Oberes Mittelrheintal

Der Rhein zwischen Bingen und Koblenz

Bacharach (St. Peter, Wernerkapelle) from the Postenturm

Das Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“ ist der südliche Teil des Mittelrheins. Er reicht von Bingen und Rüdesheim im Süden bis Koblenz im Norden, wo der Untere Mittelrhein sich anschließt.

Zwei Welterbetouren führen durch das Obere Mittelrheintal:

  • Welterbetour Oberes Mittelrheintal (1) führt auf dem linken Rheinufer (Westseite) von Bingen bis Koblenz.
  • Welterbetour Oberes Mittelrheintal (2) führt von Rüdesheim auf dem rechten Rheinufer (Ostseite) zur Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz.

Die Welterbetouren sind miteinander kombinierbar: Man fährt ein Stück auf dem linken Ufer, wechselt per Fähre auf das rechte Ufer und bummelt am Rheinufer entlang. 

Jetzt wird Welterbetour 1 vorgestellt. 

Bingen

Bingen im Oberen Mittelrheintal mit Binger Loch

Das Foto zeigt Bingen mit Blick aus dem Mittelrheintal nach Süden in den Rheingau. Links am Hang steht die Burgruine Ehrenfels, die als Zollstation diente. Aus dem Rhein ragen mehrere Felsen, auf der bewaldeten Insel steht der Mäuseturm (14. Jh.; verdeckt). Man erkennt die Nahe-Mündung, am rechten Bildrand die Basilika St. Martin (11 Jh.). Das Welterbegebiet zieht sich im Nahetal bis zur Drususbrücke (11. Jh.) die zu den ältesten Brücken Deutschlands zählt. Auf dem grünen Hügel steht Burg Klopp (1282 erstmals erwähnt). Der bewaldete Hang im Hintergrund endet am Rochusberg mit der Rochuskapelle (1893-95), von der man einen guten Ausblick über die rebenbedeckten Hänge des Rheingaus aus.

Zu den Sehenswürdigkeiten in Bingen zählen u.a. der alte Rheinkran  von 1487 (erneuert 1787) und Parkanlagen am Rheinufer. In Bingerbrück leitete Hildegard von Bingen ein Kloster an der Stelle von St. Ruprecht und St. Hildegard.

Drususbrücke

Bingen Drususbrücke 2015

Burg Klopp

Bingen Burg Klopp Eingangsbrücke und Tor

Rochuskapelle

Bingen Rhein Rochuskapelle 2009 4

Bacharach

Weinhaus

Bacharach ist ein malerisches Weinstädtchen mit Fachwerkhäusern, die sich um die romanische St. Peter-Kirche scharren. Der Ortsname erinnert an den römischen Weingott Bachus, dem hier ein Altar geweiht war (Bacchi ara). Zu den Sehenswürdigkeiten zählen das Alte Haus mit Ecktürmchen (1568), die neun Türme der Stadtmauer (1344-1400) und, am Hang des Burgbergs, die Ruine der gotischen Wernerkapelle. Der Zentralbau wurde kurz nach 1287 begonnen, aber erst 1426 vollendet. Die Kapelle gilt Dehio als „einer der vollendetsten und edelsten Schöpfungen der rheinischen Gotik“ (S. 40). 1689 beschädigt, riss man nach 1752 den Nordwestteil ab. Oberhalb der Stadt thront Burg Stahleck. Sie beherbergt seit 1926 eine Jugendherberge; die Zimmer im runden Bergfried sind nach Minnesängern benannt. (Nicht zu verwechseln mit Burgruine Stahlberg; sie steht westlich von Bacharach im Münzbachtal.)

Wernerkapelle

BacharachWernerkapelle2009

Burg Stahleck

Burg Stahleck Pano 7077-80

Oberwesel

Oberwesel vom Günderodehaus aus gesehen

Eine Reise wert ist Oberwesel mit der Schönburg. Zum einen wegen der Stadtbefestigung, die zu den am besten erhaltenen des Rheintals zählt: Von den 21 Türmen der Stadtmauer stehen noch 16, darunter der Ochsenturm direkt am Rhein. Zum anderen wegen der Kirchen: Der Glockenturm von St. Martin (14. Jh.) wurde um 1435 zu einem Wehrturm umgebaut. Die Mutter-Rosa-Kapelle (14. Jh., früher „Wernerkapelle“) steht quer über einer Straße und der Stadtmauer. Die rot verputzte Liebfrauenkirche wurde 1308-51 erbaut und besitzt mit dem „Goldaltar“ (1330-40) einen der wertvollsten Hochaltäre Deutschlands.

Liebfrauenkirche

Oberwesel, Liebfrauenkirche

Goldaltar

Goldaltar in der Liebfrauenkirche in Oberwesel, Mittelteil

St. Goar

Blick vom östlichen Rheinufer nach Westen auf Sankt Goar im Welterbe Oberes MIttelrheintal

Der Ort ist benannt nach einem Einsiedler Goar (ca. 495-575), der dort in einer Höhle lebte. Wegen seiner Gastfreundschaft für die Rheinschiffer verehrten ihn Gastwirte und Schiffer als ihren Schutzheiligen. Über der Höhle errichtete man die Stiftskirche St. Goar, ein architektonisches Kleinod. Sehenswert sind die spätgotischen Wandmalereien (Ende 15. Jh.) und die romanische Krypta, für Dehio „die schönste am Rhein zwischen Köln … und Speyer.“ (S. 772)

Burg Rheinfels

St. Goar - Burg und Schlosshotel Rheinfels - panoramio (1)

Eine der größten Burgruinen am Rhein erstreckt sich oberhalb von St. Goar. Graf Diether von Katzenelnbogen ließ 1245 Burg Rheinfels errichten, seine Nachfolge bauten sie zur Festung aus. Wie die Burg im Jahr 1607 aussah, zeigt die Darstellung von Wilhelm Dillich (im Original in Farbe):

BurgRheinfels1607

Burg Rheinfels besaß bis zur Sprengung 1797 den höchsten Bergfried Deutschlands. 1692 widerstand die Festung einer einjährigen Belagerung durch rund 28.000 Franzosen und verhinderte so die Zerstörung der nördlich gelegenen Burgen. Nur ein Drittel der Anlage ist erhalten, aber selbst dieser Rest ist immer noch von beeindruckender Größe. Die Minengänge kann man im Rahmen von Führungen besichtigen. Webseite: www.st-goar.de/de/burgruine-rheinfels)

Boppard

Boppard Markt, Brunnen, Rathaus und St. Severus

An der größten Rheinschleife liegt die Stadt Boppard. Die Römer erbauten hier im 4. Jh. n. Chr. ein Kastell auf einer rechteckigen Fläche von 308 m mal 154 m, verstärkt durch 28 Türme. Kastell Boppard, um- und überbaut von den Häusern der Altstadt, ist eines der besterhaltenen in Deutschland. Aus dem Mittelalter stammen die Kurfürstliche Burg, Teile der Stadtmauer und die romanische St.-Severus-Kirche (12./13. Jh.) sowie mehrere Klöster aus verschiedenen Jahrhunderten. Das Foto zeigt den Marktplatz mit St. Severus.

Rhens

Brey und Rhens am Rhein

Nach der Rheinschleife weitet sich das Rheintal: Statt steiler Felsen eine gewellte Hügellandschaft. Das Foto zeigt links Brey, rechts das malerische Rhens mit Stadtmauer und  Fachwerkhäusern. In einem Nussbaumgarten am Rheinufer bei Rhens stand der Königsstuhl: Eine Treppe führte auf eine achteckige Plattform, die einen überdimensionierten Thron darstellen soll. Dort trafen sich im Jahr 1338 die sieben Kurfürsten des Reiches. Dieser „Kurverein zu Rhens“ beschloss, sich vom Papst zu emanzipieren: Fortan sei für ihre Königswahl die päpstliche Zustimmung nicht mehr nötig. Die Überreste des Königsstuhls wurden 1806 niedergelegt. 1842 baute man ihn verändert wieder auf und versetzte ihn 1929 an die heutige Stelle.

Altes Rathaus in Rhens

Altes Rathaus Rhens. zweistöckiger Fachwerkbau mit Zwerchaus und Dachreiter

Burg Stolzenfels

Schloss Stolzenfels 01 Koblenz 2015

Der Erzbischof von Trier ließ die Burg um 1250 gegenüber der Lahnmündung errichten. 1689 wurde sie zerstört. Die Ruine schenkte man dem preußischen König Friedrich WiIlhelm IV., der sie ab 1836 wieder aufbauen ließ. Beteiligt waren Baumeister aus Koblenz sowie die Architekten Schinkel, Stüler und Persius. Die Innenräume besitzen eine sehr gut erhaltene Ausstattung des 19. Jahrhunderts, darunter Malereien, Glasfenster, Möbel sowie eine Waffen- und Glassammlung. Webseite: www.schloss-stolzenfels.de

Koblenz

Altstadt Koblenz

In der Altstadt sind die romanischen Kirchen St. Florin (um 1100), Liebfrauenkirche (ca. 1180 – 1230), St. Kastor (1208 geweiht) sehenswert. Der ehemalige Rheinkran (1609-11) wurde nach Plänen von Peter Werner und Johann Pasqualini errichtet und heißt heute „Pegelhaus“. 

Deutsches Eck

Koblenz Deutsches Eck mit Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Am Deutschen Eck, überragt vom Kaiser-Wilhelm-Denkmal, mündet die Mosel in den Rhein. Namensgeber war der Deutsche Orden, der dort eine Niederlassung besaß.

Alte Burg

Koblenz im Buga-Jahr 2011 - Alte Burg 01

Die Balduinbrücke (14. Jh.) führt über die Mosel, an deren Südufer die Alte Burg (13. Jh.) und der Bürresheimer Hof (1660) stehen. Von den Adelshöfen haben sich das Krämerzunfthaus und das Dreikönigenhaus (1701) erhalten.

Kurfürstliches Schloss

Koblenz im Buga-Jahr 2011 - Kurfürstliches Schloss 09

Das kurfürstliches Schloss (1777-93, Michel d’Ixnard) war als Residenz des Erzbischofs von Trier geplant. Während der Bauphase brach die Französische Revolution (1789) aus und der Bischof musste fliehen. Die frühklassizistische Dreiflügelanlage wurde nach Kriegszerstörung 1944 wieder aufgebaut.

Rheinanlagen

Koblenz im Buga-Jahr 2011 - Rheinanlagen 21

Das Konrad-Adenauer-Ufer ist eine Uferpromenade, die sich zwischen Deutschem Eck (im Norden) und dem Kurfürstlichen Schloss im Süden erstreckt. Von dort führt die Kaiserin-Augusta-Anlagen (Foto) zwei Kilometer weiter nach Süden, wo sie am Schwanteich endet. Ein großer Park liegt auf der anderen Rheinseite nördlich der Festung Ehrenbreitstein. Die Seilbahn Koblenz führt über den Rhein direkt dorthin. (Webseite Seilbahn-Koblenz)