Bamberger Dom

Kaiserdom mit Papstgrab ... und Bamberger Reiter

Bamberger Dom im UNESCO-Weltkulturerbe Altstadt Bamberg

Oberhalb der Altstadt, an der Südseite des Domplatzes, steht der viertürmige Bamberger Dom. Ein romanischer Vorgängerbau, der 1012 geweihte Heinrichsdom, fiel 1185 einem Feuer zum Opfer. Der spätromanische Neubau (Ekbertdom) wurde 1237 geweiht und ist bis heute weitgehend erhalten. Beachtenswert sind – neben der Architektur und der städtebaulichen Anlage des Domplatzes:

  • die reichverzierten Portale,
  • bedeutende Steinplastiken, v.a. der Bamberger Reiter (um 1230), 
  • Gräber, v. a. das Kaisergrab und das Papstgrab.
  • Altäre, das Chorgestühl sowie die Chorschranken.

Bamberger Dom - Grundriss

Portale Bamberger Dom

Der Grundriss zeigt den Bamberger Dom. Gelb markiert sind die Portale. An den Dom grenzt im Süden der Kreuzgang an. Dessen Westseite (links) bildet die Nagelkapelle, an der Ostseite steht das Diözesanmuseum.

An den zwei halbrunden Apsiden ist ablesbar, dass es sich um eine Doppelchoranlage handelt. Nicht nur im Osten (Georgenchor), sondern auch im Westen befindet sich ein Chor: der Peterschor.

Die Ostfassade hat man mit Georgenchor, Westtürmen und den zwei Portalen aufwändig gestaltet, denn dort liegt die Schauseite des Bamberger Doms. Wer von der Gartenstadt durch die Bürgerstadt den Berg hinauf zum Domplatz spaziert ist, kann als nächstes die Domkröten auf dem Domkranz besuchen:

Domkröten und Domkranz; Bamberger Elle

Bamberg-Domkröte

Die Terrasse vor dem Georgenchor heißt „Domkranz„. Dort empfangen zwei steinerne Domkröten die Besucher*innen. Wahrscheinlich handelt es sich um verwitterte Löwen-Figuren. Der Name „Domkröte“ leitet sich ab vom lateinischen Wort „gradus“ (Stufe). 

Neben der Gnadenpforte markieren eiserne Löwenköpfchen das Bamberger Maß: Der Bamberger Fuß ist 26,8 cm, die Bamberger Elle 67 cm (= 2,5 Fuß) lang. Angeblich sind sie die ältesten Maßeinheiten des Mittelalters.

Bamberg Dom Mass 2016

Portale des Bamberger Doms am Ostchor

Vom Domkranz im Osten führen zwei Portale in den Dom. Die Adamspforte (1) südlich des Ostchors; die Gnadenpforte (2) nördlich davon. Im Uhrzeigersinn geht es nun von der Adamspforte durch den Bamberger Dom.

Adamspforte

00 3376 Bamberg - Dom (Adamspforte)

Die Adamspforte ist ein rundbogiges Stufenportal mit Zickzackband. Nachträglich hat man sechs Figuren vor die Gewände gestellt (von links nach rechts: Hl. Stephanus, Kaiserin Kunigunde, Kaiser Heinrich; Petrus, Eva, Adam). Die Originalfiguren befinden seit 1937 sich im Diözesanmuseum. Da das Portal kein Tympanon hat, sind die Türflügel oben nicht gerade, sondern gebogen.

Gnadenpforte

Dom Tür Marienpforte 4051552

Die Gnadenpforte (Marienpforte) ist ein rundbogiges Stufenportal ohne Figuren, aber mit Tympanon. Dargestellt sind (von links): St. Georg, Petrus; Maria mit dem Jesuskind; Heinrich und Kunigunde. Alle sind mit mit dem runden Heiligenschein ausgezeichnet. Die Identität der zwei Randfiguren und die kniende Figur ist nicht sicher. 

Bamberger Dom, südliches Seitenschiff, Blick nach Westen zum Veit-Stoß-Altar
Veit-Stoß-Altar, Bamberger Dom

Veit-Stoß-Altar

Die Adamspforte führt in das südliche Seitenschiff. Geradeaus blickt man auf den Veit-Stoß-Altar (oder Marien-Altar) im südlichen Querhaus. Der Altar (1520-23) ist ein Werk des Bildhauers Veit Stoß (1447-1533). Es handelt sich um einen Dreiflügelaltar aus Lindenholz, der sich erst seit 1937 im Dom befindet. Das mittlere Relief zeigt u. a. Maria mit dem Jesuskind; Engel mit Musikinstrumenten und die Säule als Hinweis auf die Passion Jesu. Schmerzen musste auch Veit Stoß erleiden: Dem als Querulanten verschrienen Bildhauer durchbohrte man 1503 zur Strafe beide Wangen. (Die kleine Tür im südlichen Querhaus ist die sogenannte Gittertür).

Bamberger Dom Innenraum

Bamberger Dom, Innenraum mit Blick zum Ostchor

Wenn man vor dem Veit-Stoß-Altar rechts in das Hauptschiff biegt und in der Mitte stehen bleibt, hat man nach rechts folgenden Anblick: Das Foto zeigt das Innere des Bamberger Doms mit Blick nach Osten. Links im Vordergrund steht die Kanzel (1835-36), darüber die Hauptorgel (eine Schwalbennestorgel von 1976); im Hintergrund der Bamberger Reiter. Geradeaus gelangt man in die Ostkrypta; die beiden Treppen führen hinauf zum Georgenchor. Zwischen ihnen (durch die Personengruppe verdeckt) befindet sich das Kaisergrab. Zu den Sehenswürdigkeiten im Ostchor zählen das Chorgestühl, die steinernen Ostchorschranken mit Reliefs (Südseite: 12 Apostel; Nordseite: 12 Propheten) und das Deckenbild (1928, Karl Caspar). Rechts blickt man in das südliche Seitenschiff, dort befindet sich die Adamspforte.

Bamberger Dom innen, Blick zum Westchor

Blickt man nach links, blickt man in den Westchor mit dem Chorgestühl aus Eichenholz (um 1380) und dem Radleuchter (1909, Entwurf: Jakob Angermair; Ausführung: Rudolf Harrach). Das Foto zeigt das Innere des Doms, allerdings von einem Standort weiter östlich. Man vergleiche die Unterschiede zwischen Ostchor (oben) und Westchor (unten), z. B.: zwei Treppen (Ost) versus eine Treppe (West), großer versus geringer Höhenunterschied zwischen Hauptschiff- und Chorbodenniveau; das Apsisgewölbe ohne Fenster (dafür mit Wandbild) versus mit Fenster. Beide Chöre sind mit einer Krypta versehen, aber diese spielt beim Ostchor eine „herausragendere“ Rolle als beim Westchor.

2018 Bamberger Dom Ostkrypta Bamberger Dom, Krypta unter dem Westchor

Krypta

Unter dem Ostchor erstreckt sich eine dreischiffige Krypta. Sie ist der älteste erhaltene Teil des Bamberger Doms. Das Foto zeigt die Krypta mit Blick nach Osten. Im Vordergrund erkennt man einen Brunnen, aus dem Wasser für Taufen schöpft. In der Ostkrypta befinden sich mehrere Sarkophage, z. B. der Steinsarg des ersten Königs aus dem Geschlecht der Staufer: Konrad III.

Unter dem Westchor  gibt es ebenfalls eine Krypta, die aber deutlich schlichter ist (siehe Foto unten). In ihr haben sich Teile des alten Doms erhalten. Nach dessen Brand 1185 füllte man die Krypta mit Bauschutt auf. Erst 1996 gestaltete man die Westkrypta neu, sie dient nun als Grabstätte der Bischöfe.

Sehenswürdigkeiten im Bamberger Dom

Zu den Hauptsehenswürdigkeiten des Bamberger Doms zählen der Bamberger Reiter, das Papstgrab für Clemens II, das Grabmal von Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde.

Bamberger Reiter

Bamberger Reiter
Bamberger Reiter, farbliche Rekonstruktion

Betritt man den Bamberger Dom durch das Fürstenportal, fällt der Blick auf den Bamberger Reiter. Die Steinskulptur entstand vor der Weihe 1237. Unbekannt ist, wen die Figur darstellen soll.

Ursprünglich waren Sockel, Pferd und Reiter bemalt. Die Abbildung rechts zeigt eine vereinfachte Rekonstruktion der Farbigkeit (Das Pferd war dunkel gescheckt.).

Der Bamberger Reiter ziert Briefmarken, wurde politisch vereinnahmt und dient als Vorlage für den Preis der Bamberger Kurzfilmtage: Die Trophäe, ein Entwurf von Adelbert Heil, besteht nicht aus Stein, sondern aus goldüberzogener Schokolade.

Papstgrab und Kaisergrab

papstgrab

Papstgrab im Bamberger 512px-Bambergerdom_25

Im westlichen Peterschor, hinter dem Bischofssitz (1899, Leonhard Romeis), hat sich das einzige Papstgrab nördlich der Alpen erhalten. Die Deckplatte stammt aus dem 17., die Seitenplatten aus dem 13. Jahrhundert. Die sechs Trommeln mit Plinthen trugen einen Baldachin. Papst Clemens II. wurde 1005 als Suitger von Morsleben und Hornburg geboren. Er machte schnell Karriere und fand früh den Tod: 1040 wurde er Bischof von Bamberg, am 24.12.1046 Papst. Nach zehn Monaten Pontifikat starb Suitger. 

Kaisergrab

Bamberger Dom - Kaisergrab Heinrich Kunigunde

Im Mittelschiff, zwischen den Treppen zum Georgenchor im Osten, befindet sich das Grabmal Kaiser Heinrichs II. und der Kaiserin Kunigunde. Die marmorne Deckplatte schuf Tilman Riemenschneider (1460-1531); die Seitenreliefs stammen aus seiner Werkstatt. Die Arbeiten an dem Kaisergrab dauerten von 1499 bis 1513.

Außerdem gibt es mehrere Bischofsgrabmale, u. a. in der Krypta unter dem Georgenchor, im Langhaus oder im Georgen- und im Peterschor.

Riemenschneider altar

Riemenschneider-Altar

Ein Werk aus der Riemenschneider-Werkstatt ist der sogenannte „Riemenschneider-Altar“ im nördlichen Seitenschiff. Es handelt sich dabei gar nicht um einen Altar, sondern um Figuren, die man 1926 in einem Gehäuse zusammenstellte. 

Auch das Leben Riemenschneiders (1460-1531) verlief nicht nur in ruhigen Bahnen. Während der Bauernkriege wurde Riemenschneider – wie allen anderen Ratsherren der Stadt Würzburg – gefoltert. Er geriet in Vergessenheit, erst 1882 entdeckte man den Grabstein mit seinem Namen.

Weitere Altäre sind u. a. der Georgenchoraltar (1836/37), der Kirchgattendorfer Altar (um 1520, nördliches Seitenschiff) und der Mühlhausener Altar (Ende 15. Jahrhundert, nördliches Querhaus). 

Bamberger Dom außen

Nach dem Rundgang im Inneren des Bamberger Doms bietet es sich an, einen kurzen Spaziergang um den Dom zu unternehmen. Direkt südöstlich des Doms, neben dem Domkranz, befindet sich das Diözesanmuseum Bamberg.

Bamberg Diözesanmuseum

Diözesanmuseum Bamberg

Das Museum ist im Domkapitelhaus untergebracht. Das barocke Gebäude wurde 1731-33 nach Plänen von Balthasar Neumann erbaut.

Zu den wertvollen Ausstattungsstücken zählt u. a. das Gunthertuch. Als Bischof Gunther von Bamberg auf der Rückreise von Jerusalem im Jahr 1065 verstarb, hüllte man den Leichnam in ein kostbares Seidentuch (218 cm x 211 cm) und transportierte Gunther nach Bamberg. Das Tuch entdeckte man erst 1830, als man sein Grab öffnete.

Der Sternenmantel Heinrichs II. ist ein Ostergeschenk an Kaiser Heinrich II. Der süditalienische Adelige Meles von Bari überreichte den Mantel zu Ostern 1020 in Bamberg. Kurz darauf starb Meles.

Webseite: http://www.dioezesanmuseum-bamberg.de/

Gunthertuch (Diözesanmuseum Bamberg)
Sternenmantel Heinrich II. Diözesanmuseum Bamberg

Portale des Bamberger Doms am Domplatz

Vom Domplatz führen zwei Portale zum Dom: das Fürstenportal und  – weiter östlich – die Veitspforte. Das Fürstenportal ist nur zu besonderen Anlässen geöffnet, die Veitspforte nur während der Gottesdienste.

Fürstenportal

Bamberg Dom Fürstenportal 3087

Das Fürstenportal (Nordseite) ist ein rundbogiges Stufenportal mit Figuren und Tympanon. Je ein Apostel steht auf den Schultern eines Propheten. Das Tympanon zeigt das Jüngste Gericht: Jesus als Weltenrichter, zu seiner Rechten freuen sich die Frommen auf das Paradies, zu seiner Linken die jammervollen Gesichter derer, die der Teufel holt. Vor dem Portal stehen auf zwei Säulen Synagoge mit der Augenbinde und Ecclesia; Judentum und Christentum repräsentierend.

Veitspforte

Dom Tür Veitsportal 4051521

Die Veitspforte ist kein Rund-, sondern ein Spitzbogenportal. Sie führt in das nördliche Querhaus, wo sich der Sankt-Veits-Altar befand (nicht zu verwechseln mit dem Veit-Stoß-Altar).

Türme des Bamberger Doms

Beim Bamberger Dom unterscheiden sich die West-  von den Osttürmen (Foto Mitte). Die Westtürme haben zum Vorbild die Türme der Kathedrale von Laon in Frankreich (Foto rechts). Dies betrifft nicht nur die achteckige Grundrissform der Türme, sondern auch ein kurioses Detail. Von den Laon-Türmen schauen 16 steinerne Ochsen hinab. Auch beim Bamberger Dom kann man Tiere entdecken: Sie werden Domkühe genannt, ihnen fehlen allerdings die Hörner. Manche erkennen in ihnen daher Maulesel.

Bamberg, Dom, Ansicht von Südwesten-20170128-023
Laon Cathedral Northeast Tower 01