf

Nach Plänen des englischen Architekten George Gilbert Scott errichtete man von 1846 bis 1874 einen Neubau, der 147 m hohe Turm war allerdings erst 1882 fertig. Die Kirche wurde dann im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Nach dem Krieg hat man die Überreste – mit Ausnahme des Turms – abgerissen.

Mahnmal St. Nikolai

Die Ruine erinnert heute als Mahnmal St. Nikolai an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945. In den Kellerräume ist ein Museum eingerichtet. Es informiert über folgenden Themen: Geschichte der St. Nikolaikirche, Hamburg in den Jahren 1933 bis 1943, Operation Gomorrha, der Hamburger Feuersturm. Mit einem Fahrstuhl gelangt man zur Aussichtsplattform in 76 Meter Höhe. Die drei Skulpturen hat übrigens die Hamburger Bildhauerin Edith Breckwoldt entworfen.

 

Das Glockenspiel von St. Nikolai

Im Turm der Nikolaikirche befindet sich ein sogenanntes Carillon. Es handelt sich dabei um ein Glockenspiel, das man wie bei einer Orgel über eine Klaviatur bedient. Allerdings wird die einzelne Taste nicht mit einem einzelnen Finger, sondern mit dem Handballen niedergedrückt. Die Klaviatur ist nämlich durch Seilzüge mit den Klöppeln verbunden und erfordert daher einen höheren Kraftaufwand.

Das alte Glockenspiel

Die Nikolaikirche besaß seit 1665 ein Carillon, das aus 25 Glocken bestand. 1696 pries der Hamburger Historiker Wolfgang Heinrich Adelungk das alte Glockenspiel mit den Worten:

„In St. Nicolai Thurm ist ebenfalls ein köstliches Glocken= Spiel/ damit allerhand Geistliche Lieder mit mancherley Veränderungen zwey= und Dreystimmig gespielet werden/ und klingt solches gar lieblich/ weit über und in die Stadt hinein.“ (zitiert nach Dorothea Schröder, 2014. Link)

Der Barock-Komponist Georg Friedrich Telemann verewigte die Glockenspiele der Stadt im vierten Satz der Alster-Ouvertüre (1725). Er ist  mit „Die Hamburgischen Glockenspiele“ überschrieben:

Das neue Glockenspiel

Das alte Carillon existiert nicht mehr. Das heutige Geläut wurde von der Königlichen Glockengießerei Eijsbouts (Niederlande) angefertigt und 1993 geweiht. Es besteht aus 51 Glocken und ist somit eines der größten Glockenspiele Deutschlands. Der Tonumfang reicht über vier Oktaven. Das Gesamtgewicht der Glocken liegt bei rund 13 Tonnen.

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Besuch

Adresse: Willy-Brandt-Straße 60, 20457 Hamburg

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