Höhlen & Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb

Weltkulturerbe im Achtal und Lonetal bei Ulm

Lagerfeuer in der Vogelherdhöhle, eine Zeitreise zurück in die Eiszeit vor 40 000 Jahren

Die UNESCO hat sechs Höhlen in der Nähe von Ulm zum Weltkulturerbe erklärt. Dort hat man die ältesten Musikinstrumente und Kunstwerke der Menschheit entdeckt. Drei Höhlen liegen im Achtal, drei im Lonetal.

Achtal

  • Hohler Fels (vergittert; bedingt zugänglich (Öffnungszeiten: Mai – Oktober))
  • Sirgensteinhöhle (zugänglich)
  • Geißenklösterle (vergittert; bedingt zugänglich)

Lonetal

  • Bocksteinhöhle (zugänglich)
  • Hohlenstein-Stadel (vergittert)
  • Vogelherdhöhle (bedingt zugänglich (durch Archäopark))

Zunächst ein Überblick zu den Steinzeitkulturen.

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Höhlen und Eiszeitkunst im Schwäbischen Jura

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Hohler Fels: 48.379710, 9.754014
Sirgensteinhöhle: 48.387081, 9.761194
Geißenklösterle: 48.398635, 9.771438
Bocksteinhöhle: 48.554497, 10.154779
Hohlenstein-Stadel: 48.549610, 10.172889
Vogelherdhöhle: 48.558978, 10.194358

Aurignacien-Kultur: Musik und Malerei

Aurignacian culture map-de
Chauvet´s cave horses

 In den Höhlen der Schwäbischen Alb fand man Spuren der Aurignacien-Kultur. Es handelt sich um die älteste Kultur des modernen Menschen (Homo sapiens) in Europa. Das Siedlungsgebiet erstreckte sich von der Iberischen Halbinsel bis zur Krim. Die Kultur dauerte etwa von 35-26.000 Jahre v. Chr.

Die Höhlen der Schwäbischen Alb sind nicht die einzigen Fundstellen der Aurignacien-Kultur, die zum Weltkulturerbe zählen. Auch die Chauvet-Höhle in Südfrankreich (Département Ardèche) steht seit 2014 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Im Unterschied zu den Höhlen in Frankreich (siehe Foto oben rechts) haben sich in der Schwäbischen Alb keine Felsmalereien erhalten – dafür aber die ältesten Musikinstrumente der Welt.

Achtal

Hohler Fels 5046

Das Achtal erstreckt sich westlich von Ulm. Die Höhlen liegen bei Blaubeuren (ca. 15 km bis Ulm). Die Sirgensteinhöhle befindet sich am Nord-, die beiden anderen Höhlen am Südufer der Ach, die von West nach Ost fließt. (Foto: Achtal beim Hohlen Felsen). Dem Flußlauf folgend passiert man:

Hohler Fels

Hohler Fels 5040
VenusHohlefels2

Am Ach-Ufer erhebt sich der Fels, in den ein rund 15 m langer Gang hineinführt.

Die „Venus vom Hohlefels“ ist 35 bis 40.000 Jahre alt und somit die älteste bekannte Darstellung eines weiblichen Menschen. Die 6 cm hohe Figur aus Mammut-Elfenbein hat man 2008 entdeckt. Die Figur wird als Fruchtbarkeitssymbol, Talisman oder als Selbstbildnis gedeutet.

In der Höhle finden Konzerte statt.

Öffnungszeiten Hohler Fels (2020)

MonatTagUhrzeit
Mai- OktoberMittwoch – Freitag14.00 – 17.00 Uhr
 Samstag12.00 – 17.00 Uhr
 Sonntag11.00 – 17.00 Uhr
November – Apriltäglichgeschlossen

Eintritt Hohler Fels (2020)

Einzelperson4,50 €
ermäßigt (Schüler*innen, Studierende, Menschen mit Behinderung,  Teilnehmer*innen einer Führung3,00 €
Kinder und Jugendliche (7 bis 17 Jahre)1,00 €
Angemeldete Gruppen (ab 12 Personen) pro Person2,00 €

 

Führungen Hohler Fels (2020)

Öffentliche Führungen (ohne Anmeldung)

  • Samstags, 11:15 Uhr
  • Mittwochs, 16:00 Uhr (nur während der Ferienzeit in Baden-Württemberg)

Private Führungen (mit Anmeldung): max. 25 Personen, ca. 1 h Dauer; 40,- € + Eintritt). Anmeldung telefonisch (07394/248-17; Di-Do: 9 – 12; Do: 14-16) oder per Anmeldeformular.

Kontakt

AdresseStadt Schelklingen
 89601 Schelklingen
  
E-Mailinfo@schelklingen.de
Telefon07394/248-0
Fax

Sirgensteinhöhle

Schelklingen - Sirgensteinhöhle im Achtal

Die Höhle (ca. 5 m x 40 m) diente in der Steinzeit als Unterkunft. Oberhalb der Sirgensteinhöhle haben sich geringe Reste einer Höhlenburg (wohl 13. Jh.) erhalten.

Geißenklösterle

Blaubeuren - OT Weiler, Geißenklösterle im Bruckfelsmassiv
39 69 73 1 001 bearbeitet

Das Geißenklösterle zählt zu den bedeutendsten Steinzeit-Fundstätten der Welt. Hier entdeckte man die ältesten Musikinstrumente der Menschheit: Flöten aus Tierknochen. Das Foto zeigt eine Flöte aus Gänsegeierknochen. Sie ist etwa 40.000 Jahre alt (Museum der Universität Tübingen MUT).

Zu den Funden zählen der „Adorant vom Geißenklösterle“: eine Figur, die ihre Arme in die Höhe hält. (3,8 cm; Elfenbein, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart)

Lonetal

Das Lonetal liegt nordöstlich von Ulm. Die Lone fließt von West nach Ost durch ein flaches Tal. Der Fluss liegt oftmals trocken, weil das Wasser im Karstgestein versickert. Alle drei Höhlen liegen am Südufer in der Nähe der Gemeinde Niederstotzingen (ca. 24 km bis Ulm). Von West nach Ost zählen folgende Höhlen zum Weltkulturerbe:

Bocksteinhöhle

Blick aus der Bocksteinhöhle ins Lonetal

In der Bocksteinhöhle (15 m x 20 m) hinterließen u. a. die  Neandertaler ihre Spuren: ca. 60.000 Jahre alte Keilmesser mit gerader Schneide und geradem Rücken, sogenannte „Bocksteinmesser„.

Hohlenstein-Stadel

Ausgrabungen in der Hohlensteinhöhle im Lonetal. 01
Lion man photo

Am Ende des 69 m langen schlauchförmigen Hohlenstein-Stadels fand man 1939 über 260 Elfenbeinsplitter. Zusammengesetzt ergeben sie einen Löwenmenschen (31 cm, 35-40.000 Jahre; Museum Ulm). Die Figur zeigt ein Fabelwesen oder einen Schamanen, der eine Löwenmaske trägt. 2004 entdeckte man eine ähnliche, nur 2,5 cm große Löwenmenschen-Figur im Hohlen Felsen.

Vogelherdhöhle

Der Archäopark Vogelherd, eine Zeitreise zurück in die Eiszeit vor 40 000 Jahren

Die ca. 50 m lange Vogelherdhöhle hat zwei Eingänge. Man entdeckte dort Tierfiguren aus Elfenbein, z. B. Pferd, Mammut oder Löwe. Sie sind rund 32.000 Jahre alt und zählen zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit. Einige Fundstücke sind im Archäopark Vogelherd ausgestellt, andere im Schloss Hohentübingen (Tübingen).

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Öffnungszeiten Archäopark Vogelherd

MonatTagUhrzeit
April – OktoberMontaggeschlossen
 Dienstag – Sonntag10:00 – 18:00 Uhr
November – MärzMontaggeschlossen
 Dienstag – Samstag (für Gruppen nach Anmeldung)10:00 – 16:00 Uhr
 Sonntag (für Einzelpersonen)12:00 – 17:00 Uhr

Eintritt Archäopark Vogelherd

Einzelperson5,00 €
ermäßigt (Schüler*innen, Studierende, Menschen mit Behinderung,  Teilnehmer*innen einer Führung3,00 €
Kinder (bis 5 Jahre)0,00 €
  
Angemeldete Gruppen (ab 15 Personen) zuzüglich Eintritt50,00 €
Schulklassen  (zuzüglich Eintritt)40,00 €
Kindergeburtstag (zuzüglich Eintritt)40,00 €

Kontakt

AdresseArchäopark Vogelherd
 Am Vogelherd 1
 89168 Niederstotzingen-Stetten
E-Mailinfo@archaeopark-vogelherd.de
Telefon07325 952 8000
Fax

Ähnliche Welterbestätten: Höhlen

Die UNESCO hat mehrere Höhlen zum Welterbe erklärt. Ein Beispiel ist das Weltkulturerbe „Vézère-Tal: Fundorte und Höhlenmalereien“ in Südfrankreich. Sie ergänzt das Welterbe der Schwäbischen Alb, denn einige der Kulturen gingen der Aurignacien-Kultur voraus, andere folgten ihr.

Ältere Kulturen

RacloirLa Quina MHNT PRE.2009.0.206.1 (2)
Biface Micoquien MHNT PRE .2009.0.193.1 (3)

Der Aurignacien-Kultur gingen voraus:

  • Moustérien-Kultur (vor ca. 120-40.000 Jahren), benannt nach der Höhle „Le Moustier“ im Département Dordogne. Sie zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe „Vézère-Tal: Fundorte und Höhlenmalereien“.
  • Micoquien-Kultur (vor ca. 60.-40.000 Jahren), benannt nach der Höhle „La Micoque“ in Frankreich. Sie zählt ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe „Vézère-Tal: Fundorte und Höhlenmalereien“.

Jüngere Kulturen

Fragment Feuille de laurier Lartet
Lascaux painting

Auf die Aurignacien-Kultur folgten:

  • Gravettien-Kultur (vor 35. – 24.000 Jahren), z. B. in der erwähnten Chauvet-Höhle.
  • Solutréen-Kultur (vor 24.-18.000 Jahre), z. B. in der Höhle Laugerie-Haute (UNESCO-Weltkulturerbe „Vézère-Tal: Fundorte und Höhlenmalereien“).
  • Magdalénien-Kultur (vor ca. 18.-12.000 Jahren), z. B. in der Höhle von Lascaux (UNESCO-Weltkulturerbe „Vézère-Tal: Fundorte und Höhlenmalereien“, 1979).

Welterbestätten aus prähistorischer Zeit

UNESCO-Weltkulturerbe aus prähistorischer Zeit sind:

*= Keine Fundorte, sondern Orte mit Museen, die Fundstücke der Welterbestätte ausstellen.

Welterbe in der Nähe

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Zwei Häuser in der Weißenhofsiedlung, Haus Citrohan und das Doppelhaus,  sind Teile eines internationalen Welterbes, das an Le Corbusier erinnert. Beide Häuser entwarf er mit Pierre Jeanneret.