Augsburgs historische Wasserwirtschaft

Wassertürme, Brunnen & Aquädukte in Augsburg

Wassertürme am Roten Tor, links St. Ulrich - Fotograf Reinhard Paland

2019 erklärte die UNESCO „Augsburgs historische Wasserwirtschaft“ zum Weltkulturerbe. Die Welterbestätte besteht aus mehreren Bauwerken, die über die Altstadt und die Umgebung verteilt sind:

  • Kanäle, die das Wasser in die Stadt transportierten,
  • Wassertürme, die das Wasser zwischenspeicherten,
  • Prachtbrunnen, an denen man das Wasser entnehmen konnte.
  • Wasserkraftwerke nutzen die Wasserkraft u. a. zur Stromerzeugung.

1. Kanäle

Wasserspielplatz am Hettenbach 02
Flüsse und Kanäle in Augsburg. Weltkulturerbe: Augsburgs historische Wasserwirtschaft

Ein weitverzweigtes Kanalnetz durchzieht die Stadt Augsburg und deren Umgebung. Die beiden größten Wasserläufe sind

  • Wertach (Westen)
  • Lech (Osten)

Sie sind natürliche Flüsse, die begradigt oder eingefasst worden, um die Naturkräfte zu zähmen und z. B. die Wasserkraft für die Stromerzeugung zu nutzen. Kleinere Wasserläufe sind Senkelbach, Stadtbach und Proviantbach. Diese „Wasserwege“ haben Abzweigungen und Kreuzungen mit  Wasserstraßen oder anderen Verkehrswegen.

Kreuzungen

Zirbelnuss-Kanal-Brücke in Augsburg

Bei den Kreuzungen führt ein Kanal über den anderen. Ein Beispiel ist die unscheinbar wirkende Zirbelnuss-Kanal-Brücke in der Nähe des Unteren Brunneturms. Sie wurde bereits 1848 gebaut und führt den Inneren Stadtgraben über den Stadtbach. Das Bauwerk ist 12, 3 m lang, 2 m breit und 0,9 m hoch. Die Zirbelnuss-Kanal-Brücke ist denkmalgeschützt und wurde 1984 saniert.

Eine weitere Kreuzung ist der Galgenablass außerhalb der Altstadt. Dort führt man den Grenzgraben unterirdisch unter dem Siebenbrunner Bach hindurch (Eine Darstellung der komplexen Wasserkreuzung findet man in dieser Informationsbroschüre des Landschaftspflegeverbands Stadt Augsburg.).

Aquädukt

Aquädukt am Roten Tor. Blick im Untergeschoss von der Kanal-Mitte in Fließrichtung des Kanals. Foto Christine Pemsl
Augsburg Aquädukt am Roten Tor. Blick vom Stadtgraben

Zu den Wasserkanälen zählt auch das Aquädukt am Roten Tor (1777, Johann Christian Singer). Das doppelstöckige Bauwerk hat zwei Funktionen: Im unteren Bereich führt es Wasser (Aquä-dukt: Wasser-führung); im oberen dient es als Brücke über den Stadtgraben für Menschen und Warenverkehr.

Abzweigungen

Wertach Ackermannwehr bei Augsburg. Blick nach Norden

An den Abzweigungen stauen Wehre das Wasser an und leiten es um, z. B. zweigt am Ackermannwehr (im Südwesten der Stadt) der Fabrikkanal (rechts) von der Wertach ab.

Wassertürme. Beispiel Wasserwerk am Roten Turm

Kleiner Wasserturm: Gewölbe mit Wasserkasten-Modell. Foto: Felix Hartmann

1419 errichtete man in Augsburg den ersten Wasserturm, acht weitere folgten. Das Prinzip der Wassertürme hat sich seit Jahrhunderten nicht geändert: Wasser wird durch Zuläufe in einen Behälter in der Höhe befördert und dort zwischengepeichert. Durch Abflüsse gelangt das Wasser zu den Entnahmestellen, z.  B. den Prachtbrunnen. Wahre Prachtbauten sind auch die Wassertürme selbst. Das Foto oben zeigt das Innere des Kleinen Wasserturms (1470, erweitert 1559 und 1672). Die Decke ist mit aufwändigem Stuck verziert. Das Metallgestänge gibt die Umrisse des Wasserbehälters wieder. Dargestellt sind auch die beiden Zuläufe und der Ablauf.

Der Kupferstich (ca. 1680, Simon Grimm) unten zeigt das Innere im benachbarten Kastenturm, bei dem es sich um einen ehemaligen Wehturm handelt, der 1559 umgebaut und aufgestockt wurde. Der Kupferstich zeigt Besucher*innen vor dem Wasserkasten, der mit Figuren wie ein Prachtbrunnen geschmückt ist. Schon damals erregte dieses technische Denkmal Aufmerksamkeit.

Der Große Wasserturm (Siehe Foto ganz oben: links mit Dachlaterne) wurde 1412 – 1416 errichtet und gilt als ältester erhaltener Wasserturm Deutschlands.  Die drei beiden Wassertürme bilden mit Oberem und Unteren Brunnenmeisterhaus und dem Brunnenmeisterhof das Ensemble Wasserwerk am Roten Tor im Süden der Altstadt. Dieses Wasserwerk gilt als das älteste Deutschlands. Öffnungszeiten und Führungen: 1. Sonntag im Monat (Mai – Okt.). Adresse: Am Roten Tor, 86150 Augsburg. Kontakt: tourismus@regio-augsburg.de

Wasserbecken im Kastenturm (Augsburg)

Prachtbrunnen

Augsburg, Maximilanstraße, Herkulesbrunnen

Die Maximilianstraßedurchzieht die südliche Altstadt Augsburg in Nord-Süd-Richtung. Den nördlichen Abschluß bildet der Rathausplatz mit dem berühmten Augsburger Rathaus (Elias Holl), den südlichen der Ulrichplatz vor der Ulrichkirche.  Auf dieser breiten repräsentativen Straße ließ man drei Prachtbrunnen erbauen:

  • Augustusbrunnen auf dem Rathausplatz (Foto unten rechts)
  • Merkurbrunnen in der Maximilanstraße, Höhe Bürgermeister-Fischer-Straße (Foto unten links)
  • Herkulesbrunnen in der Maximilanstraße zwischen Katharinengasse und Heilig-Grab-Gasse. (Foto oben. Standort früher: Weinmarkt)

Alle drei Brunnen wurden zwischen 15588 bis 1600 von den niederländischen Bildhauern Hubert Gerhard (1540 oder 1550 – 1620) und Adriaen de Vries ( 1545 oder 1556 – 1626) erbaut.

Merkurbrunnen Augsburg von Westen
Augsburg Augustusbrunnen 4

Wasserwerke

Hisorisches Wasserwerk am Hochablass bei Augsburg, Foto Felix Hartmann

Zum Welterbe zählen mehrere Wasserwerke.  Ein Beispiel ist das Historische Wasserwerk am Hochablass. Es steht südwestlich der Altstadt an der Abzweigung des Neubachs vom Lech (Lechwehr). Das Wasserwerk wurde 1879 erbaut und ersetzte das Wasserwerk am Roten Tor. Auch das Prinzip war ein anderes: Der Wasserdruck wurde nicht mithilfe von Wassertürmen erzeugt, von denen das Wasser hinabdrückte, sondern mithilfe von Pumpen. Öffnungszeiten und Führungen: 1. Sonntag im Monat.

Adresse: Am Eiskanal 49, 86161 Augsburg, Kontakt: wassergmbh@sw-augsburg.de

Zwischen Neubach und Lech erstreckt sich die Kanustrecke. Sie wurde 1972 für die Olympischen Spiele erbaut und war die erste künstlich angelegte Kanustrecke der Welt. Weiter nördlich liegt das Bundesleistungszentrum für Kanuslalom und Wildwasser.

Wasserkraftwerke

Wasserkraftwerk auf der Wolfzahnau 04

Währen die Wasserwerk der Trinkwassergewinnung dienten, dienten die Wasserkraftwerke der Stromgewinnung. Die Wasserkraft treibt Turbinen an, die mithilfe von Generatoren Strom erzeugen. Ein Beispiel ist das Wasserkraftwerk an der Wolfzahnau (1891). Das Gebäude ist in Privatbesitz und nicht öffeneltich zugänglich. Flußabwärts gibt es noch drei weitere Wasserkraftwerke (Gersthofen (1901), Langweid (1906) und Meitingen (1922)). Im Westen von Augsburg liegen drei Kraftwerke: an der Singold (1887), am Fabrikkanal (185) und am Wertachkanal (1920).

Es gibt so viele Wasserkraftwerke bei Augsburg, weil sich in der Stadt viele Industriebetriebe angesiedelt hatten. Bekannt ist z. B. die „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“, abgekürzt MAN. Die Industriebetriebe benötigten Strom für den Antrieb der Maschinen und gewannen ihn weitgehend umweltfreundlich mithilfe der Wasserkraft. 

Brunnenmeisterhäuser

Brunnenmeisterhaus in der Altstadt Augsburg

Zur Infrastruktur von Augsburgs  Wasserwirtschaft zählen außerdem Gebäude, die dem Unterhalt des Systems dienten. Im Unteren Brunnenmeisterhaus waren Werkstätten und Lager untergebracht. Heute befindet sich in dem Gebäude das Schwäbische Handwerkermuseum. Das Untere Brunnenmeisterhaus ließ Brunnenmeister  Caspar Walter (1701-69) errichten. Er selbst wohnte – wie auch seine Vorgänger und Nachfolger, im Oberen Brunnenmeisterhaus. In dem Werk „Hydraulica Augustana“ (1754) beschreibt er das Wasserwirtschaftsystem zu seiner Zeit. Beide Gebäude stehen in der Nähe des Roten Tors.

Adresse: Beim Rabenbad 6, 86150 Augsburg, Kontakt: www.hwk-schwaben.de

Welterbe Augsburgs historische Wasserwirtschaft: Kontakt

Augsburgs historische Wasserwirtschaft verteilt sich über die Altstadt und das Umland. Informationen und Führungen bietet die Stadt Augsburg an:

Stadt Augsburg
Welterbe-Büro
Rathausplatz 1
86150 Augsburg

Telefon: 0821 324-9400
E-Mail: welterbe@augsburg.de

Webseite: www.wassersystem-augsburg.de

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Blick aus der Bocksteinhöhle ins Lonetal

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