Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb: UNESCO-Welterbe bei Ulm

Blick aus der Bocksteinhöhle ins Lonetal (Die Höhle zählt zum Weltkulturerbe Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb)

Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb. Überblick

Das UNESCO-Weltkulturerbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ besteht aus sechs Höhlen in der Nähe von Ulm. Dort hat man die ältesten Musikinstrumente und Kunstwerke der Menschheit entdeckt. Drei Höhlen liegen im Achtal, drei im Lonetal. Die Fundstücke sind in mehreren Museen ausgestellt. Die Artefakte zählen nicht zum Weltkulturerbe, obwohl sie den Höhlen die Bedeutung als Fundstätte geben.

Karte Achtal & Lonetal

Höhlen der Schwäbischen Alb

Blautopfhoehle otriven

In der schwäbischen Alb gibt es rund 2500 Höhlen. Kohlensäurehaltiges Wasser hat den Kalkstein der Alb vielfach aufgelöst, so dass eine Karstlandschaft entstand. Zu den beeindruckendsten Höhlen zählt die Blautopfhöhle mit Höhlenseen und großen Tropfsteinen in riesigen Hallen. In das kilometerlange Höhlensystem gelangen Taucher durch den Blautopf; ein Quellsee bei Blaubeuren im Achtal, ganz in der Nähe der Welterbehöhlen.

Im Vergleich zur Blautopfhöhle und anderen Felskathedralen sind die Höhlen des Weltkulturerbes unspektakulär. Sie sind meist nur wenige Meter lang, niedrig und ohne Tauchausrüstung zu erreichen. Zum Welterbe zählen sie vielmehr aufgrund der bedeutenden Funde der Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb. Folgende Höhlen sind Teil des Weltkulturerbes:

Achtal

  • Hohler Fels (vergittert; bedingt zugänglich (Öffnungszeiten: Mai – Oktober))
  • Sirgensteinhöhle (zugänglich)
  • Geißenklösterle (vergittert; bedingt zugänglich)

Lonetal

  • Bocksteinhöhle (zugänglich)
  • Hohlenstein-Stadel (vergittert)
  • Vogelherdhöhle (bedingt zugänglich (durch Archäopark))

Man entdeckte in diesen Höhlen Zeugnisse der frühen Menschheit, z. B. der Steinzeitkultur Aurignacien.

Aurignacien-Kultur: Musik & Malerei

Aurignacian culture map-de
Chauvet´s cave horses

Die Aurignacien-Kultur ist benannt nach dem französischen Fundort Aurignac (ausgesprochen: „Orinasjä“, „Orinjak“). Es handelt sich um die älteste Kultur des modernen Menschen (Homo sapiens) in Europa. Das Siedlungsgebiet erstreckte sich von der Iberischen Halbinsel bis zur Krim. Die Kultur dauerte etwa von 35-26.000 Jahre v. Chr.

Die Höhlen der Schwäbischen Alb sind nicht die einzigen Fundstellen der Aurignacien-Kultur, die zum Weltkulturerbe zählen. Auch die Chauvet-Höhle in Südfrankreich (Département Ardèche) steht seit 2014 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Im Unterschied zu den Höhlen in Frankreich (siehe Foto oben rechts) haben sich in der Schwäbischen Alb keine Felsmalereien erhalten – dafür aber die ältesten Musikinstrumente der Welt.

Achtal

Hohler Fels 5046

Das Achtal erstreckt sich westlich von Ulm. Die Höhlen liegen bei Blaubeuren (ca. 15 km bis Ulm). Die Sirgensteinhöhle befindet sich am Nord-, die beiden anderen Höhlen am Südufer der Ach, die von West nach Ost fließt. (Foto: Achtal beim Hohlen Felsen). Dem Flußlauf folgend passiert man:

Hohler Fels

Hohler Fels 5040

Am Ach-Ufer erhebt sich der Fels, in den ein rund 15 m langer Gang hineinführt. Er führt in eine rund 500 m² große Höhle. Bei den Ausgrabungen, die seit 1977 erfolgen, hat man mehrere Relikte der Steinzeit-Kultur gefunden, z. B. die Venus vom Hohlefels oder den Phallus von Schelklingen. Auch in der Gegenwart nutzt man den Hohlen Fels (wieder): In der Höhle finden Konzerte statt.

Venus vom Hohlefels (Aurignacien)

Die „Venus vom Hohlefels“ ist 35 bis 40.000 Jahre alt und somit die älteste bekannte Darstellung eines weiblichen Menschen. Die 6 cm hohe Figur aus Mammut-Elfenbein hat man 2008 entdeckt. Die Figur wird als Fruchtbarkeitssymbol, Talisman oder als Selbstbildnis gedeutet. Die Venus ist eines der bedeutendsten Kunstwerke des Aurignacien. Die Venus ist im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren ausgestellt.

VenusHohlefels2
Phallus von Schelklingen (Fundort: Hohler Fels; Austellungsort: Urgeschichtliches Museum Blaubeuren.

Phallus von Schelklingen (Gravettien)

Aus der nachfolgenden Zeit, dem Gravettien (vor ca. 35–24.000 Jahren), stammt der Phallus von Schelklingen. Er wurde vor ca. 28.000 Jahren gefertigt. Der Phallus wiegt 287 Gramm, ist 19,2 cm lang und aus Siltstein gefertigt. Der Stein diente als Retuscheur, d. h. als Schlagstein, mit dem man z. B. Feuersteine bearbeitet. Man fand den Phallus, zerbrochen in 14 Teile, im Jahr 2004. Ausgestellt ist er im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren.

Öffnungszeiten Hohler Fels (2020)

MonatTagUhrzeit
Mai – OktoberMittwoch – Freitag14.00 – 17.00 Uhr
 Samstag12.00 – 17.00 Uhr
 Sonntag11.00 – 17.00 Uhr
November – Apriltäglichgeschlossen

 

Eintritt Hohler Fels (2020)

Einzelperson4,50 €
ermäßigt (Schüler*innen, Studierende, Menschen mit Behinderung,  Teilnehmer*innen einer Führung3,00 €
Kinder und Jugendliche (7 bis 17 Jahre)1,00 €
Angemeldete Gruppen (ab 12 Personen) pro Person2,00 €

 

Führungen Hohler Fels (2020)

Öffentliche Führungen (ohne Anmeldung)

  • Samstags, 11:15 Uhr
  • Mittwochs, 16:00 Uhr (nur während der Ferienzeit in Baden-Württemberg)

Private Führungen (mit Anmeldung): max. 25 Personen, ca. 1 h Dauer; 40,- € + Eintritt). Anmeldung telefonisch (07394/248-17; Di-Do: 9 – 12; Do: 14-16) oder per Anmeldeformular.

Kontakt

AdresseStadt Schelklingen
 89601 Schelklingen
  
E-Mailinfo@schelklingen.de
Telefon07394/248-0
Fax

Sirgensteinhöhle

Schelklingen - Sirgensteinhöhle im Achtal

Die Höhle (ca. 5 m x 40 m) diente in der Steinzeit als Unterkunft. Oberhalb der Sirgensteinhöhle haben sich geringe Reste einer Höhlenburg (wohl 13. Jh.) erhalten.

Geißenklösterle

Blaubeuren - OT Weiler, Geißenklösterle im Bruckfelsmassiv
39 69 73 1 001 bearbeitet

Das Geißenklösterle zählt zu den bedeutendsten Steinzeit-Fundstätten der Welt. Hier entdeckte man die ältesten Musikinstrumente der Menschheit: Flöten aus Tierknochen. Das Foto zeigt eine Flöte aus Gänsegeierknochen. Sie ist etwa 40.000 Jahre alt (Museum der Universität Tübingen MUT). Zu den Funden zählt auch der „Adorant vom Geißenklösterle„: eine Figur, die ihre Arme in die Höhe hält (3,8 cm; Elfenbein, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart).

Urgeschichtliches Museum Blaubeuren

Urgeschichtliches Museum Blaubeuren

Funde aus den Höhlen im Achtal sind im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren ausgestellt, z. B. die Venus vom Hohle Fels und einige der Flöten. Wie die Steinzeitflöten klangen, kann man mithilfe von Rekonstruktionen hören. Das Museum befindet sich im ehemaligen Spital. Webseite: https://www.urmu.de/

Lonetal

Das Lonetal liegt nordöstlich von Ulm. Die Lone fließt von West nach Ost durch ein flaches Tal. Der Fluss liegt oftmals trocken, weil das Wasser im Karstgestein versickert. Alle drei Höhlen liegen am Südufer in der Nähe der Gemeinde Niederstotzingen (ca. 24 km bis Ulm). Von West nach Ost zählen folgende Höhlen zum Weltkulturerbe:

Blick aus der Bocksteinhöhle ins Lonetal bei Ulm (UNESCO-Weltkulturerbe)

Bocksteinhöhle

In der Bocksteinhöhle (15 m x 20 m) hinterließen u. a. die  Neandertaler ihre Spuren: ca. 60.000 Jahre alte Keilmesser mit gerader Schneide und geradem Rücken, sogenannte „Bocksteinmesser„.

Hohlenstein-Stadel

Ausgrabungen in der Hohlensteinhöhle im Lonetal. 01
Lion man photo

Am Ende des 69 m langen schlauchförmigen Hohlenstein-Stadels fand man 1939 über 260 Elfenbeinsplitter. Zusammengesetzt ergeben sie einen Löwenmenschen (31 cm, 35–40.000 Jahre; Museum Ulm). Die Figur zeigt ein Fabelwesen oder einen Schamanen, der eine Löwenmaske trägt. 2004 entdeckte man eine ähnliche, nur 2,5 cm große Löwenmenschen-Figur im Hohlen Felsen.

Vogelherdhöhle

Besuch in der Vogelherdhöhle, eine Zeitreise zurück in die Eiszeit vor 40 000 Jahren

Die ca. 50 m lange Vogelherdhöhle hat zwei Eingänge. Man entdeckte dort Tierfiguren aus Elfenbein, z. B. Pferd, Mammut oder Löwe. Sie sind rund 32.000 Jahre alt und zählen zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit. Einige Fundstücke sind im Archäopark Vogelherd ausgestellt, andere im Schloss Hohentübingen (Tübingen). Die Vogelherdhöhle und die benachbarte Kleine Vogelherdhöhle integrierte man in den Archäopark Vogelherd.

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Archäopark Vogelherd

Der Archäopark Vogelherd, eine Zeitreise zurück in die Eiszeit vor 40 000 Jahren

2012–13 entstand der Archäopark Vogelherd: Im Nordwesten des Geländes befinden sich die Vogelherdhöhlen, im Südosten das kreissegmentförmige Besucherzentrum aus Glas und Beton (Architekten: Ritter Jokisch). Das Foto zeigt den südöstlichen Teil des Archäoparks mit Freifläche und Besucherzentrum.

Öffnungszeiten Archäopark Vogelherd

MonatTagUhrzeit
April – OktoberMontaggeschlossen
 Dienstag – Sonntag10:00 – 18:00 Uhr
November – MärzMontaggeschlossen
 Dienstag – Samstag (für Gruppen nach Anmeldung)10:00 – 16:00 Uhr
 Sonntag (für Einzelpersonen)12:00 – 17:00 Uhr

Eintritt Archäopark Vogelherd

Einzelperson5,00 €
ermäßigt (Schüler*innen, Studierende, Menschen mit Behinderung,  Teilnehmer*innen einer Führung3,00 €
Kinder (bis 5 Jahre)0,00 €
  
Angemeldete Gruppen (ab 15 Personen) zuzüglich Eintritt50,00 €
Schulklassen  (zuzüglich Eintritt)40,00 €
Kindergeburtstag (zuzüglich Eintritt)40,00 €

Kontakt

AdresseArchäopark Vogelherd
 Am Vogelherd 1
 89168 Niederstotzingen-Stetten
E-Mailinfo@archaeopark-vogelherd.de
Telefon07325 952 8000
Fax

Museen mit Funden aus den Höhlen

Über die Hälfte der Fundstücke aus den Höhlen befindet sich im Museum der Universität Tübingen MUT. Zwei weitere Museen mit Exponaten sind das Museum Ulm (Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel. Website: https://museumulm.de/) und das Landesmuseum Württemberg im Alten Schloss in Stuttgart (Website: https://www.landesmuseum-stuttgart.de/).

Pferd vom Vogelherd im Museum der Universität Tübingen
Hohlenstein Nestbearbeitet

Museum der Universität Tübingen MUT

Oberhalb der Altstadt von Tübingen steht Schloss Hohentübingen. Hier befindet sich das Museum der Universität Tübingen MUT. Webseite: www.unimuseum.uni-tuebingen.de/)

  • Zur Sammlung „Ältere Urgeschichte“ zählen Fundstücke  der Eiszeitkunst, z. B. Flöten oder Tierfiguren aus den Höhlen im Ach- und Lonetal. Fotos von Funden der Vogelherdhöhle.
  • In der Sammlung „Jüngere Urgeschichte“ ist das UNESCO-Weltkulturerbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ vertreten.
  • In der Osteologischen Sammlung (Knochensammlung) befinden sich ebenfalls Funde aus den Höhlen, allerdings keine Kunstwerke, sondern die Knochen der Bewohner*innen, z. B. die drei Schädel (Siehe Foto.).
  • Zu den anderen Sammlungen (insgesamt über 70) zählen Mineralien-, Pflanzen- und Tiersammlungen sowie Kunstsammlungen und Sammlungen technischer Geräte, z. B. die Computersammlung im Wilhelm-Schickard-Institut. 

Warum sind die Höhlen der Schwäbischen Alb UNESCO-Weltkulturerbe?

Die UNESCO hat die Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb zum Weltkulturerbe erklärt, weil eines von zehn Welterbe-Kriterien erfüllt ist (Übersetzung durch das Auswärtige Amt):

„Kriterium (iii): Das Gut „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ dokumentiert in außergewöhnlicher Weise die Kultur der ersten in Europa siedelnden anatomisch modernen Menschen. Einzigartige Zeugnisse dieser Kultur, die sich in den Höhlen erhalten haben, sind geschnitzte Figuren, Schmuck und Musikinstrumente. Die Kunstwerke gehören zu den ältesten bislang entdeckten Objekten ihrer Art, die Musikinstrumente sind sogar die ältesten, die bisher weltweit gefunden wurden.“ (Quelle: https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2278328/bf006e0531d723afd5c1acc61c7cad79/42-hoehlen-eiszeitkunst-schwaebische-alb-data.pdf)

Ähnliche Welterbestätten: Höhlen

Die UNESCO hat mehrere Höhlen zum Welterbe erklärt. Ein Beispiel ist das Weltkulturerbe „Vézère-Tal: Fundorte und Höhlenmalereien“ in Südfrankreich. Sie ergänzt das Welterbe der Schwäbischen Alb, denn einige der Kulturen gingen der Aurignacien-Kultur voraus, andere folgten ihr.

Ältere Kulturen

RacloirLa Quina MHNT PRE.2009.0.206.1 (2)
Biface Micoquien MHNT PRE .2009.0.193.1 (3)

Der Aurignacien-Kultur gingen voraus:

  • Moustérien-Kultur (vor ca. 120–40.000 Jahren), benannt nach der Höhle „Le Moustier“ im Département Dordogne. Sie zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe „Vézère-Tal: Fundorte und Höhlenmalereien“.
  • Micoquien-Kultur (vor ca. 60–40.000 Jahren), benannt nach der Höhle „La Micoque“ in Frankreich. Sie zählt ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe „Vézère-Tal: Fundorte und Höhlenmalereien“.

Jüngere Kulturen

Fragment Feuille de laurier Lartet
Lascaux painting

Auf die Aurignacien-Kultur folgten:

  • Gravettien-Kultur (vor 35–24.000 Jahren), z. B. in der erwähnten Chauvet-Höhle.
  • Solutréen-Kultur (vor ca. 24–18.000 Jahre), z. B. in der Höhle Laugerie-Haute (UNESCO-Weltkulturerbe „Vézère-Tal: Fundorte und Höhlenmalereien“).
  • Magdalénien-Kultur (vor ca. 18–12.000 Jahren), z. B. in der Höhle von Lascaux (UNESCO-Weltkulturerbe „Vézère-Tal: Fundorte und Höhlenmalereien“, 1979).

Welterbestätten aus prähistorischer Zeit

UNESCO-Weltkulturerbe aus prähistorischer Zeit sind:

*= Keine Fundorte, sondern Orte mit Museen, die Fundstücke der Welterbestätte ausstellen.

UNESCO-Welterbe in der Nähe von Ulm

Weissenhof Corbusier 03

Zwei Häuser in der Weißenhofsiedlung (Stuttgart)

Zwei Häuser in der Weißenhofsiedlung, Haus Citrohan und das Doppelhaus, sind Teile eines internationalen Welterbes, das an Le Corbusier erinnert. Beide Häuser entwarf er mit Pierre Jeanneret.

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