Das architektonische Werk von Le Corbusier in Stuttgart

UNESCO-Weltkulturerbe in der Weißenhofsiedlung

Doppelhaus mit Weißenhofmuseum (UNESCO-Weltkulturerbe

Zum UNESCO-Weltkulturerbe „Das architektonische Werk von Le Corbusier – ein herausragender Beitrag zur „Modernen Bewegung““ zählen zwei Gebäude in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung:

  • Haus Citrohan und das benachbarte
  • Doppelhaus mit dem Weißenhofmuseum.

An der Planung der beiden Häuser war der Architekt Le Corbusier beteiligt.

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Weißenhofsiedlung

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Doppelhaus: 48.799936, 9.177690

Wer war Le Corbusier?

Pierre Jeanneret Le Corbusier

Charles-Édouard Jeanneret-Gris (1887-1965) ist bekannt unter dem Künstlernamen „Le Corbusier“. Er war ein französisch-schweizerischer Architekt, Stadtplaner und Künstler, der weltweit tätig war, u.a. in Indien und den USA. Für die UNO, zu deren Teilorganisationen die UNESCO zählt, entwarf er mit anderen Architekten das UN-Hauptquartier in New York.

Aus seinem Werk hat man 17 Gebäude in sieben Ländern ausgewählt und zusammengefasst: „Das architektonische Werk von Le Corbusier – ein herausragender Beitrag zur „Modernen Bewegung““. Die UNESCO erklärt diese Auswahl 2016 zum seriellen Welterbe.

Pierre Jeanneret

Pierre Jeanneret (1896-1967) steht im Schatten seines Vetters „Le Corbusier“ Jeanneret-Gris. Beide hatten ab 1922 in Paris ein gemeinsames Architekturbüro und zusammen zahlreiche Projekte geplant, darunter die Häuser der Weißenhofsiedlung. Mit der Möbeldesignerin Charlotte Perriand (1903-99) arbeiteten beide 1927-37 zusammen. Die Entwürfe für viele „Le Corbusier“-Möbel stammen von Perriand.

Weißenhofsiedlung in Stuttgart

Der Deutsche Werkbund, dem u. a. Architekten und Unternehmer angehörten, ließ 1927 diese Mustersiedlung am Osthang des Killesbergs errichten. Sie war Teil der Ausstellung „Die Wohnung“. Mehrere bedeutende Architekten zeigten dort ihr Können, z. B. Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe, Hans Scharoun, die Gebrüder Bruno und Max Taut oder Ferdinand Kramer.

Haus Citrohan

Weissenhof photo house citrohan east façade Le Corbusier & Pierre Jeanneret Stuttgart Germany 2005-10-08

Die Entwürfe für Haus Citrohan stammten von Le Corbusier und seinem Verwandten Pierre Jeanneret. Der Name „Citrohan“ spielt auf den Namen des Autoherstellers „Citroën“ an. So wie der Automobilbau durch Massenproduktion gekennzeichnet war, wollte Le Corbusier auch den Wohnungsbau durch Standardisierung modernisieren. Häuser waren für Le Corbusier funktionale „Wohnmaschinen“.

„Citrohan“ ist nicht der Eigenname eines Hauses, sondern der Name eines Gebäudetyps – analog zu Fahrzeugtypen. Das Haus in Stuttgart ist die fünfte Version des Gebäudetyps „Citrohan“. Charakteristisch sind die weiß verputzten Wandflächen, das Flachdach und der Verzicht auf Ornamente. Die erste Version stammt aus dem Jahr 1920.

Charles-Édouard Jeanneret (Le Corbusier), 1914-15, Maison Dom-Ino.jpg
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Dom-Ino-Haus

Der Citrohan-Typ basiert (analog zur Autoplattform) auf der „Haus-Plattform“ des Dom-Ino-Hauses, die Le Corbusier 1914-15 entwickelt hatte: Ein zweigeschossiger Stahlskelettbau mit einer Stahlbetontreppe. Diese Plattform erlaubt eine freie Gestaltung des Grundrisses und der Gebäudehülle – so wie man beim Automobilbau durch die Wahl von Farbe oder Sonderausstattung das eigene Auto individualisieren kann. Dieses Dom-Ino-Modul konnte nebeneinander gereiht oder übereinander gestapelt werden.

Der Name „Dom-Ino“ spielt auf das lateinisch Wort „Domus“ (Haus) an sowie auf das Domino-Spiel, bei dem gleichförmige Elemente (aber mit unterschiedlichen Werten) aneinandergelegt werden.

Weißenhofmuseum

Nachgebildeter Innenraum Bauhausstil im Weißenhofmuseum Rathenaustraße 3, Stuttgart

Auch das Doppelhaus Rathenaustraße 1-3 hat Le Corbusier gemeinsam mit Jeanneret entworfen. Das durchlaufende Fensterband ist ein Kennzeichen moderner Architektur. Heute nutzt das Weißenhofmuseum die Räume:

  • Haus Nr. 1 dient als Informationszentrum für die bewegte Geschichte der Weißenhofsiedlung.
  • In Haus Nr. 3 hat man den ursprünglichen Zustand der Räume und Einrichtungen rekonstruiert.  

Die Weißenhofsiedlung war unter den Zeitgenoss*innen umstritten. Z. B. ist das durchlaufende Fensterband nicht immer praktisch, da es keine Rücksicht auf die innere Raumaufteilung nimmt.

Im Westen nichts Neues: Kochenhofsiedlung

20180603 Stuttgart - Hermann-Pleuer-Straße 9

An der Westseite des Killesbergs errichteten Vertreter der Stuttgarter Schule um Paul Schmitthenner 1933 die Kochenhofsiedlung. Die Häuser waren aus Holz gefertigt und hatten statt eines Flachdachs ein Satteldach. Ein Beispiel ist das denkmalgeschützte Haus in der Hermann-Pleuer-Straße (1933, Architekt: Schmitthenner).

Postmoderne in Stuttgart: Neue Staatsgalerie

Stuttgart - Neue Staatsgalerie (35736920402)

Nach den Plänen des britischen Architekten James Stirling baute man in Stuttgart neben der Alten Staatsgalerie die Neue Staatsgalerie und die Musikhochschule (1979-84). Sie gelten als Meisterwerke postmoderner Architektur. Deren Vertreter*Innen wenden sich nicht gegen das Alte, sondern zitieren und kombinieren Elemente alter Stile und schaffen dadurch Neues. Auch die Neue Staatsgalerie war ihrerzeit umstritten.

Weißenhofmuseum: Informationen für Besucher*innen

Kontakt

AdresseWeißenhofmuseum im Haus Le Corbusier
 Rathenaustraße 1-3
 70191 Stuttgart
E-Mailinfo@weissenhofmuseum.de
Telefon0711-2579187
Fax

Öffnungszeiten

MonatTagUhrzeit
Januar – DezemberDienstag – Freitag11:00 – 18:00
Januar – DezemberSamstag, Sonntag, feiertags10:00 – 18:00

Geschlossen: Montags, 01. Januar, 24. Dezember, 4. Kalenderwoche

Eintritt Weißenhofmuseum

KategoriePreis
Erwachsene7,- €
reduziert (Schüler*innen, Studierende, Arbeitslose, Menschen mit Behinderung)2,- €
Kinder (bis 10 Jahre)frei
Gruppen (ab 15 Personen). Preisreduktion pro Person0,5 €
  

Das Museum hat keinen Aufzug. Ungeeignet für Rollstuhl und Kinderwagen.