Oberes Mittelrheintal

Von Rüdesheim nach Koblenz (rechtsrheinisch)

Burg Pfalzgrafenstein und Gutenfels bei Kaub im Hintergrund (UNESCO Welterbe Mittelrheintal) (10940779845)

Das UNSCO-Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“  reicht von Bingen und Rüdesheim im Süden bis Koblenz im Norden. Dort folgt der Untere Mittelrhein, der bis etwa Bonn reicht. Das Welterbe-Gebiet umfasst:

  • den Fluß Rhein,
  • das linke Rheinufer zwischen Bingen und Koblenz,
  • das rechte Rheinufer zwischen Rüdesheim und Festung Ehrenbreitstein (bei Koblenz).

Das Welterbe liegt im Bundesland Rheinland-Pfalz – mit Ausnahme des südöstlichen Zipfels von Rüdesheim bis Lorch, der in Hessen liegt.

Nun wird das rechte Rheinufer zwischen Rüdesheim und der Festung Ehrenbreitstein (Koblenz) vorgestellt.

Rüdesheim

Rüdesheim Rhein

Zu den Sehenswürdigkeiten auf der hessischen Rheinseite zählt der Weinort Rüdesheim. Tourist*Innen quetschen sich durch die enge Drosselgasse; sehenswert sind die Brömserburg (Rheingaumuseum), die Adelshöfe und der Adlerturm.  In der Wallfahrtskirche St. Hildegard ruhen die Reliquien der Heiligen Hildegard von Bingen, die in dem ehemaligen Kloster lebte.

2018 Niederwalddenkmal symmetric ks01

Durch ein grünes Weinrebenmeer führt eine Seilbahn hinauf zum Niederwalddenkmal (1877-83). An die Gründung des Deutschen Reichs 1871 erinnert die 10,55 m hohe Germania.

Lorch

Hilchenhaus und St. Martin in Lorch am Rhein.

Bei Lorch mündete der Kaufmannsweg in das Rheintal. Vom alten Wohlstand zeugt das Hilchenhaus (1546-73), „einer der schönsten Adelssitze des Mittelrheins“ (Dehio, S. 544) im Stil der Renaissance – an dem die Züge vorbeirauschen (Auf dem Foto links unten ist das Kiesbett zu erkennen.).

Von der Stadtbefestigung haben sich zwei Rundtürme erhalten (Hexenturm und Strunk).

Lorch Rhg. St. Martin Hauptschiff Chor

Sehenswert ist der 15,2 m hohe Hochaltar (1483) in der gotischen Pfarrkirche St. Martin. Er gilt als größter und erster monochromer Schnitzaltar Deutschlands. Die Kirche wurde Ende des 13. Jahrhunderts errichtet. 1398 erweiterte man die Kirche um ein nördliches Seitenschiff (sog. „Presbergerschiff“). Oberhalb der Kirche steht die Ruine von Burg Nollig, die aber nicht viel mehr ist als ein dreigeschossiger Fachwerkturm (14. Jh.), den man nachträglich mit einer starken Mauer umgeben hat.

UTA-Lagerstrasse1

Am Rhein gibt es nicht nur mittelalterliche Militäranlagen, sondern auch solche der Neuzeit. Ein Beispiel ist die Untertageanlage Lorch-Wispertal. 1962-74 baute die Bundeswehr ein unterirdisches Geräte- und Sanitätsdepot in den Fels unter dem Ranselberg. Von dem zwei Kilometer langen Hauptstollen, der mit LKW befahrbar ist, zweigen Seitenstollen ab (Siehe Foto.). Die gesamte Weglänge beträgt rund 10 Kilometer. Die Anlage ist geschlossen. (Webseite: www.brandschutz-berg.de/BW-Feuerwehr)

Kaub - die kleinste Stadt in Rheinland-Pfalz

Kaub (UNESCO-Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal

Mit 850 Einwohner*Innen ist Kaub die kleinste Stadt in Rheinland-Pfalz. Die Stadt erstreckt sich als schmales Band am Rheinufer. (Das Foto am Seiten-Anfang zeigt Kaub mit den Burgen Pfalzgrafenstein und Kaub.)

Wie ein steinernes Schiff liegt die Zollstation Pfalzgrafenstein im Rhein. Den felsigen Untergrund der Insel Falkenau nutzte man 1326-27 für den Bau des fünfeckigen Turms. Ab 1338 umgab man ihn mit einer Mauer, die an der Südspitze mit einem Eisbrecher verstärkt ist.

Wilhelm Camphausen, Blüchers Rheinübergang bei Kaub

Rheinüberquerung

Das Blücherdenkmal am Ufer erinnert an die Rheinüberquerung in der Neujahrsnacht 1813-14. Russische Pioniere bauten Pontonbrücken, damit Blüchers Truppen Napoleons Heer auf den Fersen bleiben konnten. An den Rheinübergang erinnert auch das Blüchermuseum (Metzgergasse 6, Kaub am Rhein).

 

Kaub, Dicker Turm

Schieferbergbau

In Kaub baute man in mehreren Stollen über Jahrhunderte den Schiefer ab, mit dem die Dächer im Rheintal bedeckt sind. Das Foto zeigt den Dicken Turm, der direkt am Rhein steht. Das Fachwerkhaus rechts des Turms ist das Spalthaus des Wilhelm-Erbstollens. Dort hat man den Schiefer in dünnen Platten gespalten, dann in einem Aufzug im Dicken Turm hochgefördert und durch einen Tunnel unter den Bahngleisen zum Ufer gebracht. Zum Grubenkomplex zählen (rechts außerhalb des Bildes) das Zechen-, das Stollenhaus und das Neue Mahlwerk.

Burg Gutenfels bei Kaub.

Burg Gutenfels

Oberhalb von Kaub liegt Burg Gutenfels, um 1220 erbaut und nach Beschädigungen 1889-92 teilweise wiederaufgebaut. In der gut erhaltenen Anlage war bis 2006 ein Hotel untergebracht. Vom Tal nicht erkennbar ist die Regelmäßigkeit der Kernburg:

Luthmer V - 67 - Kaub Burg Gutenfels Grundriss

Auf quadratischem Grundriss (21,1 m x 21,6 m) errichtete man vier parallele Mauern für Palas und Rüstbau, getrennt durch den Burghof. In dessen Verlängerung, an der Angriffsseite, erhebt sich der ca. 35 Meter hohe Bergfried, ebenfalls auf quadratischer Grundfläche.

Burg Katz und Burg Maus

Loreley blick gipfel ds wv 06 2008

Oberhalb von Wellmich, einem Ortsteil von St. Goarshausen, ließen die Trierer Erzbischöfen 1353-88 die Burg St. Peterseck errichten (Foro unten links). Sie war für damalige Verhältnisse sehr modern; die Wohnräume waren beheizbar und es gab einen Abortturm. Einige Jahre nach Baubeginn zogen die Grafen von Katzenelnbogen nach und ließen stromabwärts um 1371 die Burg Neukatzenelnbogen bauen (Foto unten rechts). Seit 1719 sind die Namen „Burg Katz“ und „Burg Maus“ überliefert. Beide Burgen sind recht gut erhalten, Burg Katz in rekonstruierter Form (1896-97).

Burg Maus
2016 Burg Katz

Kamp-Bornhofen

Kloster Kamp-Bornhofen, interieur Mariakerk

Wallfahrtskloster Bornhofen

Beachtenswert ist die zweischiffe Hallenkirche mit den achteckigen Pfeilern in der Raummitte (1435 vollendet). 1680-84 erbaute man das Kloster, da sich die Kirche wegen eines Marienbild zu einem Wallfahrtsort entwickelt hatte. Bis heute ist die Kirche Ziel von Schiffswallfahrten (und Wallfahrten zu Fuß). Webseite www.wallfahrtskloster-bornhofen.de

Der Rhein diente über Jahrhunderte der Flösserei und bis in die Gegenwart der Schifffahrt. Darüber informiert das Flösser- und Schiffermuseum in Kamp. Denkmalgeschützt in Kamp sind die Klause Kamp (ehemaliges Nonnenkloster; heute Hotel-Restaurant) und mehrere Adelshöfe und Fachwerkhäuser. Oberhalb von Kamp-Bornhofen wurden zwei Burgen errichtet: 

Burg Sterrenberg und Liebenstein. Die feindlichen Brüder

Burg Sterrenberg im Herbst
Burg Liebenstein

Burg Sterrenberg wurde um 1190 erwähnt, aus dieser Zeit haben sich Bergfried und innere Schildmauer erhalten. Im 14. Jahrhundert ließ der Bischof von Trier eine zweite Schildmauer errichten. Wenig später verlor Sterrenberg aber an Bedeutung, da der Bischof  eine modernere Burg erbauen ließ: Burg Maus. Sterrenberg verfiel. Ab 1970 baute man das Frauenhaus (rechts vom Bergfried), 1972 das Restaurantgebäude (links) wieder auf; außerdem verputzte man den Bergfried weiß. Webseite: www.burg-sterrenberg.com.

Burg Liebenstein war zunächst die Vorburg von Sterrenberg, die Albrecht von Löwenstein ab 1284 zu einer eigenständigen Burg ausbauen ließ. Seit dem 16. Jahrhundert war Liebenstein unbewohnt und verfiel; wurde aber im 17. Jahrhundert teilweise ausgebaut. Inzwischen befinden sich ein Restaurant und Hotel in den Gemäuern. (Webseite: www.burg-liebenstein.de)

In dem Gedicht „Die Feindlichen Brüder“ gibt Heinrich Heine eine Sage wieder, die sich um die zwei Burgen rankt. Seine Version endet mit dem Tod der Brüder, es gibt aber auch eine Version mit Happy-End (Siehe Link.).

Luthmer V - 156 - Sterrenberg und Liebenstein Längsschnitt und Grundriss

Der Grundriss zeigt die Nähe beider Burgen: Links die ältere Burg Sterrenberg mit den zwei Schildmauern; rechts Burg Liebenstein. Wie beide Burgen wohl im Mittelalter aussahen, zeigt Wolfgang Brauns Rekonstruktionszeichnung von Burg Sterrenberg und Liebenstein.

Braubach

Braubach ist ein malerisches Fachwerkstädtchen mit Resten der Stadtmauer (Obertor, Turm von St. Barbara (13. Jh.)). Außerhalb der Altstadt liegen die Dinkholder Mühle (1675)  Südlich der Altstadt, direkt am Rheinufer, steht Schloss Philippsburg (1568-71, Anton Dauer). Es handelt sich um ein frühes Beispiel des Renaissanceschlossbaus. Schloss Philippsburg beherbergt heute das Europäische Burgeninstitut. Noch weiter südlich steht die Friedhofskapelle St. Martin (12. Jh.).

Braubach – Fachwerkviertel - panoramio
Schloss Philippsburg bei Braubach

Marksburg bei Braubach

Braubach – Die Marksburg wurde erstmals um 1200-1300 erwähnt - panoramio

Die Marksburg oberhalb von Braubach ist die einzige Höhenburg am Mittelrhein, die niemals erobert und zerstört wurde. Der Bergfried wurde ab 1237 errichtet und 1468 erhöht um ein viertes Geschoss und den Rundturm. Die Wohnbauten wurden ab dem 13. Jahrhundert erbaut und umgebaut; die ältesten Bauteile sind der Kapellenturm und der Nordbau (13. Jh.). Heute ist die Marksburg Sitz der Deutschen Burgenvereinigung, ein Verein für Burgenbesitzer*innen. Der Burggarten ist eine der Stationen der „Route der Welterbe-Gärten“, zu der Parks und Gärten im Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal gehören. (Webseite: www.marksburg.de)

Marksburg Braubach 20190423 015
Burggarten der Marksburg bei Braubach
Luthmer V - 55 - Braubach Marksburg Grundriss

Der Grundriss der Marksburg zeigt die mittelalterliche Kernburg mit Bergfried und Wohnbauten. Sie ist umgeben von einer inneren Mauer ohne Türme (Geißenzwinger), einer zweiten Mauer mit halbrunden Geschützturmen (Rheinzwinger). An der Süd- und Ostseite baute man im 17. Jahrhundert bastionartige Erweiterungen (Scharfes Eck, Pulvereck und die Poterne).

Lahnstein

Rechtsrheinisch, an der Lahnmündung, liegt Lahnstein. Rheinaufwärts liegt das ehemals kurmainzische Oberlahnstein mit Burg Lahneck auf dem Berg (unten rechts) und Martinsburg am Rhein, rheinabwärts das kurtrierische Niederlahnstein. Im malerischen Wirtshaus an der Lahn (1694) übernachtete 1774 Goethe. Die am Rheinufer stehende Johanniskirche (1130-36) gilt als älteste Emporenkirche am Rhein.

Johanniskirche Lahnstein 2011
Schloss Martinsburg Lahnstein
Burg Lahneck bei Lahnstein

Ehrenbreitstein

00 6087 Koblenz - Festung Ehrenbreitstein

Gegenüber der Altstadt thront auf hohem Felsen die Festung Ehrenbreitstein. Um 1100 erbaute man eine kurtrierische Burg, die in den folgenden Jahrhunderten zur Festung ausbaute (Grundriss). Kaum war das Rheinland 1815 an Preußen gefallen, brachten die Baumeister von Rauch und von Aster 1815-32 die Festung auf den neuesten Stand: statt barocker Erdwälle mehrstöckige Kasematten mit hoher Feuerkraft. Die 27 ha große Ebene im Norden der Festung wurde anlässlich der Bundesgartenschau 2011 zu einem Park gestaltet. Webseite der Festung Ehrenbreitstein.

Festung Ehrenbreitstein 043

Das Foto (Zum Vergrößern auf Bild klicken.) zeigt die Lage der Festung Ehrenbreitstein: Links – am westlichen Rheinufer – die Spitze des Deutschen Ecks mit der Moselmündung. Die Seilbahn Koblenz führt von der Festung Ehrenbreitstein auf dem rechten Rheinufer hinab zur Stadt Koblenz auf dem linken Ufer. (Webseite Seilbahn-Koblenz)

Nördlich von Koblenz endet das UNESCO-Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal.“