Oder-Neiße-Radweg ab Frankfurt

Welterbe & Sehenswürdigkeiten zwischen Frankfurt (Oder) und Usedom

Hochwasser im NSG Oderberge Lebus

Auf der letzten Etappe führt der Oder-Neiße-Radweg ab Frankfurt zum Ostseebad Ahlbeck – vorbei an der Oder und dem Stettiner Haff. Am Fluß erstrecken sich beeindruckende Naturlandschaften: der Nationalpark Unteres Odertal, der Oderbruch oder die Wartemündung. Der nahegelegene Grumsiner Forst ist Teil des Weltnaturerbes Alte Buchenwälder. Außerdem liegen zahlreiche kulturelle Sehenswürdigkeiten am Oder-Neiße-Radweg: die Festung Küstritz, das Zisterzienserkloster Chorin, die ehemalige Tabakstadt Schwedt und kleine Landstädtchen.

 

Stationen, Bundesländer

  • Stationen (von Süd nach Nord): Frankfurt (Oder) – Küstrin-Kietz (D-Route 3) – Schwedt/Oder – Gartz (Oder) – Penkun – Löcknitz – Rieth –  (UECKER) – Ueckermünde – Anklam – (PEENESTROM) – Usedom – Seebad Ahlbeck
  • Großstädte: Frankfurt (Oder) ( 60.000), Schwedt (30.000)
  • Bundesländer: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

Sehenswürdigkeiten am Oder-Neiße-Radweg

Frankfurt (Oder) Brunnenplatz mit Comic-Brunnen. Im Hintergrund die Marienkirche

Frankfurt (Oder)

Frankfurt (Oder) hat 58.000 Einw., ist Sitz der Europa-Universität Viadrina und nennt sich „Kleiststadt“, da der Dichter 1777 hier zur Welt kam. Von der im 2. Weltkrieg zu 93% zerstörten Altstadt wurden nur vereinzelt Bauwerke rekonstruiert, z. B. die Marienkirche (Baubeginn 1253; Fenster von 1360/70) und das Rathaus (nach 1253). Die Stadtbrücke führt über die Oder nach Słubice (17.ooo Einw., dt.: „Dammvorstadt“) auf der polnischen Seite. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt der Comic-Brunnen (2000, Michael Fischer-Art) auf dem Brunnenplatz.

Blic auf die Festung Küstrin (links) und Oder (rechts). Kostrzyn nad Odra

Festung Küstrin

 Am Rande des polnischen Nationalparks „Warthemündung“ liegt die einst mächtige Festung Küstrin (1537-43). Auf der deutschen Seite stehen zwei Vorwerke (Lunette B und D) sowie weiter westlich an der B1 das Fort Gorgast (1883-89), das man besichtigen kann (Webseite: www.fort-gorgast.de). In der Festung Küstrin wurde 1730 Hans von Katte enthauptet – vor den Augen seines Freundes, des späteren Preußenkönigs Friedrich II.

Mallnow Haenge Oderbruch

Oderbruch

Bei Küstrin weiter sich die Oder zum Oderbruch, eine rund 60 km lange und bis zu 20 km breite Senke. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen u. a. das Freilichtmuseum Altranft, Schloss Neuhardenberg oder die Oderhänge Mallnow, wo die gelben Adonisröschen blühen. Die Ostgrenze des Oderbruch bildet die neue Oder. Ab 1747 begradigte man die Oder und legte Entwässerungräben an. Die alte Oder verläuft westlich. Die ehemalige Oderschleife bei Neuenhagen kürzte man mit einem Durchstich  um ca. 25 km ab. An der Südseite der Insel Neuenhagen

Schiffshebewerk Niederfinow

Nördlich von Niederfinow verbindet das Schiffshebewerk Niederfinow den Oder-Havel-Kanal mit der Oder. Niederfinow Süd (1927-34) ist das älteste Schiffshebewerk Deutschlands: Schiffe fahre in einen Trog ein, der mittels Gegengewichten gesenkt oder gehoben werden kann. Das neu erbaute Schiffshebwerkwerk Niederfinow Nord wird den Vrgänger ab 2025 ersetzen. Das alte Hebewerk erhielt 2007 als erstes Bauwerk die Auszeichnung „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“, die die Bundesingenieurskammer vergibt.

Stolper Turm

Burg Stolpe

Der Radweg führt vorbei an der Turmburg Stolpe (12 Jh.). Der wohl von Dänen errichtete Rundturm ist mit 18 m Durchmesser einer der mächtigsten in Deutschland und wird „Grützpott“ genannt. Wenn man vom Turm der Burg Stolpe nach Westen schaut, blickt man über das BiosphärenReservat Schorfheide Chorin.

Klosterkirche Chorin 32

Zisterzienserkloster Chorin

Wenn man sich einen Abstecher zum Grumsiner Forst entscheidet, bietet es sich an, eines der bedeutendsten Klöster Ostdeutschlands zu besuchen. Kloster Chorin, eine 1258 gegründete Zisterzienserabtei, bezeichnete Dehio als das „bedeutendste und edelste Werk der Frühgotik im Gebiet des norddeutschen Ziegelbaus“. Der Architekt Schinkel ließ die zur Ruine verfallene Anlage ab 1817 sanieren und der Landschaftsarchitekt Lenné entwarf den Park um das Kloster.

UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin bei Barnim-Buckow.

UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Das 1291 km² große Bisophärenreservat liegt nordöstlich von Berlin und reicht bis zum Oder-Neiße-Radweg. Die Schorfheide ist keine Heidelandschaft, sondern ein Waldgebiet, das über Jahrhunderte als Jagdrevier diente und wenig besiedelt ist. Jagdschloss Hubertusstock (1847-49) war offizielle Jagdresidenz in der Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Ab 1933 ließ der Nazi-Politiker Hermann Göring, der auch Reichsjägermeister war, Landsitz Carinhall errichten und die Heckrindzucht fördern. Erich Honecker (Staatschef der DDR) baute Jagdhaus Wildfang. Ein Teil des Biosphrenreservats zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe: der Grumsiner Forst. (Webseite: Bisophärenreservat Schorfheide-Chorin)

Weltnaturerbe Grumsiner Forst

Buchenwald im UNESCO-Weltkulturerbe Grumsiner Forst.

Der Grumsiner Forst ist Teil des Weltnaturerbes Alte Buchenwälder Deutschlands. In dem rund 590 Hektar großen Buchenwald mit vier kleinen Seen leben seltene Tiere (Schreiadler, Schwarzstorch) und Pflanzen. Der Drachenwurz (wegen der Blattform auch „Schweinsohr“ genannt) siedelt in den versumpften Waldflächen. 

SCHWEDT: Vierradener Platz mit Tabakbrunnen und Stadtmühle (Seifenfabrik) - panoramio

Schwedt

Im Zentrum liegt der Vierradener Platz mit Amtsgericht und Mariä-Himmelfahrt-Kirche (1895-98). Der Tabakbrunnen erinnert an die Tabakkultur. Das Eckhaus ist die Stadtmühle und ehemalige Hahnsche Seifenfabrik. Zu den Sehenswürdigkeiten in Schwedt zählen der Berlischky-Pavillon (1777; ehemalige Hugenottenkirche), Ermelerspeicher (1836, heute Stadtbibiothek), Juliusturm (1909) und Mikwe (1868). An der Stelle des Theaters im Hugenottenpark stand das Schwedter Schloss. Im Schwedter Wasserturm (1911) ist ein Hotel untergebracht. 

Tabakmuseum in Vierraden.

Wildnisschule Teerofenbrücke

Die Wildnisschule Teerofenbrücke bietet Schulklassen und Familien, aber auch Radfahrern Informationen und Übernachtungsmöglichkeiten (Webseite: https://www.wildnisschule-teerofenbruecke.de). Nach Schwedt hat man die Wahl:

  • Geradeaus führt der Radweg am Ostufer der Welse vorbei an der Papierfabrik Leipa-Werk.
  • Westlich kommt man nach Vierraden. Ein alter Tabakspeicher beherbergt das Tabakmuseum; siehe Foto.). Die Uckermark war eines der größten Tabakanbaugebiete Deutschlands und Schweidt (30.000 Einw.) das Zentrum der Tabakverarbeitung. Westlich von Vierraden liegt das riesige Areal der PCK-Raffinerie.
Heckrinder NP Unteres Odertal 24.07.11

Nationalpark "Unteres Odertal"

Die Tour führt durch den 103 km² großen Nationalpark „Unteres Odertal“, der sich am Oderufer entlangzieht. Die Fluß-Auenlandschaft dient als Polder und schützt somit Stettin vor Hochwasser. Im Winterhalbjahr sind die Wiesen geflutet und dienen Zugvögeln als Rastplatz, z. B. Kraniche, Singschwäne, Weiß- und die seltenen Schwarzstörche. Im Sommer grasen auf den trockenen Wiesen Heckrinder, die dem Auerochsen ähneln. Sie entstanden durch Rückzüchtung und wurden 1938 ausgesetzt. (Webseite: Nationalpark Unteres Odertal)

Gartz (Oder) - przystań na Odrze Zachodniej - panoramio

Gartz

Nächste Station ist das locker bebaute Städtchen Gartz (Oder) (2.600 Einw.). Die Stadtbefestigung (Stettiner Tor, 13. Jh.) ist gut erhalten. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die zwei gotischen Kirchen und die Scheunenstraße.

Von Gartz geht es weiter – entweder über Penkun (1.800 Einw., Schloss) oder (kürzer) über Storkow mit einer der größten Windmühlen Deutschlands (Wiederaufbau 1902). Nördlich von Gartz verlässt der Oder-Neiße-Radweg die Oder und folgt dem schmalen Streifen zwischen Randowtal und deutsch-polnischer Grenze. Die Randow durchfließt den Löcknitzer See.

Löcknitz-Burg-(Osten)

Löcknitz

Wahrzeichen der Kleinstadt Löcknitz (3.200 Einw.) ist die Ruine der Burg Löcknitz (13. Jh.) mit achteckigem Bergfried aus Backstein. Sehenswert ist der Löcknitzer See (44 ha), an dessen Ufer man übernachten kann – auf dem Campingplatz „Waldblick“ oder im Hotel „Haus am See“. Vorbei am Ahlbecker Seegrund und durch ausgedehnte Wälder erreicht man Rieth, wo der deutsche Teil des Stettiner Haffs beginnt.

Stettiner Haff. Zalew-szczecinski

Stettiner Haff

Das Stettiner Haff ist mit rund 700 km² Fläche die zweitgrößte Lagune der Ostsee. Der westliche Teil heißt „Oderhaff“ (277 km²), der östliche „Großes Haff“ (410 km²). Die deutsch-polnische Staatsgrenze verläuft im Osten des Oderhaffs. Das Stettiner Haff ist flach: Die tiefste Stelle liegt 11 m unter dem Meeresspiegel. Auf der polnischen Schwesterinsel Usedoms, der Insel Wolin, liegt der Nationalpark Wolin (109 km²) mit einem 15 km langen, fast 100 m hohen Kliff. Am Ufer des Stettiner Haffs führt der Radweg bis Ueckermünde.

Ueckermünde, Strand

Ueckermünde

Der rund 800 m lange Sandstrand im Seebad Ueckermünde ist im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Marienkirche (1766), der Tierpark sowie Schloss Ueckermünde (1546), in dem sich das Haffmuseum befindet.

Fuchsberg im Naturpark am Stettiner Haff

Naturpark am Stettiner Haff

Der „Naturpark am Stettiner Haff“ ist geprägt durch hügelige Endmoränen (Brohmer Berge, max. 153 m) mit Wäldern (z. B. Ueckermünder Heide) und Niederungsmooren (z. B. Friedländer Große Wiese). 2005 stellte man das 538 km² große Gebiet um Ueckermünde unter besonderen Schutz. Der Hauptfluß des Naturparks heißt in Mecklenburg „Uecker“, im südlichen Brandenburg „Ucker“. (Die Uckermark umgibt die Stadt Prenzlau.)

Anklam Nikolaikirche (Baudenkmal Nr. 113)

Anklam

Die Altstadt Anklam wurde im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen. Wiederaufgebaut hat man u. a. die Marienkirche (13. Jh.) und das Rathaus am Marktplatz. In der entweihten Nikolaikirche (13. Jh.) sind die bunten Lilienthal-Chorfenster beachtenswert. Sie erinnern an den Luftfahrtpionier Otto Lilienthal. Von der Stadtbefestigung haben sich Pulverturm und der große Steintorturm (um 1250) erhalten. Das Museum im Steintor zeigt u. a. den wertvollen Anklamer Münzschatz.

NSG Peenetal Abends an der Peene bei Anklam

Peenetalmoor und Altes Lager

Nordwestlich von Anklam, an der Stelle des Flächendenkmals Altes Lager (Menzlin), befand sich eine der größten Wikingersiedlungen des 9. und 10 Jahrhunderts. Die ca. 18 ha große Siedlung lag an einer Peenebrücke, über die ein Fernhandelsweg führte. Erhalten haben sich eine gepflasterte Steinstraße und Schiffssetzungen (Steinkreise). Das Peenetalmoor ist z. T. fast neun Meter dick und Rückzugsgebiet des vom Aussterben bedrohten Seggenrohrsängers. 

Karniner Brücke (Eisenbahnhubbrücke Karnin) auf Usedom, Lift bridge Karnin

Usedom-Stadt

Die Stadt Usedom (1750 Einw.) gab der Insel ihren Namen. Man passiert die  St.-Marien-Kirche (1475, 1891-93 erneuert) und das Anklamer Tor (um 1450). Der Oder-Neiße-Radweg führt vom Festland nach Usedom

  • oder per Fähre an der Eisenbahn-Hubbrücke Karnin („Karniner Brücke„). Sie wurde 1933 vollendet und 1945 zerstört. Diese Route ist kürzer und führt an Anklam vorbei.
  • entweder im Norden von Anklam über die Klappbrücke Zecherin.
Thurbruch Ulrichshorst Betonplattenweg

Insel Usedom

Die Insel ist 445 km² groß; auf 373 km² leben rund 32.000 Deutsche, auf 72 km² im Südzipfel um Swinemünde rund 40.000 Polen. Peenemünde im Norden ist bekannt als „Wiege der Raumfahrt“, da in der Heresversuchsanstalt Raketen getestet wurden, die die Atmosphäre der Erde verließen. Nach dem Flughafen Heringsdorf biegt der Radweg nach Norden ab Richtung Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Am Radweg liegen Zirowberg (56 m), Wolgastsee und das Niedermoorgebiet Thurbruch (16 km²) mit dem flachen Gothensee (1, 25 m mittlere Tiefe). Das Windschöpfwerk Kachlin (1920) steht unter Denkmalschutz. 

Seebrücke Ahlbeck auf der Insel Usedom

Seebrücke Ahlbeck

Endpunkt des Oder-Neiße-Radwegs ist Seebad Ahlbeck auf der Insel Usedom. Zu den Sehenswürdigkeiten in Ahlbeck zählt neben den Strandhotels und Villen die Seebrücke Ahlbeck, die älteste ihrer Art in Deutschland (erbaut 1899). Zusammen mit Heringsdorf und Bansin hat sich Ahlbeck selbst zum „Kaiserbad“ ernannt. Kaiserwetter herrscht oft: Usedom ist mit rund 1900 Sonnenstunden pro Jahr die sonnenreichste Region Deutschlands.

Anreise zum Oder-Neiße-Radweg ab Frankfurt

  • ICE-Bahnhof: Pasewalk, Prenzlau, Angermünde, Eberswalde, Berlin, Dresden
  • IC-Bahnhof: Frankfurt (Oder), Cottbus
  • Anschließende Radfernwege:
    • D-Route 2 (Ostseeküstenroute)
    • D-Route 3 (Europaradweg R1)
    • D-Route 4 (Mittelland-Route)
  • Flughafen: Berlin, Dresden