Völklinger Hütte

Weltkulturerbe im Saarland: das größte Stahlwerk Europas

Hütte Völklingen, am Abend mit Beleuchtung

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist ein ehemaliges Stahlwerk im Saarland. Der Unternehmer Carl Röchling übernahm 1881 eine Eisenhütte und legte mit den „Röchling’schen Eisen- und Stahlwerken“ den Grundstein zu einem der größten Stahlwerke Europas. 1994 erklärte die UNESCO die Völklinger Hütte zum Weltkulturerbe.

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Was ist ein Stahlwerk?

HKM116243

Möller + Koks + Hitze = Stahl

In einem Stahlwerk bringt man dreierlei zusammen:

  • Möller, das ist ein Gemisch aus Eisenerz, Schrott, Sinter und anderen Zusätzen.
  • Koks, das man aus Kohle gewinnt.
  • Hitze (über 1000° C).

Unter Hitzeeinfluss erfolgt in den Hochöfen eine chemische Reaktion: Eisenerz wird zu Eisen. Außerdem entstehen noch andere Stoffe, z. B. Gas.

Die Teile eines Stahlwerks dienen

  • der Lagerung der Bestandteile, z. B. Wasserbehälter, Gasbehälter, Eisenerzlager;
  • ihrem Transport, z. B. Koksschrägaufzug, Gas- und Wasserleitungen
  • oder der Umwandlung, z. B. Kokerei, Hochöfen; Sinterei.
  • Außerdem gibt es noch Räume für die Arbeiter*innen, z. B. Umkleideräume, Werkstätten, Büros.

In der stillgelegten Völklinger Hütte haben sich diese Teile erhalten.

Sinteranlage (Besucherzentrum)

In der Sinteranlage (erbaut 1928) erhitzt man Feinerz, damit es zusammenbackt. Die Sinterung erfolgt seit 1907 nach dem Dwight-Lloyd-Verfahren: Das Erz wird mit Koks vermischt, auf ein Förderband gebracht und erhitzt. Diese Förderbänder bestehen aus aneinandergereihten „Rostwagen„. Am Ende erhält man den Sinterkuchen, den man zu Sinter zerkleinert.

Dwight-Lloyd-Prozess
Roestwagen dwight lloyd HKM Duisburg
Aggloméré de minerai de fer 3

Kokerei

VH Kokerei

Die Kokerei (erbaut 1935-36) bestand aus sieben Koksbatterien; diese wiederum aus vielen schmalen Koksöfen, die aneinandergereiht sind. Jede Koksofen wird einzeln von der Seite mit gepresster Kohle befüllt. Die Kohle verwandelt sich bei hoher Hitze und ohne Luftzufuhr zu Koks. Man öffnet nach 15 bis 30 Stunden die Schmalseiten der Öfen, eine Drückmaschine schiebt den Koks von der Maschinenseite zur Koksseite hinaus. Dort nimmt man das glühenden Koks und löscht es mit Wasser. Wie diese Arbeit erfolgte, zeigt das Video „Die Kokerei der Völkinger Hütte 1986„.

Hinter der Kokerei steht das älteste Gebäude der Völklinger Hütte: der Stahl-Kohleturm, erbaut 1896. Zu ihm führt ein Schrägaufzug. Er wurde 2008 restauriert (Infos zum Turm). Hinter ihm der Beton-Kohleturm.

Mehr Informationen zur Kokerei bietet die Initiative Völklinger Hütte.

Erzschrägaufzug und Koksschrägaufzug

Erzschraegaufzug Völklinger Hütte
Völklinger Hütte Blick von Gichtbühne auf Kokerei

Zwei Schrägaufzüge führen zur Gicht:

  • Der Erzschrägaufzug (erbaut 1911) führt von der Möllerei zur Gicht. Unter dem Aufzug befindet sich das Hochofenbüro für den Hochofenchef (1911).
  • Der Koksschrägaufzug (erbaut 1914) liefert den Koks von der Kokerei. 

Hochofen

Gichtbühne - oberhalb des Hochofens

VH Gichtbühne1

Von der Gichtbühne aus erfolgt die Beladung der Hochöfen. Abwechselnd füllt man Koks und Möller ein. Der Transport auf die Gichtbühne erfolgt mithilfe der Loren.

Hochofenprozess

Hochofen - Aufbau

Der Hochofen ist eine aufrecht stehende Röhre, in die man Erz, Koks und Zuschläge einfüllt, um Roheisen zu gewinnen. Im Inneren herrschen bis zu 2000° C. Nach oben hin nimmt die Temperatur stark ab.

Um diesen hohen Temperaturen widerstehen zu können, ist die Innenseite des Hochofens mit speziellen Schamottesteinen ausgekleidet und wird durch eingebaute Wasserleitungen gekühlt.

Im Laufe der Entwicklung wurden die Hochöfen höher, breiter und somit leistungsfähiger. Im Vergleich zu Rennöfen des Mittelalters (siehe unten) sind die sechs Hochöfen der Völklinger Hütte mit 27 m Höhe bereits riesig, aber klein im Vergleich zu den höchsten Hochöfen Europas: 75 m hoch ist der Hochofen 2 in Duisburg-Schwelgern.

Stichloch - unterhalb des Hochofens

Hochofen HDR

Im unteren Bereich, am Stichloch (Foto), öffnen die Arbeiter regelmäßig den Hochofen, um das flüssige Eisen und die Schlacke abzuführen. Die entstandenen Gase sammelt man im Gasometer. Die Arbeiter nennt man „Hochöfner“, sie leisten gefährliche Schwerarbeit. (Video: Über den Erzschrägaufzug zur Begichtung der Hochöfen)

Winderhitzer

Winderhitzer der Völklinger Hütte

In den Winderhitzern, erkennbar an den Kuppeln, erwärmt man die Luft auf etwa 1300° C, bevor man sie in den Hochofen führt. Das Koks stellt man in der Kokerei aus Kohle her; das Eisenerz lagert man in der Erzhalle.

Gasometer

Teleskopgasbehälter (Völklinger Hütte) Gasometer 1
Scheibengasbehälter der Völklinger Hütte Gasometer 2

Am Ostufer der Saar stehen zwei Gasometer; ein dritter südöstlich der Völklinger Hütte. In ihnen sammelte man die entstandenen Gase. Es handelt sich um unterschiedliche Gasometertypen:

  • links ein zweihübiger Teleskopgasbehälter (erbaut 1930; 60.000 m³ Volumen)
  • rechts ein Scheibengasbehälter (erbaut 1931; 100.000 m³)

Quelle: http://www.gaswerk-augsburg.de/deutschland.html#saarland

Wasserturm & Handwerkergasse

Völklingen Handwerkergasse und Wasserturm der Völklinger Hütte

Rechts die Rückseite der sogenannten Handwerkergasse (1907). Hier befanden sich u. a. die Werkstätten der Maurer und Schlosser. Aufgabe der Maurer war es, die Hochöfen zu mauern, denn diese bestanden aus speziellem Schamottstein. Das hohe Gebäude im Hintergrund ist der Wasserturm (1917). Jeder Hochofen verbraucht für die Kühlung enorme Wassermengen.

Warum ist die Völklinger Hütte UNESCO-Weltkulturerbe?

Die UNESCO hat die Völklinger Hütte zum Weltkulturerbe erklärt, weil zwei (von zehn) Welterbe-Kriterien erfüllt sind (Übersetzung durch das Auswärtige Amt):

„Kriterium (ii): Einige bedeutende technische Neuerungen in der Roheisenproduktion entstammen der Völklinger Hütte oder wurden dort zum ersten Mal erfolgreich im industriellen Maßstab angewandt; sie kommen heutzutage auf der ganzen Welt zum Einsatz.

Kriterium (iv): Die Völklinger Hütte ist ein außergewöhnliches Beispiel für ein integriertes Hüttenwerk, wie es in diesem Industriezweig im 19. und 20. Jahrhundert vorherrschend war.“ (Quelle: https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2329904/bb269b971dd8af027c2343023338869b/15-voelklinger-huette-data.pdf)

Völklinger Hütte: Informationen für Besucher*innen

In der Völklinger Hütte finden heute regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen statt, z. B. „InkaGold. 3000 Jahre Hochkultur“, „Urban Art“ oder „Leonardo da Vinci. Maschine – Mensch“.

Kontakt

Adresse

Weltkulturerbe Völklinger Hütte

 Rathausstraße 75-79
 66333 Völklingen
E-Mailmail(at)voelklinger-huette.org
Telefon06898-9 100 100
Fax06898-9 100 111

Öffnungszeiten

MonatTagUhrzeit
25. März – 04. Novembertäglich10.00 – 19.00 Uhr
05. November – 13. April 2019täglich10.00 – 18.00 Uhr

Ausnahmen: 24., 25., 31. Dezember: geschlossen. Stand 2019

Eintritt

Erwachsene17,00 €
2 Tageskarten20,00 €
ermäßigt:15,00 €
Kinder, Jugendliche bis 18 Jahre0,00 €
Schüler*innen, Studierende (bis 27 Jahre),0,00 €
Personen mit Handicap (ab GdB 60)0,00 €
Gruppen (ab 15 Personen, bei gebuchter Führung), pro Person15,00 €
Dienstags ab 16.00 Uhr0,00 €
Jahreskarte45,00 €

Führungen

Gebuchte Führung (maximal 30 Personen), pro Gruppe (zusätzlich pro Person 15,- € Eintritt)110,- €
Schulklassen: Informationen unter +49 (0) 6898 – 9 100 100

Online-Anfrage für Führungen: https://www.voelklinger-huette.org/de/besucherservice/anfrage-fuer-fuehrungen/

Anreise zur Völklinger Hütte

  • Bahnhof beim Weltkulturerbe Völklinger Hütte: Bahnhof Völklingen
    • RE 1 (verkehrt zwischen Koblenz und Mannheim, Stationen u. a. in Trier und Saarbrücken),
    • RB 70, 71 (Saartal-Bahn)
  • ICE-Bahnhof: Saarbrücken, Homburg (Saar)
  • Autobahn: A1, A6, A8
  • Anschließende Radfernwege:
    • Mosel-Radweg
    • D-Route 5 (Saar-Mosel-Main)
  • Flughafen: Saarbrücken-Ensheim (in der Nähe des Saarlands: Zweibrücken und Hahn)

Stahlwerke in der Nähe der Völklinger Hütte

Die Völklinger Hütte ist zwar seit 1986 stillgelegt, dennoch gibt es an der Saar weiterhin eine bedeutende Stahlindustrie. Direkt neben der Völklinger Hütte sind zwei Stahlbetriebe in Betrieb: Im Norden die Saarschmiede, im Osten steht das LD-Stahlwerk. Bei ihnen kommen andere Verfahren zum Einsatz. Man kann Stahl nämlich auf zwei Weisen herstellen:

  • durch Schmelzen von Erz im Hochofen (wie in der Völklinger Hütte und im LD-Stahlwerk) oder
  • durch Schmelzen von Schrott im Elektrostahlwerk (wie in der Saarschmiede).

ThyssenKrupp Duisburg 016

LD-Stahlwerk

 „LD“ steht für „Linz-Donawitz“, ein Verfahren, bei dem eine Sauerstofflanze in in den Stahlkochbehälter eingeführt wird. Dann bläst man reinen Sauerstoff von oben auf den kochenden Stahl. Das ist eine Verbesserung gegenüber dem Thomas-Gilchrist-Verfahren, das in der Völklinger Hütte zum Einsatz kam: Dort blies man statt reinen Sauerstoff normale Luft ein (Sauerstoffgehalt ca. 20%); die Luftzufuhr erfolgte nicht von oben, sondern durch Düsen von unten. Die Stahlqualität war weniger gut, da der Stickstoffanteil der Luft zu einer Versprödung des Stahls führte. Webseite: https://www.saarstahl.de/sag/de/konzern/produktion/werk-voelklingen/ld-stahlwerk/index.shtml

Fotothek df n-32 0000122 Metallurge für Hüttentechnik

Saarschmiede

Es handelt sich um eine industrielle Freiformschmiede und ein Elektrostahlwerk. In diesem wird nicht Eisenerz, sondern Schrott geschmolzen. Das Schmelzen erfolgt nicht durch heiße Luft, sondern durch Starkstrom, der durch den Schrott fließt, vergleichbar einem Glühbirnendraht, der sich bei Stromfluß erwärmt. In einem Lichtbogenofen erreicht man allerdings höhere Temperaturen: bis zu 3500° C. Webseite: https://www.saarschmiede.de/ssf/de/index.shtml

Stahlproduktion seit der Eisenzeit

Seit Beginn der Eisenzeit war in Europa das Verfahren der Eisenproduktion bekannt.  Bei der Völklinger Hütte erfolgt die Schmelze in einem hohen Schachthofen, dem Hochofen. Zuvor waren Niederschachtöfen im Einsatz, die maximal etwa 10 m hoch waren:

  • der Rennofen ist ein früher Niederschachtofen, der seit der Eisenzeit zum Einsatz kommt, z. B. bei den Kelten.
  • der Floßofen, ein später Niederschachtofen, bildet den Übergang zum Hochofen.

Keltischer Rennofen

Rennofen

 Als Meister der Metallurgie gelten die Kelten. Bei ihnen kam der Rennofen zum Einsatz. (Das Foto links zeigt eine Rekonstruktion.) Ein ein bis zwei Meter hoher Schachtofen wird mit Erz und Holzkohle gefüllt und erhitzt. Luft führte man mit einem handgeführten Blasebalg zu. Die Schlacke rinnt in die Grube, im Rennofen verbleibt die zähe Luppe. Restschlacke in der Luppe muss man  aushämmern.

Im 12. Jahrhundert erlaubten wasserangetrieben Blasebälge hohere Temperaturen. Diese Öfen nannte man Stückofen, da die Eisenproduktion nur stückweise erfolgt. Das änderte sich mit dem Flossofen.

 

Fuchsfloßofen im Hefter Graben, Hüttenberg

Floßofen

Ein Floßofen erlaubt eine ununterbrochene Stahlproduktion. Im Unterschied zum Rennofen, bei dem das Eisen zäh bleibt, erreicht der Floßofen höhere Temperaturen und erzeugt flüssiges Eisen, das zusammen mit der Schlacke ausfließt (daher der Name „Floßofen“).

Im Unterschied zu den Hochöfen z. B. der Völklinger Hütte wurden die Floßofen noch mit Holzkohle befeuert. Mit der Entdeckung und Förderung von Steinkohle an der Ruhr änderte sich die Stahlproduktion in Deutschland. Ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe, die Zeche Zollverein, erinnert an die Steinkohlenförderung im Ruhrgebiet.