Augsburgs historische Wasserwirtschaft

Wassertürme, Brunnen & Kanäle in Augsburg

Wassertürme am Roten Tor, links St. Ulrich - Fotograf Reinhard Paland

Das UNESCO-Weltkulturerbe „Augsburgs historische Wasserwirtschaft“ besteht aus mehreren Bauwerken in der Altstadt und Umgebung von Augsburg:

  • Stauwehre, die Flüsse und Bäche aufstauen,
  • Kanäle, die das Wasser in die Stadt transportieren,
  • Wassertürme, die das Wasser zwischenspeichern,
  • Prachtbrunnen, an denen man das Wasser entnehmen kann,
  • Wasserkraftwerke nutzen die Wasserkraft u. a. zur Stromerzeugung.

Hochablass Augsburg mit Walzenwehr

Hochablass Augsburg Foto Stadtwerke Augsburg

Der Hochablass staut das Wasser der Lech und leitet es über den Hauptstadtkanal in die Stadt. 1346 wird erstmals ein Stauwehr an dieser Stelle erwähnt. Dieses Stauwehr war über Jahrhunderte ein Zankapfel zwischen Augsburg und den bayerischen Herzögen. Mehr als einmal mussten deutsche Kaiser vermitteln. Außerdem wurde die Staumauern immer wieder durch Hochwasser zerstört, zuletzt 1910. 1911-12 erbaute man die heutige Anlage als Stahlbetonkonstruktion. Sie besteht aus drei Abschnitten mit einer Gesamtlänge von 145 m.

Das Foto oben zeigt (von links nach rechts) zwei Abschnitte: Auf die drei linken Wehre folgt ein Walzenwehr. Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) ließ diese Technik 1902 patentieren. Walzenwehre sind inzwischen weltweit verbreitet. Rechts des Glockenturms folgen zwei Wehre, eine Fischtreppe und eine Kiesschleuse.

Kanäle

Augsburg Schwalllech in der Schwibbogengasse 2
Flüsse und Kanäle in Augsburg. Weltkulturerbe: Augsburgs historische Wasserwirtschaft

Ein weitverzweigtes Kanalnetz durchzieht die Stadt Augsburg und deren Umgebung. Einige gehören zum Straßenbild, andere sind unscheinbare Hinterhofkanäle. Gemessen am Wasserdurchfluss (in Kubikmetern) pro Sekunde sind die beiden größten Wasserläufe

  • die Wertach (Westen, ca. 27 m³/s)
  • der Lech (Osten, ca 86 m³/s)

Sie sind natürliche Flüsse, die man begradigt oder eingefasst hat, um die Naturkräfte zu zähmen und z. B. die Wasserkraft für die Stromerzeugung zu nutzen.

Mittelgroße Wasserläufe sind

  • der (Haupt)Stadtbach (ca. 35 m³/s), der am Hochablass von der Lech abzweigt,
  • der Fabrikkanal (ca. 28 m³/s), der von der Wertach abzweigt.

Kleine Kanäle sind z. B.

  • der 14,5 km lange Lochbach (3 m³/s) oder
  • der Stadtbach (8 m³/s).
  • Der nur 660 m lange Augsburger Eiskanal (10 m³/s) ist der älteste Kanukanal der Welt; erbaut 1970-71 für die Olympischen Spiele 1972.

Diese „Wasserwege“ haben Abzweigungen und Kreuzungen mit Wasserstraßen oder anderen Verkehrswegen.

Kreuzungen

Bei den Kreuzungen führt ein Kanal über den anderen. Ein Beispiel ist die Zirbelnuss-Kanal-Brücke in der Nähe des Unteren Brunnenturms. Sie wurde bereits 1848 gebaut und führt den Inneren Stadtgraben über den Stadtbach. Das Bauwerk ist 12, 3 m lang, 2 m breit und 0,9 m hoch. Die Zirbelnuss-Kanal-Brücke ist denkmalgeschützt und wurde 1984 saniert.

Zirbelnuss-Kanal-Brücke in Augsburg
Spital- Wolfsbach

Aquädukt

Aquädukt am Roten Tor. Blick im Untergeschoss von der Kanal-Mitte in Fließrichtung des Kanals. Foto Christine Pemsl

Zu den Wasserkanälen zählt auch das Aquädukt am Roten Tor (1777, Johann Christian Singer). Das doppelstöckige Bauwerk hat zwei Funktionen: Im unteren Bereich führt es Wasser (Aquä-dukt: Wasser-führung); im oberen dient es als Brücke über den Stadtgraben für Menschen und Warenverkehr.

Augsburgs Wassertürme. Beispiel Wasserwerk am Roten Turm

Kleiner Wasserturm: Gewölbe mit Wasserkasten-Modell. Foto: Felix Hartmann

Das Wasserwerk am Roten Turm befindet sich im Süden der Altstadt Augsburg. Das Wasserwerk umfasst drei Wassertürme: 

  • Kleiner Wasserturm
  • Großer Wasserturm
  • Kastenturm

Das Prinzip der Wassertürme hat sich seit Jahrhunderten nicht geändert: Wasser wird durch Zuläufe in einen Behälter in der Höhe befördert und dort zwischengespeichert. Durch Abflüsse gelangt das Wasser zu den Entnahmestellen, z.  B. den Prachtbrunnen. Wahre Prachtbauten sind auch die Wassertürme selbst.

Das Foto oben zeigt das Innere des Kleinen Wasserturms (1470, erweitert 1559 und 1672). Die Decke ist mit aufwändigem Stuck verziert. Das Metallgestänge gibt die Umrisse des Wasserbehälters wieder. Dargestellt sind auch die beiden Zuläufe und der Ablauf.

Der Große Wasserturm (Siehe Foto ganz oben: links mit Dachlaterne) wurde 1412 – 1416 errichtet und gilt als ältester erhaltener Wasserturm Deutschlands. 

Wasserbecken im Kastenturm (Augsburg)

Der Kupferstich (ca. 1680, Simon Grimm) zeigt das Innere im benachbarten Kastenturm, bei dem es sich um einen ehemaligen Wehrturm handelt. Man hat ihn 1559 umgebaut und aufgestockt. Der Kupferstich zeigt Besucher*innen vor dem Wasserkasten, der mit Figuren wie ein Prachtbrunnen geschmückt ist. Schon damals erregte dieses technische Denkmal Aufmerksamkeit.

Die drei Wassertürme bilden mit Oberem und Unteren Brunnenmeisterhaus und dem Brunnenmeisterhof das Ensemble Wasserwerk am Roten Tor im Süden der Altstadt. Dieses Wasserwerk gilt als das älteste Deutschlands. Öffnungszeiten und Führungen: 1. Sonntag im Monat (Mai – Okt.). Adresse: Am Roten Tor, 86150 Augsburg. Kontakt: tourismus@regio-augsburg.de

Prachtbrunnen

Augsburg, Maximilanstraße, Herkulesbrunnen

Die Maximilianstraße durchzieht die südliche Altstadt Augsburg in Nord-Süd-Richtung. Den nördlichen Abschluß bildet der Rathausplatz mit dem berühmten Augsburger Rathaus (Elias Holl), den südlichen der Ulrichplatz vor der Ulrichkirche. Auf dieser breiten repräsentativen Straße ließ man drei Prachtbrunnen erbauen:

  • Augustusbrunnen auf dem Rathausplatz (Foto unten rechts),
  • Merkurbrunnen in der Maximilanstraße, Höhe Bürgermeister-Fischer-Straße (Foto unten links),
  • Herkulesbrunnen in der Maximilanstraße zwischen Katharinengasse und Heilig-Grab-Gasse. (Foto oben. Standort früher: Weinmarkt)

Alle drei Brunnen wurden zwischen 1588 bis 1600 von den niederländischen Bildhauern Hubert Gerhard (1540 oder 1550 – 1620) und Adriaen de Vries ( 1545 oder 1556 – 1626) erbaut.

Merkurbrunnen Augsburg von Westen
Augsburg Augustusbrunnen 4

Wasserwerke

Hisorisches Wasserwerk am Hochablass bei Augsburg, Foto Felix Hartmann

Zum Welterbe zählen mehrere Wasserwerke. Ein Beispiel ist das Historische Wasserwerk am Hochablass. Es steht südwestlich der Altstadt an der Abzweigung des Neubachs vom Lech (Lechwehr). Das Wasserwerk wurde 1879 erbaut und ersetzte das Wasserwerk am Roten Tor. Auch das Prinzip war ein anderes: Der Wasserdruck wurde nicht mithilfe von Wassertürmen erzeugt, von denen das Wasser hinabdrückte, sondern mithilfe von Pumpen. Öffnungszeiten und Führungen: 1. Sonntag im Monat.

Adresse: Am Eiskanal 49, 86161 Augsburg, Kontakt: wassergmbh@sw-augsburg.de

Zwischen Neubach und Lech erstreckt sich die Kanustrecke. Sie wurde 1972 für die Olympischen Spiele erbaut und war die erste künstlich angelegte Kanustrecke der Welt. Weiter nördlich liegt das Bundesleistungszentrum für Kanuslalom und Wildwasser.

Wasserkraftwerke

Wasserkraftwerk auf der Wolfzahnau 04

Während die Wasserwerke der Trinkwassergewinnung dienten, sorgen die Wasserkraftwerke für die Stromgewinnung. Die Wasserkraft treibt Turbinen an, die mithilfe von Generatoren Strom erzeugen. Ein Beispiel ist das Wasserkraftwerk an der Wolfzahnau (1891). Das Gebäude ist in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich. Flußabwärts gibt es noch drei weitere Wasserkraftwerke (Gersthofen (1901), Langweid (1906) und Meitingen (1922)). Im Westen von Augsburg liegen drei Wasserkraftwerke: an der Singold (1887), am Fabrikkanal (1885) und am Wertachkanal (1920-21).

Es gibt so viele Wasserkraftwerke bei Augsburg, weil sich in der Stadt viele Industriebetriebe angesiedelt hatten. Bekannt ist z. B. die „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“, abgekürzt MAN. Die Industriebetriebe benötigten Strom für den Antrieb der Maschinen und gewannen ihn weitgehend umweltfreundlich mithilfe der Wasserkraft. 

Unteres & Oberes Brunnenmeisterhaus

Brunnenmeisterhaus in der Altstadt Augsburg

Zur Infrastruktur von Augsburgs Wasserwirtschaft zählen außerdem Gebäude, die dem Unterhalt des Systems dienten. Im Unteren Brunnenmeisterhaus waren Werkstätten und Lager untergebracht. Heute befindet sich in dem Gebäude das Schwäbische Handwerkermuseum. Das Untere Brunnenmeisterhaus ließ Brunnenmeister Caspar Walter (1701-69) errichten. Er selbst wohnte – wie auch seine Vorgänger und Nachfolger – im Oberen Brunnenmeisterhaus. In dem Werk „Hydraulica Augustana“ (1754) beschreibt er das Wasserwirtschaftsystem zu seiner Zeit. Beide Gebäude stehen in der Nähe des Roten Tors.

Adresse: Beim Rabenbad 6, 86150 Augsburg, Kontakt: www.hwk-schwaben.de

Welterbe Augsburgs historische Wasserwirtschaft: Kontakt

Augsburgs historische Wasserwirtschaft verteilt sich über die Altstadt und das Umland. Informationen und Führungen bietet die Stadt Augsburg an:

Stadt Augsburg
Welterbe-Büro
Rathausplatz 1
86150 Augsburg

Telefon: 0821 324-9400
E-Mail: welterbe@augsburg.de

Webseite: www.wassersystem-augsburg.de

Welterbe in der Nähe

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Wieskirche (Alpenvorland)

Wieskirche in front of the Alps

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