Ein Kontor bezeichnet das Arbeitszimmer der Kaufleute. Bei dem traditionellen Hamburger Bürgerhaus war das Kontor zusammen mit Wohnung und Speicher unter einem Dach vereint. In der Deichstraße an der Nikolaifleet, nördlich der Speicherstadt gelegen, hat sich ein Ensemble dieser Bürgerhäuser erhalten (Siehe Abbildung unten.).

Hamburg Fleet mit Reimersbrücke und Katharinenkirche 1863

Ein Kontorhaus ist eine spezialisierte Weiterentwicklung: Das Haus enthält in den oberen Geschossen überwiegend Kontore, im Erdgeschoss sind Geschäftsläden untergebracht. Ein Kontorhaus ist oft im Eigentum einer einzigen Person und wird an zahlreiche Nutzer vermietet, während bei einem Hamburger Bürgerhaus der Eigentümer meist der alleinige Nutzer war. Beispielsweise war der Hamburger Kaufmann Henry B. Sloman der erste Eigentümer des Chilehauses. Inzwischen ist es ein Investitionsobjekt der Union Investment.

Die Vorbilder

Manchmal liest man, dass nordamerikanische Bürogebäude das Vorbild für die Kontorhäuser gewesen seien. Damit wird man aber der Vielfalt der Einflüsse nicht gerecht: Als Vorbild für das erste Hamburger Kontorhaus, den Dovenhof, gelten vielmehr Londoner Geschäftshäuser – zumindest bezüglich der Funktion. Möglicherweise spielten auch andere Gebäudetypen, z. B. Passagen, eine Rolle. Vorbild für die Fassade des Dovenhofs waren Bauten der französische Renaissance. Für die Fassade des Chilehauses kam hingegen Backstein zum Einsatz, der das traditionelle Material norddeutschen Kirchen und Rathäuser war. Bedeutende Beispiele sind die Kirchen in Lübeck, Stralsund oder Wismar oder das Bremer Rathaus.

Außerdem ist zu bedenken, dass zwischen dem Bau des ersten Kontorhauses (1885) und den jüngeren Häusern (z. B. Sprinkenhof, fertiggestellt 1943) gut 60 Jahre liegen. In dieser Zeit wirkten unterschiedliche ästhetische Strömungen (Historismus, Jugendstil, Expressionismus, Heimatstil) auf die Entwicklung des Gebäudetypus Kontorhaus ein. Hinzu kamen technische Erneuerungen: Der Stahlskelettbau ersetzte den Massivbau.

  • Das älteste Kontorhaus war der Dovenhof. Man hat ihn 1885-1886 an der Brooksbrücke gegenüber der Speicherstadt errichtet und 1967 abgerissen.
  • Zum Weltkulturerbe zählen vier Kontorhäuser: Neben dem Chilehaus der Sprinkenhof, der Meßberghof und der Montanhof. Sie befinden sich im Kontorhausviertel.
  • Das bekannteste Kontorhaus dürfte das Chilehaus sein. Es wurde 1922-1924 nach den Plänen von Fritz Höger erbaut. Das benachbarte ehemalige Dienstgebäude der Hamburger Landherrenschaft (1906-1908) orientiert sich an den alten Bürgerhäusern. Es erlaubt somit einen guten Vergleich zwischen den Gebäudetypen Hamburger Bürgerhaus und Kontorhaus.
Vorbild Kontorhaus: Dienstgebäude der Hamburger Landherrenschaft im Kontorhausviertel (Hamburg, Klingberg 1)

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