Bremer Rathaus

UNESCO-Weltkulturerbe in Bremen

Bremer Rathaus und Roland am Marktplatz in Bremen

Das Bremer Rathaus zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe „Rathaus und Roland auf dem Marktplatz von Bremen“ (2004). Der Bremer Roland steht direkt vor dem Rathaus (Mehr erfahren zum Bremer Roland). Das Rathaus besteht aus drei Bauten:

  • Altes Rathaus am Marktplatz,
  • Bremer Ratskeller (im Keller des Alten Rathauses und unterhalb des Platzes „Unser Lieben Frauen Kirchhof“),
  • Neues Rathaus (hinter dem Alten Rathaus).
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Bremer Rathaus

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Bremer Rathaus: 53.076026, 8.807795
Bremer Roland: 53.075894, 8.807264
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Bremer Rathaus
Bremen Bremen, Deutschland
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Bremer Roland
Bremen Bremen, Deutschland

Das Bremer Rathaus von 1410

Marktplatz in Bremen mit Bremer Rathaus (rechts) und Bremer Roland. Dilich, 1603. Delineatio Fori

Das Gebäude entstand in zwei Phasen:

  • 1405 bis 1410 errichtete man einen gotischen Backsteinbau. Es hatte vier Ecktürmchen und einen Zinnenkranz. Die Arkade am Markt diente als Gerichtslaube und besaß einen zinnenbewehrten Aufbau.
  • Lüder von Bentheim (1555-1613) baute das Rathaus um: Er ersetzte die gotischen Spitzbogenfenster durch große Rechteckfenster (um 1600). Dann baute er den Mittelrisalit und entfernte Ecktürmchen und Wehrgang des Vorgängerbaus (1608-12).

Der Stich zeigt den Marktplatz im Jahr 1603. Die gotischen Spitzbogenfenster sind bereits ersetzt. Der Roland stand damals weiter südöstlich.

Bremer Rathaus Nordwestfassaden
Bremer Rathaus Turmträger16
Bremer Stadtmusikanten vor dem Rathaus Bremen

Kommt man von Westen, bietet sich folgendes Bild: Das Gebäude links im Bild ist das Neue Rathaus (1909-13, Gabriel von Seidl). Der schmale Anbau ist die Alte Kanzlei (1638). Davor stehen die Bremer Stadtmusikanten (1953, Gerhard Marks).

Es folgt das Rathaus. An der nach Nordwesten  gerichteten Schmalseite haben sich die gotischen Spitzbogenfenster und eines der Ecktürmchen erhalten. Die Figur unterhalb des Türmchen soll den Baumeister des Alten Rathauses darstellen: Meister Johannes. Die vier anderen Figuren stellen Propheten dar. Das spitzbogige Portal führt in die Untere Rathaushalle. Rechts davon geht es hinab in den Ratskeller.

Die Detailaufnahme zeigt, dass die Fassade abwechselnd aus schwarz und rot glasiertenen Ziegelsteinlagen gemauert wurde. Beim Umbau ab 1595 hat man sich nicht mehr die Mühe gemacht, dieses Muster beizubehalten. So kann man  – vor allem an der Markseite – die Mauerflächen vor und nach dem Umbau unterscheiden.

Untere Rathaushalle

Rathaus Bremen innen (Untere Rathaushalle nordwärts leer)

Im Erdgeschoss befindet sich die Untere Rathaushalle, die Überbleibsel des Vorgängerbaus von 1410 ist. Sie diente bis ins 19. Jahrhundert als Markthalle. Zwei Reihen von je zehn Eichenständern tragen die Balkendecke. An den Schmalseiten führt je ein Portal in die Halle. Fünf reichverzierte Portale schmücken die Rückwand.

In der westlichen Ecke führt eine mit Stachelgitter geschützte Wendeltreppe (1532) in die Obere Rathaushalle. Nach dem Aufstand der 104 Männer im Jahr 1532 hat man die Außentreppe, die bislang ins Obergeschoss führte, abgerissen und durch die Innentreppe ersetzt.

Obere Rathaushalle

Obere Rathaushalle im Rathaus Bremen innen (Von der Decke hängen die drei Orlogschiffe und die Cui bono. 2019-04-19 -5

Das Obergeschoss nimmt die kostbar ausgestattete Obere Rathaushalle ein. Sie war wohl zuerst  – wie die Untere Rathaushalle – durch Ständerreihen gegliedert. 1608 baute Johann Stollink von der Stolzenau den hölzernen Dachstuhl, von dem die Decke der Oberen Rathaushalle abgehängt ist. Die Decke ist mit Rankenwerk, Sternen und Medaillons verziert, die die deutschen Kaiser darstellen. Von der Decke hängen die Orlogschiffe.

RathausBremen-04d

Orlogschiffe

Die vier Orlogschiffe sind Modelle von Kriegsschiffen. „Orlog“ ist niederländisch und bedeutet „Krieg“. Das älteste Modell stammt aus dem Jahr 1545. 2017 hing man ein Modell ab und ersetzte es durch ein Schiff des Künstlers Hew Locke. Es trägt den Namen „Cui bono“ („Zu wessen Nutzen?“) – eine Frage, die man sich bei manchen Entscheidungen fragen kann, die im Rathaus getroffen werden. Das Foto zeigt eine der drei alten Orlogschiffe. Die Kanonen der Schiffe sind funktionsfähig.

Großes Walbild von Bartholomäus Bruyn

Grosses Walbild (Franz Wulfhagen) im Bremer Rathaus

Das größte Walbild der Welt hängt im Bremer Rathaus.  Es ist 3,55 m hoch, 9,55 m lang und zeigt einen Nordischen Zwergwal in Originalgröße. Ein solcher Wal hatte sich 1669 in einen Nebenfluss der Weser verirrt und wurde von Bremer Waljägern angeschossen und erschlagen. Seine Knochen hingen bis 1815 in der Oberen Rathaushalle. Das Walbild schuf der Bremer Maler Franz Wulfhagen (1624-70).

Kaiser Karl der Große und Bischof Willehad. Gemälde von Bartholomäus Bruyn; Obere Rathaushalle im Alten Rathaus Bremen

Fresko von Bartholomäus Bruyn

An der Nordwand befinden sich zwei großen Fresken. Das eine zeigt Kaiser Karl den Großen (links) und Bischof Willehad (rechts), die ein Modell des Bremer Doms halten. Das Werk (1532) schreibt man dem Kölner Bartholomäus Bruyn der Ältere (1493-1555) zu, der ein bedeutender Porträtmaler war. Auch das zweite Fresko gilt als ein Werk Bruyns. Es zeigt eine Szene aus der Bibel: das Salomonische Urteil. Es sollte wohl die Ratsherren daran erinnern, gerecht zu handeln.

Güldenkammer und Archiv

Rathaus Bremen Güldenkammer
Güldenkammer im  Rathaus Bremen

Die Güldenkammer und das darüber befindliche Archiv sind zwei Räume, die halb in die Obere Rathaushalle hinein und halb aus der Marktfassade herausragen. 

Von der Oberen Rathaushalle gelangt man durch ein Portal (um 1620, Servas Hoppenstede)  in die Güldenkammer (1905, Heinrich Vogeler) und von dort durch je eine Tür auf den nördlichen und südlichen Rathausaltan.

Eine reichverzierte Wendeltreppe (vor 1616, Reineke Stolling, Knecht Ronnich) neben der Güldenkammer führt hinauf in das Archiv.

Bremer Ratskeller

2014-07-17 ratskeller bremen bacchusstatue

Der Ratskeller entstand beim Bau des gotischen Rathauses ab 1405 und zählt zu den ältesten Weinkellern Deutschlands. In den Gewölben lagern rund 500.000 Flaschen aus verschiedenen Jahrgängen und allen 13 Weinanbaugebieten Deutschlands, darunter ein Rüdesheimer Wein von 1653. Sehenswert sind die alten Fässer und die Malereien von Max Slevogt.

Bremer Ratskeller Grundriss

Grundriss Bremer Ratskeller

  • Durch den Nordeingang betritt man die Große Halle (1) mit den großen Weinfässern.
  • Der Hauffsaal (3) erinnert an Willhelm Hauffs Erzählung „Phantasien im Bremer Ratskeller“ (1827). 1927 schuf der Maler Max Slevogt die Fresken. Die Große Halle und der Hauffsaal liegen unterhalb des Alten Rathauses. Die zwei Reihen mit je zehn Kreuzpfeilern übernehmen die Gliederung der  Unteren Rathaushalle.
Ratskeller Bremen Apostel- und Rosekeller (Martin Rulsch) 10
  • An der Nordostseite befinden sich die Keller der Anbauten: Im (4) Apostelkeller lagern 12 nach Aposteln benannte Fässer (Siehe Foto.); im Rosekeller befindet sich ein Faß mit Wein von 1653. Im (5) Senats- und Kaiserzimmer konnte man den Wein verkosten.
  • Ein Verbindungskeller (2) führt in den Bacchuskeller (3), benannt nach dem Gott des Weines, der auf dem Fass am Ende des Kellers thront. Dahinter liegen (7) Zunftstube und Alte Schatzkammer. Diese Keller befinden sich heute unter dem Platz „Unser Lieben Frauen Kirchhof“. Ursprünglich stand hier die Alte Börse, die 1888 abbrannte. 
  • Unter dem Neuen Rathaus befinden sich (8) das Lager (Kapazität: 500.000 Flaschen) und die Neue Schatzkammer (Lagerkapazität: 36.000 Flaschen).

Neues Rathaus

Rathaus Bremen - Altes Rathaus (links) und Neues Rathaus (rechts)

Das historische Bremer Rathaus wurde 1909-13 durch das Neue Rathaus ergänzt. Der Bau nimmt eine annähernd quadratische Fläche ein, die man nicht bündig hinter das alte Rathaus anbauen konnte, da die Liebfrauenkirche im Weg stand. Architekt war der Bayer Gabriel Seidl, der u. a. das Deutsche Museum in München und das Historische Museum der Pfalz in Speyer plante.

Weserrenaissance? Rathäuser an der Weser

Das Bremer Rathaus gilt als herausragendes Beispiel der Weserrenaissance. Den Begriff prägten Richard Klappheck und Engelbert von Kerckerinck zur Borg in ihrem Werk „Alt-Westfalen. Die Bauentwicklung Westfalens seit der Renaissance“ (1912). Der Begriff ist umstritten: Haben die Gebäude entlang der Weser etwas gemeinsam, was sie von anderen unterscheidet? Die folgenden vier Rathäuser gelten als Beispiele der Weserrenaissance, – aber nur zwei stehen in Orten direkt an der Weser (von Süd nach Nord).

Münden

Hann. Münden Rathaus

Umbau 1603-18 durch Georg Crossmann. Das Rathaus Münden steht in Hann. Münden (Bis 1990 hieß die Stadt „Münden.“)

Höxter

Rathaus Höxter Germany Old-townhall-01

Umbau 1608-18; Erker 1622-23. Erneuerung des Fachwerks 1783 und 1901.

Einbeck

Altes Rathaus Einbeck IMG 3654

Wiederaufbau 1549-62, Fertigstellung der drei Türme in den 1590er Jahren.

Lemgo

Rathaus Lemgo

Umbau 1545; Umbau der Fenster 1589 durch Georg Crossmann.

Führungen

Führungen durch das Bremer Rathaus bietet die Bremer Touristik-Zentrale an. Webseite: https://www.bremen-tourismus.de/bremen/guide/detail/DEU99999990041473089?lang=de)