Dovenhof (Hamburg) - Grundriss Erdgeschoss

Dovenhof – Hamburgs erstes Kontorhaus

Dovenhof

Hamburgs erstes Kontorhaus

Jeder kennt das Chilehaus. Aber wer kennt den Dovenhof? Bei seiner Fertigstellung 1886 war er eine architektonische Pionierleistung: das erste Kontorhaus Hamburgs, Vorbild für viele andere Gebäude. Vielleicht wäre auch der Dovenhof Teil des Weltkulturerbes – hätte man ihn nicht 1967 abgerissen, um dem Spiegel-Redaktionsgebäude Platz zu machen.

Lage

Der Dovenhof wurde an der Brandstwiete 1 errichtet. Diese Straße ist der südliche Abschnitt der Nord-Süd-Achse Jungfernstieg – Brandstraße – Alter Fischmarkt, die die Altstadt durchzieht und über die Kornhausbrücke in die Speicherstadt führt. Der Dovenhof lag also an prominenter Stelle, direkt an einem der Hauptzugänge zu den Speichern.

Architekt & Bauherr

Der Architekt des Dovenhofs, Martin Haller (1835-1925), war auch beteiligt an der Planung des Hamburger Rathauses (1886-97) und der Laeiszhalle (mit Wilhelm Meerwein, 1904-08).

Der Bauherrr war Heinrich Ohlendorff (1836-1928). Sein Unternehmen, das Handelshaus Ohlendorff & Co., war bis zum 1. Weltkrieg der größte deutsche Importeur von Guano, der in Chile abgebaut wurde. Guano, die Exkremente von Seevögeln, diente als Dünger oder für die Sprengstoff-Produktion.

Das Gebäude

Pincerno - Dovenhof 1900.jpg
Dovenhof, Blick auf die Südwestecke. Urheber unbekannt, 1900 – pincerno, PD-alt-100, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=3914761

Der Architekt Martin Haller entwarf für den Kaufmann Heinrich Ohlendorff ein Gebäude, bei dem sich ein neuer Bautyp mit moderner Technik hinter einer Fassade im Neorenaissance-Stil und mit traditionellen Materialien (Granit, Sandstein) verbirgt. Der Dovenhof soll „nach Londoner Anregungen zur Vermietung von Einzelkontoren und Musterlagern an verschiedene Handelsfirmen“ (Dehio: Hamburg, Schleswig-Holstein, 1994, S. 37) entworfen worden sein. Der Gebäudetyp der Passage, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufkam, mag ebenfalls als Vorbild gedient haben. Die westliche Hälfte des rautenförmigen Grundstücks nahm der Passagenriegel ein, die östliche zwei Innenhöfe und angrenzende Lagerräume (Siehe Grundriss oben.).

Das Innere des Dovenhofs

Trat man von der Brandstwiete durch das Portal an der westlichen Längsseite, gelangte man durch einen Vorraum in ein hohes achteckiges Vestibül, das der Verteilung der Besucher diente. Eine Treppe und ein dampfgetriebener Paternoster von Hennicke & Goos, der erste Kontinentaleuropas, führten in die oberen Stockwerke. Zu beiden Seiten des Vestibüls erstreckte sich ein überdachter, galerieumsäumter Lichthof für die horizontale Erschließung. Der nördliche Lichthof führte weiter in einen Korridor, der in den Nordflügel abknickte, diesen durchzog und zu beiden Seiten Kontore erschloss. Im Gebäude gab es noch mehr Treppen, außerdem Warenaufzüge, die den Vertikaltransport erleichterten. Modern waren die elektrische Beleuchtung und die Dampfheizung. Im Vergleich zu den Hamburger Bürgerhäusern, die sich auf schmalen Parzellen aneinander schmiegten, besaß der Dovenhof bis dahin unbekannte Dimensionen: Er füllte die gesamte Breite des Straßenblocks aus.

Laeiszhof als Anschauungsbeispiel

Um sich einen ungefähren Eindruck vom Inneneren des Dovenhofs zu machen, bietet sich der Laeiszhof an. Er wurde 1897-98 an der Trostbrücke 1 erbaut. Architekten waren Haller, Hanssen und Meerwein. Das linke Foto zeigt den Lichthof des Dovenhofs; die Fotos rechts wurden im Laeiszhof aufgenommen. In beiden Gebäuden handelt es sich um einen großen, mehrstöckigen Raum. Er ist von oben belichtet und von Galerien umsäumt. Der Laeiszhof ist  – wie einst der Dovenhof – mit einem Paternoster ausgestattet. Er zählt zu den letzten ihrer Art, die noch in Betrieb sind. Der Laiszhof wirkt eleganter: Der Lichthof ist breiter, die schweren Baluster sind durch ein filigranes Eisengitter ersetzt; die dunklen Tragarme der Galerien, die die Decken visuell zerstückeln, sind hellen Deckenflächen gewichen. 

Pincerno - Lichthof Dovenhof.jpg
Von unbekannt, 1886 - pincerno; Chronik Hamburg, Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/München, 2. Auflage 1997, S. 300, ISBN 3-577-14443-2, PD-alt-100, Link

Laeiszhof Treppenhaus
Hamburg Trostbruecke 1 01 KMJ

Dovenhof und Speicherstadt

Der Bau der Speicherstadt begann 1883, 1888 war der erste Abschnitt der Speicherstadt vollendet, bis zur Fertigstellung der gesamten Anlage vergingen fast 30 Jahre.

Als 1885 der Spatenstich für den Dovenhof erfolgte, waren die Bauarbeiten an der Speicherstadt zwar schon zwei Jahre im Gange, aber noch lange nicht beendet. Bei der Fertigstellung des Dovenhofs stand also das Lagervolumen der Speicherstadt noch gar nicht zur Verfügung; zugleich war absehbar, dass das Volumen in Zukunft zunehmen würde. Der Dovenhof bedeutete in der Entwicklung der Gebäudetypen einen Fortschritt:

  • Das Hamburger Bürgerhaus vereint die Funktionen Wohnung, Warenlager und Kontor unter einem Dach. 
  • Der Dovenhof dient noch der Kontor- und Lager-Funktion, aber nicht mehr dem Wohnen. Ohlendorff lebte in einer Villa im Stadtteil Hamm (siehe unten).
  • In einer dritten Phase, sich anbahnend mit dem Bau der Speicherstadt, werden auch Kontor und Lager räumlich voneinander getrennt. Zugleich vereint man Gebäude der gleichen Funktion in spezialisierten Stadtvierteln:
    • Die Speicher sind in der Speicherstadt vereint.
    • Die Kontore sind in Kontorhäusern untergebracht, die sich im Kontorhausviertel befinden. Ein Beispiel ist das Chilehaus.
    • Die Wohnungen der Kaufleute und die der Arbeiter*innen sind in Villen- und Arbeitervierteln ausgelagert.

Ohlendorff-Villa in Hamburg-Hamm um 1900.jpg
Ohlendorff-Villa im Hamburg-Hamm. Von unbekannt, PD-alt-100, Link

Ohlendorff-Villa

Heinrich Ohlendorff wohnte in einer Villa im Stadtteil Hamburg-Hamm (Schwarze Str. 1). Die Ohlendorff-Villa wurde ebenfalls vom Architekten Martin Haller geplant und 1872-74 erbaut, umgeben von einem großen Park. 1943 erhielten Park und Villa Bombentreffer; nach dem Krieg beseitigte man die Ruinen. Die Ohlendorff-Villa ist nicht zu verwechseln mit der Ohlendorff’schen Villa in Hamburg Volksdorf. Heinrichs Sohn ließ diese 1928-29 nach Plänen von Erich Elingius und Gottfried Schramm erbauen. Sie dient heute u. a. als Kaffeehaus (Webseite: https://ohlendorffsche.de/)

Karolinen-Passage (Karolinenviertel Hamburg)

Arbeiterwohnungen

Die Speicherstadt wurde auf dem Gebiet eines alten Arbeiterviertels errichtet. Die von dort vertriebenen Bewohner*innen fand weiter auerhalb eine neue Bleibe. Ein Beispiel ist die Karolinen-Passage im Karo-Viertel. Zwischen Glashüttenstraße (Westen) und Karolinenstraße (Osten) entstanden zwei Straßen mit Reihenhäusern. In Hamburg spricht man von „Terrassenhaus“ in Anlehnung an das  englische Wort für Reihenhaus: „terraced houses“; eine Terrasse sucht man also vergebens. Das Foto zeigt (mit Blick nach Osten) Häuser, die ab 1883 erbaut wurden. Sie sind dreistöckig und haben einen kleinen Hinterhof. 

Vergleich Dovenhof und die Kontorhäuser des 20. Jahrhunderts

Der Dovenhof unterscheidet sich in mehrererlei Hinsicht von den später erbauten Kontorhäusern des 20. Jahrhunderts, denen man im Kontorhausviertel begegnet:

  • Der Dovenhof wurde in Massivbauweise errichtet, d. h., die Außen- und Innenwände hatten eine tragende Funktion; die Gebäude im Kontorhausviertel sind dagegen in Skelettbauweise errichtet: ein Tragskelett aus Stützen und Decken führt die Last ab, Außen- und Innenwände haben keine tragende Funktion, sondern dienen lediglich der Trennung von Außen- und Innenraum bzw. der Binnengliederung.
  • Als Material kam beim Dovenhof Naturstein zum Einsatz, bei den Kontorhäusern Backstein für die Fassade und Stahlbeton für die Stützen und Decken.
  • Die Fassadengestaltung des Dovenhofs nimmt Motive der französischen Renaissance auf, das Chilehaus zeigt hingegen Einflüsse der norddeutschen Backstein-Gotik.
  • Die markante Dachlandschaft des Dovenhofs ist den Gebäuden im Kontorhausviertel fremd: Dort dominiert das Flachdach, meist in Kombination mit gestaffelten Obergeschossen.
  • Nicht zuletzt sind die Dimensionen des Dovenhofes andere als die der später errichteten Kontorhäuser: die Grundfläche ist kleiner und die Gebäudehöhe geringer.

Den Zweiten Weltkrieg überstand der Dovenhof unzerstört, 1967 wurde er abgerissen. An seiner Stelle errichtete man das Spiegel-Gebäude.

Spiegel-Gebäude

Spiegel-Kantine, Hamburg (2006)

Das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ zog in das Bürogebäude (erbaut 1967-69) ein, das der Hamburger Architekt Werner Kallmorgen entworfen hatte. Seine Bauten sind stadtbildprägend: z. B. entwarf er den Kaispeicher A (1962-66), der zur Elbphilharmonie aufgestockt wurde. Das dunkle Gebäude, das auf dem Foto oben rechts am Bildrand geschnitten wird, stammt auch von Kallmorgen; es ist das IBM-Hochhaus (1963-67). Das von außen grau und monoton wirkende Spiegel-Gebäude hatte es aber in sich: Legendär ist die Inneneinrichtung des dänischen Designer Verner Panton (1926-98). Das Foto zeigt die Spiegel-Kantine im Jahr 2006. Sie steht seit 1998 mit der Snackbar unter Denkmalschutz. Diese wurde in das neue Spiegel-Gebäude Ericusspitze eingebaut, die Kantine befindet sich im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Neuer Dovenhof

Hamburg Neuer Dovenhof

Inzwischen gibt es einen Neuen Dovenhof: Er wurde 1991-94 eine Ecke weiter nördlich erbaut – zwischen Kleine Reichenstraße und Willy-Brandt-Straße. Die Pläne stammen von den Hamburger Architekten Konstantin Kleffel, Uwe Köhnholdt sowie Bernd Gundermann. Das Foto zeigt den Neuen Dovenhof mit Blick von der Brandstwiete nordwärts. Am rechten Bildrand erkennt man die Ecken des Spiegel-Gebäudes.

Literatur

Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Hamburg, Schleswig-Holstein. Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm (Hamburg) und Lutz Wilde (Lübeck). München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, 1994.


Beitragsbild: Von Martin Haller († 1925) – pincerno; * Hamburg-Lexikon, Zeiseverlag Hamburg, 2. Auflage 2000, S. 283, Bild-PD-alt, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=3921713

UNESCO-Welterbe in der Nähe des Dovenhofs

Chilehaus Hamburg 1

Speicherstadt und Kontorhausviertel mit dem Chilehaus in Hamburg

Vom Standort des Dovenhofs ist es nur einen Steinwurf weit bis zu Hamburgs UNESCO-Weltkulturerbe: Die Kornhausbrücke führt in die Speicherstadt, die südlich des Dovenhofs erbaut wurde. Das Foto zeigt das bekannte Chilehaus. Es befindet sich nicht in der Speicherstadt, sondern im Kontorhausviertel, das östlich des Dovenhofs liegt.

Planten un Blomen (großer Park in Hamburg)

Planten un Blomen (Hamburg)

Hamburgs grüne Lunge

Planten un Blomen im Frühling

Im Park Planten un Blomen, Hamburgs grüner Lunge, kann jeder nach seiner Facon selig werden: Im Sommer sind die Wasserlichtspiele ein beliebtes Ausflugsziel, im Winter lädt die weltweit größte Openair-Eisbahn zum Schlittschuhfahren ein. Cafés und Restaurants bieten Erfrischung und Erholung, zahlreiche Skulpturen und Sehenswürdigkeiten säumen die Wege. Der Name des Parks bedeutet „Pflanzen und Blumen“. Die Anlage ist rund 47 Hektar groß und wurde 1821 angelegt.

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Indoo Eisarena

Vorbei an Freizeitanlagen (Minigolf, Kindertheater, Café) und dem Museum für Hamburgische Geschichte gelangt man zur Indoo Eisarena, mit über 4.300 m² Fläche eine der größten Openair-Eisbahnen der Welt. Hier tummeln sich im Sommer Skateboarder*Innen und Inlineskater*Innen; im Winter muss man für das Schlittschuhlaufen Eintritt zahlen.

Justizforum

Park - panoramio (175)

Die gewundenen Wege führen über das Gelände der ehemaligen Stadtbefestigung, die aus Wall und vorgelagertem Graben bestand, ein Werk des niederländischen Festungsbaumeisters Johan van Valckenburgh. Das Justizforum (drei Gerichtsgebäude und ein stacheldrahtumzäuntes Untersuchungsgefängnis (Siehe Foto: linker HIntergrund.) schnüren am Sievekingplatz den Park ein, der hier einem kleinen Tal ähnelt.

Wasserlichtkonzerte

Wasserlichtkonzert  Planten un Blomen Hamburg

Von Mai bis September finden abends die beliebten Wasserlichtkonzerte statt, die eine halbe Stunde dauern (Video: https://www.youtube.com/embed/qi9SXH3Fr8c). Sie sind kostenlos, genauso die Konzerte im Musikpavillon. Mehrere Cafés und Restaurants liegen verstreut um den See.

Parksee

Parksee in Planten un Blomen

Nachdem man drei Brücken unterquert hat, weitet sich der Park: geradeaus der Wallringpark mit einem Gewässer, dem Wallgraben. Im Westen liegen mehrere Themengärten (Japanischer Garten, Rosengarten, Apothekergarten) um den Parksee mit der Wasserlichtorgel.

Messegebäude

Marseiller Straße 2 (Hamburg-St. Pauli).29356.ajb

Westlich der Planten un Blomen stehen die Messehallen der Hamburg Messe und der 279 m hohe Heinrich-Hertz-Turm (1966-68, Architekten: Fritz Trautwein und Rafael Behn). Östlich befinden sich das Congress Center Hamburg (CCH; 1970-1973, Deutschlands erstes Kongresszentrum) und das Radisson Blu Hotel Hamburg (1970-73, Architekten Jost Schramm und Gert Pempelfort). Für Messebesucher*Innen ist der Park Planten un Blomen ideal, um frische Luft tanken.

Anreise zum Park Planten un Blomen

Haltestellen S-Bahn (von Süden nach Norden): Landungsbrücken, St. Pauli (am Millerntorplatz), Messehallen, Stephansplatz, Bahnhof Hamburg Dammtor.

Stadtansicht Hamburg, um 1587 (Georg Braun; Franz Hogenberg)

Hamburg Geschichte (kurz, Schwerpunkt Welterbe)

Hamburg Geschichte (kurz)

Hamburg St. Katharinen Elbphilharmonie

Hamburg Geschichte. Überblick

Welches sind die wichtigsten Daten der Hamburger Geschichte? Ein kurzer Streifzug durch die Geschichte der Freien und Hansestadt Hamburgs – mit dem Schwerpunkt auf dem UNESCO-Weltkulturerbe Speicherstadt und Kontorhausviertel.

8. Jahrhundert - Gründung Hamburgs

Domplatz Hamburg; Ausgrabungen 2006
Modell  der Hammaburg im Museum für Hamburgische Geschichte. Modello della città di Amburgo subito dopo la fondazione

Errichtung der Hammaburg an der Stelle des heutigen Domplatzes. Der erste Hafen erstreckte sich auf dem Gebiet der heutigen Großen und Kleinen Reichenstraße (westlich des Chilehauses). Das Foto oben zeigt die Ausgrabungen im Jahr 2006. Das Foto links zeigt ein Modell der Hammaburg (rechter Bildrand), der benachbarten Siedlung und der um 1020 erbauten  Neuen Burg (links unten).

7. Mai 1189 - Geburtstag des Hamburger Hafens

Blick auf den Hamburger Hafen

Ein Freibrief von Kaiser Friedrich I. Barbarossa gewährt Hamburg angeblich die Zollfreiheit – die Forschung entlarvte die Urkunde allerdings als Fälschung des 13. Jahrhunderts. Barbarossa hat in mehreren Weltkulturerbestätten Spuren hinterlassen, z. B. spendete er dem Aachener Dom einen großen Radleuchter oder schenkte dem Kölner Erzbischof die Reliquien der Heiligen Drei Könige, die im Kölner Dom und in Hildesheim zu sehen sind.

1300 bis 1310 - Turmbau im Wattenmeer

Turm Neuwerk im Hamburger Wattenmeer

Hamburg errichtet einen großen Wach- und Leuchtturm auf der Insel Neuwerk, rund 100 Kilometer nordwestlich von Hamburg gelegen. Der Turm ist der älteste erhaltene Leuchtturm Europas. Die Insel liegt im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer, das seit 2011 zum Weltnaturerbe zählt. Video: „Mission Welterbe: Wattenmeer“ (Link)

1356 - Erster Hansetag

Karte Ausbreitung der Hanse um das Jahr 1400. Droysens

Hamburg nimmt am ersten Hansetag 1356 teil. Ungewöhnlich viele Hansestädte stehen auf der Liste des Weltkulturerbes, z. B. Lübeck, die „Mutter der Hanse“, Bremen sowie die Altstädte von Stralsund und Wismar; im Ausland Bryygen (Bergen), Krakau, Nowgorod, Riga, Tallinn, Thorn, Vilnius und Visby. Nach dem Niedergang der Hanse übernimmt Hamburg von Lübeck die Rolle als führende Handelsstadt Nordeuropas.

1616 bis 1625 - Bau des Stadtwalls

Abbildung der Stadt Hamburg im Jahr 1651
Hamburg Modell im Museum für Hamburgische Geschichte

Nach den Plänen des niederländischen Festungsbaumeisters Johan van Valckenbergh erhält Hamburg moderne Wallanlagen. Sie lagen teilweise auf dem Gebiet der Speicherstadt. An der Stelle der westlichen Wallanlagen wurde im 19. Jahrhundert der Park Planten un Blomen angelegt. Namen wie „Sandtorhafen“, „Millerntor“ oder „Ericusbrücke“ erinnern an die Tore und Bastionen der Festung. Van Valckenbergh prägte auch das Stadtbild der Welterbestätten Lübeck und Bremen, die nach seinen Entwürfen befestigt wurden.

1842 - Der große Brand

Stelzner, Carl Ferdinand - Die Ruinen der Nikolaikirche (Zeno Fotografie)
Hamburg Karte mit Brandgebiet (Großer Brand 1842)

Der Große Brand wütet vom 5. bis 8. Mai 1842. Rund 20.000 Menschen werden obdachlos. Neben 1.700 Häusern und zahlreichen öffentlichen Gebäuden zerstört das Feuer auch 102 Speicher.

1883 bis 1912 - Bau der Speicherstadt

Hamburg Speicherstadt 1888 Querschnitt


Bau der Speicherstadt im Freihafen mit den Lagerhäusern und den Brücken. Zuvor Abriss der Wohnhäuser auf Kehrwieder, Wandrahm und Holländisch Brook; rund 20.000 Bewohner verlieren ihr Zuhause und drängen in die unversehrten Wohnviertel. Die hygienischen Verhältnisse verschlechtern sich und begünstigen den Ausbruch der Choleraepidemie von 1892, der über 8600 Menschen zum Opfer fallen.

1922 bis 1943 - Bau des Kantorhausviertels

Chilehaus im Kontorhausviertel (Hamburg)

Bau der vier Gebäude des Kantorhausviertels, die zum Weltkulturerbe zählen: Chilehaus (1922 bis 1924, Architekt Fritz Höger) Meßberghof (1922 bis 1924, Architekten Hans und Oskar Gerson), Montanhof (1924 bis 1926, Architekten Hermann Distel und August Grubitz), Sprinkenhof (1927 bis 1943, Architekten Hans und Oskar Gerson, Fritz Höger).

1944 bis 1945 - Zerstörung

Royal Air Force Bomber Command, 1942-1945. CL3400

Rund drei Viertel der Speicherstadt werden durch Bomben zerstört. In den Nachkriegsjahren erfolgen der Wiederaufbau und die Verlagerung des Hafens.

2015 - UNESCO-Weltkulturerbe

Speicherstadt Hamburg (UNESCO-Weltkulturerbe)
Die UNESCO nimmt vier Gebäude im Kontorhausviertel und die Speicherstadt in die Liste des Weltkulturerbes auf (Nr. 1467). Der Titel lautet: „Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus“. Es handelt sich um „herausragende Beispiele der Gebäude- und Ensembletypen, die die Folgen des raschen Wachstums des Welthandels im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verkörpern.“ (aus der Erklärung zum außergewöhnlichen Wert)

Deichtorhallen: Fotografie und aktuelle Kunst in Hamburg

Deichtorhallen Hamburg

Fotografie- und Kunst-Austellungen in Hamburg

DeichtorhalleHorizonField20120916

Zwei alte Markthallen ließ der Architekt Josef Paul Kleihues 1989 zu Ausstellungshallen für Fotografie und aktuelle Kunst umbauen. Die Ausstellungen und Sammlungen locken seitdem Besucher aus aller Welt nach Hamburg. Zu den Deichtorhallen zählt seit 2011 auch die Sammlung Falckenberg, die sich allerdings in Hamburg-Harburg befindet.

Haus der Photographie

Die südliche Halle wurde 2005 zum Haus der Photographie umgebaut (Architekt: Jan Störmer). International bekannte Fotografen zeigen hier ihre Werke. Neben den wechselnden Austellungen beherbergt die Südhalle die Bibliothek F. C. Gundlach (7500 Bände) und die Sammlung F. C. Gundlach, deren Schwerpunkt auf der Modefotografie und der künstlerischen Fotografie liegt; beide benannt nach dem Fotografen und Gründungsdirektor des Hauses der Photographie, Franz Christian Gundlach.

Zu den „weltweit umfangreichsten und bestsortierten Spezialbuchhandlungen für Fotografie“ zählt sich die im Haus befindliche Buchhandlung.

Im Haus der Photographie ist seit 2005 das Spiegel-Bildarchiv untergebracht, dessen Sammlung neben mehreren hunderttausend Farbdias über 3 Millionen Schwarzweißfotografien umfasst. Die erste Ausstellung anlässlich des Archiv-Umzugs wurde einem bekannten Hamburger gewidmet: Helmut Schmidt.

Halle für aktuelle Kunst

In der nördlichen Halle für aktuelle Kunst fanden bislang über 160 Ausstellungen zeitgenössischer Künstler statt, unter anderem Andreas Gursky (1994), Jonathan Meese (2006) oder Gilbert & George (2011). Die Ausstellung VisualLeader stellt jedes Jahr ausgezeichnete Fotos, Artikel und Websites aus deutschen Print- und Online-Medien vor. Der Veranstalter wirbt damit, dass die Halle „mit rund 3800 qm die größte zusammenhängende Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst in Europa“ sei.

Das Café Fillet of Soul hat der Maler Michael Bauch ausgemalt.

Und so sieht das Ergebnis aus: 360°-Sicht des Innenraums.

Deichtorhallen: Informationen für Besucher*innen

Adresse: Deichtorhallen (Haus der Photographie und Halle für aktuelle Kunst): Deichtorstraße 1-2, 20095 Hamburg

Internet: www.deichtorhallen.de/index.php; Youtubekanal: www.youtube.com/user/deichtorhallen

Anfahrt

  • Nächstgelegene Bahn- und S-Bahn-Station: Hamburg Hauptbahnhof (ca. 800 m)
  • Nächstgelegene U-Bahn-Station:  Haltestelle Steinstraße (U1 )
  • Bus: 112 (Steinstraße), 602 (Deichtorhallen)

Hamburg – Brücken-Metropole Europas

Mit rund 2500 Brücken ist Hamburg die Stadt mit den meisten Brücken Europas – weit mehr als Venedig mit kaum 400 Brücken. Anders als in der Lagunenstadt, wo Steinbrücken dominieren, sind die Brücken der Speicherstadt aus dem Baustoff, der im 19. Jahrhundert die Architektur revolutionierte: Stahl. Das sich ausbreitende Eisenbahnnetz, die weitgespannten Bahnhofshallen, der himmelhohe Eiffelturm oder die stählernen Ozeandampfer, die in Hamburgs Hafen anlegten: Stahl repräsentiert das Neue, das Moderne, den Fortschritt. Ganz anders der Backstein, der für die nicht schnörkelfreien Lagerhäuser der Speicherstadt zum Einsatz kam und in einer langen Tradition im Profan- und Sakralbau Norddeutschlands steht.


Die Vielfalt der Hamburger Brücken

Den Brücken der Speicherstadt ist das Material gemeinsam. Wenn man sich Zeit nimmt, entdeckt man zahlreiche Unterschiede in Form und Funktion: Es gibt Drehbrücken und feste Brücken; Brücken für Fußgänger, für Straßen- und Schienenverkehr; ein- und zweistöckige Brücken; Bogen-, Sichelbogen-, Schrägseil- oder Balkenbrücken, lange und kurze, schmale und breite und sogar geknickte Brücken… eigentlich ist Hamburg alleine schon wegen der Brücken eine Reise wert.


Die Brücken mit allen Sinnen wahrnehmen

Jede Brücke hat nicht nur ihr eigenes Aussehen, sondern auch ihren eigenen Klang: Motoren treiben Drehbrücken an, sie quietschen und grollen beim Drehen. Die eigenen Schritte klingen auf Stahl anders als auf Pflasterstein oder Holz. Auf einigen Brücken herrscht Ruhe, auf anderen hört man Stimmen, wieder andere sind eingehüllt in Straßenlärm. Man spürt die Brücken auch: Es gibt zitternde Brücken und ruhende Brücken. Auf manchen riecht es nach Meer, auf anderen nach Motoren. Nimmt man sich Zeit, um die Brücken mit allen Sinnen wahrzunehmen, entdeckt man die Einzigartigkeit jeder Brücke, ihre Geschichte. Also: Beim Besuch der Speicherstadt lohnt der ein oder andere Umweg zu einer Brücke.


Informationen zu den Hamburger Brücken

Beitragsbild: Johann Theobald Rievesell (1836-1895): Dovenfleet (1883). Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei.