UNESCO-Welterbe im Burgenland

Rust Weinriede

UNESCO-Welterbe im Burgenland. Übersicht

Das UNESCO-Welterbe im Burgenland umfasst eine transnationale Welterbestätte (Stand 2021): die „Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See“. Sie liegt auf österreichischem und ungarischem Staatsgebiet.

Das immaterielle Welterbe im Burgenland zählt sechs Kulturformen.

UNESCO-Weltkulturerbe im Burgenland

Panorama Neusiedlersee 01

Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See

Der Neusiedler See ist rund 320 km² groß. In Nord-Süd-Richtung ist er 36 km lang, in West-Ost-Richtung hingegen nur 14 km. Der See ist ungewöhnlich flach: an der tiefsten Stelle ist er etwa 1,8 m tief.Trotz der großen Fläche hat der See also ein sehr geringes Wasservolumen. Am Westufer erstreckt sich ein breiter Schilfgürtel.

Fast der gesamt See liegt im Burgenland; zu Ungarn zählt die Südspitze. Dort ragt das ungarische Staatsgebiet um die Stadt Ödenburg (Sopron) weit nach Westen vor. Der Neusiedler See Rundweg führt einmal um den See herum.

UNESCO-Weltnaturerbe im Burgenland

Blick auf die Lange Lacke mit Algendecke und einigen Schwänen, im Vordergrund die Nickende Distel (Carduus nutans). Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel (UNESCO-Welterbe im Burgenland)

Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel

Es gibt kein UNESCO-Weltnaturerbe im Burgenland. Allerdings umfasst der österreichische Teil des Welterbes den Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel (Webseite: https://nationalparkneusiedlersee.at/). Der Seewinkel ist das Gebiet östlich des Neusiedler Sees. Hier gibt es rund 40 Laken, das sind Gewässer mit hohem Salzgehalt. Die größte Lake ist die Lange Lake nordöstlich von Apetlon (1760 Einw.), die manchmal austrocknet, manchmal bis zu 10 km² bedeckt. Sie ist ein beliebtes Ziel für Vögel (u. a. Gänse) und Ornitholog*innen. Rund 13 km² des Seewinkels sind in Gemeinschaftsbesitz der Urbarialgemeinde Apetlon.

Immaterielles Kulturerbe im Burgenland

Armelittekelsch Musée alsacien Strasbourg-9

Burgenländischer Indigo-Handblaudruck

Beim Blaudruck stempelt man Wachsmuster auf Stoff. Anschließend färbt man den Stoff mittels Indigo blau; die gewachsten Stellen bleiben weiß. Später entfernt man das Wachs. Das Ergebnis ist ein blauer Stoff mit weißem Muster. Im Burgenland wird der Blaudruck nur noch in Steinberg-Dörfl durch Familie Kóo praktiziert (Webseite: https://www.originalblaudruck.at/). Österreichs zweite Blaudruckerei befindet sich in Oberösterreich (Blaudruck Wagner).

Der Blaudruck zählt auch in anderen Ländern zum immateriellen Kulturerbe, z. B. in Ungarn und Deutschland. Im Unterschied zu den meisten anderen Formen des immateriellen Kulturerbes, die in die jeweils nationalen Register eingetragen sind, ist der Blaudruck zusätzlich eingetragen in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ (Webseite: https://ich.unesco.org/en/RL/blaudruck-modrotisk-kekfestes-modrotlac-resist-block-printing-and-indigo-dyeing-in-europe-01365)

Neutal - Museum für Baukultur

Ofen- und Kaminmaurerei im Burgenland

Die Industrialisierung Europas wäre ohne Fabrikschornsteine undenkbar. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden diese aus Backstein gemauert. In der mittelburgenländischen Gemeinde Neutal (ungar.: Sopronújlak; kroat.: Najtolj) lebten viele Spezialisten für die Ofen- und Kaminmaurerei. Ihre Expertise war europaweit gefragt. Inzwischen kommen für Schornsteine Stahl und Stahlbeton zum Einsatz. Das Museum für Baukultur informiert über die Geschichte; im Außenbereich sind ein Schornstein und Ziegelmauermodelle aufgebaut (siehe Foto; Webseite: http://www.muba-neutal.at/).

Romany dialects Europe

Roman

Im Burgenland leben bis zu 5000 Roma. Neben Deutsch oder Ungarisch sprechen etliche auch das Burgenland-Roman. Es zählt zur Romani-Sprache, die weltweit von rund 6 Millionen Menschen gesprochen wird. Das Romani ist keine romanische (aus dem Lateinischen stammende) Sprache, sondern dem indischen Sanskrit verwandt. Die Vorfahren der Burgenland-Roma kamen im Mittelalter von Nordindien nach Europa. Seit dem 14. Jh. leben Roma im Burgenland.

Einige Wörter der Romani-Sprache sind in das Deutsch übernommen, z. B. leitet sich die Redewendung „auf etwas Bock haben“ wohl ab von dem Romani-Wort für Hunger (bokh). Das sanskritische Wort für Hunger ist bubhuksa (बुभुक्षा; Quelle: https://de.wiktionary.org/wiki/Bock). Über die Burgenland-Roma informiert die Webseite https://burgenland-roma.at/.

Amadeus Austrian Music Award 2009, A Tribute to Hansi Lang 2

Lieder der Lovara

Die Lovara sind eine Roma-Gemeinschaft, deren Name sich von den ungarischen Wörtern für Pferd (ló, Plural lovak) und Händler (árus) ableitet. Im 19. Jahrhundert zogen etliche Lovara von Ungarn nach Wien und in das Burgenland. Zwei bekannte Lovara-Musiker*innen der Gegenwart sind

 Aus dem Burgenland stammt die Roma-Band Romano Rath (https://www.burgenland-roma.at/index.php/kunst-und-kultur/musikalische-tradition-der-burgenland-roma/romano-rath-roma-blut). Einer der bedeutendsten Roma-Geigenvirtuosen war János Bihari (1764-1827), der als Begründer der Lakatos-Dynastie gilt. Zu seinen Bewunderern zählt u. a. der  im Burgenland geborene Franz Liszt (Siehe hierzu: https://www.romarchive.eu/de/music/classical-music/franz-liszt-and-making-legends/). Das musikalische Erbe der Roma zählt auch in den Niederlanden zum immateriellen Kulturerbe (https://www.immaterieelerfgoed.nl/en/sintijazz). 

Kath Pfarrkirche hll Petrus und Paulus Stinatz Interior 04

Stinatzer Hochzeit - Stinjačka svadba

Stinatz (kroatisch: Stinjaki) ist eine Marktgemeinde (1200 Einw.) im Südburgenland. Über 50% der Bevölkerung sind Burgenlandkroat:innen (Anteil im Burgenland: ca. 6%). 1577 siedelten sich Kroat:innen, die vor den Türken geflüchtet waren, in Stinatz an. Teil der kroatischen Kultur ist die Stinatzer Hochzeit, zu der das Brautpaar in farbenfroher Tracht erscheint. Den Hochzeitszug führen Brautführer (Staćilo) und Brautjungfer (Posnašnica) an; die Teilnehmenden singen kroatische Lieder. Das Foto zeigt das Innere der Stinatzer Kirche St. Petrus und Paulus (Kroatisch-deutschsprachige Webseite der Kirchengemeinde: https://www.farastinjaki.at/. Eine andere Tradition sind die Stinatzer Ostereier, die sich durch aufwändige Verzierungen auszeichnen (http://www.stinatz.gv.at/bildung-kultur/die-stinatzer-ostereier/). 

Neckenmarkter Fahnenschwingen 2015 (Immaterielles Kulturerbe im Burgenland)

Neckenmarkter Fahnenschwingen

Das Neckenmarkter Fahnenschwingen reicht zurück in das Jahr 1620: Damals kamen die Neckenmarkter Bauern dem Fürst Esterhazy in der Schlacht von Lackenbach zur Hilfe. Zum Dank schenkte er der Gemeinde u. a. eine Fahne. Sie befindet sich in Obhut der Ehrsamen Burschenschaft Neckenmarkt. Ab Pfingstmontag finden Veranstaltungen statt, die ihren Höhepunkt am Tag der Fahne finden, das ist der erste Sonntag nach Frohnleichnam.

Den Fahnenschwingern ist ein großes Denkmal am Kreisel der L335 gewidmet. Mehr Informationen bietet das Fahnenschwinger- und Weinbaumuseum (Webseite: https://www.neckenmarkt.net/gemeinde/weinbaumuseum/)

Kandidat für das UNESCO-Welterbe im Burgenland

Österreich hat den Donaulimes als Kandidaten für den UNESCO-Weltkulturerbe nominiert. Er verläuft nur knapp außerhalb der Grenzen des Burgenlandes.

Karte Donaulimes (Kandidat für das UNESCO-Welterbe in Österreich)

Donaulimes (Pannonischer Limes)

Seit 2015 steht der Donaulimes auf der Kandidatenliste für das UNESCO-Weltkulturerbe. Er erstreckt sich am südlichen Donauufer. Die Karte zeigt den Verlauf des Donaulimes. Links oben liegt Wien (römischer Name: Vindobona), von dort führte eine Straße nach Ödenburg/Sopron (Municipium Flavium Scarbantia). Ein weiterer Römerweg führte am Westufer des Neusuiedler Sees entlang. (Webseite: http://whc.unesco.org/en/tentativelists/6004)

Burgenland besuchen

Burgenland Flagge; Flag of Burgenland (state)
Karte Burgenland als Bundesland in Österreich, Austria

Burgenland (Gradišće, Őrvidék) entdecken:

Das Burgenland gliedert sich in Nord-, Mittel- und Südburgenland. Im Nordburgenland (mit den Städten Eisenstadt und Rust) liegt der Neusiedler See.

Im Südburgenland leben mehrere Minderheiten: die Burgenlandkroaten und die Burgenlandroma (z. B. in Oberwart). Das Burgenland ist daher mehrsprachig: Rund 90% der Bevölkerung sprechen deutsch, etwa 6 % burgenland-kroatisch oder kroatisch; nicht ganz 2% ungarisch. Das Burgenland heißt auf kroatisch Gradišće und auf ungarisch Őrvidék.

Kurzinfo Burgenland

  • Einwohner*innen: 294.000
  • Fläche: 3965 km²
  • Landeshauptstadt: Eisenstadt
  • Größte Städte: Eisenstadt (14.800 Einwohner*innen), Neusiedl am See (8.600); Oberwart (7.600)
  • Nachbarländer: Steiermark, Niederösterreich; Slowakei, Slowenien, Ungarn 
  • Höchster Berg: Geschriebenstein (884 m)
  • Hauptgewässer: Lafnitz, Leitha, Pinka, Raab; Neusiedler See
  • Schulferien Burgenland
Freilichtmuseum Gerersdorf (Burgenland)

Freilichtmuseum Gerersdorf

Über die traditionelle Architektur im Burgenland informiert das  Freilichtmuseum Gerersdorf (Gemeinde Gerersdorf-Sulz, Südburgenland). Das Ensemble besteht aus über 30 Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Das Foto zeigt rechts ein Wohnhaus (erbaut 1794) aus dem Ort Kroatisch Tschanschtendorf (Hrvatska Čenča), links die Rekonstruktion eines Glockenturms aus Rehgraben (18. Jh.). Webseite: https://www.freilichtmuseum-gerersdorf.at/

Burgenland Anreise

  • Fern-Bahnhof: Eisenstadt
  • Autobahn: A 2, (Südautobahn), A3, A 4 (Ostautobahn), A 6 (Nordostautobahn)
  • Radfernweg: EuroVelo 13 (Iron Curtain Wall entlang des „Eisernen Vorhangs“); B10 (Neusiedler See-Radweg), B12 (Kirschblüten-Radweg). Infos: https://www.burgenland.info/erleben/sportlich-aktiv/mit-dem-rad/top-radrouten
  • Flughafen: Wien, Graz (Steiermark); Flugplätze gibt es in Pinkafeld und Punitz

UNESCO-Welterbe in der Nähe vom Burgenland

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