Bremer Roland

Freiheitsstatue des Mittelalters

2012-09 Bremer Roland

Der Bremer Roland steht unübersehbar auf dem Marktplatz, dem Zentrum der Bremer Altstadt. Er ist eine 5,5 m hohe Steinfigur, überragt von einem steinernen Baldachin. Der Roland trägt Rüstung und Schwert, der umgehängte Schild zeigt den doppelköpfigen Reichsadler – Symbole der Gerichtsbarkeit und Reichsunmittelbarkeit.

Zusammen mit dem Bremer Rathaus, das zu seiner Linken steht, zählt der Roland zum UNESCO-Weltkulturerbe.

KML-LogoFullscreen-LogoGeoRSS-Logo
Bremer Rathaus

Karte wird geladen - bitte warten...

Bremer Rathaus: 53.076026, 8.807795
Bremer Roland: 53.075894, 8.807264
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Bremer Rathaus
Bremen Bremen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Bremer Roland
Bremen Bremen, Deutschland

Bremer Roland auf dem Marktplatz

Bremer Roland vor dem Rathaus Bremen

Von der Seite betrachtet, ist der Roland etwas dünn. Er steht auf einem dreistufigem Podest kerzengerade an einem Pfeiler, der in einer Kreuzblume endet. Das Gitter, das den Roland umgibt, ist eine Rekonstruktion des 20. Jahrhunderts. Links im Hintergrund die Kirche Unserer Lieben Frau; rechts hinter dem Roland das Bremer Rathaus. 

Roland und der Bremer Dom

Rathaus Bremen, Bremer Dom,Buergerschaft

Der Roland ist auf dem Marktplatz so aufgestellt, dass er in Richtung Dom blickt. Die Bremer Bürgerschaft und der Bischof rangen um die Macht in der Stadt. Der Bremer Roland hatte einen hölzernen Vorgänger, den der Bischof Albert II. 1366 zerstören ließ. Daraufhin bauten die Bürger*innen 1404 einen neuen Roland, diesmal aus Stein.

Das moderne Gebäude rechts ist das Haus der Bürgerschaft (1959-66, Wassili Luckhardt). Hier tagt das Stadtparlament der Freien Hansestadt Bremen. Es ist zugleich Landesparlament, denn Bremen ist ein Bundesland, und zwar das kleinste.

Details

Kopf und Schild des Bremer Roland

Rolandkopf Bremen
Schild des Bremer Roland (Wappen)

1983-84 restaurierte man den Bremer Roland. Dabei ersetzte man den Originalkopf durch eine Kopie. Der mittelalterliche Rolandkopf ist seitdem im Focke-Museum ausgestellt.

Der hölzerne Rundschild zeigt den doppelköpfigen Reichsadler mit Krone. Der Schriftzug am Schildrand beginnt links oben und lautet: „vryheit do ik ju openbar / d’ karl vnd mēnich vorst vorwar / desser stede ghegheuen hat / des danket god’ is mī radt“; übertragen ins Hochdeutsche: „Freiheit verkünde ich euch, die Karl [der Große] und mancher Fürst fürwahr, dieser Stätte gegeben hat. Das danket Gott, ist mein Rat.“

Knie und Figur zwischen Füßen

Des Rolands spitze Knie
Figur zwischen den Füßen des Bremer Roland (Bremen)

Angeblich kehrt nach Bremen zurück, wer dem Roland die Knie reibt. Zwischen den Füßen ist im Flachrelief eine kauernde Figur dargestellt. Sie streckt ihr Gesicht nach oben und hält die Arme angewinkelt ausgestreckt. Unbekannt ist, wen diese Figur darstellt.

"Kleiner Roland" und andere Rolandfiguren

Der Bremer Roland ist nicht die einzige Roland-Figur – nicht einmal in Bremen:

  • Der sogenannten „Kleine Roland“ (1737) steht auf der Brunnensäule des Rolandbrunnens. Er befindet sich am Neuen Markt in der Bremer Neustadt.
  • In Quedlinburg, UNESCO-Weltkulturerbe, steht der Roland mit dem Rücken zur Rathauswand. Er ist 2,75 m hoch und hebt sein Schwert mit der Rechten in die Höhe. Der Quedlinburger Roland wurde um 1430 errichtet, 1477  zertrümmert und erst 2013 an alter Stelle mit neuer Nase aufgerichtet.
  • Auch in Dubrovnik, UNESCO-Weltkulturerbe in Kroatien, steht ein Roland (1419).

Weitere Städte mit UNESCO-Weltkulturerbe und Rolandbrunnen sind Hildesheim und Prag. Verloren sind die Rolande in den Welterbestätten Dessau, Lübeck und Stralsund. Nachbildungen des Bremer Roland stehen außerdem in der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Zionskirche in New York (Geschenk der Stadt Bremen von 1890) und im japanischen Obihiro (Siehe Liste der Rolandstatuen.).

Bremen Am Neuen Markt Kleiner Roland 1 2007-09-23
Roland-Statue am Rathaus in Quedlinburg. IMG 1284WI
Dubrovnik Roland-Statue

Rolandsage

Mort de Roland

Roland bzw. Orlando (italienisch, spanisch) lebte von etwa 736 bis 778 und war Markgraf der östlichen Bretagne. Als Karl der Große in Spanien einem Feldzug gegen die Mauren führte, überfiel Karls Heer die christliche Stadt Pamplona im Baskenland. Während des Rückzugs befehligte Roland die Nachhut. In den Pyrenäen (bei Roncesvalles) überfielen Basken die Truppen und Roland fiel im Kampf. Die Illustration oben zeigt Roland, neben ihm das Schwert Durandat und das Signalhorn (ein Olifant aus Elfenbein).

Rolandlied

Rolandbresche (Pyrenäen). La breche de roland 2

Zwischen 1075 und 1100 entstand in Frankreich das Rolandlied. Roland wird als Neffe Karls des Großen dargestellt. Rolands Schwiegervater habe ihn an den muslimischen König Marsilie verraten. Dieser (und nicht christliche Basken) habe die Nachhut überfallen. Damit sein Schwert „Durandat“ (frz. Durendal) nicht in Feindeshand fällt, habe Roland angesichts der drohenden Niederlage versucht, das Schwert an einem Felsen zu zerschmettern – und dabei die etwa 100 m hohe Rolandsbresche geschlagen (Siehe Foto links.). Der Rolandsage zufolge besiegte der herbeigerufene Karl der Große die Feinde und bestrafte später den Verräter.  

Rolands Schwert und Olifant

Rolands Schwert Durandat (Durendal) im Fels bei Rocamadour (Südfrankreich). Rocam durandal 082005

Angeblich soll Rolands Schwert Durandat in einem Felsen bei der südfranzösischem Dörfchen Rocamadour feststecken. In der 600-Seelen-Gemeinde gibt es sechs Kirchen und Kapellen, denn Rocamadour ist ein Wallfahrtsort. Die Kirche Saint-Sauveur ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Pilgerwege nach Santiago de Compostela“ (1993), gemeint sind die „Jakobswege“.

Rolands Olifant soll auch noch existieren – und zwar sowohl im Veitsdom in Prag als auch in der Kirche von Santiago de Compostela. Sicher ist: Beide Städte zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe („Altstadt von Santiago de Compostela“ (Nr. 347, Jahr: 1985) und „Historisches Zentrum von Prag“ (Nr. 616, Jahr: 1992). Der Bremer Roland wird mit Schwert, aber ohne Olifant dargestellt. Vielleicht, weil er es nicht nötig hat, den Kaiser zu helfen zu rufen.