Henry Sloman: der Mann, der aus der Wüste kam

Henry Sloman: der Mann, der aus der Wüste kam

Vom kühlen Hamburg in die heiße Atacama-Wüste und zurück: Der Bauherr des Chilehauses, der Hamburger Unternehmer und Bankier Henry Brarens Sloman (1848 bis 1931), war in jungen Jahren weit herumgekommen.

Wasser und Wüste: Iquique

Pazifik-Küste bei Iquique.- panoramio - Jorge Manriquez P. (2)

Aufgewachsen in England, machte Henry eine Schlosserlehre in Hamburg, wo seine Verwandten die Sloman Reederei führten, Deutschlands älteste Reederei. 1869 wanderte Sloman nach Bolivien aus. Die nächsten Jahr arbeitete er dort für einen seiner Freunde, Hermann Fölsch, der in der Hafenstadt Iquique am Pazifik ein Salpeter-Unternehmen besaß.

Salpeter: das weiße Gold

Man bezeichnete Salpeter als das „weiße Gold“, denn er war im 19. Jahrhundert ein unverzichtbarer Rohstoff für die Herstellung von Düngemitteln, Sprengstoffen oder Farben. Die deutsche Landwirtschaft war einer der größten Abnehmer von Salpeter. Südamerikanische Staaten und europäische Investoren gierten nach den wertvollen Minen. 1879 entflammte zwischen Chile, Peru und Bolivien der Salpeterkrieg, aus dem Chile  – mit britischer Unterstützung – 1884 als Sieger hervorging. Die Salpeterminen um Iquique, bislang in Boliviens Süden, lagen nun in Chiles Norden.

Sloman in der Atacama-Wüste

Sloman machte sich 1892 weiter im Landesinneren, bei Tocopilla, mit mehreren Salpeterwerken selbständig: Buena Esperanza, Rica Aventura, Prosperidad, Grutas und Empresa (übersetzt: Gute Hoffnung, Reiches Abenteuer, Wohlstand, Grotten und Betrieb). 1905 – 1911 wurde mitten in der Wüste ein Stausee angelegt, der Tranque Sloman, der die Minen mit billigem Strom versorgte.
Anfiteatro, Valle de la Luna, San Pedro de Atacama, Chile

Atacama - die Wüste

Humberstone-Salpeterwerk aus Vogelperspektive; UNESCO-Weltkulturerbe in ChileOfficina salitrera Humberstone 03

In den Minen arbeiteten tausende Männer unter Extrembedingungen, denn die Vorkommen befinden sich mitten in der Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Welt. Von den ehemals über hundert Minen (Liste) zählen zwei zum Weltkulturerbe: die Humberstone- und Santa-Laura-Salpeterwerke.

Haber und Bosch - der Niedergang

Baracken im Humberstone-SalpeterwerkUNESCO-Weltkulturerbe in Chile

Eine Erfindung im fernen Deutschland führte zum Niedergang der Salpeter-Industrie: Die Chemiker Fritz Haber und Carl Bosch meldeten 1910 ein Verfahren zur künstlichen Salpeter-Herstellung als Patent an. Die Folgen waren einerseits der Chemie-Nobelpreis für Haber (1918) und Bosch (1931) und andererseits eine Krise für die Salpeterproduktion in Chile. Inzwischen sind die meisten Minen verlassen. Die beiden Weltkulturerbestätten Humberstone und Santa Laura zerfallen und stehen auf der Roten Liste des bedrohten Welterbes. An die zahlreichen Minenarbeiter erinnert heute wenig.

Sloman in Mecklenburg-Vorpommern

Slomans Alterssitz: Schloss Bellin bei Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern.
1898 kehrte Sloman nach Hamburg zurück. Er gründete eine Bank und erwarb 1910 als Altersruhesitz das abgelegene Schloss Bellin. Es liegt südlich von Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. In dem Park befindet sich auch das Mausoleum, das Sloman für sich und seine Frau erbauen ließ. Nach der Wende kauften die Nachkommen Slomans das Anwesen auf und richteten dort ein Hotel ein.

Hamburg: Chilehaus

Im fortgeschrittenen Alter, mit 74 Jahren, wagte sich Sloman an ein ambitioniertes Unternehmen: den Bau des größten Kontorhauses Hamburgs mitten in der Wirtschaftskrise der 20er Jahre. Da es in Hamburg bereits ein Slomanhaus gab, erhielt das Gebäude nicht den Namen des Bauherren. Sloman benannte das Haus nach dem Staat, dessen Naturschätzen und Menschen er viel zu verdanken hatte: Chile, symbolisiert durch den steinernen Kondor an der Spitze des Chilehauses.
Chilehaus (Hamburg-Altstadt).Blick von Osten
Stadtansicht Hamburg, um 1587 (Georg Braun; Franz Hogenberg)

Hamburg Geschichte (kurz, Schwerpunkt Welterbe)

Hamburg Geschichte (kurz)

Hamburg St. Katharinen Elbphilharmonie

Hamburg Geschichte. Überblick

Welches sind die wichtigsten Daten der Hamburger Geschichte? Ein kurzer Streifzug durch die Geschichte der Freien und Hansestadt Hamburgs – mit dem Schwerpunkt auf dem UNESCO-Weltkulturerbe Speicherstadt und Kontorhausviertel.

8. Jahrhundert - Gründung Hamburgs

Domplatz Hamburg; Ausgrabungen 2006
Modell  der Hammaburg im Museum für Hamburgische Geschichte. Modello della città di Amburgo subito dopo la fondazione

Errichtung der Hammaburg an der Stelle des heutigen Domplatzes. Der erste Hafen erstreckte sich auf dem Gebiet der heutigen Großen und Kleinen Reichenstraße (westlich des Chilehauses). Das Foto oben zeigt die Ausgrabungen im Jahr 2006. Das Foto links zeigt ein Modell der Hammaburg (rechter Bildrand), der benachbarten Siedlung und der um 1020 erbauten  Neuen Burg (links unten).

7. Mai 1189 - Geburtstag des Hamburger Hafens

Blick auf den Hamburger Hafen

Ein Freibrief von Kaiser Friedrich I. Barbarossa gewährt Hamburg angeblich die Zollfreiheit – die Forschung entlarvte die Urkunde allerdings als Fälschung des 13. Jahrhunderts. Barbarossa hat in mehreren Weltkulturerbestätten Spuren hinterlassen, z. B. spendete er dem Aachener Dom einen großen Radleuchter oder schenkte dem Kölner Erzbischof die Reliquien der Heiligen Drei Könige, die im Kölner Dom und in Hildesheim zu sehen sind.

1300 bis 1310 - Turmbau im Wattenmeer

Turm Neuwerk im Hamburger Wattenmeer

Hamburg errichtet einen großen Wach- und Leuchtturm auf der Insel Neuwerk, rund 100 Kilometer nordwestlich von Hamburg gelegen. Der Turm ist der älteste erhaltene Leuchtturm Europas. Die Insel liegt im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer, das seit 2011 zum Weltnaturerbe zählt. Video: „Mission Welterbe: Wattenmeer“ (Link)

1356 - Erster Hansetag

Karte Ausbreitung der Hanse um das Jahr 1400. Droysens

Hamburg nimmt am ersten Hansetag 1356 teil. Ungewöhnlich viele Hansestädte stehen auf der Liste des Weltkulturerbes, z. B. Lübeck, die „Mutter der Hanse“, Bremen sowie die Altstädte von Stralsund und Wismar; im Ausland Bryygen (Bergen), Krakau, Nowgorod, Riga, Tallinn, Thorn, Vilnius und Visby. Nach dem Niedergang der Hanse übernimmt Hamburg von Lübeck die Rolle als führende Handelsstadt Nordeuropas.

1616 bis 1625 - Bau des Stadtwalls

Abbildung der Stadt Hamburg im Jahr 1651
Hamburg Modell im Museum für Hamburgische Geschichte

Nach den Plänen des niederländischen Festungsbaumeisters Johan van Valckenbergh erhält Hamburg moderne Wallanlagen. Sie lagen teilweise auf dem Gebiet der Speicherstadt. An der Stelle der westlichen Wallanlagen wurde im 19. Jahrhundert der Park Planten un Blomen angelegt. Namen wie „Sandtorhafen“, „Millerntor“ oder „Ericusbrücke“ erinnern an die Tore und Bastionen der Festung. Van Valckenbergh prägte auch das Stadtbild der Welterbestätten Lübeck und Bremen, die nach seinen Entwürfen befestigt wurden.

1842 - Der große Brand

Stelzner, Carl Ferdinand - Die Ruinen der Nikolaikirche (Zeno Fotografie)
Hamburg Karte mit Brandgebiet (Großer Brand 1842)

Der Große Brand wütet vom 5. bis 8. Mai 1842. Rund 20.000 Menschen werden obdachlos. Neben 1.700 Häusern und zahlreichen öffentlichen Gebäuden zerstört das Feuer auch 102 Speicher.

1883 bis 1912 - Bau der Speicherstadt

Hamburg Speicherstadt 1888 Querschnitt


Bau der Speicherstadt im Freihafen mit den Lagerhäusern und den Brücken. Zuvor Abriss der Wohnhäuser auf Kehrwieder, Wandrahm und Holländisch Brook; rund 20.000 Bewohner verlieren ihr Zuhause und drängen in die unversehrten Wohnviertel. Die hygienischen Verhältnisse verschlechtern sich und begünstigen den Ausbruch der Choleraepidemie von 1892, der über 8600 Menschen zum Opfer fallen.

1922 bis 1943 - Bau des Kantorhausviertels

Chilehaus im Kontorhausviertel (Hamburg)

Bau der vier Gebäude des Kantorhausviertels, die zum Weltkulturerbe zählen: Chilehaus (1922 bis 1924, Architekt Fritz Höger) Meßberghof (1922 bis 1924, Architekten Hans und Oskar Gerson), Montanhof (1924 bis 1926, Architekten Hermann Distel und August Grubitz), Sprinkenhof (1927 bis 1943, Architekten Hans und Oskar Gerson, Fritz Höger).

1944 bis 1945 - Zerstörung

Royal Air Force Bomber Command, 1942-1945. CL3400

Rund drei Viertel der Speicherstadt werden durch Bomben zerstört. In den Nachkriegsjahren erfolgen der Wiederaufbau und die Verlagerung des Hafens.

2015 - UNESCO-Weltkulturerbe

Speicherstadt Hamburg (UNESCO-Weltkulturerbe)
Die UNESCO nimmt vier Gebäude im Kontorhausviertel und die Speicherstadt in die Liste des Weltkulturerbes auf (Nr. 1467). Der Titel lautet: „Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus“. Es handelt sich um „herausragende Beispiele der Gebäude- und Ensembletypen, die die Folgen des raschen Wachstums des Welthandels im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verkörpern.“ (aus der Erklärung zum außergewöhnlichen Wert)

Ericusbrücke, Shanghaibrücke und ein Tisch

Zwei Brücken & ein Tisch

Eine Reise wert ist das Gebiet am Brooktorkai eigentlich wegen eines Tisches, aber auch die Ericusbrücke und die Shanghaibrücke sind sehenswert. Die eine Brücke ist ein technisches Denkmal, die andere preisgekrönt. Und einer der bestausgezeichneten Köche Deutschlands bittet in der Nähe zu Tisch – nämlich in „The Table“.

Ericusbrücke

Die Ericusbrücke ist eine Drehbrücke, die vom Brooktorkai /Ericus zum Lohsepark führt. Sie wurde 1870 erbaut und gilt als eine der ältesten erhaltenen Drehbrücken Deutschlands. Die Stahlbrücke mit unterschiedlich langen Armen (Nordarm: 17,7 m; Südarm: 18,0 m) dreht sich auf einem Steinpfeiler im Ericusgraben und ermöglichte die Einfahrt von Schiffen. Benannt ist die Brücke nach der Bastion Ericus, die Teil der ehemaligen Stadtbefestigung war. (Die Ericusbrücke vermittelt kein Bild der abgetragenen Drehbrücke am Niederbaum, denn diese war als Stabbogenbrücke konzipiert, das heißt, die Fahrbahn trug einen Bogen.)

Ericusbrücke (Hamburg-HafenCity).3.14151.ajb

Shanghaibrücke

Zum Bauwerk des Jahres 2006 hat der Hamburger Architekten- und Ingenieurverein die Shanghaibrücke gekürt. Sie ist eine breite Rahmenbrücke für Fußgänger und Straßenverkehr. Der Architekt Dietmar Feichtinger hat Erfahrung mit der Planung für UNESCO-Welterbestätten: Er entwarf eine 1841 m lange Brücke zum Mont Saint-Michel (Weltkulturerbe seit 1979) und die Passerelle Simone-de-Beauvoir über die Seine in Paris (Die Pariser Seine-Ufer zählen zum Weltkulturerbe seit 1991.). Auf den Seiten des Vereins heißt es:

„Die Shanghaibrücke trägt den Weg über das Wasser in der Eleganz ausgewogener Proportionen und wird so zum ästhetischen Merkpunkt, zur Landmarke. Fußgänger wie Autofahrer erleben die Brücke als eigenständigen Ort, von dem aus sich das Flair einer mit Fleeten und Kanälen durchzogenen Stadt am Wasser in besonderer Weise erschließt.“ (Link)

Der ästhetische Merkpunkt fällt kaum auf. Ist es nicht übertrieben, die Brücke als „Landmarke“ zu bezeichnen? Landmarke: Ein Begriff, der auf die sich auftürmende Elbphilharmonie, die weitgespannte Köhlbrandbrücke oder den 280 m hohen Heinrich-Hertz-Turm zutrifft, – aber auch auf die Shanghaibrücke, deren höchstes Element das Brückengeländer ist? Erleben die Autofahrer, die über die Brücke rauschen, diese tatsächlich als „eigenständigen Ort“? Kein Wort auch zu den vier Fahrbahnen Verkehrslärm, die dem Hörgenuss abträglich sind, wenn man das erwähnte Flair genießen möchte. Dafür und für die städtebaulichen Rahmenbedingungen kann freilich der Architekt nichts, der wahrscheinlich das Beste aus der Situation gemacht hat.

The Table

Eine kulinarische Landmarke ist übrigens das nahegelegene Restaurant „The Table“: Kevin Fehlings kulinarische Kreationen sind den Feinschmeckern des Guide Michelin drei Sterne wert. Das ist die höchste Auszeichnung, mit der sich deutschlandweit nur rund ein Dutzend Restaurants schmücken dürfen. Drei Sterne bedeuten laut Michelin-Definition: „eine Reise wert!“ (Adresse: The Table, Shanghaiallee 15, 20457 Hamburg, www.thetable-hamburg.de).

Fehling kochte zuvor in einer Welterbestätte, nämlich im Restaurant Wullenwever, das in der Lübecker Altstadt steht.

Brücken am Zollkanal: vor der Speicherstadt

Brücken am Zollkanal

Speicherstadt (Hamburg-HafenCity).Zollkanal.14863.ajb

Acht Brücken führen von der nördlich gelegenen Altstadt über den Zollkanal in die Speicherstadt. Die älteren Brücken sind aufwändig und repräsentativ, die neueren Brücken schlichter. So oder so: Die Brücken sind Zeugen vom Kommen und Gehen der vielen Hamburger, die in der Speicherstadt arbeiteten, und das Werk namhafter oder in Vergessenheit geratener Architekten und Bildhauer.

Die Brücken bieten Ausblicke auf Sehenswürdigkeiten am Zollkanal und im UNESCO-Welterbe Speicherstadt – und führen zu ihnen. Von Westen nach Osten überqueren folgende Brücken den Zollkanal:

Niederbaumbrücken

Niederbaumbrücke (Hamburg).ajb

Die Niederbaumbrücken sind zwei nebeneinanderliegende Bogenbrücken zwischen Baumwall und Kehrwieder:

  • Die östliche Brücke wurde 1957 errichtet.
  • Die westliche Brücke (1978) befindet sich an der Stelle einer 1878 bis 1880 errichteten Drehbrücke, die von 1911 bis 1912 zu einer festen Brücke umgebaut wurde.

Namensgeber ist der Niederbaum, eine schwimmende Holzkonstruktion, die die westliche Hafeneinfahrt versperrte (Vgl. Oberbaumbrücke.). Die Brücken bieten sich als Start- oder Endpunkt für einen Rundgang durch die Speicherstadt an, denn sie sind gut erreichbar über die nahe gelegene Haltestelle „Baumwall (Elbphilharmonie)„(Webseite: https://www.hochbahn.de/hochbahn/hamburg/de/Home/Naechster_Halt/Hamburg_erleben/elphi_flotte)

Kehrwiedersteg

Kehrwiedersteg (Hamburg)

Der Kehrwiedersteg führt als Fußgängerweg über zwei Brücken:

  • Eine Schrägseilbrücke überspannt zwischen Altstadt und Kehrwieder den Zollkanal. Das zinnenbewehrte Gebäude am Altstadtufer (Hohe Brücke 2) ist das Kranwärterhaus.
  • Zwischen Kehrwieder und Am Sandtorkai führt dann eine Bogenbrücke über die Kehrwiederfleet.

Kurz vor dem Altstadtufer zweigt ein Steg vom Kehrwiedersteg ab zur Flussschifferkirche.

Flussschifferkirche-neue-Farbe2 Flussschifferkirche innen, Zollkanal Hamburg

Flussschifferkirche

Von außen ist kaum erkennbar, dass das Schiff, das im Zollkanal vor Anker liegt, eine Kirche ist. Das 1906 gebaute Schiff wurde 1952 zur evangelischen Schiffskirche umgebaut und liegt seit 2006 im Zollkanal. Die Schiffskirche ist ein Leichter (Schiff ohne Antrieb) und kann sich aus eigener Kraft nicht fortbewegen. Mit der Barkasse „Johann Hinrich Wichern“ (siehe Foto) erfolgt die seelsorgerische Betreuung der Binnenschiffer*innen. Sie ist benannt nach dem Erfinder des Adventskranzes und Begründer der Binnenschiffahrts-Seelsorge.  Webseite: http://www.flusschifferkirche.de/

Die Flussschifferkirche ist eine von deutschlandweit sechs Schiffskirchen (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenboot).

Brooksbrücke

Die Brooksbrücke über den Zollkanal (c.1895)

Die 1887 zwischen Cremon und Brook errichtete Brooksbrücke ist eine ca. 50 m lange Bogenbrücke auf Steinstützen. Diese tragen vier von J. J. Darboven gestiftete Bronze-Statuen, die Jörg Plickat zwischen 2001 und 2006 anstelle kriegszerstörter Skulpturen erstellt hat. Nordseite: Hammonia (Schutzgöttin Hamburgs) und Europa (anstelle der Germania); Südseite: St. Ansgar (erster Erzbischof Hamburgs) und Barbarossa (gewährte Hamburg 1189 Zoll- und Handelsfreiheit).

Anleger Zollkanal

Schiffsanlegerbrücke

Brücken können nicht nur von einem Ufer zum anderen führen, sondern auch von einem Ufer zu einem Schwimmanleger. Ein Beispiel ist der Schiffsanleger zwischen Brooksbrücke und Kibbelsteg. Er besteht aus zwei Teilen:

  • dem floß-ähnlichen Ponton. Er dient dem Ein- und Ausstieg von den anlegenden Schiffen.
  • mehreren Pfählen, an denen der Ponton gleitend befestigt ist.

Die größten Schwimmanleger Deutschlands dümpeln nur wenige hundert Meter weiter westlich. Es sind die zehn St. Pauli-Landungsbrücken. Durch den Zollkanal und zu den Landungsbrücken fahren die Schiffe der Maritime Circle Line (Webseite: https://maritime-circle-line.de/fahrplan/)

Kibbelstegbrücken

Hamburg, Speicherstadt, Kibbelstegbrücke -- 2016

Kibbelstegbrücken: Der 2001 bis 2002 nach den Plänen von von Gerkan, Marg und Partner errichtete Fußgängersteg führt über eine große und zwei kleine Bogenbrücken: Große doppelstöckige Bogenbrücke auf Betonstützen zwischen Cremon und Wandrahm, doppelstöckige Bogenbrücke über Brooksfleet zum Großen Grasbrook, dort überspannt die dritte Bogenbrücke die Straße Am Sandtorkai. Die Gesamtlänge beträgt rund 220 Meter.

Jungfernbrücke

Jungfernbrücke (Hamburg).Detail.ajb

Nicht zu verwechseln mit dem Jungfernstieg, die westliche Uferstraße entlang der Binnenalster, ist die Jungfernbrücke: eine 1887 bis 1888 errichtete 41 m lange Bogenbrücke zwischen Grimm und Wandrahm, reserviert für Fußgänger.

Kornhausbrücke

Kornhausbrücke in Speicherstadt Hamburg, by night

Die 1886 bis 1888 zwischen Grimm und Wandrahm errichtete Kornhausbrücke ist eine Sichelbogenbrücke auf steinernen Auflagern mit abgehängter Fahrbahn. Auf den Auflagern erheben sich Statuen von 1903 (Nordseite: Christoph Kolumbus (Bildhauer: Carl Börner) und Vasco da Gama (Bildhauer: Hermann Hosaeus); Südseite: Ferdinand Magellan und James Cook (beide nicht mehr vorhanden). Benannt ist die Brücke nach dem abgerissenen Kornhaus.

Wandrahmsteg

Wandrahmsteg (Hamburg)

Der 1960 bis 1962 erbaute Wandrahmsteg führt von der Speicherstadt zur Kontorhausviertel. Es handelt sich um einen schlichte Balkenbrücke für Fußgänger*innen.Das Foto zeigt den Wandrahmteg mit Blick nordwärts zum Meßberghof (mit dem Chocoversum Hachez). Links davon, hinter den Bäumen, steht das weltberühmte Chilehaus. Rechts außerhalb des Bildes erhebt sich auf dreieckigem Grundriss das  2002 vollendete Deichtor-Center, ein zehnstöckiger Bürobau von Hadi Teherani.

Oberbaumbrücke

Oberbaumbrücke (Hamburg-Altstadt).ajb

Die benachbarte Oberbaumbrücke ist benannt nach dem Oberbaum, der die östliche Hafeneinfahrt blockierte (Vgl. Niederbaumbrücke.). Die Balkenbrücke zwischen Deichtorplatz und Wandrahm wurde 1960 bis 1962 in der Nähe der ehemaligen „Gross Ericusbrücke“ errichtet. Sie ist die östlichste Brücke, die über den Zollkanal in die Speicherstadt führt. Von ihr hat man einen guten Blick zur Oberhafenbrücke.

Oberhafenbrücke

Oberhafenbrücke.Metronom.pano.wmt

 Die Oberhafenbrücke führt kurz vor dem Zollkanal über den Oberhafenkanal, der sich an der Ericusspitze aufteilt in Zollkanal und Ericusgraben. (Das Foto zeigt die Oberhafenbrücke mit Blick von der Ericusspitze.) Die Oberhafenbrücke ist eine doppelstöckige Fachwerkbrücke. Auf der oberen Ebene fahren Züge, auf der unteren der Straßenverkehr. Die alte Brücke (erbaut 1902-04) besaß eine Drehbrücke und wurde 2007 durch einen sehr ähnlichen Neubau ersetzt. Der große Pfeiler (dritter von rechts) trug früher den Drehmechanismus.

Zollkanal

Schild mit der Aufschrift ZOLLGRENZE ( Deutsches Zollmuseum Hamburg)

Zollgrenze Zollkanal

Der Zollkanal grenzte das Zollfreigebiet Speicherstadt ab. Man konnte Waren aus dem Ausland in die Speicherstadt ein- und ausführen oder dort lagern, ohne Zoll zahlen zu müssen. Seit 2013 hat Hamburg keine Zollfreizone mehr. In Deutschland gibt es noch zwei Freizonen:

  • der Freihafen Bremerhaven ist 4 km² groß und von einem zehn Kilometer langen Zollzaun umgeben.
  • der Freihafen Cuxhaven ist 0,15 km² groß und von einem 600 Meter langen Zollzaun umgeben.

Ausführlicher informiert der Zoll auf der Webseite: https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Zoelle/Zollverfahren/Freizonenverfahren/Allgemeines/allgemeines_node.html

Deutsches Zollmuseum, Zollkreuzer Oldenburg und Zollabfertigungshalle am Zollkanal in Hamburg, Germany - panoramio (137)

Deutsches Zollmuseum

Östlich der Kornhausbrücke befindet sich das Gebäude des Zollamts Kornhausbrücke (erbaut 1900), das bis 1984 der Verzollung von Teppichen diente. Dort ist inzwischen das Deutsche Zollmuseum, untergebracht. Das Foto zeigt den Zollkanal mit dem Zollkreuzer Oldenburg (links), einer ehemaligen Zollabfertigungshalle auf einem Ponton und im Hintergrund das Gebäude des Deutschen Zollmuseums. Webseite: https://www.zoll.de/DE/Der-Zoll/Zollmuseum/zollmuseum_node.html

Valentin Ruths Boat House at Hamburg

Baumhaus Hamburg

Eine Zollgrenze gab es in Hamburg schon vor Bau des Zollkanals. Zu den markantesten Zollbauwerken zählte das Niederbaumhaus (oder kürzer: Baumhaus). Es stand an der Stelle der Haltestelle Baumwall, wurde 1662 erbaut und 1857 abgerissen. Im Konzertsaal (1. OG) wurden Werke der Komponisten Reinhard Keiser und Philipp G. Telemann uraufgeführt. Mehr Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Baumhaus_(Hamburg)

Brücken und Zollgrenzen in Deutschland

Der Hamburger Zollkanal und seine Brücken sind natürlich nicht die einzig bekannten ihrer Art. Es gibt in Deutschland Zollgrenzanlagen und Brücken, die ebenfalls bekannt und bedeutend sind.

Karte berlin akzisemauer

Berliner Zollmauer

Eine Oberbaumbrücke und Unterbaumbrücke gibt es auch in Berlin. Das ist kein Zufall, denn sie hatten ebenfalls eine Funktion als Zollgrenze. Die Karte zeigt den Verlauf der Berliner Zoll- und Akzisemauer (erbaut 1734-37). Sie war von 18 Toren unterbrochen. Das letzte erhaltene Zolltor ist zu Deutschlands wohl bekanntestem Nationalsymbol avanciert: das Brandenburger Tor.

Wismar Altstadt 09 Wismar, Blick auf den Hafen , links die Kogge Wismaria 12

Wismar: Altes Zollhaus und Baumhaus

Auch ein Baumhaus gab es nicht nur in Hamburg. Zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen die Altstadt Wismar und der Alte Hafen. Dort steht das Großherzogliche Zollhaus (Ende 19. Jhd.). Im Gebäude befinden sich im EG ein Restaurant und darüber Ferienwohnungen. Weiter hafenauswärts steht das Baumhaus (Anfang 18. Jhd.). Es ist benannt nach dem Baum, mit dem man die Hafeneinfahrt blockieren konnte. Das Foto unten zeigt das Baumhaus Wismar mit der Kogge Wismaria und einem alten Speichergebäude.

Auch in Stralsund, das mit Wismar eine Welterbestätte bildet, gibt es einen Hafen mit mehreren Brücken und Speichergebäuden sowie der Gorch Fock II.  

Von den Brücken über den Zollkanal hat man es nicht weit zu Deutschlands zwei längsten Brücken:

Hochstraße Elbmarsch mit Köhlbrandbrücke B010  Koehlbrandbruecke, Hamburg (P1080512)

Hochstraße Elbmarsch & Köhlbrandbrücke

In Hamburg stehen Deutschlands längste und zweitlängste Straßenbrücke (die längste Eisenbahnbrücke ist die Saale-Elster-Talbrücke mit 6465 m Länge):

  • Die Hochstraße Elbmarsch ist 4258 Meter lang. Sie wurde 1971-74 erbaut und verläuft in Nord-Süd-Richtung westlich des Köhlbrand. Sie führt die A 7 bis zum Elbtunnel.
  • Mit einer Gesamtlänge von 3618 m überquert die Köhlbrandbrücke den gleichnamigen Kanal. Die Brücke wurde 1970-74 erbaut und soll wohl 2030 abgerissen und durch einen Tunnel ersetzt werden. Die Planung teilten sich die auf  Brückenbau spezialisierten Architekten Paul Boué (1920-2016), Egon Jux (1927-2008) und Hans Wittfoht (1924-2011).

Das Foto links oben zeigt Deutschlands zwei längste Straßenbrücken: die Hochstraße Elbmarsch im Vordergrund und im Hintergrund die Köhlbrandbrücke (siehe auch Foto unten). Zusammen mit rund 400 Brücken machen sie Hamburg zur Brückenmetropole Europas.

Die Poggenmühlenbrücke & die Brücken der Speicherstadt

Die Brücken in der Speicherstadt

Die Brücken innerhalb der Speicherstadt, die die einzelnen Inseln verbinden, sind einander ähnlich: kürzer, niedriger und weniger aufwändig als die Brücken über den Zollkanal.

Poggenmühlenbrücke

Den vielleicht schönsten Blick auf die Speicherstadt hat man von der dreibogigen Poggenmühlenbrücke, die ganz im Osten liegt: Das Wasserschloss thront auf der Inselspitze, wo Wandrahmfleet und Holländischbrookfleet zusammenfließen, eingerahmt von den langen Reihen der Speichergebäude. Der Ausblick ist beeindruckend, besonders nachts, wenn der Verein Lichtkunst Speicherstadt die Backsteinfassaden der Speicher effektvoll ausleuchtet (www.lichtkunst-speicherstadt.de).

Poggenmühle, Hamburg, Germany (Unsplash)

Nüchtern & funktional

Bei einigen Brücken im Osten der Speicherstadt liegen die Verkehrsflächen für Fußgänger und Fahrzeuge vereint zwischen den Brückenbögen. Die Geländer sind schlicht, sie bestehen aus drei Reihen horizontaler Stahlstangen (Wandrahmsfleetbrücke, Holländisch-Brookfleet-Brücke).

Hamburg Speicherstadt Hollaendischbrookfleetbruecke 02

Schöne Geländer

Die Brücken in der Mitte der Speicherstadt weisen eine andere Konstruktion auf. Bei ihnen sind die Verkehrsflächen für Fußgänger und Straßenverkehr getrennt: Zwischen den zwei Brückenbögen befindet sich die Fahrbahn, während an den Außenseiten der Bögen jeweils ein schmaler Gehweg zur Verfügung steht. Schöne schmiedeeiserne Geländer begleiten den Gehweg (u. a. Kannengießerbrücke, Kannengießerortbrücke, Pickhubenbrücke). Ein Beispiel ist die Sandbrücke.

Sandbrücke übers Brooksfleet

Steinerner Teppich: Die Wilhelminenbrücke

Beachtenswert ist der 27 m lange Steinerne Orientteppich (2005) von Frank Raendchen auf der Wilhelminenbrücke am westlichen Zipfel der Speicherstadt.

Wilhelminen-Brücke Mosaik Steinerner Orientteppich (3)