Fagus-Werk

Die ersten Schritte des Bauhausstils?

Alfeld Fagus 08JUL15

Das Fagus-Werk (1911-14) bei Alfeld gilt als wegweisend für die moderne Industriearchitektur: Charakteristisch sind Funktionalität, Schmucklosigkeit und die Kombination aus Stahlskelettbau und gläserner Fassade. 2011 erklärte die UNESCO das Fagus-Werk zum Weltkulturerbe.

AdresseUNESCO-Welterbe Fagus-Werk
 Hannoversche Straße 58
 31061 Alfeld-Hannover
E-Mailinfo(at)fagus-werk.com
Telefon+49(0)5181-79-0
Fax
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Fagus-Werk

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Fagus-Werk: 51.984570, 9.811242
Erwachsene (ab 16 Jahren)12,- €
Erwachsene (ab 16 Jahren) ermäßigt11,- €
Kinder (bis 16 Jahre)10,- €
Gruppe (ab 15 Personen) pro Person10,- €
Gruppe ermäßigt (ab 15 Personen): pro Person9,- €
  
Video-Guide8,- €
Video-Guide ermäßigt7,- €

Führungen finden samstags und sonntags um 13:00 Uhr statt. Von April bis Oktober zusätzlich sonntags um 11:00 Uhr. Dauer: etwa 60 Minuten. Anmeldung nicht erforderlich.

1. Fagus-Werk (UNESCO-Besucherzentrum, Fagus-Gropius-Ausstellung, Fagus-Galerie)*

MonatTagUhrzeit
April – Oktobertäglich10:00 – 17:00 Uhr
November – Märztäglich10:00 – 16:00 Uhr

* Ausnahmen: 01. Januar, 24. – 25. und 31. Dezember geschlossen.

2. Fagus-Gropius-Café**

 MonatTagUhrzeit
 Januar – Dezemberwerktags08:15 – 14:00 Uhr
 April – OktoberWochenende11:00 – 17:00 Uhr
 November – MärzWochenende13:30 – 16:30 Uhr

** Ausnahmen: 24. Dezember – 06. Januar geschlossen.

Lage

Das Fagus-Werk liegt bei der Kleinstadt Alfeld in Niedersachsen. Die nächstgrößeren Städte sind Hannover (im Norden) und Göttingen (im Süden).

Die Leine fließt von Südosten nach Nordwesten. Durch das Leintal folgen dem Flußlauf

  • die Hannoversche Straße und
  • die Eisenbahnlinie Göttingen-Hannover. 

Das Fagus-Werk liegt zwischen der Straße und der Eisenbahnlinie am Südufer der Leine, Alfeld am Nordufer. Der Bahnhof Alfeld befindet sich ein paar Schritte neben dem Werksgelände.

Eine wegweisende Idee: passende Schuhe

Leisten Herstellung Fagus Werk

Bis ins 19. Jahrhundert hatten linker und rechter Schuh die gleiche Form. Der Arzt Georg von Meyer (1815-92) forderte Bahnbrechendes: Man solle die Schuhform der Fußform anpassen. Ein passender Schuh verhindert Fußerkrankungen und erleichtert das Laufen.

Der Fabrikant Carl Benscheidt leistete einen wertvollen Beitrag zur Fußgesundheit: Er ließ asymmetrische Schuhleisten herstellen. Sie geben dem Schuh bei der Herstellung die Form.

Der Fabrik-Komplex

Fagus Gropius Hauptgebaeude 200705 wiki front

Das Foto zeigt das Fagus-Werk vom Eingang an der Hannoverschen Straße aus.

  • Rechts der Ostflügel des Hauptgebäudes mit Vestibül und Haupttreppenhaus. Ursprünglich befanden sich an der Längsseite drei Eingänge. Der mittlere wurde entfernt. Auf dem Foto kaum erkennbar sind die eingeklappten Halterungen der Sonnenschutzsegel im 1. Obergeschoss an der Längsseite. An höchster Stelle, unterhalb der Dachkante, steht der Name des ehemaligen Firmenbesitzers „KARL BENSCHEIDT“.
  • Links davon die Werkstätten mit den großen Fensterflächen.
  • Es folgt das Trockenhaus mit kleinen Rechteckfenstern.
  • Dahinter befindet sich das Holzlager.
  • Die Sägerei bildet den Abschluss des Gebäudeensembles. Die Baumstämme lagerten im Freien (Siehe Foto.)
Fagus Gropius Hauptgebaeude 200705 wiki rueckseite

Das Fagus-Werk ist ein Gebäude-Komplex, der aus mehreren Einzelbauten besteht und in zwei Bauphasen entstand. Die Fabrik von 1910-13 wurde 13-14 durch den Ostflügel des Hauptgebäudes erweitert (Zum Zustand vor 1913 siehe Aufnahmen von Norden und von Süden.).

Das Foto zeigt das Fagus-Werk  von der Bahnlinie aus.

  • Links der Nordflügel des L-förmigen Hauptgebäudes mit Verwaltungsräumen. Gut sichtbar steht der Unternehmensname an der Attika: „FAGUS – WERK“.
  • Rechts davon das niedrige Kessel- und Maschinenhaus mit dem Schornstein. Die Dampfmaschine von früher ist durch die Kaffeemaschine ersetzt worden, denn hier befindet sich die Cafeteria.
  • Dahinter steht das Holzlager. Früher prangte an der Längsseite der Schriftzug „SCHUHLEISTEN- UND STANZMESSERFABRIK“. Inzwischen befindet sich hier eine Ausstellung.

Zur Fabrik zählen noch zwei Gebäude, die den Flügeln des Hauptbaus gegenüber stehen:

  • Der Spänebunker am Bahngleis steht gegenüber des Nordflügels. Er wurde 1923-24 nach Plänen des Architekten Ernst Neufert (1900-86) erweitert.
  • Schlosserei und Schmiede (mit Schornstein) stehen gegenüber des Ostflügels.

Im Kreuzungspunkt dieser zwei Bauten befindet sich das Häuschen der Gleiswaage.

Nicht mehr erhalten haben sich Nebengebäude an der Hannoverschen Straße (u. a. Fahrradunterstellplätze).

Werkbänke Leisten Herstellung Fagus Werk

Die großen Fenster sollten bessere Lichtverhältnisse bieten. Bis in die Gegenwart stellt man im Fagus-Werk Schuhleisten her. Das Wort „Fagus“ ist lateinisch und bedeutet „Buche“, denn die Schuhleisten bestehen aus Buchenholz (Weltnaturerbe Alte Buchenwälder). Das Foto zeigt einen Werkraum im Nordflügel des Hauptgebäudes.

Drei Architekten: Werner, Gropius, Meyer & Neufert

Das „Fagus-Werk“ ist mit dem Namen eines Architekten verknüpft: Walter Gropius. Das Fagus-Werk war aber nicht das Werk eines Einzelnen. An der Planung waren drei Architekten beteiligt: Werner, Gropius und Meyer. Ein vierter Architekt, Ernst Neufert, war später Bauleiter vor Ort.

Der erste Plan für das Fagus-Werk stammt von dem Architekten Ernst Eduard Werner (1847-1923) aus Hannover (mehr Infos), der bereits Erfahrung im Industriebau hatte.

Behrens Assistenten im Atelier 1908.jpg
Von nicht angegeben (unbekannt) - C. Arthur Croyle: Hertwig: The Zelig of Design. (Teaser). Culicidae Press, 2011, S. 102. ISBN 9780557729692., PD-alt-100, Link

Durch Vermittlung von Gropius‘ Schwager, der in Alfeld tätig war, kam Benscheidt in Kontakt mit Walter Gropius (1882-1969). Benscheidt erteilte Gropius den Auftrag, Werners Plan in moderner Gestalt auszuführen. Zusammen mit dem Architekten Adolf Meyer (1881-1929) gab Gropius den Plänen Werners eine moderne Fassade. Die Fagus-Werke sind Gropius‘ Erstlingswerk und machten ihn bekannt. Er wurde später Leiter des Bauhauses, für das er das Schulgebäude entwarf.

Adolf Meyer war mit Walter March für den Bau des Hauses Am Horn in Weimar verantwortlich (Teil des Bauhaus-Welterbes). Meyer ertrank 1929 im Wattenmeer vor Baltrum.

Ernst Neufert (1900-86) war Gropius‘ Schüler und ab 1922 Bauleiter. Er hat 1936 die „Bibel der Architekten“ geschrieben: die „Bauentwurfslehre“, meist „Neufert“ genannt. Zu seinen späteren Werken, zusammen er mit seinem Sohn Peter Neufert entwarf, zählen u. a. der Ernst-Neufert-Bau (Mathildenhöhe, Darmstadt), das Quelle-Versandzentrum (Nürnberg) oder das Eternit-Werk (Leimen). (Mehr Infos: neufert-stiftung.de).

Das Foto von 1908 zeigt Adolf Meyer (zweiter von links) und Walter Gropius (erster von rechts). Sie arbeiteten als Assistenten im Architekturbüro von Walter Behrens.

Die anderen Assistenten sind:

  • 1. v. l.: Mies van der Rohe (1886-1969),
  • 3. v. l., am Fenster: Bernhard Weyrather (1886-1946),
  • 4. v. l., am Tisch: Max Hertwig (1881-1975),
  • 5. v. l.: Jean Krämer (1886-1943).

Früher, radikaler - aber fast unbekannt

Die Architektur des Fagus-Werkes war ungewöhnlich. Bahnbrechend war sie nicht. Schon vor dem Fagus-Werk hatte man neue Wege beschritten, nämlich in einer Fabrik für Kuscheltiere:

Giengen Fabrikhalle Steiff

Nordöstlich von Ulm liegt Giengen an der Brenz. Die Steiff-Fabrik, in der man die Steiff-Teddybären herstellt, wurde schon 1903 erbaut. Auf traditionellen Backstein wie beim Fagus-Werk verzichtete man. Die Architekt*innen der Steiff-Fabrik sind unbekannt, in Frage kommt Richard Steiff (1877-1939). Er hatte an der Kunstgewerbeschule Stuttgart studiert und in England wohl auch Stahl-Glas-Konstruktionen kennengelernt. (Vgl. Reiff, Angelika: Architektur ohne Architeken: Die gläsernen Bauten der Spielwarenfabrik Steiff, 1992,  pdf)

Quellen