Weltkulturerbe Kloster Maulbronn

Rundgang durch das Kloster

Kreuzgang und Brunnenhaus im Weltkulturerbe Kloster Maulbronn

Kloster Maulbronn, UNESCO-Weltkulturerbe seit 1993, gilt als eine der besterhaltenen Klosteranlagen des Mittelalters. 1147 gründete der Zisterzienserorden das Kloster an der Salzach im Nordschwarzwald. Ab dem 16. Jahrhundert gab es Machtkämpfe zwischen dem Herzog und dem Orden um das Kloster. Es wechselte mehrfach den Besitzer, wurde aber nie zerstört. Man kann drei Bereiche unterscheiden:

  • das Außengelände vor den Klostermauern, das die Mönche u. a. wasserwirtschaftlich gestalteten, z. B. mit einem Stausee und Kanälen;
  • das Klostergelände innerhalb der Mauern (mit Mühle und Wirtschaftsgebäuden),
  • die Klausur als abgetrennter Bereich innerhalb des Klostergeländes.

Der Schwerpunkt der Präsentation liegt auf der kunsthistorisch bedeutsamen Klausur.

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Kloster Maulbronn

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Kloster Maulbronn: 49.000985, 8.812129

Klostergelände

Maulbronn Kloster - panoramio

Durch das Klostertor tritt man in den Klosterhof. (Das Foto zeigt den Blick zurück vom Klosterhof in Richtung Tor.) Das Gebäude vorne links ist die Remise. Dahinter die Buchhandlung Krüger.

Rechts neben dem Klostertor befindet sich die „Kloster-Apotheke Maulbronn“, die Johann Hochstetter 1766 gründete. Das Gebäude soll um 1215 errichtet worden sein und diente zunächst als Herberge. Davor steht das Frühmesserhaus. Der Name leitet sich von“Frühmesse“ ab, er hat nichts mit einem Messer zu tun.

Klostermuseum

Model of Maulbronn Monastery Complex - Maulbronn - Germany 2017

Im Klostermuseum bietet ein Modell einen Überblick über das Kloster Maulbronn. Da im Laufe der Jahrhunderte Gebäude erbaut, erweitert oder abgerissen wurden, zeigt das Modell nur eine Momentaufnahme. Z. B. diente der Marstall heute als Rathaus.

  • Im Vordergrund (Osten) die Klostermauer mit Faustturm und Friedhof, rechts das Jagdschloss (1588) mit den zwei Ecktürmchen.
  • In der Mitte die Klausur mit der Klosterkirche (Siehe Grundriss unten.).
  • Im Hintergrund (Westen) der Klosterhof: Links der große Fruchtkasten (Fruchtspeicher), dahinter das Klostertor. Rechts drei Fachwerkhäuser (von links: Klosterverwaltung, Gesindehaus, Speisemeisterei), dahinter freistehend drei Gebäude (Rathaus, Haberkasten und Bäcker). An der westlichen Klostermauer waren Schmiede und Wagnerei, an der nördlichen die Mühle untergebracht. Hinten rechts der Hexenturm.

Klosterhof

Kloster Maulbronn: Vordergrund: zwei Fachwerkhäuser (Haberkasten, Pfisterei), im Hintergrund: Hexenturm

Um den Klosterhof gruppieren sich die Wirtschaftsgebäude: Gästehaus, Getreidespeicher, Ställe, Werkstätten…. geschützt von der turmbewehrten Klostermauer. Hier stand das Vieh; Gäste und Klosterbedienstete hatten hier ihre Unterkunft. Die Mönche lebten von ihnen abgeschieden in der Klausur. Im Klosterhof 5 befindet sich im Erdgeschoss das Informationszentrum. Im Obergeschoss ist das kleine Literaturmuseum im Klosterhof untergebracht. Der Eintritt ist kostenlos. (Webseite)

Klausur im Kloster Maulbronn

Courtyard facade - Maulbronn Monastery

Vom Klosterhof blickt man nach Osten auf die Klausur: Sie ist ein isolierter Gebäudekomplex innerhalb des Klosters. Als erstes bauten die Mönche die Klosterkirche (1178 geweiht). Charakteristisch für die Romanik sind die Rundbogenfenster. Dann folgte das Laienrefektorium, der Speisesaal der Laienbrüder (links, z.T. vom Baum verdeckt). Der Vorbau der Kirche, das sogenannte „Paradies“ (rechts), ist ein bedeutendes Beispiel für den Übergangsstil zur Gotik. Charakteristisch für die Gotik ist der Spitzbogen, z. B. bei dem Spitzbogenfenster in der linken Bildmitte.

Grundriss der Klausur Maulbronn

Kloster Maulbronn Grundriss-Plan

Der Grundriss zeigt die Anordnung der Gebäude:

Im Süden liegt die Kirche. Sie ist zweigeteilt: Von Westen gelangt man durch die Vorhalle („Paradies“) in den westlichen Teil der Laienbrüder. Der östliche Bereich ist für die geweihten Mönche bestimmt. Den Rechteckchor flankieren zwei Querhausflügeln mit je drei Kapellen. Nördlich der Kirche liegt der annähernd quadratische Kreuzgang mit dem Brunnenhaus. Durch zwei Pforten in der südlichen Kreuzgangmauer konnten die Mönche direkt in die Kirche gehen, ohne die Klausur verlassen zu müssen.

Im Westen des Kreuzgangs liegen der Keller und das Laienrefektorium (Speisesaal der Laienbrüder; darüber der Schlafsaal). Zwischen beiden bildet ein schmaler Gang den Zugang zur Klausur.

Es folgen im Norden die Küche (abgegangen), Herrenrefektorium (darüber Schlafsaal) und Heizraum (darüber Kalefaktorium (beheizbare Stube)).

Im Osten schließen sich an (von Nord nach Süd) Keller und Lagerraum; Frateria (Bruderhalle; hier arbeiteten die Mönche). Ein Gang führt zum Parlatorium (Sprechsaal), das die Verbinung zum Herrenhaus (mit Krankenstation) darstellt. Der Kapitelsaal war der Versammlungsraum der Mönche. Die Sakristei schließt an das nördliche Querhaus der Klosterkirche an.

Cellarium

Cellarium and konversengang - Maulbronn Monastery - Maulbronn - Germany 2017
Cellarium interior - Maulbronn Monastery - Maulbronn - Germany 2017

Durch den großen Rundbogen im Konversengang gelangt man in den den großen Keller (Cellarium). Zwei Pfeiler tragen das hohe Rippengewölbe. In dem Raum sind Kapitelle, Säulenschäfte und Steinmetzwerkzeuge ausgestellt.

Laienrefektorium

Laienrefektorium Kloster Maulbronn

Das Laienrefektorium ist 36 x 10,5 m groß. In der Raummitte stehen gekoppelte Säulen, die die zwei mal acht Kreuzgratgewölbe tragen. Die Außenmauern sind original erhalten; die Gewölbe wurden im 19. Jahrhundert erneuert. Das Laienrefektorium dient heute als Veranstaltungsraum fürKonzerte.

Kreuzgang

Church side seen from the cloister - Maulbronn Monastery - Maulbronn - Germany 2017 (2)

Die vier Flügel des Kreuzgangs entstanden in mehreren Bauphasen. Den Südflügel errichtete man zwischen 1210 und 1220. Die Wandöffnungen sind rundbogig. Dünne Säulen mit Schaftring stehen vor der Fensterlaibung. Die beiden südlichen Joche des West- und Ostflügels entstanden ebenfalls im 13. Jahrhundert.

Cloister - Maulbronn Monastery - Maulbronn - Germany 2017 (5)

Das Foto zeigt den Westflügel. Links erkennt man einen Abschnitt („Joch“) der ersten Bauphase. Dieses Joch übernimmt die Proportionen der Fenster des Südpflügel. Aber zwei Veränderungen fallen auf: Man hat zusätzlich Säulen in die Fensterlaibung gestellt; den oberen Abschluss bildet ein Spitzbogen mit offenem Dreipaß. Rechts davon die Arkaden aus der Zeit um 1300: Je zwei Spitzbögen und ein Rundfenster sind von einem spitzbögigen Blendbogen zusammengefasst. Die Fenster sind mit Maßwerk geschmückt.

Brunnenhaus

Cloister garden - Maulbronn Monastery - Maulbronn - Germany 2017
Well House (Brunnenhaus) Maulbronn Monastery 1

Am Brunnen konnten die Mönche sich die Tonsur schoren lassen oder vor dem Essen im Refektorium ihre Hände waschen. Deshalb wird das Brunnenhaus manchmal als „Lavatorium“ oder „Tonsur“ bezeichnet. Ein Brunnenhaus ragt in das Kreuzganggeviert hinein; seine Position wird meist durch das Refektorium bestimmt, dem es gegenüber steht.

So auch im Kloster Maulbronn: Auf einen runden Unterbau (um 1220) baute man 1340-50 das neuneckige Brunnenhaus. Jedes Fenster setzt sich zusammen aus drei hohen Lanzettfenstern und darüber drei Vierpäßen (= vier zusammengefügte Kreisbögen). Den Fachwerkaufbau fügte man später (16. oder 17. Jahrhundert) hinzu. Die untere Brunnenschale wurde 1878 durch die zwei oberen ergänzt.

In einem Gewölbezwickel ist ein Maulesel vor einem Brunnen dargestellt: Der Sage nach ließen die Mönche einen Maulesel entscheiden, wo das Kloster entstehen soll: nämlich dort, wo er erstmals stehen bleibt.

Herrenrefektorium

Herrenrefektorium Kloster Maulbronn

Die geweihten Mönche schliefen und aßen von den Laienbrüdern getrennt. Das Herrenrefektorium (ca. 1220-25) war der Speisesaal der Priestermönche. Der Zisterzienserorden legte Wert auf ein asketisches Leben in schlichter Architektur ohne Bauschmuck. Das Herrenrefektorium ist ein hervorragendes Zeugnis dafür, wie „asketisch“ das Mönchsleben im Kloster Maulbronn tatsächlich war. Das Gebäude ist etwas kürzer als das Laienrefektorium (Maße: 27,3 m x 11,8 m). Die Fenster und der Raum sind höher; statt mit einem einfachen Kreugratgewölbe ist der Raum mit Kreuzrippen gewölbt. In der Raummitte wechseln sich stärkere und schwächere Säulen ab. 

Parlatorium

Kloster Maulbronn - panoramio - Andy Mendyk (1)

Das Parlatorium (erbaut 1493; „Sprechzimmer“) war der Besuchsraum eines Klosters. Dort konnte man mit Gästen sprechen (lat. „parlare“: sprechen). Der Raum mit Netzgewölbe öffnet sich nach Süden durch dreibahnige Spitzbogenfenster. Im Norden befand sich das Abtshaus. An der Ostwand ist Maria dargestellt; sie wird angebetet von zwei Äbten bzw. Bischöfen mit Heiligenkranz; möglicherweise ist der heilige Bernhard von Clairvaux dargestellt. Der Raum weicht durch eine leichte Schrägstellung vom der rechtwinkligen Anordnung der übrigen Klausurräume ab (Siehe Foto unten.).

Kapitelsaal

Maulbronn Kloster Kreuzgang Kapitelsaal 3
Klausur im Kloster Maulbronn. Blick von Osten auf Parlatorium und Ostflügel. - panoramio

Im Kapitelsaal trafen sich die Mönche. Dort las man ihnen Kapitel aus der Bibel oder den Ordensregeln vor. Drei Säulen in der Raummitte tragen das Sterngewölbe. Im Osten öffnen sich ein polygonaler Erker und zwei Spitzbogenfenster zum Klostergarten. Von außen erinnert der Erker mit dem Fachwerkaufsatz an das Brunnenhaus im Kreuzgang. 

Klosterkirche

Kloster Maulbronn: Laienkirche (Bruderchor) mit Blick nach Osten zum Lettner und der Mönchskirche (Herrenchor).
Mönchskirche (Herrenchor) in der Klosterkirche Maulbronn; Blick nach Westen zum Lettner, dahinter die Laienkirche.PANORAMICA INTERNO - panoramio

Die Klosterkirche wurde 1147-78 erbaut. Das Kirchengebäude beherbergt zwei Kirchen:

  • die Laienkirche im Westen („Bruderchor“)
  • die Mönchskirche („Herrenchor“) mit dem wertvollen Chorgestühl (15. Jh.) für 92 Mönche und der Dreisitz für den Abt. Von dem Hochaltar (Weihe 1394) haben sich mehrere Schnitzfiguren erhalten, die die Passionsgeschichte darstellen.

Beide Kirchen sind durch den romanischen Lettner mit dem großen Kruzifix (1473, wohl Conrad von Sinsheim) getrennt. Charakteristisch für Zisterzienserkirchen ist der rechteckige Chor im Osten. (Meist haben Kirchen einen runden oder polygonalen Chor.)

Klosterschule

Klosterfront maulbronn

1556 richtet Herzog Christoph von Württemberg eine evangelische Klosterschule ein, die bis heute als Gymnasium mit Internat besteht. Zu den Schülern zählen Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse. Die Schule heißt heute „Evangelisches Seminar Maulbronn“.

Von den evangelischen Klosterschulen hat sich noch eine zweite erhalten – im Kloster Blaubeuren, in dessen Nähe sich das UNESCO-Weltkulturerbe „Höhlen und Eiszeitkunst im Schwäbischen Jura“ befindet.

Kloster Maulbronn: Informationen für Besucher*innen

Öffnungszeiten, Eintritt, Führungen durch Kloster Maulbronn

Monat Tag Uhrzeit
01. März – 31. Oktober täglich 09.00 – 17.30 Uhr
Letzter Einlass: 16.45 Uhr
01. November – 28. Februar Di – So 09.30 – 17.00 Uhr
Letzter Einlass: 16.15 Uhr
23. – 25. und 31. Dezember: geschlossen 01. Januar: 13.00 – 17.00 Uhr
Erwachsene (ab 15 Jahren) 8,- €
ermäßigt (Kinder ab 6, Schüler*innen, Studierende, Freiwilligendienst- oder Wehrdienstleistende, Personen mit GdB 50) 4,- €
Familien 20,- €
Gruppe (ab 20 Personen), pro Person 7,20 €
Jahreskarte 40,- €
Erwachsene (ab 15 Jahren)
11,00 €
ermäßigt (Kinder ab 6, Schüler*innen, Studierende bis 28; FSJler*innen, Wehrdienstleistende, Personen mit GdB 50)
5,50 €
Familie27,50 €
Gruppe (ab 20 Personen), pro Person 9,90 €

Führungen finden täglich um 11.15 und 15.00 Uhr statt (Dauer etwa 60 Minuten). Ausnahme: 23. Dezember geschlossen; im Winter (01.11. – 28.02) finden montags keine Führungen statt.

Informationen (Führungen, Veranstaltungen)

Adresse




Kloster Maulbronn
 Klosterhof 5, 75433 Maulbronn
E-Mailinfo@kloster-maulbronn.de
Telefon070 43 92 66-10
Fax070 43 92 66-11

Klosterkonzerte

AdresseEvangelisches Seminar Maulbronn
 Klosterkonzerte Maulbronn
 Klosterhof 17, 75433 Maulbronn
E-Mailinfo@klosterkonzerte.de
Telefon070 43 95509-50
Fax070 43 95509-54