Etappen im Gebirge bei Liberec zu den Neiße-Quellen
Auf der dritten Etappe führt der Oder-Neiße-Radweg durch Tschechien zu den Neiße-Quellen bei Nová Ves und Lučany nad Nisou. Man radelt ab Zittau im Gebirge mit märchenhaften Burgen, malerischen Dörfern und ausgedehnten Wäldern rund um die nordböhmische Stadt Reichenberg.
Stationen, Bundesländer
Stationen (von Nord nach Süd): Zittau (D-Route 4) – Grenze – Grottau – Liberec (Reichenberg) – Jablonec (Gablonz) – Neißequellen – Bedřichov (Friedrichswald)
Großstädte: Liberec (Reichenberg; 104.000), Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße; 46.000), Zittau (25.000)
Bundesländer: Sachsen; Tschechien
Sehenswürdigkeiten am Oder-Neiße-Radweg
Zittau
Der Markt mit klassizistischem Rathaus (1840-45, Schinkel), Rolandbrunnen (1585) und barocken Wohnhäusern bildet das Zentrum der Stadt. Sehenswert sind auch die Johanniskirche (1837, Schinkel), das riesige Salzhaus (1511) in der Neustadt. Das ist der Name eines sichelförmigen Platzes im Osten, den drei barocke Brunnen (Schwanen-, Herkules-, Samariterinnenbrunnen) zieren. In der Kirche zum Heiligen Kreuz wird das Große Zittauer Fastentuch (1472) aufbewahrt. Das Meisterwerk abendländischer Textilkunst ist mit 56 m² das drittgrößte Fastentuch weltweit – geschützt durch die größte Museumsvitrine der Welt.
Hartau
Am Dreiländereck Deutschland – Polen- Tschechien führt der Oder-Neiße-Radweg ab Zittau durch das Gebirge. Zunächst geht es zur letzten Station vor der Grenze, nach Hartau. Beachtenswert sind die Umgebindehäuser, die für die Region typisch sind. Ein Umgebindehaus ist eine Kombination aus Blockbau (Holzmassivbau im Erdgeschoss), Fachwerk (im Oberschloss) und ggf. Steinmassivbau für den Stall im Erdgeschoss. Das Obergeschoss steht auf Stützen. Das Foto zeigt die Alte Schule. Eine neue Schule ist die private Schkola Hartau, die u. a. Wert legt auf Nachhaltigkeit und Weltoffenheit. Der Oder-Neiße-Radweg erreicht am Ortsausgang die deutsch-tschechische Grenze.
Zittauer Gebirge
Auf dem Weg von Hartau nach Grottau radelt man knapp am Naturpark Zittauer Gebirge (133 km²) vorbei. Die Zittauer Schmalspurbahn fährt mit Dampflokomotiven von Zittau nach Oybin und Jonsdorf. Das Gebirge ist Wintersportgebiet und im Sommer wegen der markanten Sandsteinfelsen beliebt bei Kletter*innen. Klettersteige gibt es am Nonnenfelsen und bei Oybin (Große Felsengasse). Burg und Kloster Oybin sind bekannt durch Caspar David Friedrichs romantische Bilder. Kaiser Karl IV. ließ Burg Oybin ab 1366 zu seinem Altersruhesitz ausbauen.
Grottau (Hrádek nad Nisou)
Der Oder-Neiße-Radweg führt nun auf tschechischer Seite weiter zur Stadt Hrádek nad Nisou (7.700 Einw.). „nad Nisou“ bedeutet „an der Neiße“. (Der deutsche Name „Grottau“ leitet sich vom slawischen Wort für befestigte Siedlung („Grod“) ab.) Im Westen liegt der Christinasee (Kristýna), im Osten die Burg Grabštejn:
Burg Grabštejn
Einen Abstecher nach Norden lohnt Burg Grabštejn (13. Jh.). Sie hat nichts mit einem Grabstein zu tun, sondern heißt auf deutsch „Grafenstein“. Beachtenswert ist die Burgkapelle („Barbarakapelle„) mit wertvollen Renaissance-Wandmalereien von 1569 (Webseite der Burg Grabštejn).
Kratzau
Nördlich von Chrastava (Kratzau), in Horní Vítkov (Ober Wittig), baut man seit 1999 das archäologische Freilichtmuseum Curia Vitkov. Rekonstruiert hat man bislang Wohn-und Verteidigungsbauten des 12. und 13. Jahrhunderts, z. B. einen hölzernen Torturm. Eine romanische Kirche soll folgen.
Nationalpark Karlswalder Buchenwälder
Bei der Bahnhaltestellestelle Machendorf Burg (Machnín hrad), befinden sich die Überreste der kleinen Burg Hammerstein (1350), die aus zwei Türmen mit Ringmauer bestand. Südlich der Burg liegt der 42 ha große Nationalpark Karlswalder Buchenwälder (Karlovské bučiny) mit einem 3,5 km langen Lehrpfad. Der größte Teil umfasst Buchenwälder, in denen Waldorchideen wachsen, u. a. die Orchidee des Jahres 2006, der Breitblättrige Stendelwurz.
Reichenberg (Liberec)
Reichenberg bzw. Liberec ist eine Großstadt mit 103.000 Einwohner*innen. Am Marktplatz mit dem Neptunbrunnen steht das Rathaus (1890-93; Franz von Neumann). Die Fassade mit dem 65 m hohen Turm erinnert an das Rathaus von Wien. Über die Geschichte der Region informiert das Nordböhmische Museum. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die St. Antoniuskirche (12. Jh., Umbau 1880), die Wallensteinhäuser (kleine Wohnhäuser) und Schloss Liberec (bestehend aus Altem Schloss (16. Jh.) und Neuem Schloss (18. Jh.)).
Jablonec nad Nisou
Jablonec („Gablonz an der Neiße“; 46.000 Einw.) liegt am Fuße des Isergebirge (Wysoka Kopa, Grüne Kuppe bzw. Hinterberg, 1126 m), das sich nördlich der Stadt nach Polen zieht und ein beliebtes Wintersportgebiet ist. Am Markt steht das Alte Rathaus (1867-69): das Stadttheater (1907) ähnelt den Theaterbauten von Klagenfurt (1908-10) und Gießen (1907), die alle vom Wiener Architekturbüro Fellner & Helmer geplant wurden.
Nová Ves und Lučany nad Nisou
Der Radweg führt zu dem Ort Nová Ves nad Nisou (dt.: Neudorf an der Neiße). In dem Dörfchen gibt es zahlreiche Ferienhäuser und einen Skilift. In einem Waldstück entspringt die Gablonzer Neiße. Weiter geht es zur Quelle der Wießenthaler Neiße im Nachbarort Lučany nad Nisou (dt. Wiesenthal an der Neiße), der nördlich liegt. Dort endet der Oder-Neiße-Radweg.
Bedřichov (Friedrichswald)
Die Neiße hat noch zwei weitere Quellflüsse: Die Quellen der Weißen Neiße (Bílá Nisa) liegen in der Moosbeerheide (Klikvová louka) nördlich von Friedrichswald (Bedřichov). Die Weiße Neiße fließt südwärts nach Gablonz. Die Schwarze Neiße (Černá Nisa) entspringt nördlich der Weiße-Neiße-Quelle und fließt westwärts nach Reichenberg. Friedrichswald ist ein beliebtes Wintersportgebiet. Der Europäische Fernwanderweg E3 führt am Jagdschloss Nová Louka (Neuwiese) vorbei.
Burg Friedstein
Das Gebiet um Reichenberg ist burgenreich. Ein Beispiel ist die Ruine der Burg Friedtstein (Frýdštejn). Der Bergfried thront auf einem steilen Felsen, in den Kammern und Gänge geschlagen hat. Die Burg wurde 1385 erstmals erwähnt, verfiel im 16. Jh. und diente im 20. Jh. als Kulisse für den Märchenfilm „Die Prinzessin und der fliegende Schuster.“ (1987)
Anreise
ICE-Bahnhof: Dresden
IC-Bahnhof: Frankfurt (Oder), Cottbus
RE-Bahnhof: Zittau
Anschließende Radfernwege:
D-Route 4 (Mittelland-Route)
Auto: A 4; B 178
Flughafen: Berlin, Dresden
Bahnhof Zittau
Ausgangspunkt für den Oder-Neiße-Radweg durch Tschechien ist der Bahnhof Zittau: Dort halten hier die Regionalbahnen (RE und RB) ab Cottbus und Dresden. Eine Dampflok fährt auf einer Schmalspurbahn nach Oybin und Jonsdorf im Zittauer Gebirge.
Wenn man die Neiße-Quellen zum Ausgangspunkt machen möchte, fährt man über Zittau weiter nach Liberec in Tschechien.