Neusiedler See Rundweg

Neusiedler See Rundweg. Übersicht

Der Neusiedler See Rundweg führt im Uhrzeigersinn durch das UNESCO-Weltkulturerbe „Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See“. Fast der gesamt See liegt im Burgenland; zu Ungarn zählt die Südspitze. Dort ragt das ungarische Staatsgebiet um die Stadt Ödenburg (Sopron) weit nach Westen vor.

  • Zum Welterbe in Ungarn zählt der 237 km² große Nationalpark Fertő-Hanság (ungarisch: Fertő-Hanság Nemzeti Park. Webseite: http://www.ferto-hansag.hu/). Er ist benannt nach dem Neusiedler See (ungarisch: Fertő tó) und dem Sumpfgebiet Hanság.

Zunächst wird kurz der Neusiedler See vorgestellt, dann der Neusiedler See Rundweg. Zum Schluss geht’s um den Neusiedler See als (westlichsten) Steppensee. 

Neusiedlersee - panoramio

Neusiedler See

Der Neusiedler See ist rund 320 km² groß. In Nord-Süd-Richtung ist er 36 km lang, in West-Ost-Richtung hingegen nur 14 km. Der See ist ungewöhnlich flach: an der tiefsten Stelle ist er etwa 1,8 m tief. Trotz der großen Fläche hat der See somit ein sehr geringes Wasservolumen.

Der See ist ohne natürlichen Abfluss. Das Wasser verdunstet, zurück bleibt im See Salzwasser; unterhalb des Sees befindet sich das größte Mineralwasservorkommen Europas. Der See wirkt als Wärmespeicher und begünstigt den Weinanbau. 

Schilf-Erntemaschine, Nádaratás a Fertőn

Schilfgürtel

Am Westufer erstreckt sich ein breiter Schilfgürtel, der bis zu fünf Kilometer breit ist und über 100 km² Fläche bedeckt. Das Schilf wird im Winter mit Maschinen geerntet (siehe Foto) und war die traditionelle Dachbedeckung der einfachen Wohnhäuser. Seit 2006 wird ein Teil des Schilfs in einem Bioheizkraftwerk in Neusiedl verbrannt. Gelegentlich kommt es zu (natürlich oder von Menschen verursachten) Schilfbränden am See.

Das Schilfgras wirkt gewässerreinigend und beeinflusst durch die hohe Verdunstung das Mikroklima. Folge sind Nebel und ein günstiges Klima für Schimmelpilze, die die Edelfäule der Weintrauben verursachen. Das Schilf wird außerdem für den Schilfwein (bzw. Strohwein) gebraucht: Das ist Wein, für den die Tauben mindestens drei Monate auf Stroh- oder Schilfmatten getrocknet werden. Dadurch steigen Zucker- und Alkoholgehalt. Schilfwein zählt zum Kulinarischen Erbe Österreichs (https://www.bmlrt.gv.at/land/lebensmittel/trad-lebensmittel/getraenke/strohwein_schilfwein.html).

Seewinkel östlich des Neusiedler Sees. Salvia nemorosa sl4

Pannonische Tiefebene

Der Neusiedler See liegt in der Pannonischen Tiefebene. Sie ist der westliche Rand der Großen Steppe (Eurasische Steppe). Diese erstreckt sich ostwärts auf eine Länge von rund 7000 Kilometer bis fast zum Pazifik. Sie ist die größte Steppe der Welt; größer als die Prärie in Nordamerika oder die Pampa in Südamerika. Mehrere Gebiete der Großen Steppe sind UNESCO-Welterbe (siehe unten).

Gebiete um den Neusiedler See, v. a. die Parndorfer Heide, zählen zu den windreichsten Europas. Dort steht einer der größten Windparks Euopas. Außerdem fliegen dort die seltenen Großtrappen, die (nach den Riesentrappen)  zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt zählen. Um ihren bis 16 kg schweren Körper in die Luft zu bringen, fliegen sie gegen den Wind auf.

Neusiedler See Rundweg

Ausgangspunkt für den Rundweg ist Neusiedl am See. Die Route führt zu einer kleinen Auswahl von Sehenswürdigkeiten rund um den Neusiedler See. Viele Aspekte des kulturellen Reichtums der Region, z. B. das musikalische oder kulinarische Erbe, sowie die spannende Geschichte der Grenzregion müssen leider unerwähnt bleiben.

Für einen Neusiedler See Rundweg hat man verschiedene Verkehrsmittel zur Auswahl:

Kalvarienberg Neusiedl am See (UNESCO-Welterbe im Burgenland)

Neusiedl am See

Benannt ist der Neusiedler See ist nach der Kleinstadt Neusiedl am Nordufer des Sees. Der Name „Neusiedl“ verweist auf die Nähe zur Großen Steppe: Der Ort hieß zunächst Sumbotheil. Das Steppenvolk der Mongolen zog 1241 bis Wien und zerstörte Sumbotheil. 1282 baute man die Neusiedl(ung).

Das Foto zeigt die Kalvarienbergkapelle (1871) im mit Blick nach Westen über Neusiedl. Der Kreuzweg führt hinab zur Einsiedlerkapelle (1739). Der Dachreiter der Kapelle verdeckt die ehemalige Berger-Kaserne (erbaut 1853-56). Links im Hintergrund der Neusiedler See. Rechts (außerhalb des Bildes) steht die Pfarrkirche St. Nikolaus und Gallus. Sie wurde 1464 erstmals erwähnt, bei der Ersten und Zweiten Türkenbelagerungen 1529 und 1683 jeweils zerstört und wiederaufgebaut. Von Neusiedl führt die B 51 im Uhrzeigersinn nach Frauenkirchen. Alternativ kann man zunächst einen Abstecher nach Norden machen.

Abstecher nach Norden

Neusiedl am See, Ausztria - panoramio

Kuruzzenschanze

Zwischen 1703-11 erbaut man die Kuruzzenschanze; das war eine Verteidigungslinie. Sie bestand aus Graben, Wall, Palisaden und kleinen Erdschanzen. Die Kuruzzenschanze diente zur Abwehr der Kuruzzen (aufständische Ungarn). Zwischen Neusiedl am See und Parndorf hat sich ein rund 18 km langer Abschnitt erhalten. Das Foto zeigt die Turmruine am Tabor. Von dort führt die Kuruzzenlinie nordwärts zur Neusiedler Schanze.

Rekonstruierte Gebäude der Römerstadt Carnuntum (am Donaulimes)Modell Carnuntum 2 Lager

Römerstadt Carnuntum

Nur wenige Kilometer nördlich des Burgenlandes – entlang der Donau – erstreckt sich eine antike Grenzanlage: der Donaulimes des Römischen Reiches. Die größte Grabungsstelle Österreichs liegt in Petronell-Carnuntum (1260 Einw.). Dort befanden sich ab 70 n. Chr. ein römisches Legions- und ein Reiterlager sowie eine Zivilstadt: Carnuntum. In der Antike lebten dort bis zu 50.000 Menschen. Im Freilichtmuseum hat man mehrere Gebäude rekonstruiert. (Webseite: http://www.carnuntum.co.at/)

 

Petronell - Schloss

Schloss Petronell

Sehenswert sind außerdem das Heidentor (Teil eines römischen Tores) sowie Schloss Petronell (Wasserburg, umgebaut 1660-67; Architekt: Domenico Carlone) und die Johanneskapelle, eine kleine, aber bedeutende Rundkapelle der Romanik (um 1200).

Podersdorf - Windmühle

Podersdorf am See - Hafen am Ostufer

Podersdorf am See ist das Touristenzentrum am Neusiedler See. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt die Windmühle von Podersdorf. Sie wurde um 1800 erbaut und ist mit der Retzer Mühle die einzige erhaltene Windmühle in Österreich. Podersdorf ist außerde der einzige Hafen an der Ostseite des Neusiedler Sees. Es gibt Fährverbindungen nach Rust, Breitenbrunn und Neusiedl.

Basilika Frauenkirchen Basilika Frauenkirche, Innenraum, Blick zum Chor. Boldogasszony

Frauenkirchen

Die Wallfahrtskirche Mariä Geburt in Frauenkirchen  wurde im 14 Jh. erbaut. Nach Zerstörungen während der Ersten (1529) und Zweiten Wiener Türkenbelagerung (1683) wurde die Kirche jeweils wieder aufgebaut, zuletzt 1695-1702. Die von außen noch relativ schlicht wirkende Kirche besitzt eine prächtige Barock-Ausstattung (u.a. Kanzel, Hochaltar mit frühgotischer Figur „Maria auf der Heide“, Altäre in Seitenkapellen; Deckenbilder). Webseite: https://www.martinus.at/frauenkirchen

Im Norden grenzt das Franziskanerkloster an. Sehenswert ist die Winterkirche. Ihr niedriges Gewölbe ist mit Stuck und Deckenbildern reich verziert und. Webseite: https://frauenkirchen.franziskaner.at/

Die Wallfahrtskirche war einerseits Ziel von Wallfahrten; andererseits ist sie Ausgangspunkt  für den rund 55 km langen Jakobsweg Burgenland. Er führt (gegen den Uhrzeigersinn) über Neusiedl und Bruck zur Donau bei Maria Ellend. Dort geht der Jakobsweg Burgenland über in den Jakobsweg Österreich (Webseite: http://www.jakobsweg-burgenland.at/)

Windpark Andau-Halbturn; Burgenland; Österreich

Windpark Andau/Halbturn

Das flache Steppengelände am Neusiedler See eignet sich gut für die Nutzung der Windenergie – was inzwischen unübersehbar ist. Europas drittgrößter Onshore-Windpark, der Windpark Andau/Halbturn, steht östlich von Frauenkirchen entlang der österreichisch-ungarischen Staatsgrenze. (Onshore-Anlagen stehen auf dem Land, Offshore-Anlagen im Meer.) 2013 wurde die erste Windkraftanlage errichtet, inzwischen sind es in Andau 79 Anlagen, in Halbturn insgesamt 46. Die Rotoren vom Typ Enercon E-101 haben einen Durchmesser von 101 m und eine Nabenhöhe von meist 135 m Höhe. Weitere Windparks gibt es u.a. bei Neusiedl (18 Anlagen); die Daten stammen von der Webseite: https://www.thewindpower.net/windfarms_list_de.php?country=AT.

Tschardaken in der Tschardakenstraße in Halbturn (Burgenland, Österreich)

Tschardaken

In Halbturn haben sich mehrere Tschardaken erhalten. Es handelt sich um kleine schmale Holzhäuser, die der Trocknung von Maiskolben dienten. Diese Tschardaken waren im Seewinkel weitverbreitet, die  meisten haben sich in Halbturn erhalten, wo man im Herbst das Tschardakenfest feiert (http://www.halbturn.com/veranstaltungen/tschardakenfest/). Zu den Sehenswürdigkeiten in Halbturn zählen außerdem die Pfarrkirche und Schloss Halbturn (1701-11 Johann Lucas von Hildebrandt, erbaut als Jagdschloss für Kaiser Karl VI) sowie die Kirche.

Tschartake Burgau

Das Wort „Tschardake“ leitet sich ab vom Wort „Tschartake“ (hölzerne Wachtürme, die während der Kuruzzenkriege (1703-11) auch an der Grenze vom Burgenland erbaut wurden. „Tschartake“ leitet sich wiederum ab vom persischen Wort „Tschahar Taq“ (vier Bögen; چهارطاق), das ist ein quadratischer Bau auf vier Eckpfeilern, der als Feuertempel diente.

Das Foto zeigt eine rekonstruierte Tschartake an der Westgrenze des Burgenlandes bei Burgau.

Blick auf die Lange Lacke (am Neusiedler See, UNESCO-Welterbe im Burgenland, Österreich). Auf dem Wasser Algendecke und Schwäne, im Vordergrund Nickende Distel (Carduus nutans). 02

Seewinkel

Das Gebiet östlich des Neusiedler Sees wird als Seewinkel bezeichnet. Hier gibt es rund 40 Laken, das sind Gewässer mit hohem Salzgehalt. Die größte Lake ist die Lange Lake nordöstlich von Apetlon (1760 Einw.), die manchmal austrocknet, manchmal bis zu 10 km² bedeckt. Sie ist ein beliebtes Ziel für Vögel (u. a. Gänse) und Ornitholog*innen. Rund 13 km² des Seewinkels sind in Gemeinschaftsbesitz der Urbarialgemeinde Apetlon. Von Frauenkirchen führt die Apetloner Straße in südwestlicher Richtung an mehreren Laken vorbei (von Nord nach Süd): Standlacke, Fuchslochlacke, Darscho (rechterhand); Zicksee, Lange Laacke (linkerhand). Von Apetlon führt die L 205 ostwärts. Vor Wallern im Burgenland führt die Abzweigung „Am Tierpark“ zum Steppentierpark Pamhagen.

WaterbuffaloAndWhitestork SteppentierparkPamhagen 20200816

Steppentierpark

Von Frauenkirchen führt die B 51 östlich des Ufers nach Süden zur österreichisch-ungarischen Grenze zwischen Pamhagen (Österreich) und Fertöd (Ungarn). Bei Pamhagen befindet sich der kleine Steppentierpark (Webseite: http://www.steppentierpark.at/) Von dort führt der Neusiedler See Rundweg nach Fertőd.

Einser-Kanal, Wallern

Einser-Kanal: Österreichisch-ungarische Grenze

Der Einser-Kanal bildet bei Pamhagen die österreichisch-ungarischen Grenze. Der Kanal wurde 1895-1909 angelegt. Er diente der Entwässerung des Hanság-Sumpfs und der Regulierung des Neusiedler Sees. Die Folgen des Kanalbaus sind u.a. Moorbrände und das Anwachsen des Schilfgürtels im Neusiedler See. Der Südteil des Neusiedler Sees und Teile des Hanság bilden den Fertő-Hanság-Nationalpark.

Ungarisches Steppenrind im Fertoe-Hansag-Nationalpark 49

Fertő-Hanság-Nationalpark

Im 237 km² großen Fertő-Hanság-Nationalpark kann man Steppentiere in relativ freier Wildbahn beobachten. In den Feuchtgebieten leben u. a. Ungarische Steppenrinder oder (Hortobágyer) Zackelschafe. Der Nationalpark ist ein Paradies für zahlreiche Vogelarten, z. B. für Störche, Gänse, Reiher oder Schnepfenvögel. Eine Gefahr für das Gebiet sind die Moorbrände, die sich über Monate hinziehen können und schwer zu löschen sind. Webseite: https://www.ferto-hansag.hu/de.

Schloss Esterházy (in Fertőd, Ungarn). Esterházy-kastély (4051. számú műemlék) 2

Fertőd

Nächste Station am Neusiedler See RUndweg ist der Ort Fertőd (3.400 Einw.). Haupt-Sehenswürdigkeit ist Schloss Esterházy. Die große Anlage entstand 1763-66 als Sommerresidenz der Familie Esterházy, der immer noch große Gebiete am Neusiedler See gehören. Die Pläne für das Rokokoschloss stammen von den Architekten Johann Mödlhammer und Melchior Hefele (1716-94). Schloss Esterházy ist von Parks umgeben: Im Westen liegt der Angolpark, im Süden der Franciapark (Webseite: http://www.eszterhaza.hu/de/schloss). Zu den bekanntesten Bewohnern des Schlosses zählt der Komponist Haydn.

Joseph Haydn, målning av Thomas Hardy från 1792

Joseph Haydn

Joseph Haydn gilt  – neben Mozart und Beethoven – als Hauptvertreter der Wiener Klassik. Er wurde 1732 in Rohrau geboren – nur wenige Meter entfernt von der niederösterreichisch-burgenländischen Grenze.

Einen großen Teil seines musikalischen Lebens, nämlich fast 30 Jahre zwischen 1761 und 1790, verbrachte er am Rande der Steppe auf den Schlössern der Familie Esterhazy in Eisenstadt und Esterhaza. Haydn starb 1809 und ist bestattet in der Bergkirche Eisenstadt.

Haydn komponierte 1797 die Melodie zum Kaiserlied für den österreichischen Kaiser. Sie ist auch die Melodie der deutschen Nationalhymne.

Sopron city.jpg
Sopron (Ödenburg). Von Autor unbekannt – Civertan Grafik, CC BY-SA 2.5, Link

Sopron (Ödenburg)

Von Fertőd gelangt man westwärts nach Sopron (Ödenburg). Die Stadt ist mit 60.000 Einwohner*innen die größte Stadt am Neusiedler See. Zu den Sehenswürdigkeiten in der Altstadt zählen zahlreiche  Wohnhäuser (z. B. Gambrinushaus), mehrere Kirchen (gotische Geißkirche, barocke Judas Thaddäus-Kirche (1719-40)) sowie Reste der Stadtmauer. Das Luftbild zeigt die Altstadt von Sopron mit Blick nach Norden. Links unten die zwei Türme der Judas-Thaddäus-Kirche, links der Bildmitte der Turm der Geißkirche. Der Neusiedler See liegt rechts außerhalb des Bildes.Das Gebäude links mit den fünf Rundbogenfenstern im Obergeschoss ist das Konferenz- und Kulturzentrum Franz Liszt. Der Name erinnert an den Komponisten, der 1820 in Sopron sein erstes Konzert gab.

Raiding - Liszt-Geburtshaus

Lisztzentrum Raiding (Abstecher)

Das Burgenland war Heimat eines virtuosen Pianisten und bedeutenden Komponisten, der das 19. Jahrhundert prägte: Franz Liszt (ungarisch: Ferenc Liszt) kam am 22.10.1811 in Raiding zur Welt. Das Dorf (880 Einw.) liegt südwestlich von Ödenburg im Mittelburgenland. Das Foto zeigt das Franz-Liszt-Geburtshaus, das inzwischen ein Museum ist.

Raiding-Liszt-Zentrum,-Konzerthaus-(100411)

Neben dem Geburtshaus steht ein Konzerthaus für ca. 660 Besucher*innen (erbaut 2005-06, Kempe Thill). In der Selbstbeschreibung liest man: „Das in einen Park eingebettete schlichte Konzerthaus fügt sich perfekt ins dörfliche Umfeld.“ (Quelle: https://kultur-burgenland.at/standorte/lisztzentrum-raiding/). Die Akustik des Konzertsaals, der an eine hölzerne Turnhalle erinnert, soll sehr gut sein. Zusammen bilden Geburtshaus und Konzerthalle das Lisztzentrum Raiding. Webseite: http://www.lisztzentrum.at/ 

Blick vom Kogel (Berg beim Römersteinbruch) auf Sankt Margarethen im Burgenland

Sankt Margarethen im Burgenland

Von Sopron führt die Pressburger Straße nach Norden zur österreichisch-ungarischen Grenze. Ab dort heißt sie Ödenburger Str. und führt nach Sankt Margarethen im Burgenland (2.670 Einw.; ungarisch: Szentmargitbánya).

  • An der Kreuzung mit der B 52 gelangt man links in den Ort und weiter nach Eisenstadt.
  • Rechts geht’s zur schönsten Stadt des Burgenlandes, nach Rust. Auf dem Weg dorthin passiert man zwei Attraktionen: den Römersteinbruch und dann den Familypark.

Das Foto zeigt den Blick nach Südwesten auf Sankt Margarethen von der Kogelkapelle auf dem Kogel (224 m) nördlich des Römersteinbruchs.

Skulpturen im Römersteinbruch Sankt Margarethen (Burgenland).

Römersteinbruch Sankt Margarethen

Beiderseits der B 52 befinden sich Steinbrüche, die im Besitz der Familie Esterházy sind. Im nördlichen Teil, im Römersteinbruch, brach man schon in der Römerzeit den porösen Margarethener Kalksandstein. Er wurde – im Unterschied zum harten Kaiserstein – auch als „weicher ungarischer Stein“ bezeichnet. Er besteht aus Skeletten von Rotalgen und anderen Mikroroganismen in sedimentiertem Kalksand. 

Der Römersteinbruch ist zweigeteilt: Der westliche Teil dient weiterhin als Steinbruch (Steinbruch Hummel). Seit 1959 findet im Steinbruch das Bildhauersymposium St. Margarethen statt. Über 50 Skulpturen nahmhafter Bildhauer*innen stehen im Steinbruch und nördlich davon. Das denkmalgeschützte  Bildhauerhaus Margarethen (1962-68, Johann G. Gsteu) ist Sitz des Symposiums Europäischer Bildhauer. Webseite: https://www.st-margarethen.at/gemeinde/kultur/das-bildhauerhaus/

Bühnenbild 2019, Steinbruch Sankt Margarethen im Burgenland, Österreich

Im östlichen Teil des Römersteinbruchs finden regelmäßig zwei musikalische Veranstaltungen statt:

Nur einen Steinwurf weiter östlich liegt der Familypark:

St. Margarethen - Familypark

Familypark

Inmitten von Weinbergen liegt Österreichs größter Freizeitpark. Auf 14 Hektar befinden sich mehrere Attraktionen, z. B.  Märchenwald, Streichelzoo, eine 480 m lange Achterbahn, eine Wildwasserbahn sowie Restaurants. Webseite: http://www.familypark.at/

Nun liegt Rust in Sichtweite, auch bekannt als als Österreichs Stadt der Störche.

P1010163 Rust
Luftbild von Rust (Burgenland): Rechts unten der Schilfgürtel des Neusiedler Sees.

Rust (Burgenland)

Die vom Weinbau geprägte Kleinstadt (1980 Einw.) gilt als schönste Stadt des Burgenlandes. Die Altstadt ist gut erhalten und noch teilweise von einer Stadtmauer umgeben. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen u. a. die zwei Kirchen, die ehemalige Fischerkirche (12. Jh., mehrfach erweitert. Älteste funktionierende Orgel des Burgenlands von 1705). In Rust haben sich mehrere Storchenpaare niedergelassen, die man per Storchenkamera beobachten kann (https://www.freistadt-rust.at/storchenkamera/).

Rust Weinriede

Wein aus Rust

In den ca. 450 ha Weingärten um Rust baut man Weißwein an. Aus den edelfaulen Trauben gewinnt man den Ruster Ausbruch (ein Prädikatswein mit mindestens 156° Oechsle). Einige der besten Weine Österreichs kommen aus Rust. Der Glykolwein-Skandal (1985) fügte dem österreichischen Weinbau schweren Schaden zu, hatte aber auch u.a. strengere Gesetze zur Folge. Weininteressierten bietet die Weinakademie Österreich Seminare an (Webseite: http://www.weinakademie.at). Neben ihr steht der Pulverturm. Die Seestraße führt in den breiten Schilfgürtel, wo sich das Feriendorf Romantika und ein Campingplatz befinden.

Mörbisch - Wohnhaus, Hauptstraße 63b
Seebühne Mörbisch

Mörbisch am See

In der Gemeinde Mörbisch am See (2200 Einw.) gibt es sehenswerte Hofgassen. Sie zweigen von der Hauptstraße ab. Durch den Schilfgürtel gelangt man zu einem Freizeitgelände mit Yachthafen, Seebad Mörbisch und der Seebühne. Dort finden seit 1957 jährlich im Sommer die  Seefestspiele Mörbisch statt – das weltweit größte Operettenfestival. Aufgeführt werden bekannte Operetten österreichischer Komponisten, z. B. die Fledermaus, der Bettelstundent – und 2021 erstmals das Musical West Side Story (http://www.seefestspiele-moerbisch.at/).

Eisenstadt Hauptstraße

Eisenstadt (Kismarton)

Da Ödenburg nach einer Volksabstimmung 1921 an Ungarn fiel, wählte man eine andere Stadt zur Landeshauptstadt des Burgenlandes: Eisenstadt (ungarisch: Kismarton; kroatisch: Željezno; romani: Tikni Marton). Die kleine Hauptstadt des Bundeslandes (14800 Einw.) liegt nur wenige Kilometer westlich des Neusiedler Sees. Die  Altstadt von Eisenberg besteht hauptsächlich aus der Hauptstraße, sowie deren Bebauung im Norden (unten) und Süden (mit gotischem Dom St. Martin (1460-1522, nach Brand Wiederaufbau 1610-29).

Das Foto ist am westlichen Straßenende aufgenommen mit Blick nach Osten. Blickt man über die linke Schulter, sieht man auf Schloss Esterházy. 

Schloss Esterházy, Eisenstadt Burgenland)

Schloss Esterházy

Am Westrand der Altstadt steht Schloss Esterházy. Ladislauf Esterházy kaufte 1649 eine Burg (13. Jh.) und ließ sie zu einer vierflügeligen Schlossanlage ausbauen.Der große Haydnsaal erinnert an Joseph Haydn, der im Schloss arbeitete und im Hadyn-Haus wohnte. Südlich des Schlosses befinden sich die Stallungen (1790-94), nördlich liegt ein großer Schlosspark mit Orangerie, Leopoldinentempel sowie mehreren Teichen und Parkbauten. 

Haydn Garden Eisenstadt

Haydn-Haus und Haydn-Häuschen

Das Haydn-Haus Eisenstadt steht in der Joseph-Haydn-Gasse 21, die an den Schlosspark angrenzt. Hier wohnte der Komponist 1766-78, anschließend zog er ins Schloss Esterháza. Webseite: http://haydn-haus.at/de

Es ist nicht zu verwechseln mit dem Haydn-Häuschen in der Bürgerspitalgasse 2. Das Gartenhäuschen lag östlich vor der Stadt. Die Melodie der Nationalhymne der Deutschen, das Kaiserquartett, soll Haydn hier komponiert haben. Noch etwas weiter östlich steht ein größeres Gebäude:

Eisenstadt - Martinkaserne (1)

Martinkaserne: Zögling Musil

Das Gebäude der Martinkaserne (erbaut 1853-58) diente ab 1878 als Militär-Unterrealschule. Von 1892-94 war der Schriftsteller Robert Musil (1880-1942) Zögling an der Schule. Seine Erfahrungen in Eisenstadt (und an der Militär-Oberrealschule in Mährisch-Weißenkirchen) flossen ein in Musils ersten Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ (EA 1906, Wiener Verlag). Er wurde 1966 von Volker Schlöndorff verfilmt („Der junge Törleß“). Musils Nachlass ist Teil des Nationalen Dokumentenerbes (Webseite:  https://www.unesco.at/kommunikation/dokumentenerbe/memory-of-austria/verzeichnis/detail/article/nachlass-robert-musil)

Eisenstadt, Österreichisches Jüdisches Museum

Landesmuseum Burgenland, Österreichisches Jüdisches Museum

Westlich von Schloss Esterházy siedelten sich Juden an, die auf Anordnung des Kaisers 1669 aus Wien vertrieben worden waren. Das Modell zeigt die jüdische Siedlung (links die Spitalskirche, rechts der Westrand des Schlossparks). Der jüdische Weinhändler Sándor Wolf (1871-1946) legte mit seinen Sammlungen den Grundstock für das Landesmuseum Burgenland (Museumsgasse 1-5, http://www.landesmuseum-burgenland.at/). Im benachbarten  Wertheimerhaus (erbaut 1719 für Samson Wertheimer) befindet sich das Österreichische Jüdische Museum (Unterbergstr. 6,  http://www.ojm.at/). Dort ist u. a. das Modell ausgestellt. Nördlich des Viertels liegen der Alte Jüdische Friedhof (rund 1100 Grabsteine, der älteste von 1679) und der Neue Jüdische Friedhof (angelegt 1875).

Haydnkirche, Eisenstadt Ansicht 1

Haydn-Kirche & Kalvarienberg

Wenn man von der Altstadt die Esterhazystraße nach Westen fährt, hat man den Anblick, den das Foto zeigt: Im Vordergrund die Mariensäule, dahinter der Kalvarienberg, der die Haydnkirche verdeckt. Der Kalvarienberg wurde 1701-07 erbaut. Ersterhazy ließ an den Kalvarienberg eine Wallfahrtskirche (Mariä Heimsuchung) anbauen. Grundsteinlegung war 1715, die Weihe erfolgte erst 1803. Seit 1832 befindet sich in der Bergkirche das Haydn-Mausoleum; die Kirche ist daher auch als Haydn-Kirche bekannt.

Blick auf Kleinhöflein (Stadtteil von Eisenstadt) am Südhang des Leithagebirges (Burgenland, Österreich)

Leithagebirge

Eisenstadt liegt an der Südseite des Leithagebirges. Es erstreckt sich von Südwest nach Nordost und ist rund 35 km lang sowie 7 km breit. Höchster Berg ist der Sonnenberg (484 m). Der Neusiedler See Rundweg führt an der Südseite entlang, u. a. an Kleinhöflein (siehe Foto). Eine Fahrt längs durch das Leithagebirge ist nicht möglich, da die Hauptwege quer hindurchführen. Im Norden liegt außerdem der große Truppenübungsplatz Bruckneudorf. An dessen Westrand befinden sich der  Russische Friedhof und der Ort Kaisersteinbruch. Seit der Römerzeit wird dort der harte Kaiserstein abgebaut. Es handelt sich um einen hochwertigen Leithakalkstein, der u. a. für das UNESCO-Welterbe in Wien Verwendung fand (Webseite: https://mukkaisersteinbruch.wordpress.com/).

Kaiservilla Bruckneudorf 02

Kaiservilla Bruckneudorf

Zwischen Neusiedler See und Leithagebirge verlief in der Römerzeit eine Straße, die Sopron (Ödenburg) mit dem Römerlager Carnuntum verband. Östlich der Ostautobahn befinden sich die Überreste der sogenannten Kaiservilla. Dort entdeckte man das mit 300 m² größte römische Mosaik Österreichs (ausgestellt im Landesmuseum Burgenland). Der Gutshof entstand wohl Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Webseite: https://kaiservillabruckneudorf.com/

Bunkermuseum Ungerberg 3 Funkraum

Ostwall

Das Burgenland befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg unmittelbar an der Grenze zweier Militärblöcke: NATO und Warschauer Pakt. Nach dem Ungarnaufstand 1956 entstand bis 1964 westlich der Kuruzzenschanze der Ostwall (oder Schleinzer-Wall, benannt nach dem Verteidigungsminister): eine Bunkerlinie, die inzwischen weitgehend abgebrochen ist. Erhalten hat sich die Bunkeranlage Ungerberg. Sie wurde 1993 außer Dienst gestellt und dient inzwischen als Museum mit sehr gut erhaltener Original-Austattung. Webseite: https://www.hgm.at/ausstellungen/aussenstellendependancen/bunkeranlage-ungerberg-bruckneudorf.html

Neusiedler See und Große Steppe

Das Burgenland, v. a. das Gebiet um den Neusiedler See, bildet den westlichen Abschluss der Großen Steppe. Sie wird auch „Eurasische Steppe“ genannt, da sie sich von Osteuropa über den asiatischen Kontinent erstreckt.

Trockenliegende Schiffswracks am Aralsee. The Aral sea is drying up. Bay of Zhalanash, Ship Cemetery, Aralsk, Kazakhstan

Westlichster Steppensee

Der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Eurasiens. Steppenseen sind meist flache Seen, die keinen Abfluss ins Meer haben. Das unterscheidet z. B. den Neusiedler See vom Bodensee: dieser ist mit einer maximalen Tiefe von 256 m sehr viel tiefer und er hat über den Rhein einen Abfluss in die Nordsee.

Bekannte Steppenseen sind der Plattensee (594 km², 12 m) in Ungarn; der stark geschrumpfte  Aralsee (einst 68.000 km², aktuell rund 8.300 km², Kasachstan/Usbekistan) oder der wandernde See Lop Nor in China. Ein Steppensee ist auch der Titicacasee (8372 km², 281 m) in Peru und Bolivien.

Bei Steppenseen schwankt der Wasserspiegel stark: der Neusiedler See war zwischen 1860-68 ausgetrocknet. Aufgrund des Klimawandel wird damit gerechnet, dass der Neusiedler See bis zum Jahr 2050 austrocknen wird. Ein ähnliches Schicksal ereilt gerade den Aralsee, der die Größe eines Binnenmeers hatte. Der Lop Nor ist gegenwärtig ausgetrocknet.

Pferde in der Puszta bei Gyula (Ungarn)
Neunbogige Brücke über den FLuss Hortobágy (UNESCO-Welterbe in Ungarn - Nationalpark Hortobágy), Nine-holed Bridge, Hortobágy 02

Nationalpark Hortobágy – die „Puszta“

Der Neusiedler See als Steppensee findet seine Ergänzung in weiter östlich gelegenen Nationalpark Hortobàgy (Hortobágyi Nemzeti Park). Der 520 km² große Park zählt seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe in Ungarn (Webseite: http://whc.unesco.org/en/list/474). Der Nationalpark liegt im Osten Ungarns entlang des Hortobágy-Flusses. Inmitten des Parks liegt das Dorf Hortobágy (1500 Einw.). Dort befindet sich ein Hirtenmuseum (Pásztormúzeum; erbaut 1785) und das alte Rasthaus (Csárda) von 1690. Daneben überquert die Neunbogige Brücke (1827-33, Pläne: Ferenc Polovny) den Hortobágy-Fluss. Sie ist ein markantes Beispiel für den Eingriff des Menschen in die Natur. Webseite: http://national-park.hungaryguide.info/hortobagy-puszta.html

Красноковыльная степь в бассейне Кукуйки в Курьинском районе

Steppen, die UNESCO-Welterbe sind

Neben dem Neusiedler See und der Puszta zählen weitere Gebiete der Eurasischen Steppe zum UNESCO-Welterbe; einige sind Naturerbe, andere Kulturerbe:

Kurganisierung

(Ehemalige) Steppenvölker

Die Geschichte des Burgenlandes ist geprägt durch Steppenvölker und die Auseinandersetzung mit ihnen.

  • Die Mongolen schufen in den Weiten der Großen Steppe das bislang größte Reich der Weltgeschichte.
  • Die Ungarn führten ab Ende des 9. Jahrhunderts mehrmals Beutezüge gen Westen. Das Kriegsglück wechselte: In der Schlacht bei Preßburg (907) siegten die Ungarn, 955 verloren sie die Schlacht auf dem Lechfeld. Die Ungarn wurden seßhaft und nahmen den christlichen Glauben an. Zwischen 1867-1918 bildeten Ungarn und Österreich eine Doppelmonarchie.
  • Die Türken, die 1529 und 1683 Wien belagerten, haben (mit anderen Turkvölkern) Vorfahren, die in der Großen Steppe lebten. Nach der Türkenbelagerung 1683 entstand die  Wiener Kaffeehauskultur (Immaterielles Kulturerbe: https://www.unesco.at/kultur/immaterielles-kulturerbe/oesterreichisches-verzeichnis/detail/article/wiener-kaffeehauskultur).
  • Die Deutschen, Österreicher und andere europäische Völker haben Vorfahren, die möglicherweise ebenfalls in der Großen Steppe lebten. Dieser Kurgantheorie steht die Anatolien-Theorie entgegen. (Ein Kurgan ist ein Grabhügel.)

UNESCO-Welterbe in der Nähe vom Neusiedler See