Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg

UNESCO-Welterbe der Reformation

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UNESCO-Weltkulturerbe Stadtkirche Wittenberg. Foto: Cethegus, Gemeinfrei, Link

Luthergedenkstätten: Überblick

Das UNESCO Weltkulturerbe „Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg“ besteht aus mehreren Einzeldenkmälern. Sie erinnern an das Wirken der Reformatoren, zu denen neben Luther auch Melanchthon, Bugenhagen oder Karlstadt zählen. Die Gedenkstätten befinden sich in zwei Städten:

  • In Eisleben stehen Luthers Geburtshaus und Luthers Sterbehaus.
  • In Wittenberg zählen zum Weltkulturerbe:
    • das Lutherhaus,
    • das Melanchthonhaus,
    • die Schlosskirche,
    • die Stadtkirche St. Marien.
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Lutherstadt Eisleben

Lutherstadt Eisleben Markt

Die Lutherstadt Eisleben liegt im Südwesten von Sachsen-Anhalt, rund 36 Kilometer westlich von Halle (Saale). Die Kleinstadt (23.000 Einw.) hat eine gut erhaltene Altstadt. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen:

  • die spätgotische St. Petri-Pauli-Kirche (1333 erstmals erwähnt; Umbau im 15. Jh.): Luther wurde hier am 11.11.1483 getauft.
  • die Alte Superintendur (16. Jh.), wo der Reformator Johannes Agricola (1495-1566) unterrichtete. Er war ein Freund Luthers und Melanchthons, mit denen er sich später zertritt. Bedeutend ist seine Sammlung deutscher Sprichwörter (1528, Digitalisat: https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10181583_00003.html)
  • die spätgotische St. Andreas-Kirche (1180 erstmals erwähnt, Umbau im 15. Jh.), in der Luther seine letzten Predigten hielt.
Lutherstadt Eisleben, Lutherstraße 16-20150730-009

Martin Luthers Geburtshaus

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Das Geburtshaus brannte 1689 ab. An dessen Stelle baute man 1693 das heute noch erhaltene Gebäude. Adresse: Lutherstraße 15, Webseite: https://www.martinluther.de/de/unsere-museen/luthers-geburtshaus

Wenn man vom Geburtshaus die Lutherstraße südwärts geht, überquert man den Fluß Böse Sieben, passiert in der Seminarstraße das Lutherarchiv und erreicht die St. Petri-Pauli-Kirche am Petrikirchplatz.

Lutherstadt Eisleben, Andreaskirchplatz 7-20150730-001

Martin Luthers Geburtshaus I: das angebliche

Am  18. Februar 1546 starb Luther in Eisleben mit 62 Jahren. Sein Sohn Paul, der Arzt wurde, gab als Todesursache „Herzinfarkt“ an. Als Luthers Sterbehaus wird das Gebäude südwestlich der Andreaskirche bezeichnet (Adresse: Andreaskirchplatz 7). Das spätgotische Haus entstand nach 1498. Durch das Portal gelangt man zu einem Innenhof und einen Rückgebäude. Das Sterbehaus dient inzwischen als Museum. Zu besichtigen sind u. a. das sogenannte „Sterbezimmer“ und das Schlafzimmer. 1707 wurde Luthers Sterbebett verbrannt, nachdem die Verehrung Luthers irrationale Züge angenommen hatte. Webseite: https://www.martinluther.de/de/unsere-museen/luthers-sterbehaus

Lutherstadt Eisleben, Markt 56-20150730-001

Martin Luthers Geburtshaus II: das echte

Man geht inzwischen davon aus, dass Luther gar nicht im Sterbehaus, sondern im Eckhaus Markt – Jüdenhof verstarb (Adresse: Markt 56). Beide Häuser waren im Besitz der Familie Drachstädt; später kam es zu einer Verwechslung. Das echte Sterbehaus wurde 1506 erbaut und später (wahrscheinlich durch den Stadtbrand 1601) zerstört. Der Nachfolgebau des echten Sterbehauses dient inzwischen als Hotel.

Lutherstadt Wittenberg

Die Lutherstadt Wittenberg (46.000 Einw.) liegt in Sachsen-Anhalt am Nordufer der Elbe. Die Altstadt ist von den Elbwiesen und einem Grüngürtel umgeben. Die gesamte Altstadt war für das UNESCO-Welterbe nominiert. Zum Weltkulturerbe hat die UENSCO vier Gebäude erklärt, die in besonderer Weise an Reformatoren erinnern. Wenn man durch die Altstadt von Westen nach Osten spaziert, gelangt man zu den Stätten des Welterbes in dieser Reihenfolge:

Schlosskirche Wittenberg, Innenansicht

Schlosskirche Wittenberg

Am Westrand der Altstadt Wittenberg steht das Wittenberger Schloss. Am 31. Oktober 1517 soll Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche geschlagen haben, um zu einer Diskussion über den Ablasshandel einzuladen. Die Kirche (Weihe 1503) bildet die Nordwestseite des Wittenberger Schlosses. Durch die Schlossstraße gelangt man zum Markt und weiter zur Stadtkirche.

Lutherstadt Wittenberg,Kirchplatz,Stadtpfarrkirche St. Marien

Stadtkirche St. Marien

Die Stadtkirche errichtete man 1412-39. Der „Reformations-Altar“ (1547) ist ein Werk Lucas Cranach des Älteren und seines gleichnamigen Sohns. Der Reformator Andreas Karlstadt (1486-1541) wagte hier 1522 ein Novum: Er predigte auf deutsch. Außerdem ließ er beim Abendmahl auch die Gemeinde aus dem Kelch trinken. Kirchenmusik und Bilder lehnte Karlstadt ab. Luther kam 1522 von der Wartburg, um dieser Bewegung Einhalt zu gebieten. Von der Stadtkirche geht es durch die Collegienstraße ostwärts zum Melanchthonhaus.

Lutherstadt Wittenberg 09-2016 photo10

Melanchthonhaus

Philipp Melanchthon (1497-1560) war ein Theologe, der zu den treibenden Kräften der Reformation zählt. Das Renaissance-Haus ließ der sächsische Kurfürst 1536-39 errichten und schenkte es Melanchthon. Dieser lebte dort mit seiner Familie bis zu seinem Tod. Das Melanchthonhaus wurde kaum verändert und beherbergt ein Museum, das über Melanchthon informiert. Vom Melanchthonhaus führt die Collegienstraße zum Augustinum und Lutherhaus.

Wittenberg Lutherhaus

Lutherhaus

1504 bauten Augustinermönche ein Kloster am Ostrand der Stadt Wittenberg. Nachdem die Mönche das Kloster verlassen hatten, stellte der sächsische Kurfürst das Gebäude Luther zur Verfügung, der dort ab 1508 wohnte – zusammmen mit seiner Frau, Katharina von Bora (1499-1552), und seinen fünf Kindern. Die Familie baute Hopfen an, betrieb Viehzucht und braute Bier. Der Bierverkauf sicherte der Familie die Existenz und Luther die Finanzierung seiner Schriften. Die Unternehmensleitung lag in den Händen Katharinas. Als in Wittenberg die Pest wütete, richtete sie ein Hospiz ein. Mit anderen Frauen kümmerte sie sich um die Erkrankten. Katharina starb an den Folgen eines Verkehrsunfalls mit ihrem Karren.

Geplante Erweiterungen des UNESCO-Weltkulturerbes

Die Welterbestätten in Eisleben und Wittenberg sollen erweitert werden um Luthergedenkstätten in Mansfeld, Torgau und Coburg.

Mansfeld - Vom Schloss Mansfeld auf die Altstadt mit St. Georg-Kirche Luthers Elternhaus Museum (Mansfeld)

Mansfeld: Stadtkirche St. Georg & Elternhaus

Die Kleinstadt Mansfeld (8.600 Einw.) liegt nördlich von Eisleben. Luther verbrachte seine Kindheit und Jugend in Mansfeld. Hier stehen zwei Luther-Gedenkstätten:

Das Foto oben zeigt den Blick von Schloss Mansfeld westwärts auf die Altstadt mit der Kirche St. Georg. Das Anwesen mit dem Elternhaus erstreckt sich am rechten Bildrand, wo der große Baum steht.

Torgau Schloss Hartenfels BaerenzwingerTorgau Schlosskirche 03

Torgau: Schloss Hartenfels

Die Kleinstadt Torgau (20.000 Einw.) liegt an der Elbe in Nordsachsen. Am Ostrand der gut erhaltenen Altstadt von Torgau steht Schloss Hartenfels – direkt am Elbufer. Das Renaissance-Schloss entstand ab 1480 unter der Leitung bedeutender Architekten: Conrad Pflüger (ca. 1450-1506/07) und Konrad Krebs (1492-1540). Über den Bärengraben gelangt man in den Schlosshof mit Wendelstein (Treppenturm). Webseite: https://www.schloss-hartenfels.de/

Die Schlosskirche Torgau (1543-44) gilt als weltweit erster Neubau des Protestantismus. Luther weihte die Kirche am 05. Oktober 1544. Der Architekt, Nikolaus Gromann (1500-66), hat mehrere Bauten errichtet, die zum UNESCO-Welterbe zählen:

  • das Gebäude der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar
  • das Weimarer Stadtschloss (mit Konrad Krebs).

Beide Werke zählen (mitsamt der Umbauten) zum Weltkulturerbe Klassisches Weimar. Außerdem hat Gromann Umbauten geleitet am Palas der Wartburg (UNESCO-Weltkulturerbe) und an der Veste Coburg.

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Veste Coburg

Die Veste Coburg thront oberhalb der oberfränkischen Stadt Coburg  (41.000 Einw.) in Bayern. Die Burg wurde seit dem 10. Jahrhundert ausgebaut und nie erobert. Auf der Veste Coburg wohnten Luther und der Reformator Veit Dietrich (1506-49; Link) vom 24. April bis 04. Oktober 1530. In dieser Zeit tagte der Augsburger Reichstag. Luther wagte sich nicht dorthin, da er unter der Reichsacht stand. Es war Philipp Melanchthon, der den neuen Glauben auf dem Reichtstag vor Kaiser und Fürsten verteidigte. Außerdem formulierte Melanchthon das Glaubensbekenntnis des Protestantismus: das Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana). In der benachbarten Veste Heldburg befindet sich das Deutsche Burgenmuseum (Webseite: http://www.deutschesburgenmuseum.de/)

Die Veste Coburg beherbergt eine  bedeutende Kunstsammmlung, u. a. mit Werken von Lucas Cranach aus Wittenberg. Er war mehrmals Gast auf der Burg und hat mit seiner Werkstatt zahlreiche Reformatoren und deren Zeitgenoss*innen abgebildet. Die drei Gemälde unten stammen aus der Cranach-Werkstatt. Webseite: https://www.kunstsammlungen-coburg.de/

Lucas Cranach d.Ä. - Friedrich III. von Sachsen, genannt der Weise, 1532 (Veste Coburg)
Lucas Cranach d.Ä. - Martin Luther, 1528 (Veste Coburg)
Lucas Cranach d.Ä. - Sibylle von Cleve (Veste Coburg)

Luthergedenkstätten als UNESCO-Weltkulturerbe